Kritik an Kirche
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Eklat um antikolonialen Weihnachtsmarkt
Kopfschütteln, Fassungslosigkeit, Unglauben: Im überfüllten Saal des Naturfreundehauses Darmstadt haben am Donnerstagabend viele Menschen zum ersten Mal erfahren, wie es zum Eklat um den „Antikolonialistischen Friedens-Weihnachtsmarkt“ am dritten Adventswochenende 2024 kam und welche Auswirkungen er auf die betroffenen Gemeindemitglieder hatte.
Eingeladen hatte Medienwissenschaftler Hartmut Vinçon, der aus seinem Buch „Kirche unter Druck“ las. Dieter Becker vom AIM-Verlagshaus moderierte die zweieinhalbstündige Podiumsdiskussion. Fast einhundert Gäste kamen, um zu erfahren, wie eine Veranstaltung bundesweit als „antisemitisch“ verurteilt werden konnte, obwohl die Organisatoren nur einen Ort zum Austausch für palästinensische und israelische Positionen schaffen wollten.
„Ich bin entsetzt über das Verhalten der Kirchenleitung“, sagte Versöhnungsforscher Martin Leiner, der zu den Podiumsgästen gehörte. Man hätte fairer mit der Gemeinde umgehen müssen, hätte das Gespräch suchen sollen. Wie Vinçon darlegte, ließ sich die EKHN jedoch von dem in den Medien – allen voran der „Bild“-Zeitung – geäußerten Vorwurf des Antisemitismus mitreißen. Auch nachdem die Staatsanwaltschaft keine Strafanzeige gegen den Gemeindepfarrer erhoben habe, sei dieser immer noch nicht rehabilitiert worden. „Hier passiert etwas sehr Schlimmes“, so Leiner.
Dass es sich bei den ausgelegten Schlüsselanhängern mit roten Dreiecken um Hamas-Symbole handelte, wie behauptet, stellte Rechtsanwalt Michael Plöse infrage: Es gebe hierzu vom Gesetzgeber noch keine Einordnung. Die Dreiecke seien Teil der palästinensischen Fahne, die gezeigt werden dürfe. Die Hamas habe ihre eigenen Symbole geschaffen. Laut Islamwissenschaftler Muhammad Sameer Murtaza „passte dieser Weihnachtsmarkt nicht in das hiesige Narrativ und war deshalb so angreifbar.“ Natürlich könne man fragen, ob es klug von der Gruppe gewesen sei, den Slogan „from the River to the Sea“ zu verwenden.
„Wir brauchen kontroverse Diskussionen, um an das Grundübel heranzukommen“, sagte Leiner. Johannes Zang, Israel- und Palästinaexperte, forderte „eine an Fakten orientierte Berichterstattung“. Medien hätten Angst, kritische Positionen gegen die israelische Politik zu beziehen.
Der ehemalige Pfarrer sagte, er leide noch immer unter den Morddrohungen. Anwesende fragten, wie man mit der EKHN ins Gespräch kommen könnte. Dazu Becker: „Vielleicht müssen wir noch lauter die Stimme erheben.“ Der Weihnachtsmarkt hatte zu Strafanzeigen wegen Volksverhetzung und Verbreitung unerlaubter Symbole durch die Stadt Darmstadt und die EKHN geführt. Die 1.500 Mitglieder starke Michaelsgemeinde wurde geschlossen und der Pfarrer freigestellt.
---Der antikoloniale Weihnachtsmarkt in Darmstadt löste bundesweite Empörung aus. Die Kirchenleitung wird scharf für ihr Verhalten kritisiert.
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Der Link zur Aufzeichnung & YouTube Kanal kann nach Freigabe durch die Veranstalter beim Solidaritätskreis Michaelsgemeinde s.u. angefordert werden:
Tel: 0176 96 820 720
Detlef Baumann-Schiechel | E-Mail: d.schiechel@gmail.com
Die Online-Petition kann bis 31.März 2026 noch gezeichnet werden.
Dort wird auch der YouTube Video Link zur aufgezeichneten Veranstaltung nach Zustimmung der Podiumsgäste & der Veranstalter veröffentlicht:
www.openpetition.de/petition/online/solidaritaet-mit-den-veranstaltern-anti-kolonialistischen-friedensweihnachtsmarkts-michaelsgemeinde
Ich halte es für extrem wichtig, das wir bei kirchlichen Veranstaltungen ohne Angst auch kontroverse politische und gesellschaftliche Themen diskutieren und Gäste einladen dürfen, ohne vorher Gesinnungsprüfungen durchführen zu müssen. Wir brauchen eine offene Diskussionskultur. Dabei sollten auch kritikwürdige Dinge geäußert werden können, ohne das sofort die Veranstalter zur Rechenschaft gezogen werden.
Wir verlieren sonst die Grundlage für Diskussionsveranstaltungen zu polarisierenden Themen.