• Von: Dr. med. Thomas Kochmann mehr
  • An: offener Brief an Dr. h.c. Joachim Gauck
  • Region: Deutschland mehr
    Kategorie: Minderheitenschutz mehr
  • Status: Die Petition wurde eingereicht
  • In Bearbeitung
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    Sammlung abgeschlossen

Dr. h.c. Joachim Gauck muss sich vor dem 18.03.12 zu den im Raum stehenden Anschuldigungen äussern

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Sehr geehrter Herr Dr. Gauck,

Ihre Nominierung als gemeinsamer Kandidat von CDU/CSU/SPD/FDP/GRÜNE für die Wahl zum Bundespräsidenten am 18.03.2012 hat Unsicherheit bei vielen Bürgern erzeugt.

Ich war 11 Jahre CDU-Mitglied und könnte nicht mit vielen anderen Mitbürgern stolz auf unser Land sein, wenn ein zukünftiger Bundespräsident für etwas steht, was Ihnen laut vielfältiger Vorwürfe nachgesagt wird. Es geht im Wesentlichen um Ihren unklaren Standpunkt zur Integration, vor allem der muslimischen deutschen Bevölkerung, und Ihre Einschätzung des Schweregrads des Holocaust im Vergleich z.B. zur SED-Diktatur.

So darf gerade der deutsche Bundespräsident einem Thilo Sarrazin („Deutschland schafft sich ab“) nicht „Mut“ attestieren und zusätzlich mit der Aussage unterstützen (Tagesspiegel 30.12.2010): „Er hat über ein Problem, das in der Gesellschaft besteht, offener gesprochen als die Politik.“ Sind für Sie die Deutschen anderer Religion ein Problem? Sind für Sie die Deutschen mit genetischen Benachteiligungen ein Problem?

Verschwörungstheorien werden gerne von Gegnern der Pressefreiheit verbreitet. So sollen z.B. Bürger, die sich dafür einsetzen, dass Muslime mit Deutschem Pass als vollwertige Deutsche behandelt werden, einzig und allein der Partei „Die Linke“ nahestehen.

Darf ein Bundespräsident einem Autor Mut bezeugen, der in 2 Kapiteln seines Buches gegen die Menschenwürde argumentiert?

1. Direkt unter der Kapitelunterschrift des 7. Kapitels von Sarrazins Buch, „Zuwanderung und Integration“, findet sich die Unterüberschrift „Mehr erwarten, weniger bieten“. Es verstößt gegen das Grundgesetz, wenn von Muslimen mit Migrationshintergrund, die einen Deutschen Pass haben (z.B. weil sie hier geboren und aufgewachsen sind), mehr erwartet wird und weniger geboten wird als z.B. Deutschen mit christlichem Hintergrund. Es ist die historische Tür, die Altbundespräsident Wulff eingetreten hat, indem er nicht nur die Menschen des Islam, sondern auch den „Islam an sich“ als zu Deutschland zugehörig bezeichnete. 50 Jahre nach dem Anwerbe-Abkommen mit der Türkei, durch welches wir den Islam historisch nach Deutschland geholt haben, muss dies durch das Staatsoberhaupt auch entsprechend gewürdigt werden. Symbolisch die Hand von türkisch-stämmigen Neonazi-Terror-Opfern zu halten, reicht nicht aus. Der „Islam an sich“ ist die Identität unserer neuen Mitbürger und übrigens der Grund des Neonazi-Terrors gewesen, ebenso der Grund dafür, dass es 10 Jahre dauerte, bis die Neonazi-Verbrechen von der Justiz aufgeklärt wurden, und zwischenzeitlich die Angehörigen der Opfer gar als Täter miss-verdächtigt wurden. Deutschland muss fortan in der internationalen Welt der Diplomatie nicht mehr als ein alleinig christliches, sondern auch als ein teilweise islamisches Land auftreten; wir dürfen 5 Millionen muslimische Mitbürger nicht einfach weiterhin ignorieren. Nur dann können wir z.B. dem Iran und Israel glaubhaft vermitteln, dass ein friedliches und gegenseitig wertschätzendes Miteinander zwischen christlich-jüdischer und muslimischer Kultur in einem hochentwickelten Land möglich ist. Deutschlands Verantwortung aus dem Holocaust lautet auch, gerade wegen des sonst überall aufkeimenden islamophoben Rechtspopulismusses in Europa, eine Insel des friedlichen und gegenseitig wertschätzenden Miteinander zwischen Christen/Juden und Muslimen zu werden. Ich weiss, dass vor allem in konservatigen CDU/CSU-Kreisen breite Vorbehalte dagegen bestehen, Deutsche muslimischen Glaubens als gleichwertig auch vor dem Gesetz zu betrachten. Die Übertonung des christlichen Elementes in islamophobischer Weise veranlasste mich letzten Endes auch, aus der CDU auszutreten. Christian Wulff wurde für seinen Kurs der „Integration auf gegenseitiger Augenhöhe“ (anstatt asymmetrisch mit erhobenem Zeigefinger auf „Gastpflichten“ von Deutschen mit Migrationshintergrund zu bestehen) gerade von seiner eigenen Partei heftigst angegriffen. Die engültige Konsequenz aus dem Satz „der Islam gehört zu Deutschland“ muss sich auch in der Exekutive widerspiegeln, z.B. in gleichen Rechten, Moscheen und Minarette zu bauen wie von Christen z.B. Kirchen gebaut werden dürfen, in der gesetzlichen Erlaubnis, religiös motivierte Kopfbedeckungen auch im Beruf tragen zu dürfen (wie es bei christlichen Nonnen ja auch erlaubt ist). Für die Deutsche Außenpolitik hat der Satz „der Islam gehört zu Deutschland“ die Konsequenz, für eine langfristige Aussicht auf Mitgliedschaft der Türkei in der EU werben zu müssen.

2. Das 8. Kapitel von Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab, „Demografie und Bevölkerung“, ist dem Motto „Mehr Kinder von den Klugen, bevor es zu spät ist“, gewidmet.
Diese Aufforderungen haben schon einmal in der Deutschen Geschichte zu massenhaften Zwangssterilisationen geführt. Der Wert des Menschen darf niemals in den Genen festgelegt werden. Nicht ein Funke von Gedanke darf in Richtung Eugenik oder Sozialdarwinismus in unserem Land ermutigt werden.

Begründung:

Obwohl Sie den Vorsitz des Vereins „Gegen das Vergessen – für Demokratie“ e.V. innehaben, wird Ihnen vorgeworfen, oftmals die Verbrechen des Nationalsozialismus mit den Verbrechen der DDR-Diktatur in einem Atemzug zu nennen, Ich fühle diesen Vorwurf bestätigt, wenn ich mir die Homepage Ihres Vereins anschaue (www.gegen-vergessen.de/). Aus der Struktur und dem Inhalt dieser Homepage entsteht der Eindruck, dass der Verein den Holocaust und die SED-Diktatur als gleichschweres Verbrechen gegen die Menschlichkeit erachtet. Ich finde auf der Seite dieses Vereins nichts, was die einzigartige Grausamkeit des Holocaust in der gesamten Geschichte der Menschheit würdigt. Das Wort „Holocaust“ wurde eigens für dieses Ereignis geprägt. Aus dieser Einzigartigkeit in der Geschichte der Menschheit leitet sich auch das Existenzrecht Israels seit 1948 ab. Wer den Holocaust dahingehend relativiert, dass er den Nationalsozialismus mit der DDR-Diktatur in einem Atemzug als Verbrechen gleichen Schweregrades bezeichnet, stellt völkerrechtlich damit auch langfristig das Existenzrecht Israels in Frage. Ich und viele Bürger erwarten von einem Bundespräsidenten, anstatt Die Linke und NPD als gleichbedenklich einzustufen, sich eindeutig dahin zu bekennen, dass die NPD die einzige Partei in der Bundesversammlung ist, die auf einer menschenunwürdigen Ideologie aufbaut. Dass die NPD bei Ihrer Nominierung nicht alleine ausgeschlossen wurde, sondern daneben auch Die Linke (und auch die Piratenpartei mit 2 Vertretern), stärkt die NPD.

Sie schreiben in Ihrem aktuellen Buch, „Freiheit“, dass Freiheit Verantwortung und Toleranz impliziert. Sie zitieren die Bibel und erklären sie zur gemeinsamen Grundlage für das Christentum und Judentum. Sie verschweigen dabei, dass auch der Islam auf der Grundlage unserer Bibel entstanden ist und daher mit dem Christentum/Judentum viele Gemeinsamkeiten aufweist. Wir haben nicht nur eine christlich-jüdische Kultur, da wir das Anwerbeabkommen Türkei-Deutschland als Bestandteil der jüngsten Geschichte unseres Landes nicht weiter ignorieren dürfen. Ich erwarte von Ihnen nicht nur Mitleid mit den Opfern des Neonazi-Terrors, sondern ebenfalls Erfurcht vor dem Koran und dem Muslimischen Glauben.

Ich bin bekennender Nichtchrist jüdischer Abstammung (mein Urgroßvater wurde als Jude, der anderen Juden half, nicht nur durch „Nazis Mut attestierende“ Tages-Zeitungen verunglimpft, sondern schließlich von Hitler in Auschwitz vergast). Ich verneige mich dennoch vor Jesus. Auch bin ich Nichtmuslim; dennoch verneige ich mich vor dem Propheten Mohammed. Dies widerspricht der Definition von „Toleranz“ in Ihrem Buch; dennoch ist meine Art von „Toleranz“ alles andere als „Gleichgültigkeit“. Vielmehr halte ich das ehrfürchtige Nebeneinander der Weltreligionen zur Entwicklung unserer Menschheit für notwendig. Ich bin – im Gegensatz zu Ihrer Toleranzauffassung – in der meinigen dazu bereit, von Andersgläubigen hinzuzulernen und betrachte sie als Bereicherung. Toleranz darf nicht, wie häufig im Christentum praktiziert, mit „mitleidiger Duldung“ verwechselt werden; denn damit lässt sich der Weltfrieden langfristig nicht sichern.

Sehr geehrter Herr Dr. Gauck. Ich bitte Sie, zu allen in dieser Petition dargestellten Vorwürfen Farbe zu bekennen und sie auszuräumen. Vor allem bescheinigen Sie bitte Herrn Thilo Sarrazin statt „Mut“ die „Feigheit“, auf den rechtspopulistischen Zug Europas aufgesprungen zu sein und mit opportunistischen Beleidigungen von wehrlosen Minderheiten in unserer Demokratie viel Geld verdient zu haben. Ich bitte Sie ferner, dafür einzustehen, dass Holocaustleugnung (im Gegensatz zur Leugnung von SED-Verbrechen) weiterhin strafbar bleibt, indem Sie die Politik auffordern, das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Holocaustleugnung (www.fr-online.de/meinung/analyse-urteil-zur-holocaustleugnung-anleitung-zur-holocaustleugnung,1472602,11702278.html) als Beispiel zu nehmen, dass hier offenbar
eine Verfassungsänderung erforderlich ist. (Begründung: z.Z. ist besagtes Urteil nur ein Einzelfall, aber es ist zu befürchten, dass zu einem zukünftigen Zeitpunkt das Bundesverfassungsgericht grundsätzlich Holocaustleugnung mit Meinungsfreiheit für entschuldigbar erklärt.)

Falls Sie die hier erbetenen Klarstellungen nicht vor der nächsten Bundesversammlung erbringen wollen, zum Beispiel weil Ihnen Ihre Meinungsfreiheit wichtiger ist als die Erfurcht vor religiös Andersdenkenden, so bitte ich Sie im Interesse unseres Landes nicht zur Wahl anzutreten.

Im Namen aller Unterzeichner/innen.

Wallenhorst, 25.02.2012 (aktiv bis 23.03.2012)


Neuigkeiten

Liebe Unterzeichner, ich danke Ihnen/Euch allen für Ihre/Eure Unterstützung. Mit dem heutigen Tag ist diese Petition abgelaufen. Ich habe sie nun dem Bundespräsidenten Gauck zukommen lassen. Auch in seiner Antrittsrede nach seiner Vereidigung ...

>>> Zu den Neuigkeiten


Debatte zur Petition

PRO: So nun iust der scheinheilige Prediger an der Macht und kann sich den Sarrazzin als Berater holen.Gute Nacht Deutschland

PRO: Selbst wenn er sich zu den Anschuldigungen äussert ändert dass nichts an seinen Aussagen.Gauck ist ein no go als Mensch und in der Politik

CONTRA: Verquaster Quatsch. Langatmige Schwafeleien sind kein Argument. Es darf selbstverständlich beim Thema Vergleich zB. von Kriminalität oder Bildungszielen von Menschen mit zB. arabisch-türkischen im Vergleich zu südostasiatischem Migrationshintergrund keine ...

CONTRA: Aus deutscher Sicht ist der Holocaust die schlimmste Tat der deutschen Geschichte. Aus Sicht der meisten osteuropäischen Völker ist die Herrschaft des Stalinismus schlimmer gewesen. Beispiel UKRAINE de.wikipedia.org/wiki/Holodomor

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