representative Andreas Braun

Gemeinderat in Unterkirnach

    Opinion on the petition Das Ackerloch erhalten

    CDU und Bürgervereinigung, last modified: 19 Jun 2020

      I abstain.

    Reason:

    Liebe Familie Simmerer,
    liebe Familie Adam,
    liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

    sehr gerne möchte ich der Aufforderung nachkommen, aus Sicht der Verwaltung zum geplanten Bau von Mini-Häusern im Ackerloch Stellung zu beziehen.

    Zunächst einmal erachte ich es als völlig legitim, wenn sich Bürgerinnen und Bürger einer Gemeinde kritisch äußern und einem neuen Projekt ablehnend gegenüberstehen. Für fraglich halte ich allerdings die Initiierung einer Petition, ohne sich selbst informiert zu haben und bevor die von der Gemeinde bewusst gewählte Form der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit überhaupt begonnen hat.

    Aufgrund der besonderen Zeit in den zurückliegenden Wochen und Monaten, verbunden mit der Tatsache, dass nicht vorhersehbar war, wann überhaupt wieder eine öffentliche Veranstaltung in einem größeren Rahmen stattfinden kann, wurde von Seiten der Verwaltung ganz bewusst der Weg eines Aufstellungsbeschlusses zu einem Flächennutzungsplanänderungsverfahren gewählt.

    Auch wenn dieser Schritt unter normalen Umständen sicher erst nach einer Informationsveranstaltung stattgefunden hätte, ist dieses Vorgehen nichts Ungewöhnliches. Im Gegenteil - diese Vorgehensweise ist sogar gerade in solch einer Situation sinnvoll, um die frühzeitige Einbindung aller Beteiligten zu ermöglichen. Die frühzeitige Beteiligung läuft seit dem 08. Juni 2020 und dauert bis 24. Juli 2020. In dieser Zeit wird es definitiv möglich sein, Sie in aller Form vollumfänglich zu informieren, sodass sich alle im Dorf ein Bild über das mögliche Vorhaben verschaffen können.

    Losgelöst von der Petition ist das geplante Projekt eine große Chance, das touristische Standbein von Unterkirnach weiter auszubauen und somit zum Erhalt unserer Infrastruktur beizutragen. Gerade in der momentanen Zeit mitsamt den Auswirkungen der Corona-Krise, fast schon ein wenig außergewöhnlich. Daher ist es aus meiner Sicht durchaus nachvollziehbar, dass die überwiegende Mehrheit des Gemeinderates solch einer Investition erst einmal positiv gegenüber steht.

    Das Projekt kann in einer ersten Ausbaustufe von 13 Mini-Häusern gut und gerne bis zu 10.000 Übernachtungen (ÜN) jährlich erzielen. Diese Übernachtungen sind notwendig, um wegfallende Ferienwohnungen ohne Nachfolge zu kompensieren und auch um zusätzliche Angebote und Zielgruppen zu erschließen.

    Allein unsere rund 95.000 ÜN pro Jahr sorgen für eine Wertschöpfung von über 4.000.000 € im Dorf. Hiervon profitieren neben den Beherbergungsbetrieben selbst in erster Linie die Gastronomie, der Einzelhandel, unsere Handwerksbetriebe sowie auch die Gemeinde. Gerade Städte und Gemeinden im ländlichen Raum mit einem qualitativen Übernachtungsangebot und einer verhältnismäßig guten Infrastruktur haben auch für uns als Bürgerinnen und Bürger eine vielfach höhere Freizeit- und Wohnqualität.

    In Spitzenzeiten hatten wir in Unterkirnach sogar rund 160.000 ÜN. Diese Zahl wird man hierzulande kurz- und mittelfristig sicher nicht mehr erreichen können. Eine Steigerung ist aber notwendig um gerade die für uns so wichtige Infrastruktur der Gastronomie und des Einzelhandels sicherzustellen.

    Speziell die nachfolgenden drei Ziele - ein bedarfs- und zeitgemäßes Beherbergungsangebot, die Steigerung der Übernachtungszahlen und der deutliche Ausbau der Übernachtungsmöglichkeiten sind als Schwerpunkte in unserem Gemeindeentwicklungskonzept festgeschrieben. Dieses Ergebnis wurde in den Jahren 2015 und 2016 in Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat sowie den Bürgerinnen und Bürgern offen und völlig transparent erarbeitet.

    Eine für das Jahr 2020 geplante Evaluation konnte aufgrund der Ausnahmesituation in den zurückliegenden Wochen noch nicht begonnen werden. Zu dieser bereits geplanten Bürgerbeteiligung, losgelöst vom Projekt im Ackerloch, möchte ich bereits heute alle Bürgerinnen und Bürger herzlich einladen.

    Gerade bei der Investition in ein touristisches Projekt sind die drei Standortfaktoren „Lage, Lage, Lage“ wohl wichtiger denn je. Hinzu kommt, dass ein potenzielles Grundstück auch verfügbar bzw. käuflich erwerbbar sein muss. Beide Erfordernisse sind im Ackerloch derzeit gegeben.

    Dass hierzu teilweise eine derzeit landwirtschaftlich genutzte Fläche weichen muss, ist sicher bedauerlich. Das von den Investorinnen geplante Projekt wird aufgrund der Größe der Baukörper jedoch nur einen sehr geringen Flächenverbrauch bzw. eine niedrige Flächenversiegelung aufweisen. Ich bin sicher, dass durchaus ein Teil der Fläche landwirtschaftlich weitergenutzt werden kann oder eine Fläche mit einem ökologischen Mehrwert entstehen wird.

    Jedes touristische Projekt mitsamt seinen Gästen bietet aber zugleich auch eine Chance für die hiesige Landwirtschaft. Zum Beispiel der Hofladen „Landgenuss vom Maierstal“ in Oberkirnach, ein Bäuerinnenladen wie wir ihn früher im Dorf hatten, erfreut sich gerade in heutiger Zeit größter Beliebtheit und ist eine Möglichkeit, vor Ort produzierte Erzeugnisse anzubieten und zu verkaufen.

    Bei aller Begeisterung für dieses touristische Vorhaben sehe ich meine Verantwortung darin, unser Dorf nicht nur touristisch sondern ganzheitlich weiter zu entwickeln.
    Keinesfalls liegt mir etwas daran, unser Dorf durch ein solches Projekt zu spalten.

    Jedoch habe ich bei jeglicher Art von kritischer Haltung diesem Vorhaben gegenüber persönlich den Anspruch an Sie, dass Sie sich zumindest einmal mit dem Projekt, den Investorinnen sowie dem zweifelsohne touristischen Mehrwert konstruktiv und gerne auch kritisch auseinandersetzen.

    Unabhängig von diesem Projekt muss uns klar sein, dass wir für weitere zeitgemäße und qualitative Übernachtungsangebote – wie im Gemeindeentwicklungskonzept festgeschrieben – auch andere geeignete Flächen zur Verfügung stellen müssen.

    Diese Verlässlichkeit ist für einen Gemeinderat und eine Verwaltung von entscheidender Bedeutung.

    Wenn ein Bürgerentscheid den von uns begonnen Prozess entscheiden soll, wäre das für mich gelebte Demokratie.

    Zuvor könnte ich mir den Aufbau eines Schaugerüstes auf der betroffenen Fläche vorstellen, um uns allen einen Eindruck von der Dimension eines Mini-Hauses oder auch mehrerer zu verschaffen.

    Zunächst aber möchte ich Sie herzlich dazu einladen, sich bei einer von den Investorinnen bereits angekündigten Informationsveranstaltung Anfang Juli ein persönliches Bild zu machen.

    Herzlichst, Ihr

    Andreas Braun
    Bürgermeister

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