Anpassung der Facharztweiterbildungszeit für Ärztinnen und Ärzte in Teilzeit

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Bundesärztekammer

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Petition richtet sich an: Bundesärztekammer

An die Landesärztekammern, die Bundesärztekammer und das Bundesministerium für Gesundheit

Sehr geehrte Damen und Herren,
wir, die Unterzeichnenden, fordern eine Reform der Facharztweiterbildungsordnung in Deutschland, um die Benachteiligung von Teilzeitkräften, insbesondere Frauen, zu beenden und die Effizienz und Qualität der Weiterbildung zu steigern. Derzeit führt das starre Prinzip „Zeit = Erfahrung“ zu einem ungerechten und ineffizienten System, das nicht den modernen Erkenntnissen der Lernpsychologie, Arbeitswelt und den gesellschaftlichen Anforderungen gerecht wird.

Der aktuelle Zustand
Die Facharztweiterbildung dauert in Vollzeit (40 Stunden/Woche) etwa 5 bis 6 Jahre. Für Teilzeitkräfte verdoppelt sich diese Zeit proportional, z. B. auf 10 Jahre bei einer 50 %-Stelle. Was auf den ersten Blick logisch erscheint, ist in der Praxis und aus wissenschaftlicher Sicht ein fragwürdiges und ungerechtes System.

Argumente für eine Reform

Lernpsychologische Erkenntnisse: Teilzeit kann effektiver sein
Neurowissenschaftliche Studien belegen, dass Lernen am besten in regelmäßigen, kurzen und intensiven Einheiten funktioniert, da das Gehirn Zeit benötigt, um neue Informationen zu verarbeiten und zu speichern.

  • Nachweislich verbessert regelmäßige Unterbrechung des Lernprozesses die langfristige Speicherung von Wissen („Spacing Effect“).
  • Übermäßige Lernbelastung führt zu Erschöpfung und einem Plateau in der Wissensaufnahme („Cognitive Load Theory“). Somit ist es ersichtlich, dass ein Arzt, der z. B. in Teilzeit an fünf Vormittagen pro Woche arbeitet, in einem Jahr mehr lernt als ein Vollzeitkollege in sechs Monaten mit langen Arbeitstagen.

Qualitativ hochwertige Zeiten der Teilzeitkräfte
Teilzeitkräfte arbeiten häufig in den Kernzeiten des Klinikalltags, z. B. am Vormittag, zu denen der Großteil der anspruchsvollen Arbeit – Visiten, Diagnostik, Therapieplanung – stattfindet. Nachmittags überwiegen administrative Tätigkeiten, die für die Facharztausbildung weniger relevant sind. Teilzeitkräfte sammeln somit in kürzerer Zeit häufig ebenso wertvolle Erfahrungen.

Unbezahlte Mehrarbeit von Teilzeitkräften
Teilzeitkräfte leisten oft unbezahlte Überstunden, da der Klinikalltag selten pünktlich endet. Diese zusätzliche Zeit wird jedoch nicht angerechnet, was die reale Ungerechtigkeit noch verstärkt. Weiterhin müssen Teilzeitkräfte die volle CME-Punktzahl sammeln! Alleine dadurch zeigt sich schon das "Mehr-Lernen".

Vergleich mit anderen Ländern
In den USA dauert die Facharztausbildung nur 3–4 Jahre, obwohl dort ähnliche oder höhere Anforderungen gelten.

Systematische Benachteiligung von Frauen
Frauen arbeiten aufgrund von Familienpflichten häufiger in Teilzeit (67% Mütter vs. 9% Väter). Durch die derzeitige Regelung bleiben sie länger in niedrigeren Positionen mit geringeren Gehältern und weniger Karrieremöglichkeiten.

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Nachteile

  • Weniger effiziente Nutzung von Arbeitskraft: Durch die unnötige Verlängerung der Weiterbildungszeit gehen wertvolle Jahre verloren, in denen Ärztinnen und Ärzte bereits als Fachärzte arbeiten könnten.
  • Das Gesundheitssystem verliert durch die Hürden für Teilzeitkräfte potenzielle Fachkräfte und verschärft so den Fachkräftemangel in der Medizin.

Unsere Forderungen:

= Flexible Anerkennung von Weiterbildungszeiten basierend auf Kompetenz und Leistung, nicht auf starren Stundenvorgaben =

Wir fordern bei einer 50% Teilzeitstelle die Anerkennung von Facharztzeit in einer Höhe von 75%.
Zwischenprüfungen und Lernerfolgskontrollen könnten eingeführt werden, um den Fortschritt realistisch zu bewerten. Analog müssen andere prozentuale Arbeitszeiten definiert werden.

Berücksichtigung von lernpsychologischen und praktischen Faktoren bei der Zeitberechnung.
Arbeitszeiten in lernintensiven Bereichen (z. B. Vormittage mit Visiten und Diagnostik) sollten stärker gewichtet werden als administrative Tätigkeiten.

Förderung von Teilzeitmodellen in der Weiterbildung, ohne dass sich die Weiterbildungszeit unverhältnismäßig verlängert.
Dies könnte durch eine Neugewichtung der Ausbildungszeiten oder zusätzliche Unterstützungsmöglichkeiten geschehen.

Berücksichtigung internationaler Modelle
Deutschland sollte sich an bewährten Beispielen aus Ländern wie den USA oder den Niederlanden orientieren, um die Weiterbildungsdauer effektiver und moderner zu gestalten.

Schlussfolgerung
Eine Reform der Weiterbildungsordnung ist dringend notwendig, um die Facharztweiterbildung fair, effizient und zeitgemäß zu gestalten. Insbesondere die Benachteiligung von Teilzeitkräften – meist Frauen – muss beendet werden, um das Potenzial aller Ärztinnen und Ärzte für ein besseres Gesundheitssystem voll auszuschöpfen.

Begründung

Begründung
Die Facharztweiterbildung ist das Herzstück der ärztlichen Qualifikation und trägt maßgeblich zur Qualität der medizinischen Versorgung in Deutschland bei. Die derzeitigen Regelungen zur Anerkennung der Weiterbildungszeiten von Teilzeitkräften sind jedoch nicht nur ungerecht, sondern auch ineffizient und schaden sowohl den Ärztinnen und Ärzten als auch dem Gesundheitssystem insgesamt.

1. Förderung von Chancengleichheit
Die aktuelle Regelung benachteiligt insbesondere Frauen, die aufgrund familiärer Verpflichtungen häufig in Teilzeit arbeiten (67% vs 9%). Diese Ungleichheit zementiert strukturelle Benachteiligungen in der Arbeitswelt und wirkt sich auf Karrierechancen, Gehälter und Renten aus. Ein modernes Gesundheitssystem darf sich solche Hürden nicht leisten, wenn es qualifizierte Fachkräfte dringend benötigt.

2. Bekämpfung des Fachkräftemangels
Der Fachkräftemangel in der Medizin ist ein drängendes Problem. Die starre Anrechnung der Weiterbildungszeit auf Basis der Arbeitsstunden führt dazu, dass hochqualifizierte Ärztinnen und Ärzte unnötig lange in der Weiterbildung verharren. Eine flexible, kompetenzbasierte Anerkennung der Weiterbildung würde die Zahl der Fachärzte schneller erhöhen, ohne die Ausbildungsqualität zu gefährden.

3. Förderung von effizientem Lernen
Lernpsychologische Erkenntnisse zeigen, dass kontinuierliches und intensives Lernen effektiver ist als langes, ununterbrochenes Arbeiten. Eine Reform der Weiterbildungsordnung könnte diese Erkenntnisse nutzen, um die Qualität der Facharztausbildung zu verbessern und die tatsächlichen Lernfortschritte besser zu berücksichtigen.

4. Wirtschaftlicher Nutzen
Teilzeitfreundlichere Weiterbildungsmodelle fördern nicht nur die individuelle Karriereentwicklung, sondern auch die Wirtschaftlichkeit des Gesundheitssystems. Eine schnellere Facharztausbildung ermöglicht eine effektivere Nutzung der vorhandenen Ressourcen und steigert die Zufriedenheit der Mitarbeitenden, was wiederum die Bindung an den Beruf erhöht.

5. Signalwirkung für moderne Arbeitsmodelle
Die Petition ist ein wichtiger Schritt, um die Facharztausbildung in Deutschland an die Bedürfnisse einer modernen Arbeitswelt anzupassen. Sie signalisiert, dass Deutschland nicht nur ein innovatives Gesundheitssystem anstrebt, sondern auch soziale Gerechtigkeit und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ernst nimmt.
Indem wir eine gerechtere und effizientere Facharztweiterbildung fördern, leisten wir einen Beitrag zur Verbesserung des Gesundheitssystems, der Arbeitsbedingungen und der Versorgungssicherheit für Patientinnen und Patienten. Daher ist diese Petition nicht nur wichtig – sie ist notwendig!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Priv.-Doz. Dr. med. Martin Weihrauch, Köln
Frage an den Initiator

Angaben zur Petition

Petition gestartet: 03.01.2026
Sammlung endet: 02.07.2026
Region: Deutschland
Kategorie: Gesundheit

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