23.09.2026, 09:01
Saarbrücken. Die Stadtratsfraktion bunt.Saarland für Alle sieht weiterhin erheblichen Handlungsbedarf beim Umgang der Landeshauptstadt mit den Stadttauben. Auch nach dem Bericht der Bürgermeisterin im nichtöffentlichen Teil des Umweltausschusses am Dienstag, 22. September ist für die Fraktion nicht erkennbar, wie die Versorgung der weiterhin am Lampertshof befindlichen Tauben wirksam sichergestellt und weiteres Tierleid verhindert werden soll.
„Maßnahmen müssen sich nicht daran messen lassen, wie erfolgreich sie in Pressemitteilungen dargestellt werden, sondern daran, was bei den Tieren tatsächlich ankommt“, erklärt die Fraktion. „Solange am Lampertshof stark geschwächte Tiere dokumentiert werden und Tiere offenbar an Unterversorgung leiden, ist das Problem nicht gelöst.“
Die von der Stadt bereits öffentlich mitgeteilte vorübergehende Erhöhung der Futtermenge im Taubenhaus am Rathaus hält bunt.SfA allein nicht für ausreichend. Wegen der ausgeprägten Standorttreue von Stadttauben könne nicht vorausgesetzt werden, dass die weiterhin an den Lampertshof gebundenen Tiere einen anderen betreuten Schlag als neuen Aufenthalts- und Brutort annehmen. Mehr Futter am Rathaus helfe den Tauben, die diesen Standort tatsächlich aufsuchen. Es ersetze jedoch keine Lösung für die Tiere, die weiterhin am Lampertshof verbleiben.
„Das Augsburger Modell ist kein bloßes Fütterungskonzept. Sein Kern besteht darin, Tauben an ausreichend viele betreute Schläge zu binden, sie dort artgerecht zu versorgen und ihre Gelege gegen Attrappen auszutauschen. Nur dann funktionieren Tierschutz, Populationskontrolle und Stadtsauberkeit zusammen.“
Hinweise auf Nachbesserungsbedarf am neuen Taubenschlag
Zusätzliche Fragen werfen aktuelle Informationen aus dem Umfeld des Stadttaubenvereins auf. Eine Ehrenamtliche berichtet unter Berufung auf eine schriftliche Mitteilung des Veterinäramts, dass am neuen Taubenschlag am Bormannspfad Nachbesserungen erforderlich seien. Genannt werden unter anderem fehlende Nistschalen und fehlendes Nistmaterial sowie fehlender Schatten im Außenbereich. Außerdem soll dort ein totes Tier über einen längeren Zeitraum gelegen haben.
bunt.SfA fordert die Verwaltung auf, diese Hinweise transparent aufzuklären.
„Besonders irritierend wäre es, wenn relevante Kritikpunkte der zuständigen Veterinärbehörde existieren, während die Öffentlichkeit gleichzeitig den Eindruck vermittelt bekommt, die Umsiedlung sei rundum vorbildlich verlaufen. Sollte sich bestätigen, dass solche Beanstandungen vorlagen, müssen sie offengelegt und die erforderlichen Nachbesserungen nachvollziehbar dokumentiert werden.“
Ehrenamtliche nicht zum Problem erklären
Mit großer Sorge sieht die Fraktion zudem die zunehmenden Spannungen zwischen Stadtverwaltung und Stadttaubenverein. Noch 2025 zeichnete die Landeshauptstadt das langjährige Engagement der Vereinsvorsitzenden mit der Bürgermedaille aus. Die Stadt würdigte ausdrücklich, dass der Verein seit rund 20 Jahren die betreuten Taubenschläge managt, jährlich tausende Eier austauscht und damit sowohl zum Tierwohl als auch zur Verbesserung des Stadtbildes beiträgt.
„Menschen, deren ehrenamtliche Arbeit die Stadt über zwei Jahrzehnte in Anspruch genommen und öffentlich ausgezeichnet hat, dürfen jetzt nicht ausgegrenzt werden, weil sie Missstände benennen“, so bunt.SfA. „Kritik an der Verwaltung ist kein Ersatzproblem, auf das man die Debatte verschieben sollte.“
Statt Kontaktabbruch, gegenseitigen Vorwürfen und Ausgrenzung brauche Saarbrücken wieder eine fachliche Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Veterinärbehörde und erfahrenen Tierschützerinnen und Tierschützern.
Augsburger Modell konsequent umsetzen
Aus Sicht von bunt.SfA offenbart die aktuelle Auseinandersetzung ein grundsätzliches Problem: Saarbrücken verfügt bislang nicht über ein ausreichend dichtes Netz betreuter Taubenschläge, um einen großen Teil der Population tatsächlich an kontrollierte Standorte zu binden.
Das Vorbild Augsburg arbeitet heute mit zehn Taubenschlägen und zwei Taubentürmen. Die Standorte werden dort auch danach ausgewählt, wo sich größere Taubengruppen bereits aufhalten. In den Schlägen werden die Tiere versorgt, Eier ausgetauscht und große Mengen Taubenkot gebunden und kontrolliert entsorgt.
„Statt das Augsburger Modell wegen Schwierigkeiten bei seiner Umsetzung faktisch auszuhöhlen, muss Saarbrücken es endlich konsequent umsetzen. Dazu gehören ausreichend betreute Taubenschläge, professionelle Betreuung, Erfolgskontrolle und die Einbindung der Menschen, die seit Jahren praktische Erfahrung mit den Tieren haben.“
Für bunt.SfA bleibt der unmittelbarste Maßstab die Situation am Lampertshof: „Die Unterversorgung der dort verbliebenen Tauben muss schnellstmöglich beendet werden. Wenn Tiere weiterhin geschwächt werden oder infolge mangelnder Versorgung sterben, können wir nicht von einer erfolgreichen Lösung sprechen. Das Tierwohl muss sich an sichtbaren Ergebnissen messen lassen – nicht an der Außendarstellung einer Maßnahme.“