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Petition richtet sich an: Die Kultusministerkonferenz der Länder in der Bundesrepublik Deutschland
Offener Brief an die Kultusministerkonferenz der Länder in der Bundesrepublik Deutschland
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir wenden uns als Erasmus-Koordinator:innen sowie als Mitglieder von Erasmus-Teams an Schulen in Deutschland an Sie.
Wir sind Teil eines europäischen Netzwerks von Lehrkräften, das die Ziele des Europäischen Bildungsraums jeden Tag praktisch umsetzt. Gemeinsam mit tausenden Kolleg:innen in Deutschland und Europa ermöglichen wir Schüler:innen internationale Begegnungen, interkulturelles Lernen, Demokratiebildung, Sprachförderung und europäische Zusammenarbeit.
Wir freuen uns darüber, dass die Bedeutung dieser Arbeit auf politischer Ebene anerkannt wird. Gleichzeitig wird von den zuständigen Stellen regelmäßig eingeräumt, dass die Antragstellung, Durchführung, Dokumentation, Berichterstattung und Abrechnung von Erasmus+-Projekten für Schulen mit einem erheblichen organisatorischen und administrativen Aufwand verbunden sind.
Mit Sorge nehmen wir jedoch wahr, dass Forderungen nach einer stärkeren Unterstützung oder Entlastung der beteiligten Lehrkräfte häufig mit dem Hinweis beantwortet werden, Erasmus+ sei ein Programm der Europäischen Union und die Handlungsmöglichkeiten der Länder seien daher begrenzt.
Die im Mai 2024 verabschiedete Ratsempfehlung „Europe on the Move – Learning Mobility Opportunities for Everyone“ vermittelt jedoch ein anderes Bild.
Die Empfehlung richtet sich ausdrücklich an die Mitgliedstaaten und ihre Bildungssysteme. Sie fordert diese unter anderem dazu auf,
- die Arbeit derjenigen anzuerkennen, die Mobilitätsprogramme ermöglichen,
- Mobilitätskoordinator:innen einzusetzen und zu unterstützen,
- zusätzliche personelle und organisatorische Ressourcen bereitzustellen,
- Schulen mit Mobilitätsprojekten gezielt zu fördern,
- administrative Belastungen zu reduzieren,
- Ressourcen für Vertretungsregelungen bereitzustellen,
- die Mobilitätsarbeit systematisch in Schulentwicklungsprozesse einzubinden,
- die Arbeit von Lehrkräften wertzuschätzen, die europäische Mobilität an ihren Schulen ermöglichen.
Die Europäische Union stellt die Programme und Fördermittel bereit. Die Verantwortung für die organisatorischen, personellen und strukturellen Rahmenbedingungen vor Ort wird jedoch ausdrücklich den Mitgliedstaaten und ihren Bildungssystemen zugewiesen.
Wir möchten deshalb die Frage stellen, wie die Länder die in der Ratsempfehlung formulierten Erwartungen konkret umzusetzen beabsichtigen.
Erasmus-Koordinator:innen übernehmen ihre Aufgaben in aller Regel zusätzlich zu ihrem regulären Unterricht, häufig ohne feste Entlastungsstunden und oftmals weit über die reguläre Arbeitszeit hinaus. Dennoch engagieren wir uns mit großer Überzeugung, weil wir täglich erleben, welchen Gewinn europäische Begegnungen für unsere Schüler:innen bedeuten.
Wir sehen junge Menschen, die selbstständiger werden, neue Perspektiven gewinnen, Vorurteile abbauen und Europa nicht nur kennenlernen, sondern erleben. Wir brennen für diese Aufgabe. Gerade deshalb möchten wir einen Aspekt besonders hervorheben:
Wer für Europa brennt, darf nicht ausbrennen.
Die europäischen Bildungsziele werden nicht allein durch Programme und Förderlinien verwirklicht. Sie werden durch engagierte Lehrkräfte verwirklicht, die diese Programme an ihren Schulen mit Leben füllen. Damit dies dauerhaft gelingen kann, braucht es mehr als Anerkennung. Es braucht verlässliche Rahmenbedingungen.
Zur Fürsorgepflicht eines Arbeitgebers gehört es, Überlastung vorzubeugen und Strukturen zu schaffen, die langfristiges Engagement ermöglichen. Aus unserer Sicht umfasst dies auch die Frage, wie die umfangreichen organisatorischen und administrativen Aufgaben von Erasmus-Koordinator:innen angemessen berücksichtigt werden können.
Wir wünschen uns daher einen offenen Dialog darüber,
- welche konkreten Unterstützungsmaßnahmen die Länder planen,
- wie die in der Ratsempfehlung formulierten Erwartungen umgesetzt werden sollen,
- und wie Anerkennung, Entlastung und Fürsorge für die Lehrkräfte gestaltet werden können, die die europäischen Bildungsziele an den Schulen verwirklichen.
Deutschland hat sich gemeinsam mit den anderen Mitgliedstaaten zu einer Stärkung von Lernmobilität, europäischer Zusammenarbeit und internationaler Bildung bekannt. Wir würden uns freuen, wenn die Länder diese Verantwortung aktiv aufgreifen und die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, damit europäische Bildungsarbeit an Schulen auch langfristig erfolgreich bleiben kann.
Mit freundlichen Grüßen
Die Erasmus-Koordinatorinnen und Erasmus-Koordinatoren sowie die Mitglieder der Erasmus-Teams der unterzeichnenden Schulen
Begründung
Erasmus+ ist eine Erfolgsgeschichte für Europas Schulen. In Deutschland nehmen inzwischen mehr als 1.500 Schulen am Programm teil. Hinter jedem erfolgreichen Erasmus+-Projekt stehen jedoch Lehrkräfte, die die umfangreichen organisatorischen, administrativen und pädagogischen Aufgaben koordinieren.
Als Erasmus-Koordinatorinnen und Erasmus-Koordinatoren sowie Mitglieder der Erasmus-Teams erleben wir die hohe zusätzliche Belastung durch die Organisation und Durchführung von Erasmus+-Projekten unmittelbar. Neben Unterricht, Korrekturen, Konferenzen, Schulentwicklung und weiteren schulischen Aufgaben organisieren wir Mobilitäten, betreuen Partnerschulen, erstellen Anträge, verwalten Budgets, dokumentieren Projekte und übernehmen umfangreiche Berichtspflichten. Je nach Schulform und Umfang der Aktivitäten summiert sich dies auf mehrere hundert Stunden zusätzlicher Arbeit pro Jahr.
Viele von uns leisten diese Arbeit aus Überzeugung und in ihrer Freizeit. Wir sehen jedoch zunehmend, dass die Belastung eine Grenze erreicht, die langfristig weder gesund noch nachhaltig ist. Europäische Bildungsarbeit darf nicht dauerhaft darauf angewiesen sein, dass engagierte Lehrkräfte über ihre Belastungsgrenzen hinaus arbeiten.
Wer möchte, dass internationale Zusammenarbeit, Demokratiebildung und europäische Mobilität an Schulen weiter wachsen, muss auch die Menschen unterstützen, die diese Arbeit tragen.
Wir möchten dazu beitragen, dass dieses erfolgreiche europäische Programm dauerhaft Bestand haben kann. Dafür brauchen die Menschen, die es an den Schulen umsetzen, verlässliche Unterstützung und angemessene Rahmenbedingungen.
Diese Petition setzt sich deshalb für mehr Anerkennung, Unterstützung und Entlastung von Erasmus-Koordinatorinnen und Erasmus-Koordinatoren sowie den Erasmus-Teams an deutschen Schulen ein.
Angaben zur Petition
Petition gestartet:
16.06.2026
Sammlung endet:
15.12.2026
Region:
Deutschland
Kategorie:
Bildung
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