• KOMMENTAR Muster der Uni-Mainz zur abiturunabhängigen ZEQ

    at 08 Oct 2019 23:06

    1. **AUSBILDUNG & BERUFSERFAHRUNG** soll im neuen Zulassungsverfahren stärker gewichtet werden. Hier stellen sich Bewerber einen zumindest 50%ig gesicherten Platz durch eine Ausbildung vor. Hier wird jedoch erkenntlich: die Ausbildung hat hier nicht an Gewicht gewonnen. Man vergleicht die 5 Punkte für eine abgeschlossene med. Ausbildung mit den bis zu 90 Punkten für das TMS-Ergebnis. Oder mit den 2 Punkten Wettbewerbspreis. Auch Berufserfahrung von *mindestens* 2 Jahren bringen nur 3 Punkte. Von einer Gewichtung des Berufes sehen wir nichts. Stattdessen stehen ein 3 jähriger, erfolgreicher intensiver Lernprozess in der Medizin gemeinsam mit mehrjähriger Erfahrung unverhältnismäßig der Gefühlslage an einem Testtag mit mehreren Wochen Vorbereitung gegenüber.
    2. **WETTBEWERBE** Es ist natürlich zeitaufwendig, für einen Wettbewerb zu trainieren und natürlich sollte aus auch Anerkennung gewinnen, wenn man hier einen Preis erlangt hat. Dennoch können wir die Berücksichtigung von Wettbewerben innerhalb einer genormten Eignungsquote nicht nachvollziehen. Ganz zu schweigen davon, dass ein Wettbewerbpreis mit 2P ungefähr im selben Verhältnis gewichtet wird wie eine Berufsausbildung. Es wirkt auf uns eher so, als wolle man bestimmte Wettbewerbe wie JugendForscht „promoten“. Viele Bewerber, uns einschließlich, wurden während der Schulzeit mit keinen oder mangelhaften Informationen über die Existenz solcher Wettbewerbe konfrontiert. Abgesehen davon macht es keinen Sinn, abhängig von dem (z.B.) 13 Jahre alten Ich zu sein, um später einmal in einem System als „mehr geeignet“ für einen Medizinstudienplatz zu gelten. Man sollte diesen Punkt eher in einem Aufnahmegespräch als Bonuspunkt gelten lassen.
    3. **WARTESEMESTER**, unser Problemkind. Laut der Kultusministerkonferenz soll es eine 2 jährige Übergangszeit geben, in der Wartesemester mit abnehmenden Gewicht gewertet werden. Hier haben jedoch nur Bewerber mit annähernd 15 Wartesemestern eine Chance, wenn nicht noch ein gutes TMS-Ergebnis vorliegt. Zugegeben: die Uni Mainz nennt keine Zielpunktzahl für den Erhalt eines Studienplatzes. Man kann sich aber vorstellen, dass Bewerber mit nächstes Jahr 8/9 Wartesemestern keine Chance mehr haben werden. Dabei haben auch von diesen Bewerbern viele ihr Leben nach der Wartezeit gerichtet und auf andere Angebote im Leben verzichtet. Diese Menschen haben sich auf ein bestehendes System verlassen und werden jetzt fallen gelassen. Und mit Ausbildung/Berufserfahrung lassen sich die Punkte hier leider auch nicht wirklich ausgleichen.
    4. **TMS** Gründsätzlich ist es keine schlechte Idee, Punkte nach TMS-Ergebnis zu vergeben. Was wir jedoch hier befürchten: das TMS-Ergebnis ersetzt innerhalb der ZEQ eigentlich nur die Abiturnote und wird somit zum verschleierten neuen NC. Er wird am stärksten gewichtet und steht überhaupt nicht im Verhältnis zur Ausbildung + Berufserfahrung. Eine fast alleinige Gewichtung eines Testergebnisses ist ABSOLUT NICHT fair! Der Bewerber soll die Chance haben, auch unabhängig von überdurchschnittlichen Testnoten einen Platz zu ergattern!

    ***FAZIT: Unfaire Punkte- und schließlich Studienplatzvergabe, besonders für Altabiturienten! Rücksichtslose, viel zu kurze und schlecht geplante Übergangsphase für die Wartesemester, welche abgesehen davon nicht komplett wegfallen sollten, sondern durch andere Kriterien angepasst werden müssten (Bewerbersemester uvm.). Anders als prophezeit wird hier eine Berufsausbildung auch mit langjähriger Berufserfahrung verhältnismäßig kaum gewichtet. Der TMS ersetzt die Abinote 1,0.***

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