Offener Brief – Umbenennung der Conrad von Hötzendorf-Straße

Franz Conrad von Hötzendorf war in seiner Eigenschaft als Generalstabschef der k.u.k. Armee in dem Jahrzehnt vor Kriegsbeginn bekanntermaßen einer der engagiertesten Betreiber eines Präventivkrieges gegen Italien und Serbien. Zusammen mit anderen Militärs und Politikern hat er Tod, körperliche und geistige Verkrüppelung von Millionen im Ersten Weltkrieg zu verantworten. Wäre es angesichts der hoffentlich baldigen Aufnahme aller restlichen Balkanländer in die EU nicht ein positives Zeichen von Seiten der Landehauptstadt Graz, diese Straße am 28. Juli 2014, 100 Jahre nach der Kriegserklärung an Serbien, umzubenennen? Franz Conrad von Hötzendorf ist zudem für die historische Forschung klar Hauptverantwortlicher für die Menschenrechtsverbrechen im sog. Internierungslager Thalerhof, bei dem tausende k.u.k. StaatsbürgerInnen den Tod fanden.

Wir plädieren daher mit diesem offenen Brief dafür, anlässlich des kommenden hundertjährigen Gedenkjahres zum Beginn des Ersten Weltkrieges

  1. eine Umbenennung der Conrad von Hötzendorf-Straße vorzunehmen und zeitnah alle notwendigen vorbereitenden Schritte zu beginnen, die eine Umbenennung ermöglichen bzw. diese begleiten müssten (Übergangsfristen, in denen beide Namen Gültigkeit besitzen, Erlass der Umbenennungskosten für private AnrainerInnen, Reduzierung für Unternehmen etc.) und einen breiten Diskussionsprozess in Gang zu bringen über die problematische Rolle Conrad von Hötzendorfs als einer der Kriegstreiber hin zum Ersten Weltkrieg, als Verfechter eines "Präventivkrieges" gegen Serbien und als Hauptverantwortlicher für die Menschenrechtsverbrechen im sog. Internierungslager Thalerhof,

  2. damit auch einen Anstoß zu einer breiten Initiative historisch-politischer Aufklärung zu geben, die erst das notwendige Bewusstsein schafft, auf dessen Basis eine Straßen-Umbenennung oder andere Maßnahmen Sinn machen.

  3. Die Stadt Graz sollte zudem diese einmalige zeitliche Chance nützen und am 28. Juli 2014, 100 Jahre nach der Kriegserklärung an Serbien, österreichische, italienische und serbische KünstlerInnen zu positiven und zukunftsweisenden Projekten einzuladen. So könnte diese Namensänderung in Verbindung mit anderen Veranstaltungen und Aktionen der Aufarbeitung alter nationaler Traumata und der Stärkung unseres gemeinsamen friedlichen Europas dienen.

Dr. Wolfram Dornik (Historiker, Autor der Franz Conrad von Hötzendorf-Biografie "Des Kaisers Falke") Mag. Gerhard Feichtinger Mag. DI (FH) Daniela Grabe (Gemeinderätin der Stadt Graz) O.Univ.-Prof. Dr. Max Haller (Universität Graz) O.Univ.-Prof. Dr. Karl Kaser (Universität Graz) Mag. Dr. Heidemarie Uhl (Österreichische Akademie der Wissenschaften) Karl-Heinz Herper (ehem. Klubobmann, ehem. Kulturstadtrat der Stadt Graz) Univ.-Lektor Mag. Dr. Karl Kumpfmüller MA (Universität Graz) Univ.-Prof. Dr. Florian Bieber (Zentrum für Südosteuropastudien, Universität Graz) O.Univ.-Prof. Mag. Dr. Wolfgang Benedek (Universität Graz) Margarethe Makovec & Anton Lederer ( < rotor > ) Univ.-Prof. Dr. Dieter Binder (Universität Graz) Maggie Jansenberger (Unabhängige Frauenbeauftragte der Stadt Graz) Ao.Univ.-Prof. Dr.phil. Karin Maria Schmidlechner-Lienhart (Universität Graz) Otto Hochreiter, MA (Direktor des GrazMuseums) Antony Scholz (ehem. Stv. Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Graz (IKG)) Veronica Kaup-Hasler

Begründung

Will sich Graz 2014 noch eine Conrad von Hötzendorf-Straße leisten? 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkrieges wäre es höchst an der Zeit, die Benennung einer der prominentesten Einfahrtsstraßen in Graz nach Franz Conrad von Hötzendorf, zu ändern - die Benennung anch dem damaligen Generalstabschef der k.u.k. Armee, der einer der engagiertesten Betreiber eines "Präventivkrieges"gegen Italien und Serbien und zudem für die historische Forschung klar Hauptverantwortlicher für die Menschenrechtsverbrechen im sog. Internierungslager Thalerhof war, bei dem tausende k.u.k. StaatsbürgerInnen den Tod fanden. Wenn Sie das auch so beurteilen, bitten wir um Ihre Unterstützung durch Unterschrift unter diesen Offenen Brief.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Daniela Grabe für die CvH-Gruppe aus Graz
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Contra

Darf ich fragen, wie die Straße früher geheißen hat, vor den 20er Jahren? Wenn man diese Straße umbenennt, warum nicht zahlreiche andere auch (Stichworte Kernstock, RHBartsch, vielleicht auch Tegetthof, der war ja auch kein Pazifist der ersten Stunde)? Und bedeutet ein Straßennamen gleich auch eine unkritische Würdigung, oder ist er nicht eher ein historisches Zeugnis vergangener Einstellungen? Ich plädiere dafür, die Energie dazu zu verwenden, dass wir unseren Herrn Bundespräsidenten dazu bringen, nicht nach Sotschi zu fahren...