• Änderungen an der Petition

    at 08 Nov 2019 15:09

    Ein Punkt hat gefehlt und ein Wort wurde durch ein Synonym ersetzt


    Neuer Petitionstext: Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Reifenscheid-Ronnisch,
    sehr geehrte Frau Dr. Hieke,
    sehr geehrter Herr Prof. Dr. Dr. Walz,
    sehr geehrter Herr Dr. Staubermann,
    am 7. September 2019 haben Sie auf der Außerordentlichen Generalversammlung des ICOM in Kyoto einen Antrag auf Aufschub des Beschlusses über die neue Museumsdefinition vorgetragen. Aktuell ist die Abstimmung für die nächstmögliche Außerordentliche Generalversammlung geplant, die vermutlich im Herbst 2020 stattfinden wird. Wir möchten die Zeit bis zur Abstimmung nutzen, um mit Ihnen ins Gespräch zu kommen und über die Haltung zu einzelnen Punkten in dem aktuellen Vorschlag für die neue Museumsdefinition zu diskutieren. Ebenso möchten wir unsere Einstellung zu den Inhalten Ihrer Kommunikation mit den Mitgliedern von ICOM Deutschland äußern.
    Wir – das sind Mitglieder von ICOM Deutschland, die Sie vertreten. Wir sind außerdem MitarbeiterInnen deutscher Museen und Forschungseinrichtungen, FreiberuflerInnen, DozentInnen und StudentInnen im Bereich der Museumswissenwissenschaften.
    Auch wenn wir in diesem Schreiben Kritik äußern, ist unser Bestreben, ein kollegiales Gespräch mit Ihnen und weiteren VertreterInnen von ICOM Deutschland zu suchen! Wir sind überzeugt, dass eine gesunde Diskussion und ein Zusammenhalt – gerade in unseren politisch unruhigen Zeiten – mehr bringen, als eine Spaltung. Zu einer gesunden fruchtbaren Debatte gehört sicher auch ein konstruktiver und produktiver Streit, deshalb haben wir unser Schreiben in Form einer Streitschrift verfasst.
    In ihrer schriftlichen Nachricht an die Mitglieder von ICOM Deutschland erwähnen Sie, dass in dem aktuellen Definitionsvorschlag „vor allem Begriffe wie Wissensvermittlung, Permanenz, etc. nicht auftauchen, dafür aber Modewörter, deren Sinn sich kaum erschließt, geschweige denn wirklich im Museumsalltag umsetzen lässt“. Über die Begriffe wie Permanenz und Wissensvermittlung können wir gerne diskutieren. Allerdings vertreten wir die Meinung, dass Konzepte wie Partizipation, Inklusion, Diversität und soziale Gerechtigkeit, die der aktuelle Vorschlag beinhaltet, in immer mehr Museen zum Kern des Sammelns, Kuratierens und Kommunizierens gehören und so bereits ein fester Bestandteil des Museumsalltags sind. Diese als „Modewörter“ abzutun würde die Arbeit der Museen weltweit um Jahrzehnte zurück werfen.
    Ihre Kritik, der aktuelle Vorschlag beinhalte nicht mehr „grundlegende, seit Jahrzehnten unveränderte definitorische Elemente“ – dabei berufen Sie sich auf die Definition, die mit leichten Veränderungen 1946 (!) beschlossen wurde – widerspricht unserer Überzeugung, dass unsere Gesellschaft und somit die Museen in den letzten 70 Jahren sich drastisch gewandelt haben. Prozesse wie Dekolonisierung und Ermächtigung zur Selbstrepräsentation führten zu einer Diversifizierung von Wissen und Geschichtsbildern. Politische und klimatische Krisen lösten weltweit Migrationsbewegungen aus. Umgang mit diesen globalen Krisen forderte das Überwinden eines nationalzentrierten Denkens – eines Denkens, auf das Sie sich berufen, wenn Sie „eine pragmatische Definition“ fordern, „die sich möglichst für alle Nationen als schlüssig erweist“. Ein solches nationalzentriertes Denken und Handeln entspricht weder unserer Haltung noch unserer Museumspraxis. Daher schlagen wir vor, solche Formulierungen zu überdenken und gesellschaftliche Veränderungen in der Debatte über die neue Museumsdefinition stärker zu berücksichtigen!
    Uns ist es ebenfalls ein wichtiges Anliegen, dass Sie sich von der aggressiven und diskriminierenden Sprache des Präsidenten von ICOM Europe Regional Alliance, auf dessen öffentliche Schreiben Sie auf ihrer Webseite wohlwollend verweisen, distanzieren. In der dortigen Berichterstattung über die positiven Reaktionen auf den aktuellen Definitionsvorschlag werden herabwürdigend verwendete Ausdrücke wie „known for its recognized debility“ (für Vorstandsvorsitzenden von ICOM US) oder machtbesessene Bezeichnungen wie „the true leader of museums in that country“ (für Präsidenten von American Alliance of Museums) benutzt. Ebenfalls werden Personen Kompetenzen und Expertise aufgrund fehlender ICOM-Mitgliedschaft oder institutionellen Anbindungen abgesprochen. Ein solcher Ton entspricht weder unserer kollegialen Kommunikationskultur noch unseren Praxiserfahrungen.
    Sie berichten, dass man Ihnen auf der Generalkonferenz in Kyoto einen eurozentristischen Blick und undemokratisches Verhalten unterstellte. Dies sind schwerwiegende Vorwürfe, von denen wir als Mitglieder von ICOM Deutschland betroffen sind, wenn Sie in unserem Namen kommunizieren. Wir schlagen daher vor, nach einer Plattform zu suchen, auf der wir gemeinsam unsere Haltung zum aktuellen Vorschlag der neuen Museumsdefinition erarbeiten können!
    Mit freundlich-kollegialen Grüßen
    Die Unterzeichnenden

    Unterschriften zum Zeitpunkt der Änderung: 36

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