Eine Woche vor der Sommerpause in der gewerkschaftsnahen Jugendbildungsstätte Konradshöhe e.V wurde Tina F. (Name geändert), Dipl.-Sozialwissenschaftlerin und Teamerin der politischen Bildungsarbeit telefonisch die Kündigung ihres Dienstverhältnisses ausgesprochen. Ohne Abmahnung, ohne Gespräch, ohne Ankündigung. Sie hatte durchschnittlich in den letzten Jahren an über 80 Seminartagen mit Schulklassen, Azubis, Schüler_innenvertreter und Flüchtlingen im Auftrag der Bildungsstätte u.a. zu Themen wie Solidarität, gewerkschaftliche Mitbestimmung und kritische Berufsbildung gearbeitet. Für einen Tagessatz von 90 bis 100 Euro, der für Selbständige ein Leben am Existenzminimum bedeutet.

Ein Kündigungsschreiben der Rahmenvereinbarung erreichte auch auch die restlichen 16 freiberuflichen Bildungsarbeiterinnen und Mitglieder des Hausteams Konradshöhe e.V. Die Rahmenvereinbarung stellte den ersten Versuch des Hausteams dar, Arbeitsbedingungen festzuschreiben und gewerkschaftliche Mitbestimmung der Mitarbeiterinnen zu gewährleisten. Der Versuch, gesamte Teams zu kündigen, dessen Mitglieder sich in langjährigem professionellem und persönlichem Engagement für den Arbeitgeber einzubringen, ist aus anderen Bildungsstätten bekannt. Von der Geschäftsführung wurden eine Zeit lang "klärende Gespräche" angeboten, in der Zwischenzeit jedoch bereits neue Einstellungsgespräche geführt.

Adam C.(Name geändert), Vater zweier Kinder, (Politikwissenschafts-Studium im europäischen Ausland, Studium der Kommunikationswissenschaft in Deutschland und Wien), qualifizierter Jugendgruppenleiter für internationale Begegnungen und Sprachmittler, ist ebenfalls von der Kündigung der Rahmenvereinbarungen betroffen. Obwohl ihm von der Hausleitung eine Weiterarbeit unter geänderten Rahmenbedingungen angeboten wurde, kann sich Adam vorerst auch keine weitere Fortbeschäftigung im Haus vorstellen. Denn er wie alle anderen sind solidarisch mit den übrigen Teamenden, denen noch nicht mal dieses Angebot gemacht wurde. Die Forderung „Alle oder keine_r“ steht dabei im Zentrum ihres Anliegens.

Wie in anderen Bildungsstätten deutet in Konradshöhe alles darauf hin, dass die Kündigung eines gesamten Hausteams mit dem Wunsch der Teamenden nach einer Rahmenvereinbarung und nach Mitbestimmung im Betrieb im Zusammenhang steht. Die Unsicherheit prekärer Bildungsarbeiterinnen wird von der Geschäftsführung strukturell dafür genutzt, Individualisierung zu fördern und dem Team eines der fundamentalen Rechte einer Belegschaft zu verweigern: Sich als Mitarbeiterinnen zu organisieren und über ihre Arbeitsbedingungen auszutauschen. So ist der Fall Konradshöhe auch ein Paradebeispiel für die Bedingungen prekärer Bildungsarbeiter_innen im Allgemeinen.

Begründung

Nachdem die Hausleitung/Geschäftsführung für keine weiteren Gespräche mit dem gesamten Team zur Verfügung steht, bleibt Tina F. und Adam C.und dem restlichen Team „kein anderer Weg, als über die Öffentlichkeit erneut für die Fortführung der Dienstverhältnisse und der Etablierung von Strukturen der Mitbestimmung an die Hausleitung zu appellieren", resümieren Tina F. und Adam C. Zu hoffen bleibt, dass in Zukunft das Schicksal freiberuflicher Bildungsarbeiter_innen eine ernstzunehmende Größe in der Kalkulation gewerkschaftsnaher und politischer Bildungsstätten werden wird.

Mit der Bitte um Veröffentlichung und Solidaritätsbekundung gegenüber der Bildungsstätte für das gekündigte Team.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Hausteam der Bildungsstätte Konradshöhe aus Berlin
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Mein Gott was wollt ihr eigentlich!?! Ihr habt versucht die Arbeitsbedingungen udn Verträge, die ihr selbst unterschrieben habt mittels Druck zu ändern. nun reagiert die gegenpartei und ihr regt euch auf? Schon mal was von Kausalität gehört? Wie man in den Wald rein ruft, soo schallt es wieder heraus. Ihr wolltet mehr von allem und nun habt ihr nix. Tja, so ist das mit den Gierschlunden!