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17. April 2014

Familie Hakopjan bleibt

Der Jubel kennt keine Grenzen: Die Familie Hakopjan, die am 31. Januar in letzter Minute ihrer Abschiebung nach Armenien entgangen war, darf in Deutschland bleiben.

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Familie Hakopjan in ihrem Wohnzimmer. Foto: Hilltrop/LN-Online

In den frühen Morgenstunden des 31. Januar 2014 steht die Ausländerbehörde mit 15 Polizisten in der Wohnung der Familie Hakopjan in der Gemeinde Nahe nördlich von Hamburg. Die schlafenden Kinder Erik (12), Karen-Alex (11) und Roman (7) werden von der Polizei aus den Betten geholt. Unmissverständlich machen sie deutlich: Die Familie soll sofort das Land verlassen. Die Kleinbusse für den Abtransport zum Flughafen stehen vor dem Haus bereit. Vater Artak wird mit Handschellen gefesselt und in einen der Busse gesetzt, Mutter Karine – lediglich mit einem Nachthemd bekleidet – wird in das zweite Fahrzeug gesetzt. Auf dem Flugfeld kann 20 Minuten vor Abflug der Maschine die Abschiebung vorerst gestoppt werden, dank der Intervention des Anwalts der Familie.

Freunde und Bekannte der Familie reagieren entsetzt auf den Vorfall. Petra Nagel, Lehrerin der drei Hakopjan-Jungs, wendet sich an die Härtefallkommission. Judo-Trainer Michael Mieß, bei dem der elfjährige Karen-Alex trainiert, startet eine Petition: „Keine Abschiebung für 3 in Deutschland geborene Kinder und deren Eltern“. „Die Familie habe ich sehr lieb gewonnen. Als ich von der drohenden Abschiebung gehört habe, hat mir das keine Ruhe gelassen,“ erzählt er. „Sie haben es verdient, zu bleiben.“ Mehr als 10.0000 Menschen aus dem Kreis Segeberg, aus Schleswig-Holstein und darüber hinaus werden die Petition unterzeichnen. Eine Welle der Solidarisierung geht durch die Region.

Die Petition ist mir wichtig, weil der älteste Junge von den 3 Kindern in meine Klasse geht und ich SEHR SEHR traurig wäre wenn er gehen muss. Er gehört einfach zu unserer Klasse. Wir sind keine Klasse sondern so wie eine große Familie. Oder wie ein Puzzle. Würde er gehen, würde ein Puzzleteil fehlen und das Puzzle könnte NIE vollständig werden. Bitte lassen sie die Familie hier bleiben! Jeder einzelne aus der Klasse wäre am Boden zerstört! :'(

(Schülerin aus Norderstedt)

Ich kenne die Familie persönlich. Meine Kinder sind mit Erik und Karen bereits in den Kindergarten gegangen, später in die Grundschule und das Gymnasium(!). Mein Sohn spielt seit Jahren mit Erik Fußball im Verein. Die ganze Familie ist ausgesprochen freundlich und hilfsbereit und ist vollständig in ihr soziales (deutsches) Umfeld integriert. Eine Abschiebung wäre eine Katastrophe! Besonders die Jungs würde man ihrer bisher sehr guten Chancen auf eine gute Ausbildung berauben.

(Unterzeichnerin aus Itzstedt)

 

Mitschüler der drei Jungen organisieren am 13. Februar eine Demonstration mit der Forderung „Familie Hakopjan, hiergeblieben!“. Zur Demonstration lädt Michael Mieß die Unterzeichner/innen seiner Petition mit der Benachrichtigen-Funktion von openPetition ein.

Die Familie Hakopjan lebt seit 13 Jahren in Deutschland. Die drei Söhne wurden in Deutschland geboren. Das jüngste Kind, Roman besucht in Nahe die 1. Klasse und die beiden älteren Jungs Karen-Alex (Klasse 5) und Erik (Klasse 6) besuchen das Lise-Meintner Gymnasium in Norderstedt. Ihre Muttersprache ist Deutsch, auf Armenisch können Sie nicht kommunizieren. „Eine Abschiebung in ein Land, dessen Sprache man nicht beherrscht, ist für mich sehr unmenschlich,“ sagt Michael Mieß. Die Kinder sind in Sportvereinen aktiv und einem Sohn wird sogar der Musikunterricht ermöglicht. Der Vater war bis vor vier Jahren als Koch in Itzstedt berufstätig. Dann wurde ihm von heute auf morgen die Arbeitserlaubnis entzogen. Der Eigentümer der Gastronomie würde den Vater sehr gern wieder als Koch einstellen.

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Petra Nagel und Michael Mieß bei der Petitionsübergabe in Kiel

Petra Nagel und Michael Mieß überreichen die Petition mit den 10.000 Unterschriften dem Leiter der Abteilung für Ausländer- und Integrationsangelegenheiten und Kommissionsvorsitzenden, Norbert Scharbach und dem Geschäftsführer der Kommissionsstelle, Michael Bestmann. Die Härtefallkommission spricht sich schließlich Anfang April gegenüber Innenminister Andreas Breitner für das Aufenthaltsrecht aus, woraufhin die Ausländerbehörde des Kreises Segeberg die Genehmigung erteilt.

Mit großem Jubel nehmen Nachbarn und die Menschen, die sich für die Familie eingesetzt hatten, die Nachricht auf. Das Telefon steht gar nicht mehr still. Vater Hakopjan freute sich: „Dies ist ein einmaliger Tag in meinem Leben. Vielen Dank allen, die für uns gekämpft haben: die Schule, die Naher, die Itzstedter, danke Deutschland. Jetzt kann ich mir eine Arbeit als Koch suchen.“ Den Eltern Artak und Karine hat die Kommission zwar kein Aufenthaltsrecht gewährt. Doch weil ihre Kinder minderjährig sind, werden auch sie nicht ausgewiesen, sie bleiben geduldet. Der Rechtsanwalt der Familie geht davon aus, dass die Eltern zumindest so lange hier bleiben dürften, wie ihre Kinder minderjährig sind.

 

4 Kommentar(e)
  • Wolfgang Kugler — 29. April 2014 um 08:07

    Es ist hocherfreulich und sensationell, dass auch mal etwas für Christen getan wurde. Überall haben Muslime einen Bonus. Es wäre zu wünschen, dass weiterhin auch die Menschen, die nicht aus islamischen Ländern kommen, den überall privilegierten Muslimen wenigstens gleichgestellt würden. Das war schon mal ein gutes Zeichen und ein Schritt in die richtige Richtung. Danke!

  • Peter Freiberg — 30. April 2014 um 07:24

    Ich finde es wunderbar, dass mit openPetition eine Plattform existiert, die eine basisdemokratische Entscheidungsfindung ermöglicht und fördert. Endlich gibt’s ein Instrument gegen die Ohnmacht des kleinen Mannes gegenüber der gefühlten Allmacht der Institutionen ! Hierin liegt eine der Stärken des Internets und der modernen Kommunikation. Danke an die Macher und an alle Unterstützer und Herzlichen Glückwunsch an Familie Hakopjan.

  • Rußmann Sabine — 1. Mai 2014 um 08:04

    @Wolfgang Kugler
    Hier geht es nicht um Religion.
    Es sollte auch egal sein wenn es ein gleichgeschlechtliches Paar mit Kindern wäre.

  • Michael Schmidt — 1. Mai 2014 um 10:29

    Großartig,daß sich hier der Gedanke von Vernunft und Menschlichkeit durchgesetzt hat. Das ändert aber nichts an der Tatsache,daß sich Die Politik und auch die Medien viel mehr dafür einsetzen müssten,daß diese Menschen erst gar nicht gezwungen werden ihre angestammte Heimat verlassen zu müssen.Wenn sich unsere Massenmedien auf diesem Feld einmal so einig wären wie in der zur Zeit teilweise geradezu grotesken, von unseren amerikanischen „Freunden“, befohlenen Russlandhetze ,dann könnte da viel Leid vermieden werden.
    Michael Schmidt

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