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Die Petition wurde abgeschlossen
Petition richtet sich an: Deutscher Bundestag Petitionsausschuss
Über eine Million Menschen waren in Deutschland im Juni 2017 als Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter beschäftigt. Das sind mehr als doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Da verwundert es auch nicht, dass es Arbeitsagenturen gibt, in denen 52 Prozent der als offen gemeldeten Stellen Leiharbeitsjobs sind.
Unternehmen haben Stammarbeitsplätze in Leiharbeitsverhältnisse umgewandelt. Was einmal zur Abdeckung von Produktionsspitzen gedacht war, hat sich inzwischen zur betrieblichen Normalität entwickelt. Unternehmen bedienen sich gerne der für sie billigen und flexiblen Leiharbeitskräfte. Sie errichten dadurch dauerhaft eine Billiglohnlinie und ein Sicherheitsnetz für die Kapitalrendite. Leiharbeitnehmer haben schlechtere Arbeitsbedingungen.
Was aber für Unternehmen mehr Flexibilität ist, heißt im Umkehrschluss für die Beschäftigten mehr unsichere Arbeitsverhältnisse. Die Kolleginnen und Kollegen müssen mit dieser Unsicherheit leben. Sie werden diszipliniert und unter Druck gesetzt, sich vieles an schlechten Arbeitsbedingungen gefallen lassen zu müssen. Und sie können nur sehr schwer gefestigte soziale Beziehungen zu ihren Kolleginnen und Kollegen aufbauen, ganz zu schweigen von einer privaten Zukunftsperspektive.
Begründung
Zeitarbeit schadet der Gesundheit der Beschäftigten. Im vergangenen Jahr war jeder Leiharbeiter in Deutschland durchschnittlich 15 Tage krank geschrieben und damit mehr als andere Arbeitnehmer. Das geht aus einer Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) hervor.
Beschäftigte in anderen Branchen hatten im Schnitt gut 3,5 Kranktage weniger. Als Hauptursache für die höheren Fehlzeiten von Zeitarbeitern nennt die Krankenkasse die oftmals körperlich belastenden Jobs. Zu einem Drittel liege die Ursache aber nicht an den einzelnen Tätigkeiten, sondern in der Zeitarbeit selbst.
Arbeitsplatzunsicherheit, mangelnde Entwicklungsmöglichkeiten, die Wechsel der Einsatzorte und die Entlohnung auf der Basis von Mindestlöhnen gingen offenkundig "auf die Nerven und auf die Knochen".
Das spiegelt sich laut der TK-Erhebung auch in den Krankheitsdaten wider. Muskel-Skelett-Erkrankungen sind demnach Spitzenreiter bei den Diagnosen unter Zeitarbeitern. Sie verursachten 2010 pro Kopf 3,4 Fehltage. Auch psychische Störungen gehören zu den Hauptursachen für Fehlzeiten. 2010 meldete sich jeder Zeitarbeiter im Durchschnitt knapp zwei Tage psychisch bedingt arbeitsunfähig. Binnen zwei Jahren stiegen die Fehlzeiten aufgrund psychischer Diagnosen um zwölf Prozent.
Belastungen für Beschäftigte!
Zeitarbeit ist umstritten. Viele Arbeitgeber schätzen die Flexibilität, die sie ihnen verschafft, und sie betonen, dass vor allem ungelernte Arbeitskräfte davon profitieren: Sie kommen immer dort zum Einsatz, wo sie gebraucht werden, haben aber einen festen Arbeitgeber, den Verleihbetrieb, bei dem sie fest angestellt sind.
Dagegen kritisieren vor allem Arbeitnehmervertreter, dass die flexiblen Einsätze ohne Aussicht auf eine verlässliche Beschäftigung Stress erzeugen; außerdem sei die Bezahlung schlechter. Sie befürchten, dass Leiharbeit normale Festanstellungen verdrängt.
Negative Effekte werden aber auch im Verhältnis zu den Stammbelegschaften der Betriebe beobachtet. Durch die leicht austauschbaren Kollegen werde die Position der erfahrenen Beschäftigten in Frage gestellt. Weil zudem identische Tätigkeiten unterschiedlich bezahlt werden, steige der Lohndruck auf alle Beschäftigten.
Trotz dieser Kritikpunkte hat Leiharbeit in den vergangenen Jahren einen Boom erlebt. Ein großer Teil des Aufschwungs am Arbeitsmarkt wird auf den Zuwachs der Verleiherbranche zurückgeführt.
Angaben zur Petition
Petition gestartet:
27.08.2019
Sammlung endet:
26.11.2019
Region:
Deutschland
Kategorie:
Bürgerrechte