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Haridus

Berufliche Zukunft und psychotherapeutische Versorgung in Gefahr: UHH-Studierende nachqualifizieren!

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Land Hamburg und Präsidium der Universität Hamburg
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  1. Algatatud 3.12.2020
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Wir, der Fachschaftsrat der Psychologie (FSR), fordern vom Bundesland Hamburg und der Universität Hamburg (UHH) schnellstmöglich eine Nachqualifizierung für alle aktuellen Bachelorstudierenden, die zur Aufnahme in den reformierten Masterstudiengang berechtigt. Andernfalls werden viele ihr Berufsziel Psychotherapeut*in nicht erreichen können! Mit der Anpassung des Bachelorstudiengangs Psychologie an der UHH zum Wintersemester 2020/21 wird Studierenden ab ebendieser Kohorte der Zugang zum reformierten Ausbildungssystem für Psychotherapeut*innen ermöglicht. Ohne Nachqualifizierung ist Bachelorstudierenden früherer Kohorten der Zugang zum neuen System jedoch verwehrt. Gleichzeitig wurde das alte System so eng befristet, dass viele Studierende den rechtzeitigen Abschluss nicht schaffen und somit endgültig vom Beruf Psychotherapeut*in ausgeschlossen werden. Besonders betroffen sind die vielen Studierenden mit chronischen Beeinträchtigungen, Kindern, zu pflegenden Angehörigen, Migrationshintergrund und jene, die zur Finanzierung ihres Lebensunterhalts auf Erwerbstätigkeit angewiesen sind. Der systematische Ausschluss dieser Gruppen ist nicht nur für die Betroffenen unzumutbar, sondern auch gesamtgesellschaftlich hochproblematisch. Gerade angesichts der absehbaren Folgen der Corona-Krise darf an der psychotherapeutischen Versorgung nicht gespart werden. Zudem ist es essentiell wichtig, dass Psychotherapeut*innen aus allen Bevölkerungsgruppen stammen, um die soziale Kluft zwischen Therapeut*innen und Patient*innen nicht noch weiter zu vergrößern. Hamburg darf die Bildungsgerechtigkeit daher auch im Sinne der Patient*innenversorgung nicht vernachlässigen.

Genau deswegen brauchen wir Eure Unterstützung! Unterschreibt diese Petition und teilt sie in Eurem Bekanntenkreis, um unser Anliegen zu unterstützen! Gerne könnt Ihr noch mit einem persönlichen Kommentar zeigen, wie wichtig Euch unsere Forderung ist.

Selgitus

Wir fordern die Nachqualifizierung aus folgenden Gründen (für eine ausführliche Auflistung der Gründe siehe Positionspapier: https://fsrpsychologie.files.wordpress.com/2020/11/nachqualifizierung-positionspapier-fsr-psychologie-uhh.pdf und Veranschaulichung der Fristproblematik siehe Grafik: https://fsrpsychologie.files.wordpress.com/2020/11/nq_grafik.jpg ):

  1. Einer Vielzahl von Studierenden wird es nicht möglich sein, die Therapieausbildung bis zum Fristablauf (2032/35) abzuschließen. Im unrealistischen Idealfall erfordern Psychologiestudium und Therapieausbildung derzeit 8-10 Jahre (Bachelor 3 Jahre, Master 2 Jahre, Ausbildung 3-5 Jahre). Der Großteil der Studierenden, insbesondere benachteiligte Studierendengruppen, benötigt jedoch deutlich mehr Zeit. Weitere Gründe für Studienverzögerungen sind strukturelle Hürden, die Corona-Pandemie und unvorhergesehene Lebensereignisse.
  2. Die enge Befristung greift massiv in die individuelle Berufs- und Lebensplanung ein. Die vorrangig weiblichen Studierenden (ca. 80 %) werden gezwungen, zwischen dem Abschluss ihrer Therapieausbildung und einem Kinderwunsch zu entscheiden, was unzeitgemäß und nicht hinnehmbar ist. Außerdem bleibt keine Zeit für eine angemessene berufliche Orientierung, Auslandsaufenthalte, Promotion oder Ehrenamt.
  3. Ausreichende Master-/Ausbildungsplätze des alten Systems sind nicht bis 2032/35 gesichert. Studierende sind auf “alte Masterstudiengänge” mit ausreichend klinischen Studieninhalten angewiesen, bei denen unklar ist, wie lange diese noch angeboten werden. Hamburger Ausbildungsinstitute rechnen zudem mit einem Rückgang der Ausbildungskapazitäten bereits ab 2023/24 und empfehlen daher dringend, eine Nachqualifizierung in Anspruch zu nehmen.
  4. Wegen der beispiellosen Mehrfachbelastung durch hohe Kosten, Zeitdruck und struktureller Unsicherheit werden zu wenige Therapeut*innen aus den betroffenen Kohorten hervorgehen. Diese Studierende sind durch die knappe Frist noch deutlich härter getroffen als ihre Vorgänger*innen, die auch im alten System ausgebildet wurden. Betroffene müssen sich u.U. hoch verschulden und ein enormes finanzielles Risiko eingehen, um einen Qualifikationsweg zu beschreiten, der bis zuletzt unwiderruflich scheitern kann. Dies wird viele von der therapeutischen Laufbahn abhalten.
  5. Benachteiligte Studierendengruppen werden systematisch von der therapeutischen Laufbahn ausgeschlossen. Die Härtefallregelung bis 2035 schafft keine Lösung, da die Fristverlängerung unzureichend geregelt und der Fortbestand der Ausbildungsstrukturen nicht gesichert ist. Ein systematischer Ausschluss ist hochproblematisch, da Psychotherapeut*innen aus allen Bevölkerungsgruppen stammen sollten, um die ohnehin schon bestehende soziale Kluft zwischen Psychotherapeut*innen und Patient*innen zu schließen.
  6. Weitere Berufschancen sind im Vergleich zu früheren und folgenden Kohorten verringert, da in wenigen Jahren die approbationskonformen Studiengänge der neue Standard für Berufsanfänger*innen sein werden. Der Ausschluss von der Approbation ist zudem folgenschwer, da schon heutzutage viele Unternehmen approbierte Therapeut*innen gegenüber Bewerber*innen ohne Therapieausbildung bevorzugen - selbst wenn diese Qualifikation formal nicht erforderlich ist.
  7. Die Aufnahme des Psychologie-Bachelorstudiums vor 2020 wurde von allen Seiten empfohlen – die dramatischen Konsequenzen waren vor Antritt des Studiums nicht absehbar. Die Befristung des alten Systems wurde erst Ende 2019 vom Gesetzgeber beschlossen und damit nach dem Immatrikulationszeitpunkt aller betroffenen Kohorten.
  8. Die Nachqualifizierung ist das einzige Mittel zur Abwendung der drastischen Konsequenzen für Bachelorstudierende. Der alte und der angepasste Psychologie-Studiengang gelten als so gleich, dass die Bedingungen für einen Studiengangwechsel oder eine Neubewerbung auf den angepassten Studiengang nicht erfüllt sind. Dementsprechend sind Nachqualifizierungsmöglichkeiten unerlässlich! Die Fakultät für Psychologie der UHH ist zur Umsetzung der Nachqualifizierung bereit, sobald die benötigten Ressourcen hierfür zur Verfügung gestellt werden.

Die aktuelle Situation schließt daher nicht nur bedauerliche Einzelfälle vom Berufsziel Psychotherapeut*in aus, sondern führt zur systematischen Benachteiligung ganzer Gruppen. Dies ist auch im Hinblick auf die Diversität der zukünftigen Psychotherapeut*innen und somit für die Patient*innenversorgung äußerst problematisch. Um diese Versorgung zu gewährleisten, braucht Hamburg die Nachqualifizierung!

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  • enne 1 päeva

    Alle Argumente des Fachschaftsrates leuchten mir ein und müssen nicht wiederholt werden. Als Psychoanalytikerin würde ich ergänzen, dass der für die Therapie-Ausbildung essentielle Prozess der "Selbsterfahrung" mitunter einfach viel Zeit braucht - existentieller äußerer Druck ist dabei alles andere als hilfreich!

  • enne 4 päeva

    Weil ich selbst gerade im 7.Semster meines Bachelor in Psychologie bi

  • enne 4 päeva

    Bei gravierenden Veränderungen, z.B. im Studiengang, sollte es unbedingt Übergangslösungen geben, um Benachteiligungen auszuschließen.

  • enne 4 päeva

    Mir ist es ein Anliegen, diese Petition zu unterstützen, da ich als Psychologie Studierende der Uni Jena ebenfalls davon betroffen bin und hoffe, das dieses Problem mehr Gehör findet!

  • enne 4 päeva

    Ich unterstütze die Argumentation der Petenten und finde es sinnvoll, dass Studierende sich nachqualifizierten können, um die Qualifikation nach der neuen Regelung erlangen zu können.

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