Neuigkeiten
-
Änderungen an der Petition
vor 10 Std. -
Änderungen an der Petition
vor 8 Tagen -
Änderungen an der Petition
vor 8 Tagen
Petition richtet sich an: Niedersächsischer Landtag
1. Einleitung
Sehr geehrte Damen und Herren, mit dieser Petition wenden sich die Fischereibetriebe aus Fedderwardersiel an den Niedersächsischen Landtag, um auf die zunehmend existenzbedrohende Situation der traditionellen Krabbenfischerei im Weserästuar aufmerksam zu machen. Der Fischereihafen Fedderwardersiel ist ein historisch gewachsener Standort mit großer wirtschaftlicher, kultureller und touristischer Bedeutung für die Region Butjadingen und weit darüber hinaus. Die aktuellen Entwicklungen im Rahmen des „Niedersächsischen Fischereidialogs” sowie weitere fortschreitende Einschränkungen der Fanggebiete gefährden jedoch unmittelbar die Zukunft der Betriebe und damit den Fortbestand des gesamten Standorts. Ohne eine rechtzeitige politische Korrektur droht der Verlust eines jahrhundertealten Berufsstandes, regionaler Wertschöpfung und eines bedeutenden kulturellen Erbes. Aus diesem Grund fordern wir den Niedersächsischen Landtag auf, die verbleibenden Fangflächen im Weserästuar zu sichern und Maßnahmen zu verhindern, die die Krabbenfischerei in Fedderwardersiel dauerhaft verdrängen würden.
2. Aktuelle Lage:
Existenzielle Bedrohung des Standortes Angesichts der aktuellen Entwicklung blicken die Fischereibetriebe aus Fedderwardersiel mit großer Sorge in die Zukunft. Die Existenz der Betriebe ist massiv gefährdet. Gleichzeitig droht ein irreparabler Verlust einer jahrhundertealten Tradition, die das Ende des Hafens in seiner heutigen wirtschaftlichen und kulturellen Bedeutung bedeuten würde. Der Hafen Fedderwardersiel besitzt eine weit über die Region hinausgehende wirtschaftliche und touristische Anziehungskraft. Ein Wegfall der aktiven Fischerei würde zwangsläufig auch den Verlust dieser Bedeutung nach sich ziehen. Keine Kutter mehr in Fedderwardersiel bedeutet faktisch das Ende des Hafens als lebendiger Wirtschafts- und Kulturstandort.
3. Ausgangslage/Bedeutung des Standortes Fedderwardersiel
Der Fischereihafen Fedderwardersiel ist ein historisch gewachsener und bis heute aktiver Standort der niedersächsischen Küstenfischerei. Direkt am Fedderwarder Priel gelegen, stellt er nach wie vor einen wesentlichen wirtschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt der Region dar. In Fedderwardersiel bestehen derzeit vier familiengeführte Fischereibetriebe, die seit Generationen im Weserästuar tätig sind. Die nachfolgende Generation steht bereits bereit, sodass der Fortbestand des Standortes grundsätzlich gesichert wäre. Die Fischerei sichert dabei nicht nur Arbeitsplätze an Bord der Kutter, sondern trägt wesentlich zur regionalen Wertschöpfung bei. Insbesondere in den Bereichen Verarbeitung, Vermarktung, Transport, Gastronomie und Tourismus. Zudem leisten die angelandeten regionalen Erzeugnisse einen wichtigen Beitrag zur geforderten Eigenversorgung mit Lebensmitteln.
4. Zunehmende Belastung und strukturelle Benachteiligung der Fischerei
Die Fischerei ist bereits heute erheblichen Belastungen ausgesetzt. Dazu zählen unter anderem:
● stetig steigender bürokratischer Aufwand
● massiv steigende Energie- und Betriebskosten
● zunehmende Verschlickung der Seitenarme der Weser
● wachsende Unsicherheit durch weitere Planungen und Nutzungsansprüche
Die Herausforderungen binden Arbeitskraft und wirtschaftliche Mittel und erschweren die Fortführung der Betriebe bereits erheblich.
5. Weitere Fanggebietsverluste sind nicht mehr hinnehmbar
Nicht weiter hinnehmbar sind zusätzliche Einschränkungen oder Verluste von Fanggebieten. Die Fangflächen sind die Existenzgrundlage unseres Berufs. Ebenso wie ein Landwirt auf seinen Acker angewiesen ist, benötigt die Fischerei verlässliche Flächen, auf denen sie wirtschaftlich arbeiten kann. Seit Jahrzehnten werden Fanggebiete zunehmend eingeschränkt oder entzogen, insbesondere durch:
● Fangverbote in Fahrwasser, Reeden und Sperrbereichen
● Windparks, Seekabeltrassen, Pipelines
● Flussvertiefungen, Baggerungen und Klappstellen
● wasserbauliche Maßnahmen wie Steinschüttungen, Buhnenbau, Schlengenbau
● Sandentnahmen
● Schutzgebiete, Nationalparkregelungen
● Munitionsbelastungen und weite Nutzungsklonflikte Diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass der Fischerei kaum noch Ausweichmöglichkeiten verbleiben. Werden sämtliche Nutzungen der Nordsee zusammen betrachtet, bleiben nur noch wenige Flächen übrig, in denen überhaupt noch wirtschaftlich gearbeitet werden kann.
Stand der Arbeiten zur Entwicklung eines Fachkonzepts im Rahmen des “Niedersächsischen Fischereidialogs" ~ Stellungnahme/Widerspruch der Fischer aus Fedderwardersiel (PDF, 2026, S.11-16)
6. Niedersächsischer Fischereidialog:
Geplante Sperrung von 10% der Fläche Mit größter Sorge nehmen wir die aktuellen Entwicklungen im Rahmen des „Niedersächsischen Fischereidialogs” zur Kenntnis. Nach den vorliegenden Planungen sollen etwa 10% der niedersächsischen Meeresfläche, in denen wir aktiv fischen, für die Fischerei gesperrt werde. Für die Betriebe aus Fedderwardersiel würde die Umsetzung dieses Vorhabens den sicheren wirtschaftlichen Untergang bedeuten, mit erheblichen Folgen für den Standort Fedderwardersiel und die gesamte Region Butjadingen. Es ist für uns weder nachvollziehbar noch fachlich ausreichend begründet, warum ausgerechnet diese ausgewählten Flächen für einen Fischereiausschluss vorgesehen sind. Wir bezweifeln insbesondere:
● die zugrunde gelegte Datenerhebung
● die wirtschaftlichen Berechnungen
● die behaupteten naturregenerierenden Effekte
7. Fehlende Berücksichtigung vorhandener Erfahrungen und unklare ökologische Wirksamkeit
Bislang wurden nach unserem Kenntnisstand keine belastbaren Ergebnisse aus bereits bestehenden Fischereiausschlusszonen in benachbarten Ländern systematisch herangezogen. Es stellt sich daher die zentrale Frage, ob Nullnutzungszonen überhaupt den gewünschten ökologischen Erfolg erzielen oder ob diese Maßnahmen vor allem eine Verlagerung der Nutzung und eine Verdrängung der Fischerei bewirken, ohne messbaren ökologischen Nutzen.
8. Ungleichbehandlung und fehlende Vergleichbarkeit
Darüber hinaus entsteht der Eindruck einer Ungleichbehandlung, da vergleichbare Prozesse oder die konsequente Umsetzung von Fischereisusschlusszonen in dieser Form für die Kollegen an der schleswig-holsteinischen Westküste offensichtlich nicht in gleicher Weise verfolgt werden.
9. Zusätzliche Fakten, die in der Bewertung zwingend berücksichtigt werden müssen
Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass:
● die Krabbenfischerei freiwillig dem MSC-Siegel unterliegt und nachweislich nachhaltig bewirtschaftet,
● das Thünen-Institut im Gutachten „CRANIMPACT” der Krabbenfischerei eine lediglich zu vernachlässigende Einwirkung auf die Natur bescheinigt²,
● bereits rund 30% der deutschen Krabbenflotte sozialverträglich abgewrackt werden (von 161 Einheiten verbleiben ca. 112 Kutter), was bereits eine erhebliche Reduzierung der Nutzung darstellt,
● wir seit Generationen im niedersächsischen Wattenmeer und später im Nationalpark Wattenmeer fischen und Natur und Fischerei nachweislich miteinander vereinbar sind,
● gerade im vergangenen Jahr Rekordfänge an Speisekrabben erzielt wurden, was die Stabilität des Systems unterstreicht,
● wir aus Überzeugung Naturschützer sind und unser Berufsstand nicht als Gefährdung, sondern als Bestandteil dieses Lebensraumes zu betrachten ist,
● wir aktiv an der Transformation unserer Betriebe arbeiten und uns unter anderem am Projekt „Kutter der Zukunft” beteiligen,
● wir die einzigen Nutzer sind, die regelmäßig Müll aus dem Meer an Land bringen, diesen jedoch derzeit aus nicht nachvollziehbaren Gründen auf eigene Kosten entsorgen müssen. Zusätzlich sehen wir als weitere dauerhafte Bedrohung unserer Tätigkeit:
● das diskutierte EU-weite Grundschleppnetzverbot ab 2030
● sowie die Wiederherstellungsverordnung (EU) 2024/1991, nach der perspektivisch bis zu 90% als schützenswert eingestuften Flächen gesperrt werden könnten. Diese Entwicklungen erzeugen insgesamt eine Situation, in der die Fortführung unseres Berufsstandes kaum noch möglich erscheint.
2 vgl. Thünen-Institut (2023): Abschlussbericht CRANIMPACT, online verfügbar unter: https://www.thuenen.de/media/institute/sf/Projektdateien/ARCHIV/2055_-_CRANIMPACT/Thuenen_R eport_107.pdf (Zugriff: 27.04.2026, 12:39 Uhr)
Petition gestartet:
07.05.2026
Sammlung endet:
31.05.2026
Region:
Butjadingen
Kategorie:
Landwirtschaft
Sie haben eine eigene Webseite, einen Blog oder ein ganzes Webportal? Werden Sie zum Fürsprecher und Multiplikator für diese Petition. Wir haben die Banner, Widgets und API (Schnittstelle) zum Einbinden auf Ihren Seiten. Zu den Werkzeugen
Erhalt der traditionellen Krabbenfischerei und der Arbeitsplätze
Touristische Anziehung