Sicherung des Fortbestandes des Zentrums für Humangenetik der Universität Bremen

Wie am 4. März 2015 bekanntgegeben wurde, bekundet der Rektor der Universität Bremen im Rahmen seiner Eilentscheidung auch die Absicht, das Zentrum für Humangenetik (ZHG) zu schließen.

Der Petitionsausschuss möge der Bremischen Bürgerschaft empfehlen, sich für die langfristige Erhaltung des Zentrums für Humangenetik einzusetzen und die von der Leitung der Universität beabsichtigte Schließung dieses Instituts grundsätzlich abzulehnen. Die Bremische Bürgerschaft möge unmissverständlich deutlich machen, dass sie eine Notwendigkeit zur Fortführung des ZHG sieht und die Auffassung teilt, dass Lösungen zur Sicherung des Fortbestandes des Instituts gefunden werden müssen. Erforderlichenfalls möge geprüft werden, inwieweit der Universität zusätzliche Landesmittel für die Erhaltung des Zentrums für Humangenetik zur Verfügung gestellt werden können.

Begründung

Das Zentrum für Humangenetik erforscht die Ursachen von Tumorerkrankungen und leistet auf dem Gebiet der Krebsforschung hervorragende Arbeit, die auch international hoch geachtet wird. Dies belegen zahlreiche Veröffentlichungen in renommierten Fachzeitschriften. In den Jahren 2010 bis 2014 publizierte das ZHG insgesamt 56 wissenschaftliche Fachartikel in 29 internationalen Zeitschriften. Somit trägt das ZHG in erheblichem Maße zur internationalen Sichtbarkeit des Wissenschaftsstandortes Bremen bei. Zusätzlich ist das Institut auf dem Gebiet der Früherkennung und Diagnostik von Krebserkrankungen tätig. Beide Bereiche sind eng miteinander verknüpft, so dass neueste Erkenntnisse aus der Forschung sehr früh auch den Krebskranken in Bremen und in der Region zugutekommen. Eine Schließung des Zentrums ist eine Maßnahme, die sich heute und in Zukunft nicht nur gegen die Sichtbarkeit des Forschungsstandortes Bremen, sondern auch gegen die Interessen krebskranker Menschen richtet.

Das ZHG ist außerdem ein gefragter Anbieter von zyto- und molekulargenetischer Diagnostik. Der Schwerpunkt liegt hier bei Erkrankungen des blutbildenden Systems wie Leukämien („Blutkrebs“) und gynäkologischen Tumoren. Jährlich werden Proben von ca. 600 Patientinnen und Patienten untersucht, was zur Diagnostik und Prognosebestimmung dieser lebensbedrohlichen Erkrankungen beiträgt.

Somit besteht bereits eine enge Zusammenarbeit mit der medizinischen Praxis, durch deren Ausbau sich sogar eine Steigerung des Kostendeckungsgrades erzielen ließe. Gerade die im ZHG realisierte Dualität von Forschung und Lehre auf der einen sowie Anwendung und Praxisbezug auf der anderen Seite entspricht in hohem Maße der Philosophie und den Zielen der Universität.

Auch für Studierende sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist dieses breite, sowohl die Grundlagenforschung als auch die biologische und medizinische Praxis umfassende Angebot besonders attraktiv und erhält aus dem Bereich der Studierenden auch deshalb stets gute Bewertungen, zumal die Chancen von Absolventinnen und Absolventen des ZHG am Arbeitsmarkt exzellent sind. In den Jahren von 2011 bis 2014 wurden am Zentrum für Humangenetik sechs Diplomarbeiten, 31 Bachelor- und fünf Masterarbeiten angefertigt. Darüber hinaus wurden im gleichen Zeitraum zwölf Doktorarbeiten erfolgreich abgeschlossen. Diese Zahlen belegen ein immenses Interesse der Studentinnen und Studenten, Doktorandinnen und Doktoranden am Fachgebiet Humangenetik. Eine Schließung des ZHG würde damit auch die Attraktivität des Fachbereichs 2 (Biologie/Chemie) der Universität Bremen erheblich mindern.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ZHG verfügen über fundierte Spezialkenntnisse im Bereich der Humangenetik, die insbesondere für die Krebsdiagnostik und -forschung sowie für die Beratung von Patienten und Ärzten sehr wertvoll sind. Das Angebot der genetischen Beratung richtet sich insbesondere auch an Brustkrebspatientinnen und Patienten mit Darmkrebs bzw. an Menschen mit erhöhtem Risiko für diese Erkrankungen. Insofern stellt diese Einrichtung eine wichtige Anlaufstelle für Krebskranke dar.

Die Leitung der Universität verfolgt das Ziel, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in andere Arbeitsbereiche der Universität zu versetzen. Diese Absicht ist für alle Seiten hochgradig schädlich, da erstens die Expertise der betreffenden Personen selbst in anderen Disziplinen der Biologie kaum sinnvoll genutzt werden kann. Zweitens würde dieses Vorgehen adäquate Neubesetzungen verhindern, da die Qualifikation „ehemaliger Humangenetiker“ nicht den Anforderungen in fachfremden Bereichen entspricht.

Universitätsintern wurde wiederholt versucht, eine Schließung des ZHG mit dem vom Bremer Senat beschlossenen Wissenschaftsplan 2020 zu rechtfertigen. Tatsächlich wird darin (Abschnitt 5.1.1) jedoch folgende Absicht formuliert: „Fächer, die exzellent in der Forschung sind […], sollen nicht zur Disposition gestellt werden, da das Land das Profil der Universität als exzellente Forschungsuniversität sichern und verstetigen will.“ Insofern konterkariert die Schließung eines Instituts, das hervorragende Forschungsleistungen erbringt, die Ziele des Wissenschaftsplans 2020. Die Bremische Bürgerschaft möge daher deutlich zum Ausdruck bringen, dass der Wissenschaftsplan 2020 mitnichten einen Prüfauftrag hinsichtlich der Humangenetik enthält, nicht ansatzweise eine Schließung des ZHG empfiehlt und daher auch keinesfalls zur Legitimation entsprechender Absichten herangezogen werden kann.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung

Neuigkeiten

  • Auszug aus dem Bericht des Petitionsausschusses (Land ) Nr. 3 vom 20. November 2015

    Der Ausschuss bittet mehrheitlich mit den Stimmen der Mitglieder der Fraktionen der SPD,
    Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und der FDP und bei Enthaltung der Mitgl ieder der CDU,
    folgende Eingabe n für erledigt zu erklären, weil die Bürgerschaft keine Möglichkeit sieht, de n
    Eingabe n zu entsprechen:

    Eingabe Nr. : L 18/471
    L 18/474
    L 18/476

    Gegenstand:
    Beschwerde über die beabsichtigte Schließung des Zentrums für Humangenetik

    Begründung:
    Die Petenten wenden sich gegen die beabsichtigte Schließung des Zentrums für Humangenetik an der
    Universität Bremen. Sie tragen vor, das Institut habe in der Vergangenheit hervorragende Grundlagenarbeit
    auf dem Gebiet der Krebsforschung geleistet und sei i nternational hoch geachtet. Außerdem sei es ein
    gefragter Anbieter von zyto- und molekulargenetischer Diagnostik. Auch für Studierende sowie
    Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei das Zentrum besonders attraktiv und biete den Absolventen am
    Arbeitsmarkt exzellente Chancen. Insgesamt schade die Schließung dem Wissenschaftsstandort Bremen
    und dem guten Ruf der Universität. Die veröffentlichte Petition mit dem Aktenzeichen L 18/471 wird von 714
    Mitzeichnerinnen und Mitzeichnern unterstützt.

    Der Petitionsausschuss hat zu dem Vorbringen der Petenten eine Stellungnahme der Senatorin für Bildung
    und W issenschaft eingeholt. Der Petent der veröffentlichten Petition L 18/471 hatte die Möglichkeit, sein
    Anliegen im Rahmen der öffentlichen Beratung mündlich zu erläutern. Unter Berücksichtigung dessen stellt
    sich das Ergebnis der parlamentarischen Überprüfung zusammengefasst wie folgt dar:

    Nach dem Wissenschaftsplan 2020 hat die Universität Bremen ihre Finanzen zu konsolidieren und größere
    Einsparungen zu erbringen. Der S enat hat der Universität keine Vorgaben gemacht, wie dies zu erfolgen
    hat. Diese Entscheidung obliegt der Universität als Grundrechtsträgerin der Forschungs - und Lehrfreiheit.

    Die Universitätsleitung hat beschlossen, sich auf ihre Kernaufgaben in Forschung und Lehre zu
    konzentrieren, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Da die klinische Diagnostik nicht zu den Kernaufgaben
    einer Universität gehört, hat die Universitätsleitung die schrittweise Schließung des Zentrums für
    Humangenetik beschlossen. Im Vorfel d hat der Kanzler der Universität ein Gespräch mit dem Leiter des
    Zentrums für Humangenetik geführt. Außerdem arbeiten Vertreter des Zentrums für Humangenetik in einer
    Arbeitsgruppe mit, die sich mit der Überführung des Personals in andere Bereiche befasst . Mit der
    Entscheidung zur Schließung des Zentrums für Humangenetik hat die Universität eine Entscheidung in
    Richtung Konzentration auf ihre Kernaufgaben in Forschung und Lehre getroffen, um die gesetzten Ziele zu
    erreichen.

    Dem Petitionsausschuss ist di e W ichtigkeit der im Zentrum für Humangenetik geleisteten Arbeit zum Wohle
    krebskranker Menschen bekannt. Gleichwohl kann er das Anliegen der Petenten nicht unterstützen. Das
    Zentrum für Humangenetik arbeitet nicht kostendeckend. Das hat bereits der Rechnungshof moniert. Auch
    an der Lehre hat das Zentrum einen deutlich niedrigeren Anteil als andere Bereiche. Vor diesem Hintergrund
    und angesichts erforderlicher Einsparungen erscheint die Entscheidung der Universität zu Schließung des
    Zentrums für Humangeneti k nicht sachwidrig. Zu berücksichtigen ist auch, dass die Gendiagnostikleistungen
    künftig - wenn auch in verringertem Umfang - über eine privatrechtlich organisierte GmbH zur Verfügung
    gestellt werden. Auch Arztpraxen in Bremen und im Umland können solche Diagnoseleistungen erbringen.
    Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zentrums für Humangenetik werden teilweise von der GmbH
    übernommen, teilweise wechseln sie in einen anderen Fachbereich oder die Universitätsverwaltung

    Begründung (PDF)

Pro

Noch kein PRO Argument.

Contra

Noch kein CONTRA Argument.