Volksvertreter Thilo Christiansen

Stellungnahme zur Petition Keine drastische Erhöhung der Kita- und Hortbeiträge in Lübbenau/Spreewald!

FDP/Freie Wähler, zuletzt bearbeitet am 02.09.2026

Ich stimme zu / überwiegend zu.
Ich unterstütze einen Antrag im Parlament, wenn sich genügend andere Vertreter anschließen.
Ich befürworte eine öffentliche Anhörung im Fachausschuss.
Ich befürworte eine öffentliche Anhörung im Parlament/Plenum.

Ich unterstütze die Petition ausdrücklich und habe sie selbst unterzeichnet. Die geplante deutliche Erhöhung der Kita- und Hortbeiträge halte ich für ein falsches Signal – sowohl gegenüber den Familien, die bereits in Lübbenau leben, als auch gegenüber jungen Familien und Fachkräften, die wir für unsere Stadt gewinnen möchten.

Besonders kritisch sehe ich die vorgesehene Einkommensstaffelung. Bereits ab einem Jahresnettoeinkommen von 60.000 Euro wird es deutlich teurer, und bei 80.000 Euro Jahresnettoeinkommen ist bereits die höchste Beitragsstufe erreicht.

Was bedeutet das in der Praxis? 60.000 Euro Jahresnettoeinkommen entsprechen 5.000 Euro netto im Monat für den gesamten Haushalt. Bei zwei Vollzeitbeschäftigten sind das durchschnittlich 2.500 Euro netto pro Person. Das ist kein außergewöhnliches Spitzeneinkommen, sondern kann bei zwei berufstätigen Eltern sehr schnell erreicht sein. Selbst die höchste Stufe bei 80.000 Euro entspricht bei zwei Erwerbstätigen rechnerisch rund 3.333 Euro netto pro Person und Monat.

Damit trifft die geplante Staffelung gerade diejenigen Familien besonders, in denen beide Elternteile arbeiten und Beruf und Familie miteinander vereinbaren. Vollzeitbeschäftigung darf aber nicht dazu führen, dass Familien bei den Betreuungskosten überproportional belastet werden.

Hinzu kommt die Wirkung nach außen. Wir sprechen seit Jahren über Fachkräftemangel – insbesondere auch über fehlende Ärzte und medizinisches Personal in unserer Region. Welches Signal senden wir an diese Menschen, wenn Lübbenau gleichzeitig bei den Kita- und Hortbeiträgen besonders teuer werden möchte?

Für junge Familien, die überlegen, ihren Lebensmittelpunkt zu verlagern, sind aus meiner Sicht drei Dinge entscheidend: passender Wohnraum, eine gute medizinische Versorgung und eine verlässliche sowie bezahlbare Kinderbetreuung.

Bei den ersten beiden Punkten kann Lübbenau derzeit nicht gerade glänzen. Und nun drohen wir, auch den dritten Standortfaktor selbst unattraktiver zu gestalten.

Deshalb muss die Frage erlaubt sein: Möchte die Stadt überhaupt noch junge Familien zum Zuzug bewegen?

Gerade jetzt müsste das Gegenteil der Fall sein. Lübbenau braucht junge Familien. Wir brauchen Menschen, die hier arbeiten, Unternehmen und Einrichtungen mit dringend benötigten Fachkräften unterstützen, ihre Kinder hier großziehen, sich gesellschaftlich engagieren und langfristig in unserer Stadt bleiben.

Familienfreundlichkeit darf deshalb nicht nur ein Schlagwort sein. Sie muss sich in konkreten Entscheidungen zeigen. Eine bezahlbare Kinderbetreuung ist dabei kein Luxus, sondern ein wichtiger Standortfaktor für die Zukunft unserer Stadt.

Ich hoffe daher sehr, dass die Stadtverordneten die geplante Beitragsgestaltung noch einmal kritisch hinterfragen und nach einer Lösung suchen, die sowohl die finanzielle Situation der Stadt als auch die Interessen der Familien und die langfristige Entwicklung Lübbenaus berücksichtigt.

Thilo Christiansen
Partei: FDP/Freie Wähler
Fraktion: FDP/Freie Wähler
Neuwahl: 2024
Funktion: stellv. Fraktionsvorsitzender
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