Psychische Belastung der Schüler durch Corona-Maßnahmen evaluieren

Petitioner not public
Petition is directed to
Petitionsausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtages
39 Supporters 39 in Schleswig-Holstein
Petition process is finished
  1. Launched July 2021
  2. Collection finished
  3. Submitted
  4. Dialogue
  5. Finished

Dies ist eine Online-Petition des Schleswig-Holsteinischen Landtages.

Beschluss des Petitionsausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtages

at 25 Nov 2021 02:35

23.11.2021Der Petitionsausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtages hat die von 40 Mitzeichnern unterstützte öffentliche Petition auf der Grundlage der von der Petentin vorgetragenen Gesichtspunkte unter Beiziehung einer Stellungnahme des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur beraten.Das Bildungsministerium bestätigt, dass das Schuljahr unter Pandemiebedingungen nachdrücklich in Erinnerung gerufen habe, dass Schule ein entscheidender Sozialraum für Schülerinnen und Schüler ist. So sei Schule schon immer ein Ort der Begegnung, des sozialen Miteinanders, der psychosozialen Entwicklung, ein Ort von demokratischer Erziehung und Partizipation gewesen. Sie leiste einen Beitrag bei der Herausbildung von Wertvorstellungen, der Vermittlung und Erfahrung von den Grundwerten unserer Verfassung und unseres Staates sowie über die Auseinandersetzung mit anderen Menschen und Haltungen auch bei der Selbstbewusstwerdung.Der Ausschuss kann nachvollziehen, dass insbesondere die Zeit der Schulschließungen im Lockdown in diesen Bereichen eine große Herausforderung dargestellt hat. So weist das Ministerium darauf hin, dass erste nationale Studienergebnisse Hinweise darauf geben würden, wie sich diese Zeit bei Schülerinnen und Schülern ausgewirkt habe. Das allgemeine Belastungsempfinden sei gestiegen und es seien psychosomatische Beschwerden wie Gereiztheit, Einschlafprobleme, Kopfschmerzen und Niedergeschlagenheit entstanden. Besonders gravierend seien diese Belastungen leider bei denjenigen empfunden worden, die ohnehin in prekären Verhältnissen aufwachsen würden. Auch sei die Anzahl der Fälle von körperlicher Gewalt angestiegen. Hier hätten sich Korrelationen zu den Familien gezeigt, in denen ein oder beide Elternteile von Kurzarbeit betroffen gewesen seien oder in denen ein Elternteil an Depressionen oder Angststörungen leide.Um Lehrkräfte dabei zu unterstützen, frühzeitig wahrnehmen und beurteilen zu können, ob Kinder und Jugendliche unter besonderen Belastungen leiden und gegebenenfalls einer besonderen Unterstützung auch außerhalb des Unterrichts bedürfen würden, sei daher am Zentrum für integrative Psychiatrie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein das Projekt „Frühintervention und Prävention coronabedingter psychischer Erkrankung bei jungen Menschen“ gestartet worden. Hierbei würden gemeinsam mit dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein niederschwellige Diagnostik- und Beurteilungsinstrumente für Kinder und Jugendliche entwickelt, die den Lehrkräften erlauben, die Ausprägung der psychosozialen Belastung bei jungen Menschen zu erfassen und somit rechtzeitig den individuellen Unterstützungsbedarf zu definieren. In Zusammenarbeit mit Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzten würden therapeutische Frühinterventionen zur Minimierung der psychosozialen Belastung entwickelt und erprobt.Darüber hinaus sei durch das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kooperation mit dem Bildungsministerium sowie der Unterstützung des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein die Phase des DistanzIernens, die im Dezember 2020 an Schulen in Schleswig-Holstein begonnen und sich je nach Kreis und Schulart bis in den Mai 2021 gezogen habe, wissenschaftlich begleitet worden. Dazu sei eine repräsentative Stichprobe von 150 Schulen aller unterschiedlicher Schularten (Grundschulen, Förderzentren, Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe, Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe und Gymnasien) genommen worden. In den Schulen seien Schulleitungen, Lehrkräfte, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler zu ihren Erfahrungen im Distanzlernen zunächst im März/April 2021 und nach der Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts Anfang Juni erneut befragt worden. Hierbei seien alle Beteiligten auch nach ihrem Wohlbefinden und psychischen Belastungen befragt worden. Der Ausschuss stellt fest, dass dem Anliegen der Petentin damit bereits entsprochen wurde. Das Bildungsministerium teilt jedoch mit, dass die Auswertung der Ergebnisse dieser Erhebung zurzeit noch andauere.Hinsichtlich der aufgeführten Belastungen betont der Petitionsausschuss, dass die Folgen der Coronapandemie für Kinder und Jugendliche durch die Landespolitik bereits frühzeitig in den Blick genommen wurden. Es ist über die gesamte Dauer der Pandemie das Ziel gewesen, die aus den verschiedenen Maßnahmen entstehenden Eingriffe und den Anteil des Distanzunterrichtes unter gleichzeitiger Wahrung des Infektionsschutzes möglichst gering zu halten. Der Ausschuss begrüßt, dass der Schulbetrieb im Schuljahr 2021/22 nunmehr weitestgehend unter normalen Bedingungen durchgeführt werden konnte. Dies ist insbesondere dem Fortschritt der Impfkampagne in Schleswig-Holstein mit einer vergleichsweise hohen Quote, auch unter den 12- bis 17-Jährigen, zu verdanken.Dennoch ist dem Ausschuss bewusst, dass den Lehrkräften hinsichtlich der Feststellung gegebenenfalls bestehender individueller Unterstützungsbedarfe von Schülerinnen und Schülern im laufenden Schuljahr eine besondere Verantwortung zukommt. Er dankt diesen daher für ihr hohes Engagement und bittet das Bildungsministerium darum, sie bei dieser Aufgabe weiterhin eng zu begleiten. Für eine abschließende Einschätzung der Bedarfe bleibt die Auswertung der durchgeführten Umfragen abzuwarten.Die Veröffentlichung des Beschlusses erfolgt vorbehaltlich der Bestätigung der Erledigung der Petition durch den Schleswig-Holsteinischen Landtag. Die Bestätigung erfolgt voraussichtlich in der Tagung vom 23. bis 25. März 2022.


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