Petition der IG LiveKommbinat Leipzig, vertr. Kordula Kunert, Tina Gleichmann, Maria Lev

Wir fordern die Stadt Leipzig auf,

1. sich für die Umsetzung des mittels Bürgerbeteiligung entwickelten Bebauungskonzeptes für den ehemaligen Freiladebahnhof Eutritzsch und damit für den Erhalt des So&So am bisherigen Standort einzusetzen.

2. bei der Aufstellung von Bebauungsplänen und dem Abschluss von städtebaulichen Verträgen verstärkt auf die Belange der Kultur- und insbesondere Clubszene Rücksicht zu nehmen.

3. ein Konzept für den Erhalt von Freiräumen, zur Nutzung durch Galerien, Off- Theatern, Clubs und anderen Veranstaltungsstätten, in der wachsenden Stadt zu erarbeiten und bis dahin dafür Sorge zu tragen, dass keine weiteren Clubs und kulturelle Einrichtungen aufgrund von Planungs- und Baumaßnahmen weichen müssen.

Begründung

Populäre Musik, Kunst und Clubkultur leisten Pionierarbeit in der Stadtentwicklung. Sie schaffen eine vielfältige Lebensqualität, soziale Bindungskraft, neue Trends und eigene Stadträume. Die entstandene Infrastruktur – Clubs, Bars, Studios, Musikbühnen, Galerien, Ateliers, selbstorganisierte Stadtraum-projekte und ihre Netzwerke für Medien und Kultur – ist das urbane Labor für ein neues Zusammen-leben, das Städten wie Berlin weltweit Beachtung gibt und ihnen einen veritablen Standortvorteil im internationalen Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte im Bereich der Kreativwirtschaft (z.B. IT & Internet-Industrie, Mode-Branche, Design- und Filmproduktion). Auch in Leipzig muss dieser Vorteil als solcher endlich politisch anerkannt werden.

Mit dem Kulturzentrum „So&So“ ist eine weitere Musikspielstätte aufgrund geplanter Baumaßnahmen von der Schließung bedroht. Entgegen eines in Zusammenarbeit von Bürgern, Stadtverwaltung und Eigentümer entwickelten Bebauungskonzeptes, welches den Erhalt des So&So vorsieht, wurde dem Club Ende Juni die Kündigung zum 30.09.2018 ausgesprochen und vom Eigentümer mitgeteilt, dass ein Erhalt des So&So auf dem Areal des ehemaligen Eutritzscher Ladebahnhofs fast ausgeschlossen ist.

Wir fordern mehr Selbstbewusstsein des Leipziger Stadtrates im Umgang mit Investoren!

Wenn Leipziger Bürger sich in öffentlichen Beteiligungen äußern und an der Entwicklung der Stadt mit ihren Ideen beteiligen, ist es Aufgabe des Stadtrates als Vertretung der Bürger, dies gegenüber Investoren entschlossen einzufordern.

Hier unterstützen wir ausdrücklich den Antrag der Stadtratsfraktionen von SPD und B90/Die Grünen zur Flächenübertragung auf dem Areal des Eutritzscher Freiladebahnhofes. Wir begrüßen diesen Schritt außerordentlich, da dies der einzige Weg scheint die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung in ihrer Umsetzung zu garantieren und um das Kulturzentrum „So&So“ vor der Profitigier eines Großinvestors zu retten.

Der aktuelle Hype Leipzig´s liegt unter anderem im reichhaltigen und vielfältigen kulturellen Angebot in unserer Stadt. Dieses Angebot ist bereits heute ein wichtiger Standortfaktor für den Großraum Leipzig. Für viele junge Menschen ist es ein wichtiger Grund ihren Lebensmittelpunkt nach Leipzig zu verlegen.

Besonders verärgert sind wir über die immer gleichen Argumente, die von Großinvestoren gegen Kulturbetriebe ins Feld geführt werden. Diesen wollen wir entschieden widersprechen. Kultur und Wohnen müssen sich nicht gegenseitig ausschließen. Gerade bei der Neuentwicklung größerer Bereiche wie im Fall des „So&So“ auf Freiladebahnhof sind Konzepte, die beide Nutzungen miteinander verbinden, viel einfacher umzusetzen. Dies zeigt die „CG-Gruppe“ übrigens bei einem Bauvorhaben in Köln sogar selbst. Dort wird beim Vorhaben „Cologneo I“ eine Musikspielstätte, das „Gebäude 9“, Wand an Wand mit der neu entstehenden Wohnbebauung erhalten. Wir fragen uns deshalb, warum dies nicht auch in Leipzig möglich sein soll, gerade da die räumlichen Voraussetzungen im Fall des „So&So“ noch wesentlich aussichtsreicher sind.

Es bedarf eines Umdenkens in der Stadtentwicklung vom Entweder-Oder zum Sowohl-Als-Auch. Gebäude können ausreichend schallgedämmt und Besucherströme entsprechend so gelenkt werden, dass keine Beeinträchtigung der dort wohnenden Menschen eintreten muss! Was fehlt sind keine planerischen oder technischen Lösungen, sondern einzig der Wille zu deren Umsetzungen.

Wir verweisen hier explizit auf das „Agent-of-Change-Prinzip“ aus Großbritannien! Dieses zielt explizit auf den Erhalt bestehender kultureller Einrichtungen und ist das Ergebnis einer jahrelangen Dezimierung von Musikspielstätten. Die Verantwortung für die Vereinbarkeit etwaiger neuer Nutzungen wird auf den Investor übertragen. Der Bestandsschutz von Musikspielstätten wird so in aller Konsequenz garantiert.

Clubkultur ist Lebenskultur – wir fordern ein Bekenntnis der Stadt Leipzig zum Erhalt der Leipziger Clubs

Es darf nicht sein, dass wir das öffentliche Interesse an freier Kultur immer wieder aufs Neue beweisen müssen. Eine Wertschätzung unserer Arbeit muss sich endlich auch in einer Berücksichtigung unserer Interessen auf höchster Ebene der Stadtpolitik und Stadtverwaltung zeigen. Was wir brauchen ist ein Moratorium für die Schließung von Kulturstätten und ein Bekenntnis, dass zu diesen nicht nur öffentlich geförderte wie die Oper oder das Gewandhaus gehören. Eine lebendige Club-Kultur ist für die Lebensqualität einer Stadt genauso wichtig wie eine ausgeprägte Hochkultur. In diesem Zusammenhang ist es höchste Zeit für die Erstellung eines Clubkatasters, wie es in Berlin in den letzten Jahren entstanden ist. Dieser Clubkataster wird als Grundlage und Wissensdatenbank bei der Stadtentwicklung und Bauplanung genutzt und soll helfen, Nutzungskonflikte in Zukunft zu vermeiden.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Rechtsanwalt aus Leipzig
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Neuigkeiten

  • Liebe Menschen,

    wir haben es geschafft. Heute wird die Petition eingereicht. Anbei schicke ich euch die Pressemitteilung der IG Livekomm.

    Beste Grüße

    Pressemitteilung IG LiveKommbinat
    „Übergabe der Petition zum Schutz der Clubkultur“
    Leipzig. Vor 3 Wochen hatte die Interessengemeinschaft LiveKommbinat (IG LiveKomm) als Vertreter der Livemusikspieltstätten in Leipzig eine neue Petition gestartet, um Freiräume und Clubkultur in Leipzig zu schützen. In nur 3 Wochen kamen so bislang 4500 Unterschriften digital zusammen und weitere 1000 Unterschriften analog. Im Ergebnis 5500 Unterschriften, die von der Stadt fordern, dass diese sich für die Umsetzung des mittels Bürgerbeteiligung entstandenen Bebauungskonzept für den ehemaligen Freiladebahnhof Eutritzsch und damit für den Erhalt des So&So einsetzt.
    Weiterhin wird gefordert, dass bei der Aufstellung von Bebauungsplänen künftig verstärkt die Belange der Kultur- und Clubszene berücksichtigt werden sollen und ein Konzept erstellt werden soll wie Freiräume und kulturelle Einrichtungen in der wachsenden Stadt geschützt werden können und bis dahin Sorge zu tragen, dass keine weiteren Einrichtungen aufgrund von Planungs- und Baumaßnahmen geschlossen werden.
    Ausgangspunkt war die Diskussion um das So&So, dass neben einem Club auch eine Musikschule und ein Bandhaus beherbergt, auf dem Gelände des ehemaligen Freiladebahnhofs Eutritzsch. Der Eigentümer, die CG Gruppe, hatte alle Verträge mit Nutzern des Geländes, so auch des So&So gekündigt.
    Die Petition knüpft dabei unter anderen an einen Antrag von SPD und Grüne Fraktion an, der fordert dass im Ausgleich für eine Erhöhung der Geschosszahlen für den Wohnungsbau auf den Geländen kulturelle und soziale Flächen an die Stadt übertragen werden sollen
    Die Petition wird heute um 13:30 Uhr vor der Stadtratssitzung übergeben um das breite bürgerliche Interesse am Erhalt des So&So und der Clubkultur in der Stadt deutlich zu machen.

Pro

Clubkultur muss endlich auch als solche anerkannt und entsprechend gefördert werden. Außerdem kann ich nur jedem "Zweifler" empfehlen, das soundso zu besuchen und sich diesen Ort der Musik und Kreativität anzuschauen. Es ist immer wieder eine Freude dort zu sein und darf einfach nicht zerstört werden.

Contra

Noch kein CONTRA Argument.