Unterschriften sammeln: Heiße Phase

Ihre Petition ist jetzt online, Sie wollen so viele Unterschriften wie möglich sammeln und die Petition in der Öffentlichkeit bekannt machen. Dafür gibt es drei Säulen, die alle wichtig sind: Internet, tatkräftiges Engagement und Pressearbeit.

a. Material: Video und Sharepic

Unter Verbreiten übers Internet erfahren Sie, wie Sie die Sozialen Medien nutzen. Hier stellen wir Ihnen nochmal zwei Dinge vor, die dafür sehr hilfreich sind: Videos und Sharepics. Denn um gute Beiträge zu verbreiten, brauchen Sie gutes Material.

Video: Nehmen Sie einfach mit dem Smartphone oder Camcorder ein kleines Video (im Querformat!) auf, in dem Betroffene und Unterstützende zu Wort kommen. Angenommen, Ihre Petition ist gegen die Rodung eines Waldes. Im Video könnten bspw. ein Jogger, Hundebesitzer und Förster kurz erzählen, warum eine mögliche Abholzung so schlimm wäre und weshalb die Petition unterschrieben werden sollte.

Ein Teaser oder Image-Video sollte nicht länger als 1:30 Minuten sein, gerne auch unter 30 Sekunden. Längere Videos werden selten (komplett) angeschaut, für die Verbreitung via social media gilt: je kürzer desto besser!

Wichtig ist, genau wie bei der Petition selbst, ein aufmerksamkeitserregender Videotitel, am besten „#Petition – Titel Ihrer Petition“. Auch die Videobeschreibung bei YouTube und Facebook ist von Bedeutung und sollte kurz und prägnant sein. 2-3 Sätze, in denen Sie das Anliegen anreißen und die Petition verlinken, reichen vollkommen aus. Achten Sie darauf, möglichst suchmaschinenkonform zu formulieren, d.h. die wichtigsten Schlagworte in Ihre Beschreibung aufzunehmen.

Achten Sie unbedingt auf gute Tonqualität, die Gefilmten sollten möglichst nah am Mikro sprechen und Störgeräusche vermieden werden. Wenn Personen Statements abgeben, sollten Sie nah am Gesicht filmen (Zooms, die nur die Nase und Augen zeigen, sind kontraproduktiv, Ganzkörperaufnahmen jedoch auch). Achten Sie darauf, bewegte Bilder zu verwenden, das lässt das Video lebhafter wirken. Wenn Sie bspw. eine Einstellung filmen, in der jemand auf einen Bildschirm schaut, filmen Sie über die Schulter auf das Display. Standbilder hingegen wirken einschläfernd und langweilig.

Schicken Sie uns Ihr Video vorab! Wenn Sie im Videoschnitt unerfahren sind, können Sie uns gern einzelne Snippets zukommen lassen und wir schneiden Ihr Video mit Adobe Premiere für Sie. Falls Sie Ihren Film lieber selbst schneiden möchten, geben wir Ihnen trotzdem gern Feedback und laden das Video, falls Sie keinen eigenen haben, auf unserem YouTube-Kanal hoch.

→ Kostenlose Schneideprogramme sind z.B. Windows Moviemaker oder iMovie.

→ Erstellen Sie Untertitel, damit Menschen Ihr Video auch ohne Ton ansehen können (viele haben die automatische Tonwiedergabe bei Videos ausgestellt, wenn sie unterwegs sind).

→ Unterlegen Sie das Video mit passender Musik, z.B. Klaviermusik.

 

Ein Beispiel für ein gelungenes Teaser-Video zur Petition “Keine Abschiebung unseres Mitschülers Abdulsami Naderi”. Das Video dauert mit 2:30 Minuten etwas länger, es kommen aber auch viele Personen zu Wort: 

openPetition hat das Engagement der Initiatoren unterstützt und das Video über den eigenen Facebook-Kanal verbreitet. Dann haben die Initiatoren den Facebookpost mit Video und das Youtube-Video an die Unterstützenden der Petition geschickt und zum Teilen gebeten. Das war eine tolle und effektive Möglichkeit, die Petition weit zu verbreiten. Dasselbe hat auch die Petentin und Mutter eines gehörlosen Sohnes gemacht, um Ihre Petition „Gebärdensprache umsetzen! Bilingual – bimodal – endlich normal!*“ zu verbreiten:

 

Sharepic: Ein Sharepic ist ein Bild, was erstellt wird, damit es so viele Menschen wie möglich teilen und verbreiten. D.h. es muss sofort ins Auge springen und eine ganz klare und simple Aussage haben. Manchmal reicht es schon aus, eine knallige Farbe als Hintergrund zu wählen und darauf einen fettgeschriebenen Satz zu platzieren, um auf das eigene Anliegen aufmerksam zu machen. Im Idealfall sieht man noch die Sache oder die Person/die Betroffenen, um die es geht. Auf ein Sharepic kommen nur die aller wichtigsten Infos! Ein Beispiel von der Petition für die Umsetzung der Gebärdensprache im Bildungssystem: 

Achten Sie darauf, in welchem Format Sie Ihr Bild anlegen. Die Bildgröße als auch der Platz für die Inhalte darauf unterscheiden sich je nach Kanal: Twitter, Facebook, Instagram, etc.

 

b. Verbreiten übers Internet – Widget, Soziale Medien, E-Mail

Sie haben eine Online-Petition erstellt und so ist es naheliegend, auch online Unterstützende zu gewinnen. Dafür stellt Ihnen openPetition verschiedene Funktionen zur Verfügung. Unten rechts auf der Petitionsseite finden Sie folgende Optionen:

E-Mails und Messenger: Verschicken Sie Ihre Petition per E-Mail an alle Ihre Kontakte. Durch eine persönliche E-Mail haben in den vergangenen Jahren viel mehr Menschen eine Petition auf openPetition unterschrieben, als auf irgendeinem anderen Weg. Nicht zu vernachlässigen sind auch Messenger wie Whatsapp oder Telegram, die sehr viele Menschen mit ihren Smartphones nutzen. Erstellen Sie eine Gruppe mit Ihren Kontakten und deren Kontakten und verschicken Sie den Link zur Petition. Die Petition von Schüler Dario hat über Whatsapp 45.000 Menschen erreicht – und das in nur 48 Stunden!

Schicken Sie Ihre Petition auch per E-Mail an Organisationen und Vereine, die Ihr Anliegen unterstützen könnten und bitten Sie diese, Ihre Petition in deren Verteiler weiterzuverbreiten.

Soziale Medien: Facebook, Twitter und Instagram sind unerlässlich, um viele Menschen zu erreichen. Über den eigenen Facebook-Account ist es möglich, regelmäßig Fotos und Neuigkeiten mit Ihren Bekannten zu teilen. Bitten Sie diese auch, wiederum Ihre Nachricht zu teilen und weiterzuleiten. Presseartikel zum Thema oder zu Ihrer Petiton eignen sich hervorragend als Aufhänger für einen Beitrag. Oft posten Zeitungen Links zu einzelnen Artikeln, die Sie reposten und mit eigenen Worten ergänzen können. Auch Feiertage, die thematisch mit Ihrer Petition zusammenhängen oder Gesetzesentwürfe eignen sich für einen Post. Fragen Sie auch hier Organisationen und Vereine, ob diese Ihre Petition auf ihren Seiten teilen.

Verwenden Sie immer denselben #Hashtag für Ihre Posts und vertaggen Sie beteiligte Akteure. So schaffen Sie eine Cloud bzw. eine nachhaltige Debatte für Ihr Anliegen. Was besonders gut ankommt, sind kurze Videos, in denen die Betroffenen schildern, wie wichtig ihnen das Anliegen ist. Videos werden auf Sozialen Medien wie Instagram oder Facebook besonders oft geklickt und weiter geteilt.

Informieren Sie uns, welche Aktionen Sie auf den Sozialen Medien planen und schicken Sie uns Ihre Fotos und Videos, dann können wir Sie unterstützen und Ihnen Feedback geben. Auf Facebook können Sie uns immer markieren (vertaggen), indem Sie @openPetition in den Post reinschreiben und unser Profil auswählen. Dann bekommen wir alles mit und können den Post ggf. über unseren Kanal teilen. 

Widget und Banner: Sie haben die Möglichkeit, auf Ihrer Webseite oder der von Bekannten ein Widget einzubinden. Das Widget ermöglicht es Unterstützenden, direkt auf der Webseite zu unterschreiben, ohne vorher auf openpetition.de gehen zu müssen. So können Sie dezentral Unterschriften sammeln. Eine andere Möglichkeit besteht darin, ein Banner direkt auf Ihrer Website einzubinden, über das Unterzeichner direkt auf die Petitionsseite weitergeleitet werden.

Platzieren Sie Ihre Petition gezielt online: Viele der am schnellsten wachsenden Petitionen waren in thematisch passenden Foren, Blogs und Online-Magazinen verlinkt. Suchen Sie nach Webseiten, auf denen sich Menschen über ähnliche Themen austauschen. Schreiben Sie einen eigenen Beitrag, in dem Sie erzählen, warum Ihnen das Anliegen wichtig ist (Petitions-Link nicht vergessen!). Sie können hier ruhig ins Detail gehen, denn wer auf diese Seiten kommt, interessiert sich für Ihr Thema. Eine weitere gute Möglichkeit sind Online-Ausgaben von Zeitungen und Online-Magazine: Wenn Sie einen Bericht oder Artikel zu Ihrem Thema entdecken, schreiben Sie einen Kommentar mit dem Link zur Petition oder fragen Sie Autoren von regionalen oder thematisch geeigneten Blogs und Online-Magazinen, ob sie über Ihre Petition berichten wollen.

 

c. Engagement – offline nicht vernachlässigen

Damit Ihre Petition in die Öffentlichkeit gelangt, müssen Sie diese auch in die Öffentlichkeit bringen. Hier können Sie wirklich kreativ werden und sich Ihre eigenen Aktionsformen ausdenken. Ein paar Dinge haben sich hier besonders bewährt:

    • Informationsabende und Bürgerversammlungen: Kontakte knüpfen und Nachbarn informieren, Mitstreiter finden
    • Benefizkonzerte: Spenden sammeln und ein schönes Erlebnis für Unterstützer schaffen
    • Demonstrationen an für die Petition wichtigen Orten: Lenken die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema und zeigen, wie wichtig es den Befürwortern ist
    • Offline-Unterschriftensammlung und Infostand: Das ist eine Besonderheit von openPetition, denn hier haben Sie die Möglichkeit online und offline Unterschriften zu sammeln. So erreichen Sie nicht nur internetaffine Menschen, sondern können generationsübergreifend zusammenarbeiten und kommen vor Ort mit anderen Betroffenen ins Gespräch. Wie das geht, finden Sie hier.
    • Bannerwerbung an Straßen und Gebäuden

Unbedingt bei allen Aktionen: Presse informieren, Journalisten einladen, selbst Fotos und Videos machen, damit Sie wieder Material für Ihre Online-Strategie haben.

d. Pressearbeit – Aufmerksamkeit schaffen

Tageszeitungen sind nach wie vor das wichtigste Medium, um eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Auch Radio und Fernsehen haben große Reichweiten. Damit Journalisten und Journalistinnen von Ihrer Petition erfahren, informieren Sie sie und liefern Sie ihnen alle relevanten Fakten, Bilder und eine spannende, persönliche Geschichte zu Ihrem Anliegen. Sie sollten die Presse beim Start Ihrer Petition informieren und vor allem zu all Ihren offline-Aktionen und zu Übergabe einladen. Halten Sie interessierte Journalist/innen auch über zwischenzeitliche Entwicklungen auf dem Laufenden. Ereignisse, die im thematischen Zusammenhang mit Ihrer Petition stehen, bpsw. ein Feiertag, eine Demonstration oder ein Gesetzesentwurf, eignen sich als Aufhänger für eine Pressemitteilung.

Kontakte sammeln: Suchen Sie E-Mail-Adressen und Telefonnummern von Journalist/innen und Redaktionen heraus, die sich für Ihr Anliegen interessieren könnten. Mögliche Überschneidungspunkte sind: gleiche Themen (z.B. Fachzeitungen), regionale Nähe (Lokalzeitungen) oder ideelle Nähe (gleiche Überzeugungen).

Kontakt aufnehmen: Rufen Sie in den Redaktionen an und fragen Sie, an welche Emailadresse Sie Ihre Informationen am besten schicken bzw. fragen Sie nach dem Kontakt des Redakteurs/der Redakteurin, der Sie Ihr Anliegen schildern wollen. Es ist wichtig, eine Nachricht an die richtige Person oder das richtige Ressort zu schicken, sonst gehen Ihre Informationen (am besten in Form einer Pressemitteilung) unter.

Pressemitteilung schreiben: Verschicken Sie eine Pressemitteilung (PM) zu Ihrer Petition. Sie sollte sachlich und auf den Punkt gebracht alle Fakten darstellen und Ansprechpartner für mehr Informationen enthalten.

Checkliste PM:

  • Betreff: Ein zusammenfassender Satz, der neugierig macht
  • Erster Absatz: Hier beantworten Sie direkt die Fragen Wer, Was, Wann und Wo. Keine langen einleitenden Sätze!
  • Mittelteil: Hier beantworten Sie die Fragen Wie und Warum und erzählen die Vorgeschichte. Hier ist Platz für interessante Details.
  • Schluss: Hier nennen Sie alle weiterführende Angaben. Nicht fehlen darf
    • der (Kurz)Link zur Petition
    • Ihre Kontaktdaten (E-Mail-Adresse und Telefonnummer) und das Angebot, als Interviewpartner zur Verfügung zu stehen
    • Termine Ihrer geplanten Aktionen
  • Schreiben Sie maximal eine Seite.
  • Schicken Sie aussagekräftige Bilder in guter Qualität mit oder laden Sie sie bei FlickR hoch

Online: Wenn ein Artikel über Ihre Petition online erschienen ist (fast alle Printartikel erscheinen auch online), stellen Sie sicher, dass der Link zur Petition eingefügt wird! So erhalten Sie sehr viele Unterschriften und Interessierte können sich über den Stand der Dinge auf dem Laufenden halten. Rufen Sie unbedingt nachträglich in den Redaktionen an, um auf eine (noch) fehlende Verlinkung hinzuweisen.

 

e. Dialog – Entscheidungsträger kontaktieren

Vorab Kontakt mit denjenigen, die über das Anliegen Ihrer Petition entscheiden werden, zu suchen, erweist sich oft als sinnvoll.  Mit den Stellungnahmen, die beim erreichten Quorum angefragt und auf der Petitionsseite veröffentlicht werden, fördert openPetition einen transparenten Bürger-Politik-Dialog. Diese Stellungnahmen sind eine gute Möglichkeit, herauszufinden, welche Politikerinnen und Politiker Ihr Anliegen ablehnen oder unterstützen. Außerdem kann angegeben werden, ob die Abgeordneten eine öffentliche Anhörung im jeweiligen Parlament begrüßen würden.

Auch zu nicht-politischen Entscheidungsträgern, wie Akteuren aus der Wirtschaft oder dem Kulturbetrieb, lohnt es sich, vor der Entscheidung über die Petition, zu kommunizieren, sich auszutauschen und eventuell gemeinsam medial auf die Petition aufmerksam zu machen.

Zurück zu den Tipps und dem Leitfaden: Wie mache ich eine erfolgreiche openPetition?

 

Vernetzen Sie sich mit openPetition

Petitionsrecht 4.0

Öffentliche Termine

Publikationen & Material

  • Länderbericht Petitionen 2016 (PDF)
  • Masterarbeit Online-Partizipation (PDF)
  • Jahres- und Transparenzbericht 2016 (PDF)

Ενεργά ψηφίσματα