Region: Deutschland (bundesweit) — die StVO ist Bundesrecht, es geht nicht um eine einzelne Stadt/Region.

Mehr Sicherheit für S-Pedelecs: Radfahrstreifen freigeben statt gefährlicher Mischverkehr

Petition richtet sich an:
Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV)

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Petition richtet sich an: Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV)

S-Pedelecs sind Fahrräder mit elektrischer Tretunterstützung bis 45 km/h. Rechtlich gelten sie als Kleinkrafträder und müssen deshalb die Fahrbahn benutzen – auch dort, wo unmittelbar daneben ein auf der Straße markierter Radfahrstreifen verläuft. Das bedeutet Mischverkehr mit Pkw und Lkw bei einem Geschwindigkeitsunterschied von teils über 50 km/h, obwohl direkt neben der Fahrbahn eine sicherere Alternative liegt.

Wir fordern den Deutschen Bundestag und das Bundesministerium für Digitales und Verkehr auf, die StVO so anzupassen, dass Straßenverkehrsbehörden bundeseinheitliche, klare Kriterien erhalten, um auf der Fahrbahn markierte Radfahrstreifen – und, wo Breite und Sichtverhältnisse es zulassen, auch bauliche Radwege – im Einzelfall per Zusatzzeichen für S-Pedelecs freizugeben, ohne dass es dafür weiterhin einer gesonderten Landesausnahme bedarf.

Das bedeutet mehr Sicherheit für S-Pedelec-Fahrende, weniger gefährliche Nähe zum Autoverkehr und ein attraktiveres, klimafreundliches Pendel-Verkehrsmittel für Strecken, für die das normale Fahrrad zu weit ist – ein Gewinn für alle, die auf zwei Rädern unterwegs sind, für das Klima und für die Fahrradbranche.

Unterstütze diese Petition, damit S-Pedelecs dort fahren können, wo es am sichersten ist – vielen Dank für deine Unterstützung!

Begründung

Was sagt die Wissenschaft?
Eine internationale Vergleichsstudie von ZIV und Mobycon (November 2023) hat die Unfalldaten aus fünf Ländern (Deutschland, Belgien, Dänemark, Niederlande, Schweiz) ausgewertet: In keinem zeigt sich ein erhöhtes Unfallrisiko von S-Pedelecs gegenüber normalen Fahrrädern, der GDV-Forschungsbericht Nr. 81 (2022) bestätigt das. Auch die Annahme, S-Pedelecs führen ständig 45 km/h, stimmt nicht: Reale Messungen (POSETIV-Studie 2021, Naturalistic-Cycling-Studie von Schleinitz et al. 2017, Radschnellweg Frankfurt–Darmstadt) zeigen im Schnitt nur 25–35 km/h – kaum mehr als normale Pedelecs. Dass S-Pedelecs schon jetzt, trotz Verbots, mit erhöhter Geschwindigkeit Radwege mitnutzen, spricht dabei nicht gegen, sondern für eine regulierte Freigabe auf breiten, einsehbaren Radfahrstreifen: Klare, sichere Regeln nützen allen – den S-Pedelec-Fahrenden genauso wie dem übrigen Radverkehr.

War das nicht schon mal eine Petition?
Tatsächlich: Ein ähnliches Anliegen wurde dem Bundestag bereits vorgelegt und 2023 mit dem rein theoretischen Argument abgelehnt, die Geschwindigkeitsdifferenz erhöhe den "Überholdruck" – ohne dass dazu Unfalldaten vorlagen. Genau diese Lücke schließen wir jetzt: mit der ZIV/Mobycon-Studie, den realen Geschwindigkeitsmessungen und den Erfahrungen aus vier Nachbarländern, die es damals alle noch nicht gab.

Es funktioniert schon – nur nicht überall
Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen erlauben bereits per Landeserlass die Nutzung von Radverkehrsanlagen; Tübingen hat mit rund 80 km das größte freigegebene Netz Deutschlands. Der Modellversuch auf dem Radschnellweg Frankfurt–Darmstadt (seit Mai 2024) verlief positiv und soll ausgeweitet werden. Auch international gibt es bewährte Vorbilder: Die Schweiz, Dänemark, Belgien und die Niederlande erlauben S-Pedelecs bereits – in unterschiedlicher Ausgestaltung – die Nutzung von Radverkehrsanlagen. Eine bundeseinheitliche Regelung würde diese guten Beispiele zusammenführen und Umwege vermeiden, die heute entstehen, wenn – wie an mancher Autobahnbrücke – weder Straße noch Radweg nutzbar sind.

Warum sich die Freigabe lohnt
S-Pedelecs sind besonders für mittlere Pendeldistanzen von 5 bis 25 km attraktiv – zu weit fürs normale Fahrrad, klassische Domäne des Autos. Laut POSETIV könnten sich 37 % der befragten Pkw-Pendelnden einen Umstieg vorstellen, nach eigener Testerfahrung sogar 66 % der zunächst Kaufunwilligen. Jeder ersetzte Auto-Kilometer spart bis zu 150 Gramm CO2; gesundheitlich ist Pedelec-Fahren laut einer Langzeitstudie der Medizinischen Hochschule Hannover fast so wirksam wie klassisches Radfahren. Und die Fahrradbranche profitiert: S-Pedelec-Interessierte kommen laut POSETIV überwiegend aus dem Auto, nicht von der Fahrradladentheke – bei aktuell erst 0,5 % Marktanteil an allen deutschen E-Bike-Verkäufen ein großes Potenzial für eine Branche mit rund 205.000 Arbeitsplätzen.

Wichtigste Quellen: ZIV/Mobycon-Studie (Nov. 2023): https://www.ziv-zweirad.de/wp-content/uploads/2023/11/ZIV-Studie-Wo-fahren-S-Pedelecs_Nov23.pdf — GDV-Forschungsbericht Nr. 81: https://zukunftsnetz-mobilitaet.nrw.de/media/2023/2/7/e63fc182d65898a180d0061a1c82304a/GDV-Bericht-Unfallrisiko-von-Pedelec-Fahrer-innen-2022.pdf — POSETIV-Studie (KFV, 2021): https://www.radkompetenz.at/wp-content/uploads/2022/02/PUBL-34_bf-1.pdf — Schleinitz et al. (2017, Safety Science): https://doi.org/10.1016/j.ssci.2015.07.027

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Harald Mader, Prien
Frage an den Initiator

Angaben zur Petition

Petition gestartet: 01.09.2026
Sammlung endet: 28.02.2027
Region: Deutschland (bundesweit) — die StVO ist Bundesrecht, es geht nicht um eine einzelne Stadt/Region.
Kategorie: Verkehr

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