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  • Beschluss des Petitionsausschuss der Bremischen Bürgerschaft

    19-02-14 00:00 Uhr

    Auszug aus dem Bericht des Petitionsausschusses (Land ) Nr. 25 vom 19. Februar 2014

    Der Aus schuss bittet, folgende Eingabe für erledigt zu erklären, weil die Bürgerschaft keine
    Möglichkeit sieht, de r Eingabe zu entsprechen:

    Eingabe Nr.: L 18/228

    Gegenstand:
    Erhalt des Faches Geographie

    Begründung:
    Der Petent befürchtet, dass das Unterrichtsfach Geographie demnächst nicht mehr an Schulen im Land
    Bremen unterrichtet wird. Das Fach werde immer weniger angewählt. Die Hauptursache für den Rückgang
    der Anwahlzahlen liege darin, dass im Fach Gesellschaft und Politik in der Oberschule drei Fächer
    zusammengelegt worden seien. Es gebe Kontingentstundentafeln, nach denen den Unterrichtsinhalten
    beispielsweise im Fach Geschichte ein wesentlich größeres Augenmerk gewidmet werde. Die Inhalte für
    Geographie seien reduziert worden. Insbesondere Kenntnisse über naturgeographische Bedi ngungen
    kämen nicht mehr vor. Bei der Erstellung des Lehrplanes für die Oberschulen im Land Bremen seien weder
    Vertreter der Fachgutachter Geographie noch des Berufsverbands der Schulgeographen beteiligt worden. Er
    fordere eine Gleichstellung der Fächer in dem gebildeten Fächerverbund. Auch in der gymnasialen
    Oberstufe im Land Bremen werde das Fach Geographie gegenüber anderen Fächern benachteiligt. So
    könne zum Beispiel im Grundkurs Geographie keine schriftliche Abiturprüfung mehr abgelegt werden. Das
    Fach Geographie sei notwendig, weil es einen integrativen Ansatz darstelle, um unterschiedlichste
    Entwicklungen aufzuzeigen. Hier betrachte man Räume nach wirtschaftlichen, sozialen, ökologischen und
    politischen Faktoren. Auch bewerte man Nachhaltigkeit. Damit sei Geographie als einziges Fach ein
    Bindeglied zwischen den Naturwissenschaften und den Gesellschaftswissenschaften. Neben der
    klassischen Raumanalyse würden in Geographie auch weitere Kenntnisse vermittelt, wie Geomedien und
    Geoinformatik sowie Fernerkundung. Wichtig sei auch, dass kein fachfremder Lehrereinsatz stattfinde, weil
    nicht fachfremd erteilter Unterricht qualifizierter sei. Die Petition wird von 1.247 Mitzeichnerinnen und
    Mitzeichnern unterstützt.

    Im Rahmen des zu der Petition eingerichteten Internetforums wird allgemein Unterstützung für das Anliegen
    geäußert. Eine Stärkung des Geographieunterrichts sei notwendig, weil dort Kenntnisse vermittelt würden,
    die helfen, eine immer komplexer werdende Welt zu verstehen, kritisch mit Darstellungen anderer
    umzugehen und die eigene Sicht fundiert zu begründen. Das Fach helfe, verantwortungsbewusst
    Entscheidungen zu treffen und relevante Fragen zu stellen. Aktuelle Problemfelder hätten räumliche
    Komponenten und forderten zur Bearbeitung und Problemlösung geographische Kompetenzen, die nur im
    Fach Erdkunde sachgerecht vermittelt würden. Eine Abschaffung dieses Basisfaches in der Schulbildung
    könne man sich nicht leisten. Der Geographieunterricht müsste ebenso gestärkt werden, wie die Ausbildung
    und Einstellung von Geographielehrkräften.

    Der Petitionsausschuss hat zu dem Vorbringen des Petenten Stellungnahmen der Senatorin für Bildung und
    Wissenschaft eingeholt. Außerdem hatte der Petent die Möglichkeit, sein Anliegen im Rahmen der
    öffentlichen Beratung der Petition mündlich zu erläutern. Unter Berücksichtigung dessen stellt sich das
    Ergebnis der parlamentarischen Prüfung zusammengefasst wie folgt dar:

    Der Petitionsausschuss hat sich intensiv mit dem Anliegen beschäftigt. Festzuhalten ist, dass das Fach G eographie nicht aufgelöst wird. Bremen hat mehr als 30 Jahre positive Erfahrungen mit dem integrierten
    Fach Gesellschaft und Politik in den Jahrgangstufen 5 und 6. Die Schulen können integriert oder die
    einzelnen Fächer unterrichten.

    Der integrierte Unterricht ist auch in der Oberschule und in der gymnasialen Oberstufe vorgesehen. Für Geographie, Politik und Geschichte wurden Standards ausgewiesen. Geographie wird genauso behandelt
    wie die anderen Fächer. Die Fächer wurden in der Stundentafel zusammengefasst, damit die Schulen selbst
    entscheiden und Schwerpunkte wählen können. Damit soll die Eigenständigkeit der Schulen gefördert
    werden. Die Stundentafel ist, entgegen der W ahrnehmung des Petenten, auch nicht gekürzt worden. Die
    Mindeststundenanzahl für die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer ist in der Oberschule gegenüber der
    flexibilisierten Stundentafel der Gesamtschule ausgeweitet worden. Dieser Bereich ist auch bei der
    Neugestaltung der Einführungsphase der Gymnasialen Oberstufe ausgeweitet worden.

    Im Jahr 2003 hat die Deputation für Bildung die zentrale Abiturprüfung beschlossen. Danach sollen in allen Grundfächern zentrale Prüfungen stattfinden. Nach Auffassung der Kultusministerkonferenz kommt den
    Fächern Deutsch, Mathematik Fremdsprache eine bes ondere Bedeutung für die Sicherstellung der
    Studierfähigkeit zu. Dem wurde Rechnung getragen. Nach intensiven Diskussionen mit den Verbänden hat
    man sich darauf verständigt, dass in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern Geschichte und Politik
    schrift liche Abiturprüfungen möglich sein sollten. In den anderen Fächern nicht. Darin liegt keine Abwertung
    dieser Fächer, weil mündliche und schriftliche Prüfungen eine gleiche Wertigkeit aufweisen. Dieser Schritt
    war erforderlich, weil in Bremen aus Kapazitäts gründen nur eine beschränkte Anzahl von Grundkursen
    schriftlich geprüft werden kann. Deshalb hat man sich auf die Fächer beschränkt, die eine Pflichtauflage
    abdecken, nämlich Geschichte oder Politik mit geschichtlichem Schwerpunkt. Mit dem Zentralabitur und der
    Reduktion der Fächer wurde die Qualität in den Grundkursen sichtlich gesteigert.

    Begründung (PDF)