Das Schulfach Geographie verfügt über eine große Bedeutung für die Gegenwart und Zukunft der bayerischen Schülerinnen und Schüler. Es ist für eine gute Allgemeinbildung unverzichtbar und befähigt zur differenzierten Auseinandersetzung mit Zukunftsthemen. Wie kein anderes Schulfach bietet der Geographieunterricht die Chance, dass die bayerischen Kinder und Jugendlichen - sowohl in der heimatlichen Region als auch in nationalen und globalen Zusammenhängen - anschauliche Einsichten in die Vernetzung naturräumlicher und gesellschaftlicher Prozesse gewinnen.

Die Wiedereinführung des G9 in Bayern darf daher nicht mit einer relativen Schwächung des Geographieunterrichts einhergehen! Aus diesem Grunde fordern wir im Rahmen der Ausweitung der Stundentafel im neuen neunjährigen Gymnasium in Bayern zwei Stunden mehr Pflichtunterricht Geographie als im G8 für alle Schülerinnen und Schüler. Diese sollten möglichst in der 11. Jahrgangsstufe (Jgst.) platziert werden.

Diese Forderung wird unterstützt von den Bayerischen Schulgeographen, der Konferenz der Geographiedidaktiken an bayerischen Universitäten, der Deutschen Gesellschaft für Geographie (DGfG) und der Fachgruppe Geographie im Bayerischen Philologenverband (bpv).

Motivazioni:

Der Klimawandel und der geplante Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen unter Donald Trump, die hohe Zahl an Geflüchteten weltweit sowie die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf Bayern und Deutschland oder die Diskussion um die Zukunft Europas bzw. der EU: Diese und viele weitere Prozesse sowie die damit verbundenen politischen und gesellschaftlichen Debatten unterstreichen, wie wichtig eine angemessene schulische Bildung im Fach Geographie ist, um den drängenden Herausforderungen der Zukunft zu begegnen, denn diese Zukunftsthemen sind schon seit Jahren zentrale Gegenstände des Geographieunterrichts.

Ursachen, Folgen und Gegenmaßnahmen zum Klimawandel, auch in seiner regionalen Differenzierung, bilden einen Schwerpunkt in der geographischen Bildung. Eng damit verbunden sind Fragen der Ressourcenknappheit, Energieversorgung, Nahrungsmittelsicherheit und des Naturschutzes, die in der Geographie thematisiert werden. Die Geographie ist das Schulfach, das sich maßgeblich mit Gründen und Folgen von Migrationsbewegungen in Herkunfts- und Zielgebieten auseinandersetzt. Chancen und Grenzen der Globalisierung sowie interkulturelles und globales Lernen sind ebenfalls langjährige elementare Bestandteile der Geographie, die deren Bedeutung für die Werteerziehung und die politische Bildung betonen. In Zeiten, in denen die Kooperation und Zusammenarbeit in Europa und weltweit in Frage gestellt werden, ist die geographische Bildung wichtiger denn je.

Geographieunterricht leistet mehr als den Aufbau räumlicher Orientierungskompetenz. Sein zentrales Ziel liegt in der Auseinandersetzung mit den Wechselbeziehungen zwischen Mensch, Gesellschaft und Umwelt in verschiedenen Räumen der Erde. Die Geographie verbindet damit systematisch, problembezogen und vernetzt natur- und gesellschaftswissenschaftliches Wissen und leistet zentrale Beiträge zu einer Bildung für nachhaltige Entwicklung. Durch die intensive Beschäftigung mit Besonderheiten und der Einzigartigkeit von Naturräumen, mit klimageographischen und geoökologischen Prozessen sowie mit Georisiken bzw. Naturkatastrophen trägt die Geographie zur Stärkung der Naturwissenschaften und des MINT-Bereichs bei. Genauso bedeutet eine Stärkung der Geographie eine Stärkung der politischen Bildung, z.B. durch die Behandlung von entwicklungspolitischen Zusammenhängen, Fragen der Raum- und Stadtplanung und der wirtschaftsgeographischen Entwicklung in Deutschland und Bayern. Die Beschäftigung mit raumwirksamen Entwicklungen und Konflikten fördert die Fähigkeit, lokale, regionale und globale Problemstellungen in ihrer gegenseitigen Vernetzung zu erkennen, differenziert zu beurteilen und mögliche Lösungswege abzuwägen.

Die Geographie wird zudem dem Anliegen des Ausbaus der Schulung von Medienkompetenz und digitaler Kompetenz gerecht. Neben der vertieften Auswertung und dem kritischen Hinterfragen von verschiedenen medialen Darstellungen von Fotographien über Zeitungsartikeln bis hin zu verschiedensten Formen von Diagrammen, stehen im Geographieunterricht Karten und digitale Medien wie Geographische Informationssysteme (GIS), digitale Globen (z.B. Google Earth) oder Anwendungen auf mobilen Endgeräten- wie dem Smartphone - im Mittelpunkt, deren Bedeutung im Zuge der digitalen Transformation enorm ansteigt.

Der Geographieunterricht an bayerischen Gymnasien hat beim Übergang vom alten G9 auf das G8 im Jahre 2004 zwei Stunden verloren. In der alten 11. Jgst. des alten G9 dienten die zwei Geographiestunden u.a. dazu, dass sich die bayerischen Gymnasiasten im letzten Pflichtschuljahr nochmals vertieft - und z.T. wissenschaftsorientiert unter Einbezug von außerschulischen Lernorten - mit natur- und humangeographischen Prozessen im Nahraum, in der Region Bayern sowie in Deutschland auseinandergesetzt haben. Dadurch wurde bei weitem nicht nur ihre räumliche Orientierung gefördert. Vielmehr wurden auch ihre Kompetenzen gestärkt, sich als Bürgerinnen und Bürger aktiv in Entscheidungsprozesse einzubringen. Dies ist im G8 durch den Stundenverlust nur deutlich eingeschränkter und nicht mehr zufriedenstellend möglich, da Bayern und Deutschland nur noch in der 5. Jgst. als Schwerpunkt thematisiert werden. Dieses große Defizit muss im neuen G 9 dringend korrigiert werden.

Aus den oben genannten Gründen fordern wir, dass die Geographie in der Stundentafel des neuen neunjährigen Gymnasiums um zwei Stunden Pflichtunterricht aufgewertet wird. Dem hohen Stellenwert der Inhalte und Kompetenzen des Faches Geographie kann nicht mit einer geringeren Stundenzahl als im früheren neunjährigen Gymnasium begegnet werden.

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  • Liebe Unterzeichnerinnen und Unterzeichner,

    wir möchten Sie auf eine weitere, zu unserem Vorhaben ähnliche Petition im Bundesland Hessen aufmerksam machen. "Erdkunde für Hessen 2020" setzt sich für adäquate geographische Bildungschancen in allen weiterführenden Schulen und insbesondere in der gymnasialen Oberstufe ein.
    Unterschreiben können Sie unter www.openpetition.de/!znrqf
    Auch möchten wir an die Petition aus Berlin erinnern, die in vier Tagen abläuft und sich über weitere Zustimmung freut. (www.openpetition.de/!schulgeographie)

    Eine angemessene Berücksichtigung und Verankerung der Geographie in den Schulen darf nicht an der Grenze zum nächsten Bundesland enden, sondern wir müssen uns gemeinsam bundesweit für die Akzeptanz des Faches einsetzen!

    Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

  • Am Donnerstag, den 26.10.17, fand ab 9:15 Uhr im Maximilianeum in München die 71. Sitzung des Ausschusses für Bildung und Kultus statt, bei welcher die Petition zur Stärkung der Geographie im neuen bayerischen G9 als Eingabe auf der Tagesordnung stand. Zu Beginn hielt Staatsminister Dr. Ludwig Spänle eine Rede, in welcher er verschiedene Schwerpunkte bei der Reform zum neunjährigen bayerischen Gymnasiums erklärte. Im Zusammenhang mit dem Entwurf einer Stundentafel vom 20.07.2017 sprach der Minister von einem konsensualen Entwurf und einem ersten Vorschlag. In der anschließenden Aussprache beklagte der Vorsitzende des Bildungsausschusses Martin Güll das suboptimale Vorkommen der Geographie sowie anderer Fächer in der bisherigen Stundentafel. Auch in den Anträgen der verschiedenen Fraktionen des Landtages kam immer wieder zur Sprache, Fächer, die in der bisherigen Planung „hinten runtergefallen sind, doch noch zu stärken“.
    Nach einer kurzen Einführung von Martin Güll, in der er unter anderem die mehr als 3000 Unterzeichner der Petition erwähnte, übernahm Ursula Zitzelsberger, Vorsitzende der bayerischen Schulgeographen, das Wort im Namen der Initiatoren der Petition. In einer flammenden und sehr engagierten Rede stellte sie die große Bedeutung der Geographie für die komplexen Herausforderungen der kommenden Jahre wie Klimawandel, Migration, Armut, Ressourcenverbrauch dar und äußerte Bedenken zur dogmatischen Stärkung der Kernfächer. Ebenfalls betonte sie den erheblichen Beitrag zur politischen Bildung und zur Digitalisierung, den Geographie u.a. durch Geographische Informationssysteme, leistet. Zusätzlich wurde auf den schwer nachvollziehbaren Zustand hingewiesen, dass in der Realschule zehn Stunden Geographieunterricht bis zum Mittleren Schulabschluss erteilt werden im Gegensatz zu sechs am Gymnasium. Beim Übergang vom früheren neunjährigen zum achtjährigen bayerischen Gymnasium sind dem Fach zwei Stunden verloren gegangen, die trotz der gestiegenen Relevanz der geographischen Themen dem Fach nun beim Übergang zum neuen G9 nicht wieder zuerkannt wurden. Zuletzt stellte sie die Frage, warum dem vergleichbar relevanten Fach Geschichte in der Stundentafel (Jgst. 5 bis 11) zehn, der Geographie jedoch nur acht Stunden zuerkannt würden.
    Die Mitglieder des Bildungsausschusses Prof. Dr. Waschler und Otto Lederer äußerten viel Verständnis für das Anliegen und sprachen davon, dass das die Argumente nicht zu widerlegen seien, verwiesen jedoch darauf, dass nicht die Wünsche aller Fächer berücksichtigt werden könnten und es sich bei der Erstellung einer Stundentafel um die „Quadratur des Kreises“ handele. Gemäß den Vorgaben in § 80 der Geschäftsordnung im bayerischen Landtag stimmten die Mitglieder der Fraktionen der SPD, Grünen und Freien Wähler für eine Überweisung an die Staatsregierung zur Berücksichtigung bzw. Würdigung, was jedoch durch die Stimmen der CSU abgelehnt wurde. Mit den Stimmen der CSU wurde die Petition abgelehnt. Jedoch bleibt trotz dieses ernüchternden Ergebnisses festzuhalten, dass die Stundentafel noch nicht endgültig beschlossen ist und wir uns weiterhin für das Anliegen der Petition stark machen werden.

  • Die Online-Petition zur Stärkung der Geographie im neuen bayerischen G9, die vom 14.06 bis zum 18.07.2017 insgesamt 3029 Unterschriften sammelte, wird am Donnerstag, den 26.10.2017, im bayerischen Landtag verhandelt. Die Sitzung wird im Konferenzsaal des Maximilianeums stattfinden und um 9.15 Uhr beginnen. Die genaue Uhrzeit des Aufrufs der Petition kann von Seiten des Landtages nicht genannt werden, da dies von der Abwicklung der Tagesordnung abhängt. Die Sitzung wird öffentlich stattfinden, sofern der Ausschuss dies nicht noch anders beschließt. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie mit uns an der Sitzung teilnehmen könnten. Bitte benutzen Sie den Besuchereingang und bringen Sie Ihren Personalausweis mit.

    Darüber hinaus ist in der Süddeutschen Zeitung ein Artikel, der das Anliegen der Petition aufgreift, erschienen.
    www.sueddeutsche.de/bayern/bildungspolitik-kritiker-sehen-naturwissenschaften-im-neuen-g-benachteiligt-1.3712128

Pro

Ich lehre an einer pädagogischen Hochschule in Wien, daher steht es mir nicht zu, eine Petition für eine Initiatve in einem anderen Land zu beurteilen. Ich darf - als Biologe - hier aber darauf hinweisen, dass der Geographie-Unterricht für die Bildung für nachhaltige Entwicklung eine Schlüsselrolle einnimmt. Eine ganz große Zahl der Lernziele und Kompetenzen zur Erreichung dieser globalen Ziele ist eng mit dem Geographie-Unterricht verknüpft. Die interdisziplinäre Betrachtung ökologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte ist in diesem Unterrichtsgegenstand hervorragend verankert.

Contro

Die Argumente Aktualitätsbezug - Nachhaltigkeit - fächerübergreifendes Lernen - ... passen mindestens genauso gut auf das Fach Wirtschaft und Recht, das mit der halben Stundenzahl (4 statt 8) in der Unter- und Mittelstufe auskommen muss und musste. Ziel des G9 ist es auch, den Schülern eine spürbare Entlastung zu bringen und es darf nicht sein, dass durch Fachegoismen die Arbeit an einer neuen Stundentafel erschwert oder gar die Stundenzahlen ausgeweitet werden.