Laut Informationsseite der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien sind „Träger- und Telemedien, die geeignet sind, die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu gefährden“ Vertriebs- bzw. Verbreitungsbeschränkungen unterworfen, werden kurz gesagt, auch wenn dieses Wort ungeliebt ist, zensiert. Hierunter fallen vor allem als gewaltverherrlichend angesehene Filme oder Computerspiele, rassistisch bzw. politisch extremistisch motivierte Texte oder Lieder oder als sexistisch bzw. frauenfeindlich eingestufte Werke. Zusätzlich dazu sollen bspw. als für Kinder und Jugendliche ungeeignete Filme erst ab einer bestimmten Uhrzeit - also für die meisten Minderjährigen nicht direkt erreichbar - gesendet werden.
Über einen Sinn oder Unsinn einer solchen Zensur bzw. Beschränkung wurde bereits zur Genüge diskutiert. Fakt ist, dass dieses System in Deutschland existiert und auch angewandt wird. Dies zeigt sich besonders bei Liedern, die den Genres Hip Hop oder Metal zugeordnet werden.
Es ist daher mehr als verwunderlich, dass ein Lied wie „Hangover“ von Taio Cruz, das offen exzessiven Alkoholkonsum propagiert, beispielsweise auf dem ausgewiesenen Jugendsender des Westdeutschen Rundfunks, Einslive, gesendet wird - noch dazu vor allem Nachmittags, zu einer Uhrzeit, zu der die meisten Schüler und Jugendlichen durchaus Radio hören.
Das gesamte Lied stellt sich als eine Glorifizierung übermäßigen Trinkens dar: „I got a hangover, wo-oh! / I've been drinking too much for sure / I got a hangover, wo-oh! / I got an empty cup / Pour me some more“ - ein Kater stellt sich hier als wünschenswertes Ergebnis, quasi Trophäe einer Party dar. Obwohl es dem (man verzeihe mir den hochgestochenen Ausdruck) lyrischen Ich bewusst ist, dass zuviel getrunken wurde, verlangt es nach noch mehr Alkohol.
Das ganze stellt sich nicht als bittere Ironie, als Darstellung des Alltags eines Alkoholkranken dar, sondern wird als wünschenswertes Verhalten während einer Party propagiert, der Alkohol dient dabei sogesehen als Mittel, überhaupt erst weiterfeiern zu können: „I wanna keep it going, keep keep it going, going, going, going...“ - und viele Stellen des als spaßiges Partylied daherkommenden Songs mehr.
Besonders im Lichte der Diskussion um steigenden Alkoholkonsum unter Jugendlichen und das sogenannte Komasaufen ist es nicht nur geschmacklos, sondern geradezu fahrlässig, ein solches Lied unkommentiert zur Mittagszeit zu senden, wo es Kinder und Jugendliche hören und sich ein Beispiel daran nehmen können - besonders, da das Trinken von Alkohol als per se jugendliches Attribut dargestellt wird: „And I don't ever ever want to grow up“. Dass es sich bei diesem Lied auch keineswegs um eine traurige Ballade oder ähnliches handelt, sondern eben um eins, das auch auf Parties und eben zum feiern gespielt werden soll, verstärkt den negativen Einfluss nur noch mehr.
Dass Medien (und somit natürlich auch Lieder) allgemein als ein starker Einfluss auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen gelten, ergibt sich schon aus der Aufgabenstellung der BpjM. Zusätzlich dazu sagt einem alleine schon der gesunde Menschenverstand, dass (übermäßiger) Alkoholkonsum „die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit“ negativ beeinflussen kann - was sich letztendlich auch in der Reglementierung des Alkoholausschankes manifestiert.
Erneut fragen sich hier guter Geschmack und gesunder Menschenverstand, wieso dann ein solches Lied auf Sendern, deren Zielgruppe Kinder und Jugendliche sind, gesendet werden darf. Natürlich darf jeder trinken, wie viel er für richtig hält, aber ein Lied, das solches übermäßiges, selbstzerstörerisches Verhalten glorifiziert, ist nicht akzeptabel, erst recht nicht als regulärer Programmbestandteil eines Jugendsenders. Viel mehr ist es ein Schlag ins Gesicht für alle, die gegen exzessives Trinken bei Kindern und Jugendlichen und einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol einsetzen.
Es kommt hier nicht auf musikalischen Anspruch, das Für und Wider der Zensur oder sonstetwas an. Es kommt einerseits auf guten Geschmack, andererseits eben vor allem auf den Schutz der Jugend an, besonders in Zeiten steigenden Alkohol- und Drogenkonsums unter Jugendlichen und damit verbundenen Gesundheitsproblemen oder gar Todesfällen. Es kommt hier darauf an, ein Lied, das dieses Verhalten propagiert, verharmlost, ja sogar als wünschenswert darstellt und somit die Jugend dahingehend prägt, in seinem Inhalt und dessen Wirkung der Öffentlichkeit bewusst werden zu lassen und den Fokus von vermeintlich extremer Undergroundmusik auch vermehrt in den Bereich der vermeintlich harmlosen Popmusik wandern zu lassen. Nimmt man an, dass Musik negativen Einfluss haben kann, so hat ein solcher Popsong wie „Hangover“ doch einen ungemein größeren Verbreitungskreis und somit ei