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Bild zur Petition mit dem Thema: S 19/165 - Bebauung in Knoops Park S 19/165 - Bebauung in Knoops Park
  • Von: Olaf Brandtstaedter
  • An: Petitionsausschuss der Bremischen Bürgerschaft
  • Region: Bremen mehr
  • Status: Die Petition befindet sich in der Prüfung beim Empfänger
    Sprache: Deutsch
  • In Bearbeitung
  • 285 Unterstützende
    Sammlung abgeschlossen

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S 19/165 - Bebauung in Knoops Park

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HÄNDE WEG VOM KNOOPS PARK !

Öffentliche Petition

Am Westrand des für seine Schönheit weithin bekannten Landschaftsparks Knoops Park in Bremen-St. Magnus befindet sich eine etwa 1,48 Hektar große Landschaftsschutzgebiets-Fläche in öffentlichem Eigentum, die akut von Bebauung bedroht und Gegenstand dieser Petition ist.

Jahrzehntelang war für diese Fläche die Nutzung „Parkanlage“ im Flächennutzungsplan sowie im derzeit gültigen Bebauungsplan 0936A eingetragen und eine Bebauung auf ihr nicht erlaubt. Bis vor etwa 10 Jahren wurde diese naheliegenderweise bisher nicht öffentlich zugängliche Fläche vom Bauamt Bremen-Nord (BBN), Abteilung Gartenbau, als Parkgärtnerei genutzt. Auch heute noch ist der Umweltbetrieb Bremen (UBB) hier ansässig und pflegt von hier aus den Knoops Park. Zwei große Gewächshäuser, die hier standen, wurden zerlegt und verkauft. Die Fläche ist nur zu etwa 10% versiegelt. Verlegtes Pflaster und Frühbeete aus Beton können und werden sowieso entfernt werden, egal, ob man die Fläche der Nutzung „Wohnbau“, oder, wie der Hauptpetent und seine Mitstreiter meinen, besser wieder der Nutzung „Parkanlage“ zuführt, die sie seit langem hatte.

Diese ehemals Woldeschen Gärten wiesen ursprünglich teilweise parkartige Züge auf, historische Wegestrukturen sind hier laut Gutachten der renommierten Landschaftsarchitekten Müller-Glaßl & Partner, das vom Senator für Umwelt 2005 beauftragt wurde, nachweisbar.

(Quelle: „Freiflächen des Knoops Park nördlich der Straße ‚Auf dem Hohen Ufer‘ – Entwicklungskonzept“, 2005/2006, Seite 19 und Seite 29. Dieses Dokument ist auf der Homepage unserer Bürgerinitiative (BI) Grünes St. Magnus zu finden. Auch einige weitere Dokumente, auf die in dieser Petition verwiesen wird, sind dort auffindbar).

Auf dieser von vielen Bäumen umgebenen und seit langem geschützten Fläche darf daher aus gutem Grund nicht gebaut werden.

Die Unterzeichnenden dieser Petition setzen sich dafür ein, dass diese im Parkrandgebiet neben der Billungstraße gelegene Fläche, die sich im Besitz der Allgemeinheit befindet, nicht, wie zur Zeit vorgesehen, im Auftrag des als Eigentümer auftretenden Umweltbetriebs Bremen (er ist es rechtmäßig nicht) an Private verkauft und mit hoher Dichte bebaut wird. Denn dieses Bauvorhaben würde den Beginn einer aggressiven und schleichenden Aufsiedelung des nördlichen Knoops Park darstellen und könnte das langfristige Aus dieses – im Gegensatz zum am Geesthang gelegenen Südteil – leicht begehbaren Parkteils bedeuten.

Weiter fordern die Unterzeichnenden dieser Petition die Abgeordneten der Bremischen Bürgerschaft (Stadtbürgerschaft) auf, den Bebauungsplan 1274 auf einer ihrer kommenden Sitzungen nach entsprechender Prüfung der Rechts- und Faktenlage abzulehnen, so wie sie es abgelehnt hätten, wenn sie zuvor von dem nachfolgend in der Begründung ausführlich geschilderten Umgang mit unser aller Allgemeinbesitz Kenntnis gehabt hätten. Stattdessen mögen Sie dafür eintreten, dass die Nutzung dieser Fläche im Flächennutzungsplan von aktuell „Wohnbau“ wieder auf „Grünfläche, Parkanlage“ zurückgesetzt wird, die sie seit langem hatte, und die Fläche als Parkerweiterung des unter Denkmalschutz stehenden Knoops Park geplant wird.

3000 Bremer Bürger, vorwiegend aus Bremen-Nord, haben sich per Unterschrift bereits

gegen eine Bebauung dieser für die Nutzung „Parkanlage“ vorgesehenen Fläche und für ergebnisoffene Planungskonferenzen ausgesprochen. Dieses eindeutige Votum der Bürger für den Knoops Park wurde von der Mehrheit im zuständigen Beirat Burglesum ebenso ignoriert wie vom Senat. Dazu haben noch einmal 5500 Bremer Bürger sich im Rahmen eines gültigen Volksbegehrens-Antrages des Bündnisses aus Bremer Bürgerinitiativen „Initiativen für Bremen“ per Unterschrift gegen eine Bebauung dieser und anderer Grün- und Frei-Flächen in Bremen ausgesprochen

Die Bremer Bürger haben oft schon ein Gespür gehabt, was gut für ihre Stadt wäre und was nicht. Stadtplanerische Fehler, wie der Bau des Vegesacker Einkaufszentrums Haven Höövt, vor dem die Bürger mit 7500 Protest-Unterschriften gewarnt hatten, wurden dennoch begangen und werden heute einmütig von allen Seiten beklagt. Es ist an der Zeit, dass die Bürger im Vorfeld eines umstrittenen Bau-Projektes nun einmal ernst genommen werden.

Gerade angesichts der aktuellen baulichen „Innenverdichtung“ im bremischen Stadtgebiet bekommen Freiflächen für die Erholung eine immer höhere Bedeutung, die in 50 Jahren aus stadtplanerischer Sicht für die Bürger noch größer sein dürfte als heute schon.

Das kulturelle Erbe der Burglesumer Region, der einzigartige und weithin bekannte Landschaftspark Knoops Park, muss vor Aufsiedelungen in Zeiten der „Innenverdichtung“ geschützt und anstatt dessen langfristig gesichert, weiterentwickelt und erhalten bleiben.

Für die Bürger Bremens und für folgende Generationen.

Begründung:

Diese notwendigerweise ausführliche Begründung versteht sich als fachliche Erörterung, die wir als Bürgerinitiative (BI) Grünes St. Magnus den Abgeordneten der Bremischen Bürgerschaft als fachkundige Bürger für die Entwicklung uns nahestehender Gebiete an die Hand geben.

  1. KNOOPS PARK AUS FACHLICHER SICHT

  2. BEFANGENE BAULEITPLANUNG DURCH DAS BAUAMT BREMEN-NORD

  3. NEGATIVE UMWELTAUSWIRKUNGEN DURCH EINEN BAULICHEN EINGRIFF

  4. DIE PLANUNGSZIELE DER BAU-UMWELT-DEPUATION VON 2008

  5. DER PLANUNGSSCHWENK UM 2010 BEZÜGLICH DER BAULICHEN DICHTE

  6. NAHERHOLUNG UND WOHNEN IM GRÜNEN

  7. DIE PROBLEMATIK: EIN FEHLENDES BEKENNTNIS ZUM KNOOPS PARK

  8. POLITIKER VERSUCHEN EINE OFFENE DEBATTE ZU UNTERDRÜCKEN

  9. UNSER ZUKUNFTS-PROJEKT „ST. MAGNUSER GEEST“, JANUAR 2014

  10. ANREGUNGEN ZUR BEHANDLUNG UNSERER PETITION

  11. KNOOPS PARK AUS FACHLICHER SICHT

Der Knoops Park in Bremen-St. Magnus ist eine der schönsten Parkanlagen Bremens.

Durch den Roman „Sommer in Lesmona“ und das gleichnamige, alljährlich stattfindende Klassik-Festival ist dieser Park weit über Bremens Grenzen hinaus bekannt geworden.

Im Jahre 1979 befand der damalige Gartenbauamtsdirektor und spätere Professor für Landschaftsarchitektur Wolfgang Prollius:

„Das im weiteren Sinne als Knoops Park bekannte Gelände ist unverzichtbarer Bestandteil des kulturellen Erbes in Bremen-Nord und Teil der Vielfalt und Unverwechselbarkeit dieses Landschaftsausschnittes, der geprägt ist durch den Wechsel von Marschland, unterbrochen durch die Wasserfläche der Lesum zum Geestrücken. [...] Dieser Grünfläche kommt nicht nur die Funktion der Kurzzeiterholung (Feierabenderholung, schnelle Erreichbarkeit) zu. Sie ist eine Grünanlage von überregionaler Bedeutung mit Schwerpunkten (Landschaftsbild, Baumbestand, Rhododendronanpflanzungen), die einmalig in der Bundesrepublik sind und nicht nur in Fachkreisen entsprechend nachgefragt wird. [...] Dabei kann die Bedeutung dieser Grünfläche nicht nur auf ihrer derzeitigen Beziehung zum direkten Wohnumfeld basieren, sondern es ist der weitere Einzugsbereich bis über die Stadtgrenzen hinaus zugrunde zu legen.“

(Quelle: Landesamt für Denkmalpflege, Akten zu Knoops Park)

Damals, 1979, wurde der Bevölkerung im Beisein von Bürgermeister Hans Koschnick ein neues Gelände um das historische – jedoch mittlerweile privatisierte – Haus Schotteck herum zugänglich gemacht und dem Südteil des Parks zugeschlagen. Heute noch liegt dort ein Stein mit der Inschrift „Den Bremer Bürgern übergeben am 15. Sept. 1979“.

2010 wurde der Knoops Park vom Landesamt für Denkmalpflege (LfD) öffentlichkeitswirksam zu einem Flächendenkmal erklärt.

Doch hinter den Kulissen stimmte das LfD in dieser Zeit einer Bebauung dieses Flächendenkmals zu, worauf eine diesbezügliche E-Mail des LfD an das Liegenschaftsamt der Stadt Bremen, Immobilien Bremen (IB), hinweist.

(Quellen: Landesamt für Denkmalpflege, Akten zu Knoops Park)

  1. BEFANGENE BAULEITPLANUNG DURCH DAS BAUAMT BREMEN-NORD

Das Aufgeben der Parkgärtnerei am Westrand des Knoops Park vor 10 Jahren geht zeitlich parallel einher mit der damaligen Ausgliederung der Abteilung Gartenbau aus dem Bauamt Bremen-Nord (BBN). Damals wurde das BBN vom Senat unter starken Einspardruck gesetzt. Es beschloss daraufhin intern, die sich im Besitz der Allgemeinheit befindliche und durch den Nutzungs-Status „Parkanlage“ vor Bebauung geschützte Fläche am Westrand des Parks als künftiges Bauland zu behandeln, worauf die Senats-Antwort vom 5.4.2005 auf die Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vom 11.3.2005 hinweist.

(Quelle: Bremische Bürgerschaft, Stadtbürgerschaft, 16. Wahlperiode, Drucksache 16/309 S)

Am 22.5.2008 beschloss die städtische Bau-Umwelt-Deputation dann unter TOP 12 die Aufstellung des Bebauungsplanes 1274. Mit dessen Hilfe sollen der Öffentlichkeit jetzt also Flächen, die bis heute laut derzeit gültigem Bebauungsplan 0936A für die Nutzung „Parkanlage” bestimmt sind, vom BBN allein für ureigene Zwecke weggenommen und schon bald als zukünftiges Bauland aus dem Park ausgeplant werden. Dabei wird das Ziel verfolgt, den Umweltbetrieb Bremen (UBB) an dieser Stelle als Nachfolgeorganisation der Abteilung Gartenbau endgültig aus dem eigenen BBN-Haushaltstopf „entfernen” zu können. Das Bauamt Bremen-Nord stellt hier also gegenüber den Ansprüchen der Allgemeinheit auf Erhalt, Sicherung und Weiterentwicklung einer Parkfläche allein seinen Eigennutz in den Vordergrund und ist damit in seinen Handlungen befangen. Erkennen lässt sich dies am besten daran, dass das BBN es bis zum heutigen Tage unterlassen hat, im Sinne der Eingriffsregelung und im Rahmen des Vermeidungsgebotes zunächst eine Alternativenprüfung durchzuführen, die auch eine Parkerweiterung ohne Bebauung, eine Nullvariante beinhaltet. Auch haushaltstechnisch ist dieser Vorgang (Umgang mit Sondervermögen) sehr fragwürdig.

Das Bauamt Bremen-Nord verletzt damit seine Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit im Sinne des §1, Baugesetzbuch, wo es heißt:

„Die Bauleitpläne sollen eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung, die die sozialen, wirtschaftlichen und umweltschützenden Anforderungen auch in Verantwortung gegenüber künftigen Generationen miteinander in Einklang bringt, und eine dem Wohl der Allgemeinheit dienende sozialgerechte Bodennutzung gewährleisten. Sie sollen dazu beitragen, eine menschenwürdige Umwelt zu sichern, die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen und zu entwickeln sowie den Klimaschutz und die Klimaanpassung, insbesondere auch in der Stadtentwicklung zu fördern, sowie die städtebauliche Gestalt und das Orts- und Landschaftsbild baukulturell zu erhalten und zu entwickeln. [...]“

Alle diese Aspekte haben hier volle Gültigkeit (siehe 3.) und werden mit der aktuellen Bauleitplanung des Bauamtes Bremen-Nord ignoriert.

Der heutige und bald zur Auslegung anstehende Bebauungsplan-Entwurf 1274, der den Bebauungsplan 0936A aufheben soll, ist, wie aus den oben dargelegten finanziellen Vorfestlegungen ersichtlich, daher nicht etwa vorrangig Teil der „Wohnbaukonzeption Bremen 2020 – Komm mit nach morgen!“, die sich Bremen 2009 gegeben hat, sondern das Wohnraum-Programm dient an dieser Stelle als Feigenblatt für eine systematische und von langer Hand mit dem Segen des Senats eingefädelte Unregelmäßigkeit, wonach es dem Bauamt Bremen-Nord ermöglicht wurde, eine geschützte allgemeine Parkfläche zuerst zum Betriebseigentum zu erklären, mit dem Ziel, dieses jetzt als Bauland bzw. als die Mitgift des ehemaligen Gartenbauamts zu verkaufen. In Wahrheit oder juristisch betrachtet sind Gartenbauamt wie auch der heutige UBB nach wie vor nichts weiter als geduldete Gäste im Knoops Park, und zwar immer ohne jedwedes Besitz- oder Veräußerungsrecht.

  1. NEGATIVE UMWELTAUSWIRKUNGEN DURCH EINEN BAULICHEN EINGRIFF

Der Umweltbericht des 2015 neu aufgestellten Flächennutzungsplanes der Stadtgemeinde Bremen, FNP 2025, sieht zu der umstrittenen Fläche am Westrand des Knoops Park,

Nr. 515_233, gleich mehrere negative Umweltauswirkungen durch ein Bauvorhaben, etwa

  • durch die Neuversiegelung von unverbauten Bodenflächen

  • den Verlust von Versickerungsfläche

  • negative Auswirkungen auf die bioklimatische Situation der Fläche sowie für den angrenzenden Siedlungsbereich

  • leicht negative Auswirkungen auf den Luftaustauschprozess mit dem angrenzenden Siedlungsraum

  • erhebliche Beeinträchtigung des Stadtbildes, der prächtigen Baumreihen/Alleen, die einen hohen Erlebniswert als Teil von Knoops Park ausmachen

  • Lärm- und Schadstoffzunahme durch Verkehrszunahme

  • durch ein artenschutzrechtliches Risiko, das nicht auszuschließen ist (in Gehölz brütende Vogelarten und Fledermäuse im Altholzbestand möglich)

Ein Bauvorhaben an diesem Ort wäre also unter verschiedenen Aspekten gesehen ein massiver und fragwürdiger Eingriff. Durch die derzeit geplante Bebauung in zwei Reihen würde die zweite Reihe mit 10 m hohen Wohnblöcken überdies bis unmittelbar an eine dichte Baumreihe und damit direkt an das Flächendenkmal-Gebiet heranreichen. Diese Bäume hätten langfristig wohl keine Überlebenschance. Denn wer möchte von seinem Balkon aus direkt in Bäume schauen? Die Folge wäre, dass die Wohn-Blöcke nach Abholzung der Bäume direkt in die östlichen Parkteile hineinragen würden, was zu einer weiteren Zerstörung des parkartig geprägten Ortsbildes beitrüge und den Erlebniswert von Knoops Park erneut erheblich herabsetzen würde.

Bremen sollte daneben hier einen verantwortungsvollen Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen der Bundesregierung leisten, den Flächenverbrauch in Deutschland bis zum Jahr 2020 auf 30 Hektar pro Tag zu begrenzen.

  1. DIE PLANUNGSZIELE DER BAU-UMWELT-DEPUATION VON 2008

Die Planungsziele und politischen Beschluss-Vorgaben der Bau-Umwelt-Deputation vom 22.5.2008 zum Bebauungsplan 1274, die unter anderem die Fläche am Westrand des Parks

betrafen, waren:

  • Sicherung und Weiterentwicklung der öffentlichen Parkanlage Knoops Park, Steigerung der Erholungs- und Landschaftserlebnisfunktion

  • Sicherung und Entwicklung von übergeordneten öffentlichen Wegeverbindungen

  • Langfristige Erhaltung der historischen Gebäude durch eine entsprechende Nutzung, die auch in das Parkumfeld integriert werden kann

  • Ergänzende Wohnbebauung mit geringer Dichte an der Billungstraße

(Quelle: Deputationsvorlage der Bau-Umweltdeputation zum Bebauungsplan 1274 vom 25.4.2008, Nr. 17/111 (S), Seite 3)

Die Planungen beruhten zu diesem Zeitpunkt auf dem 35.000 Euro teuren Gutachten der renommierten Landschaftsarchitekten Müller-Glaßl & Partner, das wesentlicher Teil des Deputations-Beschlusses vom 22.5.2008 war und bis heute das einzige existierende Fachgutachten ist. Dieses 2005 vom damaligen Umwelt-Senator Jens Eckhoff in Auftrag gegebene Gutachten hatte den Titel „Freiflächen des Knoops Park nördlich der Straße ‚Auf dem Hohen Ufer‘ – Entwicklungskonzept.“ Müller-Glaßl legten mit diesem Gutachten ein Entwicklungskonzept vor, das das durch die Deputation beschlossene Planungsziel einer Sicherung und Weiterentwicklung der öffentlichen Parkanlage Knoops Park zum Ziel hatte. Sie betonen dabei:

„Historische Parkanlagen, die in ihrem Erscheinungsbild weniger gepflegt erscheinen und daher oder wegen Strukturmängeln für den Laien nicht eindeutig als kulturhistorisches Dokument von herausragendem Wert ‚auf den ersten Blick‘ ablesbar und erlebbar erscheinen, fallen häufig Bauwünschen zum Opfer. Das hier erarbeitete Entwicklungskonzept soll auch dazu dienen, im Interesse der Bürger eine schleichende Aufsiedelung der für die Erholung und die Stadtökologie wichtigen Parkflächen zu verhindern und durch eine fachgerechte städtebauliche Vorsorge langfristig kulturhistorisch wertvolle Anlagen zu bewahren, die den Bürgern eine besondere Identifikationsmöglichkeit geben.“

(Quelle: Müller-Glaßl-Gutachten, Seite 27, im Folgenden nur kurze Angabe der entsprechenden Seitenzahl aus diesem Gutachten)

Eine Bebauung mit „maximal 10 einstöckigen Wohnbauten“ (Seite 31) im Parkrandgebiet an der Billungstraße sollte gemäß Gutachten im schlechtesten Fall und ausnahmsweise nur dann verfolgt werden, wenn finanzielle Mittel für den dauerhaften Erhalt des Gartenbau-Betriebsstandorts Kränholm und die Umsetzung des Müller-Glaßlschen Entwicklungskonzeptes benötigt würden (siehe Seite 30 und Seite 45). Als Alternative zu einem „neuen locker strukturierten Wohngebiet“ könnte laut Müller-Glaßl dort auch eine „ländlich wirkende Freizeiteinrichtung mit Baustruktur ähnlich einer Hofanlage“ entstehen (siehe Seite 31). Das Fazit der Gutachter lautet:

„Als Alternative zu einem solchen großzügigen, neuen Wohnquartier von angerartiger Struktur ist an diesem Standort auch eine sich in die parkartige Randstruktur integrierende Freizeiteinrichtung mit intensiver Nutzung denkbar. Die könnten beispielsweise zu einem Reiterhof gehörende Anlagen oder ein Pitch- und Put-Green sein. Eine Nutzung im Zusammenhang mit den Gebäude [sic!] des Ensembles um Haus Kränholm wäre hier als ideal anzusehen. Diese Alternative wäre vor einer neuen Wohnanlage insofern zu bevorzugen, da sie sich möglicherweise besser in die vorhandene Parkrandstruktur integrieren ließe und optisch einen ländlichen Charakter aufweisen würde. Häufig werden in Wohngebieten über kurz oder lang die vorhandenen Altbäume gefällt, was hier ein herber Verlust wäre. Sollte hier ein neues Wohngebiet entstehen, ist es ratsam, die ERHALTUNG DES VORHANDENEN BAUMBESTANDES PLANUNGSRECHTLICH ZU SICHERN. Bei jeder Alternative, für die man sich entscheidet, ist neben der gewünschten Offenheit und der integrierten Grünverbindung in Ost-West-Richtung wichtig, dass der betreffende Bereich RÄUMLICH UND STRUKTURELL einen ÜBERGANG bildet zwischen den weiter westlich gelegenen Wohngebieten und den sich östlich abschließenden, offenen parkartigen Bereichen. Dabei ist der vorhandenen GRÜNVERBINDUNG im Zuge der BILLUNGSTRASSE ausreichend Raum zuzugestehen, damit diese als städtebauliches-räumliches Gliederungselement und als Wegeachse im Grünen Wirkung entfalten kann.“

(Siehe Seite 45, Hervorhebungen im Original, dort durch Fettdruck)

Das Müller-Glaßl-Gutachten sieht im Falle der Bebauung also vor, dass ein „räumlich-struktureller Übergang“ zu den weiter östlich gelegenen Parkgebieten geschaffen werden solle, durch etwa 10 Einfamilienhäusern mit großen, angerartigen Gärten. Entsprechende Planungen legte das BBN um 2008 vor. Eine lockere Bebauung würde aus fachlicher Sicht daher dazu beitragen, durch einen sanften Übergang den Parkcharakter der weiter östlich gelegenen Parkteile zu erhalten und den Park für die weiter westlich gelegenen Wohngebiete zugänglich und erfahrbar zu machen. Was bei einer Bebauung mit hoher Dichte nicht der Fall wäre (siehe 3.). In der Tendenz lassen Müller-Glaßl erkennen, dass sie eine Nicht-Bebauung des Westrand des Knoops Park insofern bevorzugen, da sich eine zu gestaltende Alternative „besser in die vorhandene Parkrandstruktur integrieren ließe und optisch einen ländlichen Charakter aufweisen würde“.

Mit dem finanziellen Engagement des Unternehmers i. R. Hans-Herbert Saacke und der Gründung, der Übernahme und der Sanierung der Kränholm-Einrichtung, ca. 2010, war eine Finanzierungsquelle zur Umsetzung des Entwicklungskonzeptes dann jedoch nicht mehr vonnöten. Der eigentliche Grund für ein Bauvorhaben fiel aus finanzieller und stadtplanerischer Sicht weg. Nun hätte das BBN die alternative Planung einer Parkerweiterung verfolgen müssen.

  1. DER PLANUNGSSCHWENK UM 2010 BEZÜGLICH DER BAULICHEN DICHTE

Doch die finanziell motivierten Vorfestlegungen „Einsparung der Gartenbau-Abteilung“ und „Parkflächen zu Bauland“ wurden auch nach dem Saacke-Engagement vom BBN immer weiterverfolgt. Aufgrund dieser Vorfestlegungen konnte man eine offene und fachlich motivierte Entscheidung und Planung der im Müller-Glaßl-Gutachten angesprochenen Alternativen, Bauen oder Parkerweiterung, die jetzt in Richtung Parkerweiterung hätte gehen müssen, nicht mehr erwarten. Jetzt wurde sogar noch einmal eine gewaltige Schippe auf die Planung einer Bebauung draufgelegt. Die Bauwut kannte nun keine Grenzen mehr. So kam es etwa um das Jahr 2010 zu einem erheblichen Planungsschwenk. Das „Städtebauliche Gutachten Billungstraße 2011 St. Magnus“, das keinen Textteil enthält und folglich kein Gutachten im herkömmlichen Sinne darstellt, zeigt nun auf einem Modellfoto ohne Maßstab massive 3-stöckige Baukörper, in zwei Reihen angeordnet, die sich nicht mehr in die umgebende Bebauung und das von Einfamilienhäusern geprägte Ortsbild einfügen würden und einen parkverträglichen „räumlich-strukturellen Übergang“ zu den Parkteilen völlig unberücksichtigt ließen.

Immobilien Bremen schickte dieses „Gutachten“ am 16.1.2014 dem Hauptpetenten übrigens erst, nachdem er die Bremische Informationsfreiheitsbeauftragte Dr. Imke Sommer eingeschaltet hatte und diese Immobilien Bremen zur Herausgabe aufforderte.

Die Anzahl der Wohneinheiten, die geschaffen werden sollten, stieg auf 20, 30 und 50, zur Zeit liegt sie bei ca. 40. Mit der Aufgabe der Planungsziele der Deputation vom 22.5.2008 (siehe 4.) verabschiedete man sich nun endgültig von einer seriös-fachlichen Stadtplanung, was mit der Wohnbaukonzeption 2020 und pauschalierenden Äußerungen von Beirat und Ortsamt Burglesum wie „Benötigung von Wohnraum für junge Familien“ usw. öffentlich gebetsmühlenartig bemäntelt wurde. Das Bauamt Bremen-Nord wurde auf politische Vorgabe offenbar nun nur noch als Bauzeichner-Büro behandelt.

Die politische Begleitmusik aus der Bürgerschaft zu dieser unseriösen Stadtplanung lieferte etwa auch die Bürgerschaftsabgeordnete Maike Schaefer, die 2008 bereits Mitglied der Bau-Umwelt-Deputation war und sich den damaligen Planungen einer langfristigen Sicherung und Weiterentwicklung des Knoops Park noch anschloss. Auf einer Einwohnerversammlung am 31.1.2014 in Friedehorst, Bremen-Lesum, sprach sie jedoch davon, hier werde nicht der Park, sondern nur eine „Brache“ bebaut, es komme sogar Parkfläche hinzu. Diese Sichtweise ist nicht nur aufgrund der Vorgeschichte eine Mogelpackung, sondern gründet schlicht auf einer Unkenntnis oder Leugnung des Fachgutachtens von Müller-Glaßl. Die derzeit geplante Errichtung einer Straße im Parkrandgebiet neben der Billungstraße, sowie eine zweireihige Bebauung mit 10 m hohen Luxus-Wohntürmen in Parkrichtung, ähnlich den Plänen des Modellfotos ohne Maßstab, sprechen hier eine eigene Sprache, nämlich die der aggressiven Aufsiedelung des nördlichen Knoops Park.

(Quelle: Bremer Bauleitplan-Informationssystem, Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr, Bplan 1274)

An einem rückblickenden Vergleich wird deutlich, dass die Ämter BBN und LfD am Westrand des Knoops Park heute nicht mehr aus vornehmlich fachlicher Sicht planen – sich dabei ihres Tuns aber bewusst sind.

Im Jahr 2001 wollten der Burglesumer Beirat und das Ortsamt Burglesum den Bau eines 120-Betten-Luxus-Hotels im Knoops Park durchsetzen.

Das Bauamt Bremen-Nord und das Landesamt für Denkmalpflege stellten auf einer gemeinsamen Sitzung am 10.12.2001 dazu fest:

„Es wird befürchtet, dass die Entwicklung eines Hotels an diesem Standort weitere Begehrlichkeiten für eine bauliche Entwicklung in Knoops Park entstehen lässt.”

Dazu legten die Ämter fest:

„Im Sinne der Eingriffsregelung ist im Rahmen des Vermeidungsgebotes zunächst eine Alternativenprüfung durchzuführen, die auch eine Nullvariante beinhaltet.”

(Quelle: Landesamt für Denkmalpflege, Akten zu Knoops Park, Sitzungs-Protokoll „Grobabstimmung zum Vorhabenbezogenem Bebauungsplan Nr. 42 Albrechtsburg“).

Mit mehreren Tausend Protest-Unterschriften wurde der damalige geplante Bau eines Luxus-Hotels im Knoops Park verhindert. Diesen Protest gab es auch diesmal. Mehr als 3000 Protest-Unterschriften von Bremer Bürgern gegen die Bebauung dieser Park-öffnenden Fläche am Westrand liegen dem Bremer Senat vor, der diese aber bis dato mit allen Kräften ignoriert.

Eine Aufsiedelung der nördlichen Parkteile täte der Gesamt-Anlage Knoops Park wie bereits angesprochen nicht gut. Denn die für die Bevölkerung leichter begehbaren und leichter zugänglichen Parkteile befinden sich nur im Nord-Teil des Parks, d. h. nördlich der Straße Auf dem Hohen Ufer, während südlich dieser zu überwindenden Straße ein ca. 15 Meter hoher Geestrücken im Park zu überwinden ist, was älteren und gehbehinderten Bürgern, etwa der nahegelegenen Seniorenheime, schwerfällt. Daneben befinden sich im Südteil immer mehr historische Häuser im Park in privatem Besitz, was den öffentlichen Raum und den öffentlichen Charakter des Parks zusehends einschränkt.

  1. NAHERHOLUNG UND WOHNEN IM GRÜNEN

Naherholung und Wohnen im Grünen haben in der Region St. Magnus/Knoops Park eine lange Tradition. Davon zeugen etwa Ansichtskarten, die um 1900 von den St. Magnuser Ausflugslokalen „Im Grünen Thal“ und „Stromwinkel“ aus verschickt wurden. Daneben richteten sich reiche Bremer Kaufleute schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts hier ihre Sommerresidenzen ein. In den letzten Jahren wurde die Region St. Magnus/Knoops Park jedoch einseitig und ausschließlich unter kommerziellen und fiskalischen Interessen als Premium-Wohnort im hochpreisigen Segment entwickelt.

Unsere Bürgerinitiative (BI) Grünes St. Magnus ist der Ansicht, dass es daher nun gilt, die einzigartige Schönheit des Knoops Park sowie seine Naherholungs- und Landschafts-Erlebnisfunktion, Planungsziel der Bau-Umwelt-Deputation zum Bplan 1274 vom 22.5.2008 (siehe 4.), langfristig für die Allgemeinheit zu entwickeln und zu erhalten und ihn vor Bebauungen zu schützen. Zudem sollte ein sozialer Ausgleich zu einer zunehmend reinen Wohnkultur im Stadtteil Burglesum geschaffen werden, der in den vergangenen Jahren bereits mehrere Sportplätze, ein Schwimmbad (Heidberg-Bad), eine Schulerweiterungs-Fläche (Grundschule St. Magnus) und weitere soziale Einrichtungen, wie das Lidice-Haus, im Rahmen der „Innenverdichtung“ verloren hat. Der bis heute gültige Freiraumplan Grünes Netz Burglesum des Senators für Umwelt sieht dazu auf der strittigen Park-Fläche am Westrand des Knoops Park die Schaffung einer sozialen und kulturellen Einrichtung vor.

(Quelle: Ortsteilspaziergang „St. Magnus 2030“, Skript, Bürgerinitiative (BI) Grünes St. Magnus)

  1. DIE PROBLEMATIK: EIN FEHLENDES BEKENNTNIS ZUM KNOOPS PARK

Anders als beim festgelegten Gelände des Bremer Bürgerparks und Stadtwaldes wurde es in der Vergangenheit versäumt, dem Knoops Park klare Grenzen zu geben. Eine öffentliche Debatte darüber, ob der Knoops Park als ein behutsam entwickelter Bremen-Norder Bürgerpark mit überregionaler touristischer Strahlkraft aufgrund seines enormen Potenzials (siehe die Bewertung des Professors für Landschaftsarchitektur Wolfgang Prollius unter 1.) als weicher Standortfaktor für Bremen-Nord entwickelt und vor Bebauung geschützt werden sollte, wie es z. B. im Rahmen des Müller-Glaßl-Gutachten empfohlen wird, hat bis zum heutigen Tage nicht grundlegend stattgefunden, wenngleich Landschaftsarchitekten wie Stefan Villena-Kirschner und Petra Schoelkopf etwa feststellen:

„Einen Schlüssel zur Entwicklung der Region bietet die Neubetrachtung von Bremen-Nord aus dem Blickwinkel seiner landschaftlichen und gartenkulturellen Potenziale.“

(Quelle: „Bremen-Nord neu betrachten – Lebensgefühl entstehen lassen, verloren gegangene Identität zurückgeben“, WIR-Magazin 2014, Seite 8)

Das Ausbleiben dieser öffentlichen Debatte „Entwicklung und Abgrenzung eines Naher-holungsraumes Knoops Park oder Schaffung von immer mehr attraktivem Wohnraum“ hatte zur Folge, dass die gut vernetzte Bauwirtschaft (z. B. ist der 2. Vorsitzende des Fördervereins Knoops Park e. V. ein Bauunternehmer) mit ihren Interessen immer mehr zum Zuge kam und bis heute kommt. Eine Sicherung und Weiterentwicklung der öffentlichen Parkanlage Knoops Park, besonders was den gut begehbaren Nordteil im Gegensatz zum Südteil mit seinen schwieriger begehbaren Geesthang-Lagen angeht, fand so nicht statt. Im Gegenteil: Durch die Immobilien-Vermarktungen des historischen Hauses Schotteck und des Remisenhauses der Villa Lesmona hält im Südteil des Parks immer mehr eine Privatisierung vor einer Entwicklung öffentlichen Raumes Einzug.

Im Nordteil des Knoops Park wurde hinter dem Rücken der Öffentlichkeit die strittige Grünfläche am Westrand aus dem Flächendenkmal-Gebiet herausgelöst und durch Verlustvorträge mit 1,7 Mio. Euro für bis 2015 angefallene Personalkosten für Grünpflege durch die Senatorin für Finanzen belastet (!), worauf der Umweltbetrieb Bremen (UBB) vor einiger Zeit öffentlich hinwies. (Quelle: UBB-Vortrag am 13.10.2015 im Burglesumer Beirat). Diese dem UBB nicht zuzuordnende Fläche in Allgemeinbesitz soll jetzt an Private verkauft werden und im Rahmen einer Investoren-Planung mit hoher Dichte bebaut werden. Das Landesamt für Denkmalpflege (LfD) war früh, schon vor 2010, über den beabsichtigten Verkauf dieser Fläche in Kenntnis gesetzt und stimmte ihm zu (Quelle: LfD, siehe auch 1.)

Durch derartig nebulöse finanzielle Vorfestlegungen und ausbleibende Investitionen in die Entwicklung des Nordteiles wirkt der Status eines Flächendenkmals geradezu absurd bzw. wie Augenwischerei. Eher wird das Ziel sichtbar, immer mehr öffentliche Parkteile mit fragwürdigen Methoden wie beschrieben herauszulösen, zu veräußern und hochprofitabel zu besiedeln. Da die Begehrlichkeiten der Bau- und Immobilienwirtschaft in der hochpreisigen Region St. Magnus/Knoops Park weiterhin bestehen bleiben werden und die derzeitige rot-grüne Regierung es unterlässt, sich klar zu einer öffentlichen Gesamtanlage Knoops Park innerhalb fester Grenzen zu bekennen, ist zu befürchten, dass der öffentliche Charakter des Knoops Parks immer mehr in den Hintergrund rückt und die Gesamtanlage per „Salami-Taktik“ in mehreren Schritten wie beschrieben langfristig fragmentiert und zunehmend privatisiert wird.

  1. POLITIKER VERSUCHEN EINE OFFENE DEBATTE ZU UNTERDRÜCKEN

Die Mehrheit der Burglesumer Kommunalpolitiker haben offenbar bis zum heutigen Tage nicht erkannt, welches enorme gesamtstädtische Entwicklungspotenzial der Knoops Park als Erholungsort in ihrem Beiratsgebiet besitzt. Es ist fraglich, ob sie ihre Verantwortung sehen, diesen einmaligen Park für die Bremer Bürger und die kommenden Generationen zu bewahren und weiterzuentwickeln. Besonders negativ fällt dabei auf, wie die Meinungsbildner in Ortsamt und Beirat in den vergangenen Jahren mit den Bebauungs-Gegnern wie auch Befürwortern einer Weiterentwicklung des Parks umgegangen sind.

In offener Konfrontation zu einem erklärten Bürgerwillen von 3000 Bremern, die sich mit Protest-Unterschriften gegen das Bau-Projekt am Westrand des Knoops Park und für eine ergebnisoffene Planung aussprechen und in offener Konfrontation zu den Argumenten des Fach-Gutachtens der Landschaftsarchitekten Müller-Glaßl & Partner, das eine andere Entwicklung der entsprechenden Parkfläche anregt, schleuderte die damalige Beiratssprecherin Bettina Hornhues den Sprechern unserer Bürgerinitiative (BI) Grünes St. Magnus etwa ohne Erläuterung von Gründen am 3.5.2013 in gemeinsamer Sitzung mit den Fraktionssprechern des Burglesumer Beirates entgegen: „Da wird gebaut, basta!“.

(Quelle: Protokoll der BI Grünes St. Magnus der gemeinsamen Sitzung vom 3.5.2013)

Ähnlich verhielt sich der Burglesumer Ortsamtsleiter Florian Boehlke. Bei einer gesetzlichen Einwohnerversammlung ist der Öffentlichkeit laut Baugesetzbuch, §3,1 grundsätzlich „die Gelegenheit zu geben, eine Erörterung (!) über sich wesentlich unterscheidende Lösungen zu führen, die für die Planung eines Gebietes in Betracht kommen“. Boehlke eröffnete die Einwohnerversammlung am 16.4.2013 zum Bebauungsplan 1274 jedoch diesen Passus ignorierend mit den Worten, Politik habe beschlossen, dass auf der strittigen Fläche am Westrand des Knoops Park gebaut werde, es gehe also nicht mehr um das „Ob“, nur noch um das „Wie“ einer Bebauung. Die Teilnehmer der Versammlung sollten danach an vier Stellwänden Fragen zu dem Neubauprojekt diskutieren, etwa die Frage, wie man neue Nachbarn erfolgreich integrieren könne. Nur durch einen erfolgreichen Antrag der Bürger konnte dieser Versuch, die offene Erörterung in Richtung eines Bau-Projektes vorfestzulegen, gestoppt werden. Wie von den Bürgern beantragt, wurde dann eine offene Debatte im Plenum geführt.

(Quelle: Protokoll der Einwohnerverammlung nach §3,1 BauGB vom 16.4.2013 zum Bebauungsplan 1274, Homepage des Ortsamtes Burglesum)

Nach diesen Versuchen, eine offene Debatte gezielt zu unterdrücken, unternahmen das Ortsamt und der Beirat Burglesum einen besonders trickreichen Versuch, dem gänzlich undemokratischen Prozess einen demokratischen Anstrich zu verpassen: Die Ortspolitik richtete im April 2014 einen nichtständigen Ausschuss mit weitreichenden Rederechten für die Bürger ein, der den vorfestlegenden Namen „Nichtständiger Ausschuss zur Gestaltung der vorgesehenen Fläche für Freizeit und Erholungsnutzung im Bebauungsplan 1274“ trug.

Dieser Ausschuss befasste sich aber in Unkenntnis der künftigen baulichen oder sonstigen Entwicklung im Parkrandgebiet nur mit der Nutzung einer Fläche, die neben (!) dem von den Politikern gewollten Neubaugebiet liegt und umging so die eigentliche Thematik der Nutzung auf der strittigen Fläche am Westrand des Parks. Die Planungen und die Verbindlichkeiten in diesem Ausschuss waren von höchst fragwürdiger Qualität. Die Planungsziele der Bau-Umwelt-Deputation vom 22.5.2008 (siehe 4.) einer „Sicherung und Weiterentwicklung der öffentlichen Parkanlage Knoops Park“, einer „Steigerung der Erholungs- und Landschaftserlebnisfunktion“ sowie einer „Sicherung und Entwicklung von übergeordneten öffentlichen Wegeverbindungen“, vor allem in die weiter östlich liegenden Parkteile hinein, wurden hier nicht ernsthaft verfolgt.

Es ist nach Ansicht unserer Bürgerinitiative daher mehr als fraglich, ob ein in diesem Ausschuss geplanter Aufenthaltsort für Kinder und Jugendliche sich gegen ein in sozialer Konkurrenz dazu stehendes Luxus-Wohn-Projekt in unmittelbarer Nähe wird durchsetzen können. Die politischen Ziele dieses Ausschusses waren es aus Sicht unserer BI auch vielmehr, der Öffentlichkeit eine Bürgerbeteiligungs-Show vorzugaukeln, um sich am Ende darauf berufen zu können, eine Beteiligung unserer Bürgerinitiative bzw. der Bürger hätte stattgefunden. Eine Vorstellung unseres zu einer Bebauung alternativen Projektes der „St. Magnuser Geest“ (siehe 9.) auf der strittigen Fläche wurde uns nicht zugestanden. Einzelne Elemente unseres Konzeptes wurden herausgelöst und von der Stadtplanerin des Bauamtes Bremen-Nord so übertrieben negativ dargestellt, als hätten wir völlig realitätsferne Vorstellungen. Eine Frau im Publikum sagte im September 2014 in diesem Ausschuss, die stimmberechtigten Beiratspolitiker im Ausschuss müssten sich vorrangig den Bürgern in ihrem Beiratsgebiet gegenüber verantwortlich fühlen, nicht ihren Parteien. Darüber ging Sitzungs- und Ortsamtsleiter Florian Boehlke lässig hinweg. In die von ihm selbst aufgestellten Mikrofone sagte er einfach:

„Ich habe den Auftrag, die Bebauung an der Billungstraße durchzuführen, Sie (in Richtung unserer BI und der Dame im Publikum) haben eine andere Meinung, Demokratie ist eben so.“

Unsere Bürgerinitiative lässt im Folgenden den sich nur auf Beschlüsse, nicht aber auf Inhalte berufenden Gremien Beirat und Ortsamt ihr Agieren nicht durchgehen. Die BI lässt weiterhin nicht locker und fordert beharrlich einen Diskurs ein, obwohl die Bremische Politik sich gerade in der „Innenverdichtung“ sieht und die Rot-Grüne Koalition an vielen Orten der Stadt kein Interesse an einem städtebaulichen Dialog mit den Bürgern oder Ideen-Wettbewerben zur Gestaltung öffentlicher Flächen zeigt, wie etwa am Bremer Bahnhofsplatz zu beklagen.

Die Mitglieder unserer BI wissen jedoch, dass Politik sich schon oft geirrt hat und dass die Bürger im Nachhinein oft Recht hatten. Beim Vegesacker Einkaufszentrum Haven Höövt wurden 7500 Unterschriften der Bürger gegen den Abriss des historischen Hauses des Schiffbauers Johann Lange und ihre Wünsche nach einer maritimen Entwicklung ignoriert. Nach der eingetretenen Insolvenz des Haven Höövts wird der Fehler der Errichtung dieses Einkaufs-Zentrums nun allgemein anerkannt, Politiker bereuen hinter vorgehaltener Hand, dass sie sich von den Investoren-Planungen damals haben blenden lassen.

Unsre Bürgerinitiative kennt auch ein berühmtes Beispiel aus der Bremer Städtebau-Geschichte, in der ein gefasster Beschluss rückgängig gemacht wurde, zum unbestreitbaren Vorteile Bremens. Denn der geplante Abriss des Ostertores und der dortige Bau von bis zu 28-stöckigen Hochhäusern auf den dazu „begabten Flächen“ wurde trotz eines zwischenzeitlichen, knappen Votums für diese sogenannte „Mozarttrasse“ dann doch noch zurückgeholt – weil man vor allem innerhalb der SPD debattierte und Argumenten gegenüber offen war. Heute ist das Ostertor eines der beliebtesten Bremer Wohnviertel.

(Quelle: Trassenkampf, Film von Konstanze Radziwill, D, 2004)

Dagegen verwechseln die große Koalition im Burglesumer Beirat und das Ortsamt das rein technische Fassen von Beschlüssen, die sich aber offen gegen ein breites Bürgervotum von 3000 Unterschriften aussprechen, in ihrem Stadtteilparlament mit Demokratie.

Mit gespielter Entrüstung und öffentlichkeitswirksam inszeniert forderte die Mehrheit im Beirat im Folgenden von unserer Bürgerinitiative dann die unbedingte Anerkennung der Beirats-Beschlüsse zur Parkbebauung als Bedingung für eine weitere „inhaltliche Zusammenarbeit“, die es zuvor nie gegeben hatte, siehe oben. Ein völlig neutraler Bürgerantrag unserer BI vom 8.12.2015, der vom Beirat das gleiche Engagement wie beim Grambker Seebad und die Wertschätzung unserer fachkundigen Initiativen-Arbeit einforderte, wurde dazu mit gespielter Entrüstung und konstruierten, nicht zutreffenden Vorwürfen gegen unsere BI beantwortet, etwa denen, wir würden dem Beirat vorwerfen, Anträge nicht zu beantworten oder zu ignorieren. Die Presse, an die das Ortsamt sein Schreiben auch gerichtet hatte, sprach von einem „Bruch“ mit unserer BI.

(Quelle: Beantwortung unseres Bürgerantrages vom 18.1.2016 durch das Ortsamt Burglesum)

(Quelle: „Beirat bricht mit Bürgerinitiative“, Die Norddeutsche, Beilage des Weser Kurier für Bremen-Nord und Umgebung vom 21.1.2016).

Unsere gut im Stadtteil verankerte Bürgerinitiative hätte diesem Angriff im „Basta und Buhmann-Stil“ eher die Schlagzeile „Beirat bricht mit seinen Bürgern“ verpasst.

Vertreter unserer Bürgerinitiative führten nach diesem Vorgang mit dem Präsidenten der Bremischen Bürgerschaft, Christian Weber, und dem Leiter für Organisationskommunikation, Hermann Kleen, am 3.2.2016 in der Bürgerschaft ein 80-minütiges Gespräch, in dem wir uns unter anderem auch über diesen Umgang eines Beirates mit seinen Bürgern beschwerten.

  1. UNSER ZUKUNFTS-PROJEKT „ST. MAGNUSER GEEST“, JANUAR 2014

Das vom Senator für Umwelt 2005 im Wege der Aufgabe der Parkgärtnerei erforderlicherweise beauftragte Gutachten der Landschaftsarchitekten Müller-Glaßl & Partner empfiehlt, die umstrittene Fläche für Freizeit und Erholung zu entwickeln (siehe 4.). Da das Bauamt Bremen-Nord es unterließ, Planungen in diese Richtung zu betreiben, wurden die Bürger tätig. Zusammen mit dem Weiterbilder Bras e. V. hat unsere Bürgerinitiative (BI) Grünes St. Magnus für die strittige Fläche am Westrand des Knoops Park im Januar 2014 das Alternativ-Konzept für einen Naherholungsraum „St. Magnuser Geest“ (Version 4) vorgelegt. Eine Nutzung als Sozialfläche mit Landschaftserlebnisfunktion, Planungsziel der Bau-Umwelt-Deputation vom 22.5.2008 (siehe 4.) wäre so gewährleistet. Dieses Konzept setzt die Überlegungen des Müller-Glaßl-Gutachtens als bisher einziges belastbares Fachgutachten konkret um. In unserem Konzept heißt es unter anderem:

„Die heutige Zeit stellt an Kinder, Erwachsene und Ältere hohe Anforderungen. Viel Zeit in der Schule und für die Schule verbringen, Stress im Beruf, in Würde altern sind die Stichworte dazu. Entspannung, Erholung und Freude erfahren sind dann die Dinge, nach denen die Menschen in ihrer freien Zeit Ausschau halten. Mit der St. Magnuser Geest entsteht ein moderner Naherholungsraum, der auf diese Bedürfnisse eingeht und einen bedeutenden Landschaftspark, den Knoops Park langfristig erhält und ausbaut. Wir wollen hier ein Umweltbildungsprojekt mit einem Begegnungsraum der Generationen kombinieren. Dabei knüpfen wir an die bereits bestehende Parkkultur an, etwa die Einrichtung des Kulturhofes Kränholm und den Blindengarten. Dazu stellen wir Anschluss- und Folgeprojekte in Aussicht.

So entsteht ein Stadtraum, der langfristig für Bürger von Nah und Fern, die nachfolgenden Generationen und für Bremen einen unschätzbaren Wert darstellen wird und für die Stadt Bremen langfristig einen wirtschaftlichen Gewinn bedeuten wird. Aus der Schönheit dieses Raumes entsteht eine Verantwortung gegenüber dem Wohl für die Allgemeinheit, dem wir mit der Schaffung der St. Magnuser Geest versuchen nachzukommen.“

Mit dem Konzept der „St. Magnuser Geest“ versucht unsere Bürgerinitiative die anliegenden Seniorenwohnheime ebenso einzubinden, wie die etwa 300 St. Magnuser Kinder und Jugend-lichen, die laut Spielraumanalyse St. Magnus 2011 (Quelle: Planungsbüro Naturspielraum) bis dato keine unstrittigen Draußen-Spielorte in St. Magnus haben und denen alsbald auch noch der Freizeitbereich Oeversberg (zugunsten der Jacobs-Uni) mindestens zum großen Teil droht weggenommen zu werden. Die Schaffung von Umweltbildungs-Angeboten wie Lehr-Bienen-Ständen (zur Zeit befindet sich ein Gemeinschafts-Bienenstand zweier Imker auf der umstrittenen Fläche), Obstprojekten, Waldprojekten, Open-Air-Projekten usw. könnte dabei die Schulen der Region sowie Einrichtungen vor Ort wie Parkführungen, das Klassik-Festival „Sommer in Lesmona“, den vorhandenen Blindengarten stärken und den Kulturhof-Kränholm mit einbeziehen. Neue Formate im Rahmen der Burglesumer Kulturtage könnten entstehen. Der Bürgerschaftsbeschluss „Natur in die Kitas, Kinder in die Natur” (Quelle: Bremische Bürgerschaft, Landtag, 18. Wahlperiode, Drucksache 18/1700) könnte hier erfolgreich umgesetzt werden. Zur Umsetzung solcher Konzepte werden für unsere Zukunft Freiräume im vorhandenen öffentlichen Raum benötigt.

Der Haupt-Petent als einer der Mitgründer der Bürgerinitiative Grünes St. Magnus wuchs übrigens in St. Magnus auf und hat im Knoops Park und den Lesum-Wiesen zu allen Jahreszeiten bisher viele schöne Stunden verbracht. Er ist tief mit diesem landschaftlich geprägten Naturraum verwachsen und kann nicht verstehen, dass Bremen hier einen solchen Schatz, an dem die Bevölkerung aus Bremen und Umzu teilhaben sollte, bereit ist, zum Wohle eines Investors und weniger, finanzstarker Wohnungskäufer unumkehrbar aus der Hand zu geben.

  1. ANREGUNGEN ZUR BEHANDLUNG UNSERER PETITION

Zur Behandlung unserer Petition regen wir an, sowohl eine Ortsbegehung durchzuführen als auch die Landschaftsarchitekten Professor Wolfgang Prollius und/oder Frank Glaßl von Müller-Glaßl & Partner als Experten miteinzubeziehen.

Bremen, den 4. November 2016

Bürgerinitiative Grünes St. Magnus

Olaf Brandtstaedter, Detlev Heimann, Jürgen Krupopp, Ursula Beinhorn,

Dr. forest. Christoph Morgenroth, Hagen Schmidtmann und andere

c/o O. Brandtstaedter, Buddestr. 8/10, 28215 Bremen

Tel: 0421-376 11 42, Mobil: 0175 344 3405

Begründung:

15.11.2016 (aktiv bis 27.12.2016)


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