representative Tobias Gerdesmeyer

Stadtrat in Lohne

    Opinion on the petition Stoppt in Lohne das Vorhaben den Küstermeyerwald abzuholzen, um Parkplätze zu bauen

    CDU, last modified: 11 Dec 2020

      I decline.

    Reason:

    Zu der Petition nehme ich wie folgt Stellung:

    Vorab: Als Bürgermeister der Stadt Lohne habe ich alle demokratisch gefassten Beschlüsse des Rates umzusetzen. Dies gehört zur gesetzlichen Aufgabe eines Hauptverwaltungsbeamten. Insofern werde ich natürlich jede demokratisch getroffene Entscheidung akzeptieren und umsetzen.

    Des Weiteren möchte ich anmerken, dass es sich bei der Fläche der Hofstelle Küstermeyer nicht um städtisches Eigentum, sondern um Privateigentum handelt. Überlegungen, was auf dieser Fläche realisiert werden kann/soll, bedürfen also immer der Zustimmung und des Wollens des Eigentümers. Die Stadt Lohne ist im vorliegenden Fall durch die Bauleitplanung, also die Aufstellung eines Bebauungsplanes, beteiligt.

    Unstreitig dürfte sein, dass der bisherige alte Famila-Markt sehr in die Jahre gekommen ist und modernen Ansprüchen (Warenpräsentation, Barrierefreiheit etc.) nicht mehr genügt. Insofern besteht aus Sicht der Bünting-Gruppe (Betreiber der Famila-Märkte) Handlungsbedarf. Ein zeitgemäßer Neubau des Famila-Marktes ist mit einer Zusammenlegung mit dem Getränkemarkt und auch mit einer gewissen Vergrößerung der Verkaufsfläche verbunden. Zudem soll ein moderner dm-Drogeriemarkt angrenzend an den neuen Famila realisiert werden. Hierdurch würde die Angebotsvielfalt in Lohne, gerade in den Bereichen Nahrungs- und Genussmittel sowie Drogerieartikel, deutlich erhöht.
    DIeses Neubauvorhaben kann an dem bestehenden Standort nicht verwirklicht werden. Insofern stellt sich die Frage nach einem sinnvollen Alternativstandort.

    Ein Neubau westlich der Bahn (etwa auf der Fläche Ruholl-Meistermann) würde dazu führen, dass die Frequenz im dortigen Bereich deutlich zunehmen würde. Der Bereich "rund um Leffers" würde weitere Zentralität (Anziehungskraft) gewinnen, wodurch für die Menschen (noch) weniger Grund bestünde, in den zentralen Versorgungsbereich beziehungsweise die Innenstadt zu fahren. Dies würde die Probleme und den Funktionsverlust der Lohner Innenstadt weiter verstärken. (Gleiches würde übrigens bei einem Neubau am vorhandenen Standort unter theoretischer Einbeziehung von weiteren Grundstücken gelten). Außerdem wäre eine verkehrliche Anbindung eines neuen Famlia-Marktes an Bahnhofstraße und Dinklager Straße (jeweils in direkter Nähe zu den Bahnschranken) problematisch.

    Ich halte daher den Ansatz der Bünting-Gruppe und des Eigentümers Küstermeyer, durch eine Ansiedlung des neuen Familamarktes mit einem modernen dm – Drogeriemarkt auf der Fläche Küstermeyer, für Frequenz im zentralen Versorgungsbereich der Stadt zu sorgen, für grundsätzlich gut und nachvollziehbar.
    Durch den Famila-Markt, den dm-Drogeriemarkt und durch weitere Angebote (Hofcafé etc.) würde Kundenfrequenz unmittelbar an bzw. in der Lohner Innenstadt erzeugt.
    In diesem Zusammenhang- und das ist für mich ein ganz zentraler Punkt - ist für mich die Innenstadt (oder wie es rechtlich heißt "zentraler Versorgungsbereich) eben nicht nur die eigentliche gut 250 Meter lange Fußgängerzone, sondern auch der Bereich rund um den Neuen Markt, die obere Bahnhof- und Keetstraße sowie die Küstermeyer- und die Meyerhofstraße.

    Bei einer Realisierung des Familamarktes westlich der Bahnlinie würden auch diese Bereiche, die jetzt noch durch Handelsbetriebe geprägt sind (z.B. Römann, Lammers, Bastelbogen, Copy-Shop etc.), über kurz oder lang mit erheblich zurückgehender Kundenfrequenz zu rechnen haben. Die Leerstandsproblematik würde sich quasi in westlicher Richtung fortsetzen. DIes würde die Probleme der Lohner Innenstadt weiter verstärken und dazu führen, dass das Stadtzentrum seine Versorgungsfunktion nahezu gänzlich verlöre.
    Es ist deshalb falsch, den Begriff Lohner Innenstadt nur auf die Fußgängerzone zu beziehen. Der Eingang des geplanten Familamarktes liegt nur ca. 300 m Luftlinie vom Kirchturm der St. Gertrud-Kirche entfernt. Zentraler kann ein solcher Verbrauchermarkt in einer Stadt nicht realisiert werden. DIe Erreichbarkeit ist auch mit dem Fahrrad hervorragend.
    Übrigens erfordert in rechtlicher Hinsicht auch die Landesraumordnung, dass entsprechende großflächige Einzelhandelsvorhaben möglichst im zentralen Versorgungsbereich einer Stadt und nicht an deren Rändern realisiert werden sollen. Dies gilt dem Schutz der Stadtzentren.
    Aus diesem Grunde haben sich bei einer Abwägung mit einem Standort westlich der Bahn auch die Industrie- und Handelskammer Oldenburg (IHK), der HGV "Gans und Gar Lohne" und der LK Vechta klar für den Standort im Herzen der Stadt ausgesprochen.

    Ein neuer zeitgemäßer Famila-Markt kann im Zusammenhang mit einem attraktiven dm-Drogeriemarkt, dem angrenzenden Modehaus Lammers und dem Neubauvorhaben der Dammer Familie Nyhuis auf dem Grundstück Pundt/Schlarmann zu einer Belebung der Innenstadt führen; zumindest aber wird es nicht zu einer weiteren Schwächung durch eine Dezentralisierung "vor den Toren der Stadt" kommen.

    Sofern argumentiert wird, dass durch den Umzug des Famila-Marktes die Versorgung im Westen der Stadt (Rießel, Gingfeld, Brockdorf) geschwächt wird, ist anzumerken, dass insbesondere der neue Famila-Markt aufgrund seiner großen Verkaufsfläche gerade kein klassischer Nahversorger zur Versorgung der umliegenden Wohnbevölkerung ist (wie etwa der K&K, Markant "Elsken Lissi", die Netto-Discounter und eingeschränkt Edeka-Runnebom). Er ist ein großer "Vollsortimenter", der alle Lohnerinnen und Lohner - unabhängig vom Wohnort - als Zielgruppe hat und (in beschränktem Maße) auch in die Nachbarkommunen ausstrahlt.
    Für die Versorgung des Lohner Westens bliebe als Nahversorger der Netto-Markt an der Dinklager Straße, zudem soll ein weiterer Nahversorger im Bereich des Action-Marktes angesiedelt werden. Das entsprechende Planverfahren ist bereits eingeleitet.

    Zur verkehrlichen Situation: DIe verkehrlichen Untersuchungen haben gezeigt, dass die Zunahme des Verkehrs durch den neuen Markt von den umgebenden Straßen problemlos aufgenommen werden kann. Vorgesehen sind 2 Zufahrten (von der Keetstraße und der Meyerhofstraße). Auch für die Schulen ist die Verkehrszunahme aus gutachterlicher Sicht unproblematisch, vor allem auch deshalb, weil die Haupteinkaufszeiten nicht die Stoßzeiten der Schulen sind (montags-freitags gegen 08.00 und 13.00 Uhr), sondern eher die Nachmittagsstunden und hier vor allem der Freitagnachmittag und der Samstag. Außerdem darf nicht vergessen werden, dass im Bereich der Fläche Küstermeyer ein Autohaus sowie zuvor auch schon ein Möbelmarkt und ein Getränkemarkt vorhanden waren.

    Nun zum zentralen Punkt der Petition, dem Verlust von Bäumen im Falle der Realisierung des Famila-Vorhabens. Hierzu ist anzumerken, dass der eigentliche Famlia- und dm-Markt im Bereich der ehemaligen Möbelhalle Kohake sowie des Autohauses Küstermeyer und des vor sich hin verfallenden ehemaligen Getränkemarktes realisiert werden wird. Durch den Neubau werden also zumTeil ohnehin versiegelte gewerbliche Brachflächen, die einen städtebaulichen Missstand darstellen, beseitigt.

    Außerdem bleiben natürlich die Gebäude der denkmalgeschützten Hofstelle Küstermeyer erhalten.
    Zutreffend ist allerdings, dass durch die Anlegung der Außenflächen und Parkplätze auch Bäume gefällt werden müssen.
    In diesem Zusammenhang ist aber auch zu berücksichtigen, dass auch ohne die Realisierung des Famila-Vorhabens (!) ein größerer Teil der Bäume nicht erhalten bliebe, weil die Bäume entweder abgestorben und krank oder nicht mehr standsicher sind. Die Verkehrssicherungspflicht des Eigentümers führt insofern dazu, dass diese in der Standsicherheit gefährdeten Bäume nicht dauerhaft stehen bleiben können. Anders als in urwüchsigen Wäldern wird man an dieser zentralen Stelle (mit Gastronomie/Volldampf, Kinderarztpraxis, Autohaus, Lidl etc.) auch nicht die in ihrer Standsicherheit gefährdeten Bäume an öffentlichen Wegen belassen können.
    Die Planungen des Eigentümers und der Fa. Bünting sehen außerdem vor, dass im Zuge des Neubauvorhabens auf den neuen Außenanlagen voraussichtich gut 90 neue (auch großkronige) Bäume gepflanzt werden sollen. Der entsprechende Masterplan sieht eine attraktive Wegeführung vom Famila-Markt über die Hofstelle Küstermeyer hin zur Innenstadt vor. In diesem Bereich sollen Bäume angepflanzt werden, es soll ein Hofcafe` entstehen und die alte Hofstelle soll insgesamt aufgewertet und besser erlebbar gemacht werden. Die Aufenthaltsqualität in diesem Bereich soll durch Gastronomie und schöne Außengestaltung erhöht werden. Insbesondere im rückwärtigem Bereich ist das Hofgebäude jetzt in einem schlechten Zustand. Dieser kann durch die Planungen erheblich verbessert werden. Das neue Famila-Gebäude soll zudem ein Gründach mit zusätzlich Photovoltaik erhalten und anfallendes Regenwasser soll möglichst auf der Fläche versickert werden.

    Ganz unabhängig davon müssen natürlich alle Eingriffe in Natur und Landschaft durch den Eigentümer bzw. die Bünting-Gruppe auch an anderer Stelle in Lohne (!) kompensiert werden. Insgesamt werden knapp 4.500 m² neuer Wald (im Verhältnis 1: 1,5, also mehr Kompensation als Eingriff) in Lohne gepflanzt. Außerdem werden zur Kompensation für den Eingriff gut 6.000 m² intensiv genutzte Ackerflächen zu extensivem Grünland umgewandelt. Insbesondere aus Klimaschutzgesichtspunkten wird der Eingriff also deutlich ausgeglichen.

    Aus diesem Grunde halte ich das Vorhaben des Eigentümers und der Bünting-Gruppe im Ergebnis für vertretbar. Es bietet die Chance zur Stärkung der Angebotsvielfalt und des zentralen Versorgungsbereiches unserer Stadt. Dass unsere Innenstadt, zu der - ich wiederhole mich - für mich auch der Neue Markt und die Flächen der Hofstelle Küstermeyer gehören, auch in Zukunft noch ein Treffpunkt von Menschen ist, ist für mich ein wichtiger Belang. EIne weitere Ansiedlung innenstadtrelevanten Handels westlich der Bahn, "vor den Toren der Stadt", würde Lohne weiter schwächen.
    Deshalb bitte ich abschließend, bei aller nachvollziehbaren Kritik, um eine faire und gegenseitig wertschätzende Diskussion und eine demokratische Entscheidungsfindung.

    Viielen Dank,
    Tobias Gerdesmeyer

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