• Beschluss des Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags

    at 09 Feb 2019 02:30

    Pet 1-19-06-228-004745 Sport

    Der Deutsche Bundestag hat die Petition am 29.11.2018 abschließend beraten und
    beschlossen:

    Die Petition
    a) der Bundesregierung – dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat –
    als Material zu überweisen,
    b) den Fraktionen des Deutschen Bundestages zur Kenntnis zu geben.

    Begründung

    Mit der Petition wird gefordert, Sportwettkämpfe mit Video- und Computerspielen
    (E-Sport) als Sport anzuerkennen und die Sportförderprogramme von Bundeswehr,
    Bundespolizei und Zoll hierfür zu öffnen.

    Zur Begründung des Anliegens wird im Wesentlichen ausgeführt, dass es sich beim
    E-Sport um einen virtuellen Wettkampf handele, bei dem zwei Teams mit der jeweils
    gleichen Anzahl an Spielern bzw. E-Sportlern gegeneinander anträten. Hierbei
    benötigten die Teams gut durchdachte Taktiken und Spielzüge wie auch antrainierte
    feinmotorische Fähigkeiten, um sich gegen das konkurrierende Team durchzusetzen.
    Solche Wettkämpfe fänden zumeist über das Internet auf offiziellen professionellen
    Turnieren, aber auch immer mehr in großen Hallen vor Publikum statt.

    Die E-Sport Kultur sei in Deutschland aktuell auf dem Vormarsch und jetzt schon
    stärker integriert, als viele vermuten würden. Das Finale der „League of Legends
    Championship“ habe im Jahr 2014 eine Zuschauerzahl von 11,2 Millionen vor den
    Bildschirmen und 40.000 Zuschauer im Stadion in Süd-Korea gehabt. Als
    Austragungsort des Finales der europäischen Meisterschaft wurde für 2015 Berlin
    ausgewählt. In Süd-Korea sei E-Sport bereits eine Nationalsportart und deutlich
    populärer als Fußball oder Handball.

    Vor diesem Hintergrund soll mit der Petition erreicht werden, E-Sport als Sportart
    anzuerkennen, da die vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) vorgegebenen
    Kriterien erfüllt seien. Das Hauptkriterium, die „körperliche und motorische Aktivität“,
    werde zwar nicht im herkömmlichen Sinne, z. B. in Form des Laufens, erfüllt, jedoch
    gebe es andere motorische Abläufe, die eine körperliche Aktivität darstellten. So
    müssten die Hände beim Spielen Präzisionsbewegungen erfüllen und die notwendige
    Hand-Augen-Koordination sei mit der des Sportschießens gleichzusetzen.

    Ebenso zeitgemäß sei die Anerkennung der Tatsache, dass E-Sport heute ein
    wichtiger Bestandteil der deutschen Jugendkultur sei und damit einen erheblichen
    Einfluss auf das Sozialverhalten habe. Im E-Sport werde Fairness sehr hoch gehalten,
    so dass ein weiterer wesentlicher Punkt aller anerkannten Sportarten erfüllt sei.

    Hinsichtlich der weiteren Einzelheiten zu dem Vorbringen wird auf die eingereichten
    Unterlagen verwiesen.

    Zu der auf der Internetseite des Deutschen Bundestages veröffentlichten Eingabe
    liegen 40 Mitzeichnungen und 40 Diskussionsbeiträge vor. Es wird um Verständnis
    gebeten, dass nicht auf alle der vorgetragenen Aspekte im Einzelnen eingegangen
    werden kann.

    Der Petitionsausschuss hat der Bundesregierung Gelegenheit gegeben, ihre Ansicht
    zu der Eingabe darzulegen. Das Ergebnis der parlamentarischen Prüfung lässt sich
    unter Einbeziehung der seitens der Bundesregierung angeführten Aspekte wie folgt
    zusammenfassen:

    Der Petitionsausschuss stellt zunächst fest, dass in Deutschland seit ca. zwei
    Jahrzehnten eine kontroverse Debatte geführt wird, ob das Phänomen E-Sport als
    Sport anzuerkennen ist oder nicht. Hierbei werden auch das Verhältnis zum
    organisierten Sport und die Frage der öffentlichen Förderung diskutiert.

    Der Ausschuss weist darauf hin, dass am 26. November 2017 der eSport-Bund
    Deutschland e.V (ESBD) gegründet wurde, der bundesweit den organisierten E-Sport
    und seine Sportlerinnen und Sportler in Deutschland repräsentiert. Der ESBD als
    Verband definiert E-Sport in seiner Satzung wie folgt: „E-Sport […] ist das
    sportwettkampfmäßige Spielen von Video- bzw. Computerspielen, insbesondere auf
    Computern und Konsolen, nach festgelegten Regeln.“ Hinzu treten einige
    Kernelemente: der Wettkampf findet gegen menschliche Gegenspieler statt, er kann
    als Onlinewettkampf oder als Präsenzwettkampf gestaltet sein und er definiert sich
    maßgeblich über die motorische, präzise Bedienung des Eingabegeräts (z. B. Maus,
    Tastatur, Controller, Smartphone usw.) im Zusammenspiel mit der Meisterung der
    durch das Spiel vorgegebenen Regeln und Limitierungen, die zum Spielziel führen.
    Der ESBD setzt sich für eine rechtliche, politische und gesellschaftliche Anerkennung
    von E-Sport als Sportart im deutschen Sportsystem ein.

    Der DOSB, der E-Sport zunächst nicht als Sportart eingestuft hatte, sieht dringenden
    Klärungsbedarf und hat eine Arbeitsgruppe „AG E-Sport“ gegründet, die E-Sport
    evaluieren und bis zur nächsten Mitgliederversammlung im Dezember 2018
    Empfehlungen zum Umgang mit E-Sport für Sportverbände und -vereine geben soll.

    Ergänzend verweist der Ausschuss auf die Ausführungen der Bundesregierung in ihrer
    Antwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion der FDP „Anerkennung des eSports als
    Sport“ auf Drucksache 19/4060, die im Internet unter www. bundestag.de eingesehen
    werden kann.

    In diesem Zusammenhang hebt der Petitionsausschuss ausdrücklich hervor, dass im
    Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD für die 19. Wahlperiode hinsichtlich
    der Anerkennung des E-Sports in Rn. 2172 ff. Folgendes vorgesehen ist (S. 48):

    […] „Wir erkennen die wachsende Bedeutung der E-Sport-Landschaft in Deutschland
    an. Da E-Sport wichtige Fähigkeiten schult, die nicht nur in der digitalen Welt von
    Bedeutung sind, Training und Sportstrukturen erfordert, werden wir E-Sport künftig
    vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen und bei
    der Schaffung einer olympischen Perspektive unterstützen.“ […]

    Vor diesem Hintergrund empfiehlt der Petitionsausschuss, die Petition der
    Bundesregierung – dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat – als
    Material zu überweisen, damit sie in die weiteren Prüfungen hinsichtlich der
    Umsetzung des im Koalitionsvertrag formulierten Ziels zur Anerkennung des E Sports
    einbezogen wird. Zugleich empfiehlt der Ausschuss, die Petition den Fraktionen des
    Deutschen Bundestages zur Kenntnis zu geben, weil sie als Anregung für eine
    parlamentarische Initiative geeignet erscheint.

    Der von der Fraktion der AfD gestellte Antrag, die Petition der Bundesregierung – dem
    Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat – als Material zu überweisen und
    den Fraktionen des Deutschen Bundestages zur Kenntnis zu geben, soweit die
    Anerkennung von Video- und Computerspielen als Sport betroffen ist, und das
    Petitionsverfahren im Übrigen abzuschließen, ist mehrheitlich abgelehnt worden.

    Begründung (PDF)

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