Die Kurt-Schumacher-Akademie in Bad Münstereifel schließt zum Ende des Jahres 2014. Diesen Beschluss hat Kurt Beck, Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung, am 09. Dezember 2013 in Berlin verkündet.

Nach Aussage von Pressesprecher Peter Donaiski ist die politische Bildungsstätte der Stiftung inzwischen zu teuer, sie könne die Kosten nicht mehr tragen. „Eine solche Einrichtung mit richtigem Beherbergungsbetrieb hat einen ziemlich hohen Personalbestand, verursacht hohe Kosten und ist nicht mehr zeitgemäß“, so zitierte ihn der Kölner Stadt-Anzeiger. Die Akademie beschäftigt etwa 20 Mitarbeiter.

Für die SPD ist die Kurt-Schumacher-Akademie ein geschichtsträchtiger Ort – von dem sie sich ausgerechnet im Jahr ihres 150-jährigen Bestehens und des 100. Geburtstags von Willy Brandt verabschiedet hat.

Wir rufen das Führungsgremium der Friedrich-Ebert-Stiftung auf, den Beschluss zu revidieren. Sie haben Ihr Selbstverständnis im November 1998 eigens formuliert. Stellen Sie Informationen bereit, sorgen Sie für Transparenz, damit Interessierte Vorschläge einbringen können.

Lebenslanges Lernen ist unverzichtbar. Als Ort der Bildungsarbeit sollte das Haus auch in Zukunft allen interessierten Bürgern offen stehen.

Begründung

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Dr. Sabine Gottgetreu aus Köln
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    mein Dank gilt allen, die für die Petition eingetreten sind und sich für den Erhalt der Kurt-Schumacher-Akademie engagiert haben. Folgende Stellungnahme der Friedrich-Ebert-Stiftung hat mich erreicht.

    Mit freundlichem Gruß
    Dr. Sabine Gottgetreu



    Bonn, den 10. September 2014

    Sehr geehrte Frau Dr. Gottgetreu,

    für Ihren Brief vom 30.08. an den Vorsitzenden unserer Stiftung bedanke ich mich auch im Namen von Kurt Beck ganz herzlich. Wir haben großen Respekt vor Ihrem Engagement für einen Erhalt unserer Kurt-Schumacher-Akademie als der letzten eigenen Bildungsstätte der Friedrich-Ebert-Stiftung für mehrtägige Seminare der politischen Erwachsenenbildung, die mit einem integrierten Beherbergungsbetrieb arbeitet.

    Sie dürfen sicher sein, dass die Entscheidung zur Schließung dieses traditionsreichen Hauses auch für den Vorstand unserer Stiftung einen schmerzhaften Schritt bedeutet, zumal die rund 20 Beschäftigten dort eine hervorragende Arbeit leisten und das Haus den Standards einer modernen Bildungsstätte entspricht.

    Dennoch haben wir angesichts der schwierigen Entwicklung unserer finanziellen Rahmenbedingungen und unter gewissenhafter Abwägung mit anderen Einsparpotentialen im Hinblick auf unsere zukünftige Handlungsfähigkeit eine verantwortbare Entscheidung getroffen. Hierfür wollen wir bei allen Projektpartnern, Gästen, Seminarteilnehmern und externen Seminarleiterlnnen um Verständnis bitten.

    Sozialdemokratie und Gewerkschaften haben als demokratische Arbeiterbewegung in Deutschland eine ihrer Wurzeln in der Arbeiterbildungsbewegung. Von Friedrich Ebert, dem Namensgeber unserer Stiftung, haben wir den Auftrag zur Demokratieförderung als Vermächtnis in unsere Satzung übernommen. Politische Weiterbildung für Erwachsene und Jugendliche ist und bleibt ein wichtiger Bereich unserer inländischen Arbeit.

    Gesellschaftspolitische Bildungsarbeit in der Friedrich-Ebert-Stiftung, wie sie aus den uns zur Verfügung stehenden öffentlichen Zuwendungen zu finanzieren ist, umfasst allerdings heute ein breiteres Spektrum an Formaten, als die klassischen Seminare der politischen Erwachsenenbildung. Insbesondere die Aufgaben von politisch-wissenschaftlicher Analyse als Grundlage der Politikberatung, die Gestaltung öffentlicher Diskurse durch Regional- und Fachforen, Kompetenztraining für die Aktiven in Politik und Zivilgesellschaft, die Organisation von Gesprächskreisen für die Kommunikation zwischen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien, die Bewahrung des kollektiven Gedächtnisses der Sozialen Demokratie in Form unseres Archivs, die Pflege einer der größten sozialwissenschaftlichen Fachbibliotheken Deutschlands und vieles mehr gehört heute zum Kernbestand unserer Projekte der Demokratieförderung.

    Jede Budgetreduzierung verlangt unweigerlich Entscheidungen zur Priorisierung und Gewichtung - jede andere Entscheidung hätte ebenfalls schmerzhafte Einschnitte mit sozialen Härten zur Folge gehabt.

    Der gesellschaftliche Wandel verlangt von der politischen Weiterbildung, dass wir bei den Organisationsformen, den Standorten und pädagogischen Konzepten immer angemessene Antworten finden. Antworten, die auch den zeitlichen Möglichkeiten der Teilnehmerlnnen, den regionalen Erreichbarkeiten und den veränderten Kommunikationsgewohnheiten in einer zunehmend digitalisierten Welt entsprechen. In dieser Hinsicht haben wir unsere Bildungsarbeit bereits seit zwei Jahrzehnten ständig überprüft und neu organisiert.

    Im Rahmen dieses Strukturwandels der politischen Weiterbildung in der FES wurde die Bildungsstätte in Bad Münstereifel seit drei Jahren nur noch in der Hälfte ihrer Kapazität für die Seminarwochen der politischen Erwachsenenbildung, auch im Rahmen des Arbeitnehmerweiterbildungsgesetzes NRW und zur anderen Hälfte für Seminare unserer Abteilung Studienförderung genutzt. Die Perspektiven zur Belegung der Akademie mit unseren Stipendiaten gaben uns, unter den Bedingungen der heute stark regulierten Studiengänge nach dem Bachelor- und Master-System, leider keine Gewähr für eine ausreichende Auslastung, wie sie uns seitens des Bundesrechnungshofes auferlegt ist.

    Angesichts des ab 2015 zu erwartenden deutlich reduzierten Budgets haben wir uns entschieden, zukünftig auf eine eigene Bildungsstätte als Element im Instrumentenmix der verschiedenen Lernorte für politische Weiterbildung zu verzichten, unsere Arbeit in Nordrhein-Westfalen zu konsolidieren und damit auch unser Tagungszentrum in Bonn zu stärken. Teile des bisherigen Programms der Kurt-Schumacher-Akademie werden zukünftig hier und in NRW dezentral in Verbindung mit Hotels durchgeführt.

    Wir würden uns freuen, wenn diese Betrachtungen zu einem besseren Verständnis unserer Entscheidung beitragen könnten.

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Roland Schmidt

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