Region: Sachsen
Erfolg

Kirche von unten statt Zentralisierung – Keine übereilte Strukturreform!

Petition richtet sich an
Landessynode und die Kirchenleitung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens

3.078 Unterschriften

Petition hat zum Erfolg beigetragen

3.078 Unterschriften

Petition hat zum Erfolg beigetragen

  1. Gestartet Dezember 2025
  2. Sammlung beendet
  3. Eingereicht
  4. Dialog
  5. Erfolg

Die Petition war erfolgreich!

Petition richtet sich an: Landessynode und die Kirchenleitung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens

Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens steht vor großen Veränderungen. Die Kirchenleitung bereitet daher einen weiteren, extrem weitreichenden Zentralisierungsschritt vor. Im bisher vorliegenden Zwischenbericht (www.kirche-im-wandel.org) wird die derzeitige Situation in den Gemeinden zwar in vielerlei Hinsicht treffend formuliert und es werden gute Ziele ins Auge gefasst. Die Lösungsvorschläge, die aus Perspektive der Kirchenleitung gemacht werden, drohen an vielen Stellen jedoch, die Probleme zu verschärfen.

Statt die Erfahrungen bisheriger Strukturanpassungen grundlegend auszuwerten und die Kirchgemeinde vor Ort zu stärken, setzt das Papier erneut auf größere, weiter entfernte und komplexere Strukturen. Dadurch drohen genau jene Defizite weiter verschärft zu werden, die selbst als problematisch beschrieben werden, und doch vielfach hausgemacht sind: der Verlust von Nähe, Verantwortung, Beziehung und geistlicher Verortung. Die angekündigten Zugewinne an Freiheit und Gestaltungsspielraum vor Ort bleiben dabei unbegründet und erscheinen aus der Perspektive der Gemeinden wenig glaubwürdig.

Konkret z.B. (Zitate aus „Kirche im Wandel“ sind jeweils fett hervorgehoben):

  • „Die Arbeitsgruppe soll ausdrücklich in ihrer Arbeit die Entscheidungen von „Kirche mit Hoffnung in Sachsen“ [2016] reflektieren …“ (S. 4). Statt eine umfassende und ehrliche Evaluierung von „Kirche mit Hoffnung“ insbesondere durch die Basis vorzunehmen, soll sich bereits in die nächste Reform der Reform (die eigentlich bis 2040 Ruhe versprach) gestürzt werden. „Die Zahl der Kirchgemeinden als Körperschaften öffentlichen Rechts soll sich deutlich und entsprechend reduzieren.“ (S. 13).

„Die letzten Strukturreformen bzw. -anpassungen haben dazu geführt, dass bei vielen das „Körpergefühl“ für die Gemeinde verlorengegangen ist. Die neuen Strukturverbindungen waren und sind nur bedingt in der Lage, die notwendige Verbundenheit mit der „Kirche vor Ort“ zu gewährleisten.“ (S. 7). Statt den „Körper“ der Gemeinde vor Ort nicht weiter ausbluten zu lassen, sollen zukünftig die wichtigen Personal- und Finanz-/Sach-Entscheidungen in noch größeren Strukturen getroffen werden, weit weg vom Ort, wo diese Entscheidungen ihre Wirksamkeit entfalten. „[Der Kirchgemeinde] ordnet die Landeskirche entsprechend der Gemeindegliederzahl Personal und Finanzen zu. Die Kirchgemeinden erhalten Gestaltungsspielräume für die jeweiligen Ortsgemeinden.“ (S. 13).

  • „Wir nehmen erstens wahr, dass oft nur noch mit Mühe die gewachsene Fülle an Regelungen zu durchdringen ist. Vor allem für Ehrenamtliche erzeugt die Unübersichtlichkeit eine lähmende Überkomplexität … Gremienfülle und Regelungsdichte stellen zugleich auch für den hauptamtlichen Dienst häufig und zunehmend eine Überforderung dar, die zur Ermüdung führt.“ (S. 12). Statt die (selbst verursachte) Regelungs- und Gremienfülle sowie Überkomplexität der Landeskirchengesetze und -verordnungen radikal auszudünnen, sollen wir die „nur schwer außerkirchlich zu vermittelnde und Zugänge und Anschlussfähigkeiten mindernde“ Rechtsformvielfalt als das Problem ansehen und verstehen, dass es zukünftig nur noch eine öffentlich-rechtliche Struktur gibt: die zentrale Großgemeinde, augenscheinlich in der Ausdehnung ähnlich früherer Landkreise. Die Ephorien wachsen auf die Größe der DDR-Bezirke. „Wir denken, dass die mittlere Ebene der Landeskirche neu gefasst und die Zahl der Kirchenbezirkedeutlich reduziert werden sollte. ... Denkbar wäre, die schon vorgeformten Bereiche der drei bisherigen Regionalkirchenämter in den Blick zu nehmen.“ (S. 15).
  
• Weitere Punkte finden Sie auf unserer Homepage www.kirchevonunten.de aufgelistet

Die Behauptung „Die Vielfalt und die freien Gestaltungsspielräume vor Ort sollen damit wachsen.“ (S 14) klingt vor Ort damit nicht glaubwürdig und lässt das Kirchgemeindeglied traurig aber auch mit vielen Fragezeichen zurück.

Viele Gemeinden erleben bereits: Je größer die Einheiten, desto weniger Nähe – und desto weniger Raum für beziehungsgetragenes Gemeindeleben.
Wir sind überzeugt: Der Weg in immer größere Strukturen ist nicht alternativlos.
Mit unseren 14 Thesen für eine Kirche von unten haben wir eine Alternative vorgelegt:

  • näher an den Menschen,
  • stärker in der Gemeinde verwurzelt,
  • subsidiär,
  • vertrauensbasiert,
  • theologisch klar begründet.

Eine Beschlussfassung über eine weitere Strukturreform durch die Landessynode bedarf zunächst

  • der Evaluation der bisherigen Strukturreformen,
  • der Diskussion in den Kirchgemeinden,
  • der Anhörung aller relevanten Gruppen und Meinungen sowie der ausführlichen Abwägung durch die Landessynode.

Deshalb fordern wir:

  1. der Landessynode für einen langfristigen Prozess die erforderliche Zeit zu geben.
  2. Alternative Ansätze, wie die der Basisinitiative Kirche von unten, sollen durch Kirchenleitung und Landessynode gleichberechtigt in den Entscheidungsprozess einbezogen werden.

Begründung

Alle Glieder unserer Landeskirche – Gemeindeglieder sowie Haupt- und Ehrenamtliche – sollten über mehrere Zukunftswege beraten und entscheiden können, statt nur über einen einzigen Reformvorschlag, der befürchten lässt, dass die Kirchgemeinde vor Ort weiter entrechtet, enteignet und entfremdet werden könnte.

  • Mit Gottvertrauen statt Strukturangst wächst Mut zu neuen Wegen.
  • Mit Vertrauen in die Kirchgemeinden vor Ort entsteht Kreativität, Verantwortung und Engagement – auch und erst recht bei sich reduzierenden finanziellen Möglichkeiten.
  • Mit echter Beteiligung, d.h. Übertragung von Verantwortung und Entscheidungsbefugnissen an die Kirchgemeinden vor Ort kann unsere Kirche lebendig bleiben – nicht trotz kleinerer Strukturen, sondern gerade wegen ihnen.

Darum bitten wir um Ihre Unterstützung: Unterzeichnen Sie diese Petition online oder auf Papier. Geben wir Kirche von unten die Chance, als gleichwertige Option in die Zukunftsdebatte unserer Landeskirche einzutreten. Bitte teilen Sie diesen Aufruf in Ihren Gemeinden und Kreisen!
Gern laden wir Sie zudem herzlich zur konkreten Mitarbeit bei unseren (oft virtuellen) Initiativkreistreffen ein. Jeder ist willkommen. Wir sind eine Gruppe vieler Ehren- und Hauptamtlicher und diskutieren in Themen-Arbeitsgruppen die organisatorischen, finanziellen, rechtlichen und viele weitere Aspekte von Kirche von unten. Schreiben Sie uns einfach eine Email an email@kirchevonunten.de.

Mehr Infos und weitere Unterstützungsmöglichkeiten unter www.kirchevonunten.de

Kirche von unten - Cyrkej wot deleka

14 Thesen zum Zwischenbericht „Kirche im Wandel“
Mit großer Sorge beobachten wir die Strukturpläne „Kirche im Wandel“ in unserer sächsischen Landeskirche. Wandel ist nötig, jedoch:

1. Das Fundament ist das Wort Gottes, welches das kirchliche Amt als Dienst beschreibt (Mt 23,11), nicht als Herren über die Gemeinde sondern als Vorbilder der Herde zu wirken (1. Petr 5,3).

2. Die Reformation hat gegen die zentralistische, hierarchische Papstkirche mit den Organisationsprinzipien Demokratie und Subsidiarität die Kirchgemeinde vor Ort als Basis kirchlichen Lebens ins Zentrum gerückt. Dieser Zustand muss wieder hergestellt werden. Voraussetzung dafür ist das Vertrauen in die Entscheidungskompetenz der Gemeinden.

3. Die Kirchgemeinde ist der zentrale Bezugspunkt, an dem kirchliches Wirken erfahrbar wird. Deshalb braucht sie verbindliche persönliche Beziehungen und nahe Ansprechpartner.

4. Die Körperschaft des öffentlichen Rechts bleibt die angemessene Rechtsform der Gemeinden.

5. Die Größen bzw. die Organisationsstrukturen der Zusammenarbeit von Kirchgemeinden müssen von diesen selbst und freiwillig bestimmt werden.

6. Eigenverantwortung soll die grundsätzliche Handlungs- und Entscheidungsprämisse darstellen. Personal-, Finanz- und Sachentscheidungen, die die Gemeinde betreffen, sollen durch die Gemeinde entschieden werden.

7. Za serbske cyrkwinske žiwjenje je dalša marginalizacija we wulkej strukturje wosebity strach (Für das sorbische kirchliche Leben ist die weitere Marginalisierung in einer großen Struktur eine besondere Gefahr). Die regional und geschichtlich vielfältige Prägungen sowie die Stadt- / Landbesonderheiten sind Identitätsanker, die sich in den Strukturen wiederfinden müssen.

8. Die Voraussetzungen zur Anstellung im Gemeindedienst müssen flexibler gestaltet sein.

9. Das Ehrenamt ist mehr denn je unverzichtbar für das Leben unserer Gemeinden. Dies muss sich in den Entscheidungsbefugnissen für Kirchenvorstände und Gemeindeglieder niederschlagen.

10. Es muss ein grundsätzliches Umdenken in der Finanzierung der Kirche geben: Ein viel größerer Anteil der Kirchensteuern muss bei den Gemeinden bleiben. Was die Kirchensteuer nicht mehr finanziert, müssen die Gemeinden selbst aufbringen dürfen. Selbstverständlich soll die Landeskirche weiterhin auf dem Solidaritätsprinzip beruhen, schwächere Gemeinden werden unterstützt, übergemeindliche Aufgaben werden gemeinsam getragen.

11. Die Verbeamtungen in unserer Landeskirche sollten ernsthaft in Frage gestellt werden.

12. Die mittleren Ebenen (Kirchenbezirke, Regionalkirchenämter) sind in Ihrer Funktion zukunftsfähig auszugestalten und an den Bedarfen der Kirchgemeinden auszurichten. Sie dürfen nicht pauschal weiter vergrößert werden.

13. Durch die Rückgabe von Verantwortlichkeiten an die Gemeinden können effizientere Leitungsstrukturen entstehen. So wird auch das Landeskirchenamt entlastet und kann seinen Beitrag zu erforderlichen Einsparungen leisten.

14. Die geistliche Leitung unserer Landeskirche und in den Gemeinden müssen jeweils von der Leitung der Verwaltung getrennt werden.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Basisinitiative Kirche von unten, Lichtenau
Frage an den Initiator
Bild mit QR code

Abrisszettel mit QR Code

herunterladen (PDF)

Angaben zur Petition

Petition gestartet: 16.12.2025
Sammlung endet: 06.07.2026
Region: Sachsen
Kategorie: Kultur

Neuigkeiten

  • Antwort Synode

    vor 12 Std.

    Liebe Unterstützer,
    anbei die Antwort der Synodalpräsidentin auf unsere Eingabe in die Synode.

  • Lieber/e Petent/in, nachdem am Abend des 06.03.2026 die angekündigte Gesprächsmöglichkeit mit den Synodalen aufgrund langwierige geschlossene Sitzungen zu anderenThemen leider ausfallen musste, stand am 07.03.26 dann der Abschlussbericht der Arbeitsgruppe „Kirche im Wandel“ auf der Tagesordnung. Die Aussprache zog sich, mit Unterbrechungen, bis in den Nachmittag hin. Mitglieder unserer Initiative haben am Morgen am Eingang zum Tagungsort und in den Pausen den Kontakt zu den Synodalen gesucht und konnten gute Gespräche führen. Zur Mittagspause war eine gut wahrgenommene Übergabe unserer gemeinsamen Petition an die Synodalpräsidentin Bettina Westfeld und an Landesbischof Tobias Bilz möglich. Dort haben wir über den Stand unserer Petition berichtet und Ihre vielen guten und wichtigen Kommentare hervorgehoben. Wir glauben, dass Ihre über 3.000 Unterschriften Eindruck bei den Gesprächspartnern hinterlassen haben. Am Nachmittag wurde die Aussprache zum Abschlussbericht der Arbeitsgruppe „Kirche im Wandel“ fortgesetzt und es wurden gute Änderungsanträge eingebracht. Erfreulicherweise haben sich dort und letztlich im Beschluss wichtige Teile unserer Forderungen wiedergefunden. https://engagiert.evlks.de/landeskirche/landessynode/28-landessynode-berichterstattung-vorlagen-und-beschluesse/28-landessynode-sondersynode-2026 Das lässt erkennen, dass unsere Petition und damit auch Ihre Unterschrift, Wirkung gezeigt hat. Wir möchten uns noch einmal ganz herzlich bei Ihnen für Ihre Unterstützung bedanken! Wie von uns gefordert hat die Landessynode statt eine Richtungsentscheidung zu fällen, die Kirchenleitung beauftragt, zu den anstehenden Strukturfragen den notwendigen Kommunikations- und Beteiligungsprozess schnellstmöglich, effektiv und umfänglich zu initiieren. Das war eines unserer Hauptanliegen. Die Kirchenleitung wurde weiterhin dazu angehalten, die im Abschlussbericht von „Kirche im Wandel“ vorgeschlagene Rechtsstruktur der Ortsgemeinden, nochmals zu überdenken – mit einem Modell, welches allen den öffentlich-rechtlichen Körperschaftsstatus erhält. Das ist eine wichtige Zäsur, über die wir uns freuen. Doch damit sind wir noch lange nicht am Ziel. Sie und wir alle sind weiter hingefragt. Wir müssen uns in den von der Synode beauftragten Beteiligungsprozess aktiv einbringen und darauf achten, dass alle Kirchenglieder die Möglichkeit erhalten, mitzugestalten. Bitte setzen Sie sich in Ihrem Umfeld für eine starke Beteiligung und Diskussion an der Basis ein! Wenn Sie dafür Hilfe benötigen, wenden Sie sich gerne an unsere Basisinitative. Wir werden auch in Zukunft mit Ihnen gemeinsam darum kämpfen, dass die Anliegen unserer Petition bei der Lösung der großen Zukunftsfragen unserer Kirche die notwendige Beachtung finden werden.
  • Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer

    Wie bereits Informiert findet am 6. und 7. März eine Sondertagung unserer Landessynode statt.
    Dazu eine Wichtige Information:

    Heute den 6. März ab 21 Uhr wird ist im Foyer im Haus der Kirche einen Gesprächsraum geben, wo Gemeindemitglieder und Interessierte herzlich eingeladen sind mit Synodalen zum Bericht „Kirche im Wandel“ ins Gespräch zu kommen.

    Dies ist im Allgemeinen Tagesablauf leider nicht vermerkt.
    Daher nochmal hier eine Extra Information.

    Mit besten Grüßen aus Sachsen und Gottes Segen
    das Team von Kirche von unten

Eine Großgemeinde ist sehr mit sich selbst beschäftigt. Wir wollen jedoch in die kirchenferne Gesellschaft ausstrahlen, Kirche für andere sein, so gut es geht. Dafür werden gesunde kleinere Gemeindestrukturen benötigt, um möglichst viele Berührungspunkte nach außen zu schaffen, in die Kommune und in die Nachbarschaft. Viele kleine Kugeln haben eine sehr viel größere Außenberührung als eine große.

Noch kein CONTRA Argument.

Mehr zum Thema Kultur

Helfen Sie mit, Bürgerbeteiligung zu stärken. Wir wollen Ihren Anliegen Gehör verschaffen und dabei weiterhin unabhängig bleiben.

Jetzt fördern