• Beschluss des Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags

    11.09.2017 11:01 Uhr

    Pet 3-18-10-789-027059

    Jagdwesen


    Der Deutsche Bundestag hat die Petition am 16.02.2017 abschließend beraten und
    beschlossen:

    Das Petitionsverfahren abzuschließen, weil dem Anliegen nicht entsprochen werden
    konnte.

    Begründung

    Die Petentin fordert das Verbot der Jagd auf Wildtiere.
    Sie führt aus, dass durch das Jagen von Wildtieren die Natur aus dem Gleichgewicht
    gerate. Die Jagd sei tierschutzwidrig und unethisch. Weiterhin würden die Tiere sich
    durch die „Ausrottungsbedrohung“ stark vermehren.
    Es handelt sich um eine öffentliche Petition, die auf den Internetseiten des
    Deutschen Bundestages veröffentlicht und diskutiert wurde. 459 Mitzeichnende
    haben das Anliegen unterstützt. Der Petitionsausschuss hat im Rahmen seiner
    parlamentarischen Prüfung der Bundesregierung Gelegenheit gegeben, ihre
    Auffassung zu dem Anliegen darzulegen. Die Prüfung des Petitionsausschusses
    hatte das im Folgenden dargestellte Ergebnis:
    Die intensive Nutzung unserer Kulturlandschaft verändert die Lebensräume der
    Wildtiere und beeinflusst ihre natürlichen Verhaltensmuster. Siedlungs- und
    Straßenbau, Industrie, Tourismus und Landbewirtschaftung sind
    Biotopveränderungen, die beispielsweise zu lokalen Wildkonzentrationen führen
    können. Sind Wildarten wie Reh,- Rot- und Schwarzwild von derartigen
    Lebensraumveränderungen betroffen, gefährden überhöhte Wildschäden in Wald
    und Feld die ordnungsgemäße Land- und Forstwirtschaft. Die Bundesregierung hat
    mitgeteilt, dass bei der Verinselung von Brutgebieten die Gefahr besteht, dass
    insbesondere Raubsäuger wie der Fuchs die Bruterfolge verringern und die
    Vogelpopulation ernsthaft in Gefahr bringen. Weiterhin hat die Bundesregierung
    ausgeführt, dass selbst in Nationalparks das Wild nicht der Selbstregulierung
    überlassen werden könne, sondern dass eine Bejagung dort oftmals gerade auch

    deshalb vorgeschrieben und notwendig ist, um den Schutzzweck, wie z. B. die
    Bestandssicherung von Bodenbrütern, erreichen zu können.
    Auch wildernde Katzen und Hunde seien für Wildtiere, insbesondere in der Setz- und
    Brutzeit, eine Gefährdung. Der Naturschutzbund Deutschland e.V. weist darauf hin,
    dass streunende Katzen zum Verschwinden angeschlagener Populationen von
    Bodenbrütern führen können.
    Der Petitionsausschuss stellt fest, dass § 23 Bundesjagdgesetz (BJagdG) im
    Rahmen des Jagdschutzes festschreibt, dass Wild u.a. vor wildernden Hunden und
    Katzen zu schützen ist. Die Länder regeln in eigener Verantwortung, unter welchen
    Voraussetzungen bei Hunden und Katzen von einem Wildern bzw. Streunen
    auszugehen ist.
    Ein grundsätzliches Bejagungsverbot hätte zur Folge, dass die gesetzlich
    verankerten Hegeziele nicht erreicht werden könnten. Hierzu gehören der Erhalt
    eines gesunden, artenreichen Wildbestandes, die Sicherung seiner
    Lebensgrundlagen und die Vermeidung überhöhter Wildschäden. Weiterhin würde
    als Folge eines Jagdverbotes die Gefahr der Verbreitung von Wildseuchen und auf
    den Menschen übertragbare Wildkrankheiten, wie z.B. die Schweinepest und die
    Tollwut, zunehmen. Dies hätte erhebliche wirtschaftliche und gesundheitliche Folgen.
    Die Zahl der Wildunfälle würde zudem ansteigen. Auch die notwendige Bejagung
    invasiver, nicht heimischer Tierarten zur Verhinderung oder Minderung der von ihnen
    verursachten Probleme, wozu die Gefährdung bzw. Verdrängung heimischer Arten
    gehört, wäre nicht möglich.
    Gesetzliche Beschränkungen der Jagd werden tier-, natur- und artenschützerischen
    Aspekten einer nachhaltigen Jagdausübung gerecht. Hierzu gehören das
    Bejagungsverbot in Schonzeiten, der Schutz der Elterntiere, das Verbot bestimmter
    Jagdarten und Fanggeräte wie auch freiwilliger Jagdverzicht und
    Biotophegemaßnahmen der Jägerschaft.
    Der Petitionsausschuss hält es nicht für möglich, ohne regulierende Maßnahmen in
    dicht besiedelten Industrieländern Wildtierpopulationen und die Belange der
    Landwirtschaft, der Forstwirtschaft und des Naturschutzes langfristig in Einklang zu
    bringen. Er empfiehlt daher, das Petitionsverfahren abzuschließen, da dem Anliegen
    nicht entsprochen werden konnte.

    Begründung (PDF)

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