Sehr geehrter Herr Dr. Gauck,

Ihre Nominierung als gemeinsamer Kandidat von CDU/CSU/SPD/FDP/GRÜNE für die Wahl zum Bundespräsidenten am 18.03.2012 hat Unsicherheit bei vielen Bürgern erzeugt.

Ich war 11 Jahre CDU-Mitglied und könnte nicht mit vielen anderen Mitbürgern stolz auf unser Land sein, wenn ein zukünftiger Bundespräsident für etwas steht, was Ihnen laut vielfältiger Vorwürfe nachgesagt wird. Es geht im Wesentlichen um Ihren unklaren Standpunkt zur Integration, vor allem der muslimischen deutschen Bevölkerung, und Ihre Einschätzung des Schweregrads des Holocaust im Vergleich z.B. zur SED-Diktatur.

So darf gerade der deutsche Bundespräsident einem Thilo Sarrazin („Deutschland schafft sich ab“) nicht „Mut“ attestieren und zusätzlich mit der Aussage unterstützen (Tagesspiegel 30.12.2010): „Er hat über ein Problem, das in der Gesellschaft besteht, offener gesprochen als die Politik.“ Sind für Sie die Deutschen anderer Religion ein Problem? Sind für Sie die Deutschen mit genetischen Benachteiligungen ein Problem?

Verschwörungstheorien werden gerne von Gegnern der Pressefreiheit verbreitet. So sollen z.B. Bürger, die sich dafür einsetzen, dass Muslime mit Deutschem Pass als vollwertige Deutsche behandelt werden, einzig und allein der Partei „Die Linke“ nahestehen.

Darf ein Bundespräsident einem Autor Mut bezeugen, der in 2 Kapiteln seines Buches gegen die Menschenwürde argumentiert?

  1. Direkt unter der Kapitelunterschrift des 7. Kapitels von Sarrazins Buch, „Zuwanderung und Integration“, findet sich die Unterüberschrift „Mehr erwarten, weniger bieten“. Es verstößt gegen das Grundgesetz, wenn von Muslimen mit Migrationshintergrund, die einen Deutschen Pass haben (z.B. weil sie hier geboren und aufgewachsen sind), mehr erwartet wird und weniger geboten wird als z.B. Deutschen mit christlichem Hintergrund. Es ist die historische Tür, die Altbundespräsident Wulff eingetreten hat, indem er nicht nur die Menschen des Islam, sondern auch den „Islam an sich“ als zu Deutschland zugehörig bezeichnete. 50 Jahre nach dem Anwerbe-Abkommen mit der Türkei, durch welches wir den Islam historisch nach Deutschland geholt haben, muss dies durch das Staatsoberhaupt auch entsprechend gewürdigt werden. Symbolisch die Hand von türkisch-stämmigen Neonazi-Terror-Opfern zu halten, reicht nicht aus. Der „Islam an sich“ ist die Identität unserer neuen Mitbürger und übrigens der Grund des Neonazi-Terrors gewesen, ebenso der Grund dafür, dass es 10 Jahre dauerte, bis die Neonazi-Verbrechen von der Justiz aufgeklärt wurden, und zwischenzeitlich die Angehörigen der Opfer gar als Täter miss-verdächtigt wurden. Deutschland muss fortan in der internationalen Welt der Diplomatie nicht mehr als ein alleinig christliches, sondern auch als ein teilweise islamisches Land auftreten; wir dürfen 5 Millionen muslimische Mitbürger nicht einfach weiterhin ignorieren. Nur dann können wir z.B. dem Iran und Israel glaubhaft vermitteln, dass ein friedliches und gegenseitig wertschätzendes Miteinander zwischen christlich-jüdischer und muslimischer Kultur in einem hochentwickelten Land möglich ist. Deutschlands Verantwortung aus dem Holocaust lautet auch, gerade wegen des sonst überall aufkeimenden islamophoben Rechtspopulismusses in Europa, eine Insel des friedlichen und gegenseitig wertschätzenden Miteinander zwischen Christen/Juden und Muslimen zu werden. Ich weiss, dass vor allem in konservatigen CDU/CSU-Kreisen breite Vorbehalte dagegen bestehen, Deutsche muslimischen Glaubens als gleichwertig auch vor dem Gesetz zu betrachten. Die Übertonung des christlichen Elementes in islamophobischer Weise veranlasste mich letzten Endes auch, aus der CDU auszutreten. Christian Wulff wurde für seinen Kurs der „Integration auf gegenseitiger Augenhöhe“ (anstatt asymmetrisch mit erhobenem Zeigefinger auf „Gastpflichten“ von Deutschen mit Migrationshintergrund zu bestehen) gerade von seiner eigenen Partei heftigst angegriffen. Die engültige Konsequenz aus dem Satz „der Islam gehört zu Deutschland“ muss sich auch in der Exekutive widerspiegeln, z.B. in gleichen Rechten, Moscheen und Minarette zu bauen wie von Christen z.B. Kirchen gebaut werden dürfen, in der gesetzlichen Erlaubnis, religiös motivierte Kopfbedeckungen auch im Beruf tragen zu dürfen (wie es bei christlichen Nonnen ja auch erlaubt ist). Für die Deutsche Außenpolitik hat der Satz „der Islam gehört zu Deutschland“ die Konsequenz, für eine langfristige Aussicht auf Mitgliedschaft der Türkei in der EU werben zu müssen.

  2. Das 8. Kapitel von Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab, „Demografie und Bevölkerung“, ist dem Motto „Mehr Kinder von den Klugen, bevor es zu spät ist“, gewidmet. Diese Aufforderungen haben schon einmal in der Deutschen Geschichte zu massenhaften Zwangssterilisationen geführt. Der Wert des Menschen darf niemals in den Genen festgelegt werden. Nicht ein Funke von Gedanke darf in Richtung Eugenik oder Sozialdarwinismus in unserem Land ermutigt werden.

Begrundelse

Obwohl Sie den Vorsitz des Vereins „Gegen das Vergessen – für Demokratie“ e.V. innehaben, wird Ihnen vorgeworfen, oftmals die Verbrechen des Nationalsozialismus mit den Verbrechen der DDR-Diktatur in einem Atemzug zu nennen, Ich fühle diesen Vorwurf bestätigt, wenn ich mir die Homepage Ihres Vereins anschaue (www.gegen-vergessen.de/). Aus der Struktur und dem Inhalt dieser Homepage entsteht der Eindruck, dass der Verein den Holocaust und die SED-Diktatur als gleichschweres Verbrechen gegen die Menschlichkeit erachtet. Ich finde auf der Seite dieses Vereins nichts, was die einzigartige Grausamkeit des Holocaust in der gesamten Geschichte der Menschheit würdigt. Das Wort „Holocaust“ wurde eigens für dieses Ereignis geprägt. Aus dieser Einzigartigkeit in der Geschichte der Menschheit leitet sich auch das Existenzrecht Israels seit 1948 ab. Wer den Holocaust dahingehend relativiert, dass er den Nationalsozialismus mit der DDR-Diktatur in einem Atemzug als Verbrechen gleichen Schweregrades bezeichnet, stellt völkerrechtlich damit auch langfristig das Existenzrecht Israels in Frage. Ich und viele Bürger erwarten von einem Bundespräsidenten, anstatt Die Linke und NPD als gleichbedenklich einzustufen, sich eindeutig dahin zu bekennen, dass die NPD die einzige Partei in der Bundesversammlung ist, die auf einer menschenunwürdigen Ideologie aufbaut. Dass die NPD bei Ihrer Nominierung nicht alleine ausgeschlossen wurde, sondern daneben auch Die Linke (und auch die Piratenpartei mit 2 Vertretern), stärkt die NPD.

Sie schreiben in Ihrem aktuellen Buch, „Freiheit“, dass Freiheit Verantwortung und Toleranz impliziert. Sie zitieren die Bibel und erklären sie zur gemeinsamen Grundlage für das Christentum und Judentum. Sie verschweigen dabei, dass auch der Islam auf der Grundlage unserer Bibel entstanden ist und daher mit dem Christentum/Judentum viele Gemeinsamkeiten aufweist. Wir haben nicht nur eine christlich-jüdische Kultur, da wir das Anwerbeabkommen Türkei-Deutschland als Bestandteil der jüngsten Geschichte unseres Landes nicht weiter ignorieren dürfen. Ich erwarte von Ihnen nicht nur Mitleid mit den Opfern des Neonazi-Terrors, sondern ebenfalls Erfurcht vor dem Koran und dem Muslimischen Glauben.

Ich bin bekennender Nichtchrist jüdischer Abstammung (mein Urgroßvater wurde als Jude, der anderen Juden half, nicht nur durch „Nazis Mut attestierende“ Tages-Zeitungen verunglimpft, sondern schließlich von Hitler in Auschwitz vergast). Ich verneige mich dennoch vor Jesus. Auch bin ich Nichtmuslim; dennoch verneige ich mich vor dem Propheten Mohammed. Dies widerspricht der Definition von „Toleranz“ in Ihrem Buch; dennoch ist meine Art von „Toleranz“ alles andere als „Gleichgültigkeit“. Vielmehr halte ich das ehrfürchtige Nebeneinander der Weltreligionen zur Entwicklung unserer Menschheit für notwendig. Ich bin – im Gegensatz zu Ihrer Toleranzauffassung – in der meinigen dazu bereit, von Andersgläubigen hinzuzulernen und betrachte sie als Bereicherung. Toleranz darf nicht, wie häufig im Christentum praktiziert, mit „mitleidiger Duldung“ verwechselt werden; denn damit lässt sich der Weltfrieden langfristig nicht sichern.

Sehr geehrter Herr Dr. Gauck. Ich bitte Sie, zu allen in dieser Petition dargestellten Vorwürfen Farbe zu bekennen und sie auszuräumen. Vor allem bescheinigen Sie bitte Herrn Thilo Sarrazin statt „Mut“ die „Feigheit“, auf den rechtspopulistischen Zug Europas aufgesprungen zu sein und mit opportunistischen Beleidigungen von wehrlosen Minderheiten in unserer Demokratie viel Geld verdient zu haben. Ich bitte Sie ferner, dafür einzustehen, dass Holocaustleugnung (im Gegensatz zur Leugnung von SED-Verbrechen) weiterhin strafbar bleibt, indem Sie die Politik auffordern, das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Holocaustleugnung (www.fr-online.de/meinung/analyse-urteil-zur-holocaustleugnung-anleitung-zur-holocaustleugnung,1472602,11702278.html) als Beispiel zu nehmen, dass hier offenbar eine Verfassungsänderung erforderlich ist. (Begründung: z.Z. ist besagtes Urteil nur ein Einzelfall, aber es ist zu befürchten, dass zu einem zukünftigen Zeitpunkt das Bundesverfassungsgericht grundsätzlich Holocaustleugnung mit Meinungsfreiheit für entschuldigbar erklärt.)

Falls Sie die hier erbetenen Klarstellungen nicht vor der nächsten Bundesversammlung erbringen wollen, zum Beispiel weil Ihnen Ihre Meinungsfreiheit wichtiger ist als die Erfurcht vor religiös Andersdenkenden, so bitte ich Sie im Interesse unseres Landes nicht zur Wahl anzutreten.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Dr. med. Thomas Kochmann Fra Wallenhorst
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  • Liebe Unterzeichner,

    ich danke Ihnen/Euch allen für Ihre/Eure Unterstützung. Mit dem heutigen Tag ist diese Petition abgelaufen.

    Ich habe sie nun dem Bundespräsidenten Gauck zukommen lassen.

    Auch in seiner Antrittsrede nach seiner Vereidigung
    hat er wieder den Eindruck offengelassen, ob für ihn der Holocaust das *bösartigste* Verbrechen der Menschheitsgeschichte darstellt. Wieder nannte er nach der Gefahr durch Rechtsextremisten im gleichen Atemzug den Terrorismus von Linksextremisten und Islamisten.

    Ebenso hat er, obwohl er einerseits versprach, dass das Thema "Integration" -- ähnlich wie bei Herrn Wulff -- für ihn auch ein Herzensthema sei, sich gewunden wie ein Aal, konsequenterweise einzugestehen, dass der Islam dann auch mittlerweile zu Deutschland gehört. Warum weigert er sich hier, Wulffs Worte unzweideutig zu verwenden? Entweder gehört der Islam zu Deutschland oder nicht? Was denn nun, Herr Gauck?

    Man vergesse nicht, dass das "Integrationsproblem" auch ein Herzensthema von Herrn Sarrazin ist. Herr Gauck hat nun wieder einmal die Öffentlichkeit mit wahrheitsverschleiernder Rethorik darüber hinwegetäuscht, dass seine eigentliche Vorstellung, das Integrationsthema zu lösen, ein ausdrückliches Lob für den Islamfeind Sarrazin beinhaltet, ihn nach seiner ersten Bundespräsidentschaftskandidatur sogar indirekt dazu fast ermutigte, eine eigene Partei zu gründen:
    www.youtube.com/watch?v=-_woXlCSmIw

    Mich stimmt es äusserst traurig, dass in seiner Antrittsrede vor dem Bundestag und Bundesrat sein Bekenntnis, dass er gegen demokratiefeindlichen Rechtsextremismus kämpfen werde (einmal davon abgesehen, dass demokratiefreundlicher Rassismus nicht dazu gehört), nicht mehr als Selbstverständlichkeit für einen Deutschen Bundespräsidenten vorausgesetzt wird. Die allgemeine Überbelobigung seiner Person gerade wegen dieses Bekenntnisses, dass er damit persönlich kein Nazi sei, ist für mich daher unverständlich und befremdlich.

    In diesem Zusammenhang weise ich noch auf zwei weitere Petitionen hin, die ich bitte, nach Möglichkeit zu unterzeichnen:

    openpetition.de/petition/online/wir-fordern-joachim-gauck-den-geschwister-scholl-preis-abzuerkennen

    openpetition.de/petition/online/nein-zu-joachim-gauck

    Ferner lege ich jedem Unterstützer nahe, auch dieses --
    www.wikileaks.org/wiki/Stasi_verwaltet_noch_immer_Stasi-Akten -- Dokument aufmerksam zu lesen.

    Hieraus ergeben sich folgende Fragen:
    --- Warum ist Herrn Gaucks Stasi-Akte mit dem Decknamen "Larve" noch nicht veröffentlicht worden, ähnlich wie Altbundespräsident Wulff auch jedes Detail über sein Privatleben veröffentlichen musste?
    --- Warum hat Herr Gauck einer solchen Veröffentlichung bisher nicht zugestimmt?
    --- Warum verschweigt Herr Gauck öffentlich, dass seine Eltern überzeugte Nazis waren, wenn er über das Schicksal seines Vaters spricht?
    --- Wie erklärt sich Herr Gauck, dass er in der ehemaligen DDR äußerst ungewöhnliche Privilegien genoss, die sich mit seinem Status als "Bürgerrechtler" oder "Oppositionellen" überhaupt nicht vereinbaren lassen (eher mit einer Begünstigung der Stasi)?


    Viele Grüße,

    Thomas Kochmann

  • --- Fortsetzung vom Blog zuvor ---

    ...
    Es ist im größtem Interesse unseres Landes, da Sie möglicherweise am Sonntag in das höchste Staatsamt gewählt werden. Die Mehrheit der Wahlmänner und Wahlfrauen wissen offenbar noch nicht genau, was Sie wirklich wollen und was Ihre wahre Einstellung ist (weil sie sich mit Ihren entsprechenden Reden/Interviews nicht ausgiebig auseinandersetzen konnten).

    Sollten Sie sowohl den in Deutschland lebenden Muslimen als auch den Holocaustopfern (mein Urgroßvater wurde in Auschwitz vergast, einfach wegen seines jüdischen Blutes) bzw. den wahren Stasi-Opfern nicht in der Weise entgegenkommen, wie es die menschliche Pflicht erfordert, so werden Sie der erste Bundespräsident sein, für den ich mich schämen werde, dass er mein Land vertritt.


    Mehr Informationen über all das und die Belege zu meinen obigen Aussagen finden Sie im folgenden Brief, der an alle Mitglieder der 15. Bundesversammlung gerichtet ist:

    sites.google.com/site/bundespraesidentenwahl2012/




    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. Thomas Kochmann
    49134 Wallenhorst



    P.S.: cc: an die Bundespräsidentschaftskandidatin Frau Beate Klarsfeld, und
    ebenso im Blog auf der Seite meiner obigen Petition

Debatter

Pro

Herzlichen Dank für Ihre Petition. Er bereichert die jahrhundertealte deutsch-muslimische Kultur um weitere sprachliche Preziosen: "Es ist die historische Tür, die Altbundespräsident Wulff eingetreten hat ..." Auch an Vorschlägen, wie die Welt am deutschen Wesen zu heilen sei, mangelt es nicht. In dem Brief an Herrn Dr. h.c. J. Gauck vermisst man jedoch die unabdingbare Forderung nach einem deutlichen Bekenntnis zugunsten aller tierischen Mitgeschöpfe und den unveräußerlichen Pflanzenrechten.

Contra

Verquaster Quatsch. Langatmige Schwafeleien sind kein Argument. Es darf selbstverständlich beim Thema Vergleich zB. von Kriminalität oder Bildungszielen von Menschen mit zB. arabisch-türkischen im Vergleich zu südostasiatischem Migrationshintergrund keine Denkverbote geben: die entsprechenden Zahlen müssen auf den Tisch. Diese Fakten - auch gegen den gesellschaftlichen Konsens - auf den Tisch zu bringen ist nicht mutlos, auch wenns unbequem ist und man in den Folgerungen nicht übereinstimmt.