Sehr geehrter Herr Staatsminister Grüttner,

mit großer Betroffenheit haben wir an der Tagung des Bundesverbandes Psychoanalytische Paar und Familientherapie zum Thema „Unruhe in Familien: Globalisierung, Radikalisierung, Digitalisierung und Medikalisierung“ an der Universität Gießen (15.-7.6.2018) von einer Presseerklärung (11.6.2018) erfahren, in der mitgeteilt wurde, dass die Erstaufnahmeeinrichtung „Michaelisdorf“ in Darmstadt geschlossen werden soll.

Wir bitten Sie sehr, diese Entscheidung nochmals zu überdenken. Ihr Ministerium hat im Michaelisdorf die Durchführung des Pilotprojekts „STEP-by-STEP“ zur Unterstützung besonders traumatisierter Flüchtlinge initiiert und gefördert.

Daher können wir die Entscheidung, diese Einrichtung, die auch als Modell für die Einrichtung der vier Psychosozialen Zentren in Hessen diente, zu schließen, in keiner Weise nachvollziehen.

Auch wenn die Zahlen der Flüchtlinge, die in Hessen ankommen, zurückgegangen sind, wird eine Betreuung von besonders Traumatisierten, etwa von Schwangeren, allein reisenden Frauen und Kleinkindern auch in Zukunft notwendig sein.

Wir bitten Sie daher eindringlich, sich für den Erhalt des Michaelisdorfes einzusetzen und die Schließung zurückzunehmen

Begründung

Das Projekt hat auch in unserer Fachgesellschaft eine große Anerkennung gefunden und dient inzwischen in vielen Institutionen als Modell für die professionelle Betreuung von traumatisierten Flüchtlingen. Auch in den nationalen und internationalen Medien wurde mit hoher Wertschätzung von der Arbeit im Michaelisdorf berichtet. Aus unserer Sicht bietet das Projekt gerade in den aktuellen Debatten zur Betreuung von Geflüchteten ein konkretes Beispiel, wie durch eine professionelle Betreuung die Integration traumatisierter Asylsuchender menschlich, aber auch effizient und nachhaltig gefördert werden kann. Die Teams vor Ort haben sich sehr engagiert und wurden durch das Modellprojekt intensiv weitergebildet. Zudem wurden die institutionellen Betreuungsstrukturen in vorbildlicher Weise verbessert.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Hans-Jürgen Wirth aus Gießen
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Pro

Das Konzept dieser Erstaufnahmeeinrichtung ist sehr gut. In dieser dorfähnlich gestalteten Einrichtung müssen (bzw. eigentlich müsste es heißen: DÜRFEN) die Flüchtlinge auch selber aktiv sein, etwas für die Gemeinschaft tun; sie bekommen nur etwas für Gegenleistungen. Das ist sehr sinnvoll und ziemlich einmalig in Deutschland! Das Konzept dieses Pilotprojektes kann man hier nachlesen: FR, 28.01.2016, Pilotprojekt: Leben wie in einem Dorf, siehe www.fr.de/rhein-main/pilotprojekt-leben-wie-in-einem-dorf-a-392628

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