Sehr geehrte Damen und Herren,

dieser Brief erreicht sie, um einmal mehr auf den Pflegenotstand aufmerksam zu machen. Es besteht dringend Handlungsbedarf und es müssen Lösungsmöglichkeiten gesucht werden. Wir sehen den Pflegenotstand als Politisches Thema, da dieses Thema längst verschiedenste soziale Einrichtungen überschreitet und daher nicht mehr auf anderer Ebene zu lösen ist.

Der Pflegenotstand ist längst bekannt. Scheinbar hat er aber noch nicht genug Gehör gefunden. Zumindest verändert sich bisher nichts im Pflegealltag. Im Gegenteil die Bedingungen für das Pflegepersonal und damit auch den zu Pflegenden werden schwieriger statt besser. Im Folgenden werde ich hierzu mehr schreiben.

Ich bin Gesundheits- und Krankenpflegerin in einem Wohnheim für Schwer-Mehrfachbehinderte. Ich schreibe diesen Brief für

-unsere Bewohner und all die Patienten die keine Stimme haben oder nicht gehört werden. -meine Kollegen in verschiedensten sozialen Einrichtungen. -Freunde, Partner und Angehörige, der Pflegenden oder Pflege-Empfängern. -jeden der auf irgendeine Weise mit dem Thema Pflegenotstand konfrontiert ist.

Seit Jahren gibt es Studien über die zunehmende Pflegebedürftigkeit von Pflegepersonal. Ich selbst habe 2009/2010 meine Ausbildung gemacht. Schon bald hörte ich von einigen meiner damaligen Klassenkollegen, dass sie entweder

-bereits umgeschult hätten, -in Psychischer Betreuung sind oder waren, oder unter starken Rückenprobleme leiden.

Das ganze 5 Jahre nach meiner Ausbildung. Erschreckend.

Ich selbst hatte als frisch examinierte, junge, motivierte Mitarbeiterin nach ein paar Monaten im Krankenhaus erste Burnout Anzeichen. Damit war ich eine von vielen, denen es genau so erging. Warum? Ein Hauptproblem ist das Fehlen von Pflegepersonal. Der Zeitdruck und damit der psychische Druck nehmen enorm zu. Hilfsbedürftige Menschen bekommen nicht ansatzweise die Zeit die sie benötigen. Sie müssen „abgefertigt“ werden. Das Pflegepersonal „stumpft ab“ und Menschlichkeit geht immer mehr verloren.

Ich habe nach nur einem Jahr Arbeit im Krankenhaus die Arbeitsstelle gewechselt, um mich selbst zu schützen. Ich bin in den Schwer-Behinderten-Bereich gewechselt. Hier war die körperliche Belastung höher, doch gab es Raum für „miteinander“ und Menschlichkeit. Der Personalschlüssel war höher. Doch auch hier wird es immer mehr zu einer „Satt-sauber-trocken-Pflege“. Personal reduziert sich Stück für Stück, schleichend. Vergleicht man die Dienstpläne von heute und vor ein paar Jahren, hat sich die Anzahl der Mitarbeiter deutlich reduziert. Unsere Einrichtung ist absolut nicht die Ausnahme. „Satt-sauber-trocken“ scheint die Normalität zu werden. Traurig. Keiner wünscht sich so eine Pflege für sich selbst. Aber wer verändert etwas?

Immer wieder höre ich von Kollegen „Ich würden gerne eine neue Arbeit haben, aber es ist doch nirgendwo besser ...“ Wo ich auch hinhöre, sei es in Kindergärten, in Krankenhäusern, in der Alten oder der Behinderten Arbeit ... überall sind die Mitarbeiter frustriert und klagen über die gleichen Probleme: zu wenig Personal, hohe Belastung, Frustration, geringe Bezahlung. Und ich frage mich, wie soll das alles weiter gehen? Immer weniger Menschen wollen einen Pflegeberuf erlernen. Und die Mitarbeiter in den sozialen Bereichen werden zunehmend krank oder verlassen den sozialen Bereich.

Wer pflegt uns einmal später und wie werden wir gepflegt? Ich finde das eine sehr wichtige Frage. Darüber nach zu denken hinterlässt ein ungutes Gefühl, wenn man sich über die aktuelle Situation und deren Aussichten macht.

Keine Technik dieser Welt kann die Pflege eines Hilfsbedürftigen Menschen übernehmen. Pflegepersonal ist nicht zu ersetzten. Es muss geschützt und gefördert werden.

Wir haben uns, wie viele andere Einrichtungen bereits an den Betriebsrat gewendet. Gemeinsam gibt es immer wieder Gespräche mit den Betriebsleitungen und den Mitarbeitern. Aber ohne Veränderung im Alltag. Die Antworten sind die gleichen: „Es gibt zu wenige Bewerbungen, Gelder fehlen und „das System“ sei „Schuld“. Es bleibt die Frage: Wer ändert dieses System? Und was muss sich verändern, dass Menschen gut und gerne in einem Pflegeberuf arbeiten und somit dem Pflegenotstand begegnet wird?

Wir sind zunehmend dazu gedrängt uns an die Politik zu wenden. Doch auch hier scheint unsere Situation bisher nur wenig Gehör zu finden. Und so bleibt eine große Hoffnungslosigkeit.

Wir möchten, dass nicht länger zugeschaut wird wie Pflegepersonal zunehmend abstumpft, an Frustration zunimmt oder den Pflegeberuf verlässt.

Es besteht Handlungsbedarf und das dringend!

Ich bitte sie, stellvertretend für alle Beteiligten, dieses Thema zum Thema der Politik werden zu lassen. Es muss nach Lösungsmöglichkeiten gesucht werden, die das Pflegesystem deutschlandweit wieder menschlicher werden lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Marina Wagaba

Begründung

Helfen sie uns mit ihrer Unterschrift erneut auf den immer größer werdenden Pflegenotstand aufmerksam zu machen. Arbeitsbedingungen müssen sich für das Personal und auch die zu Pflegenden verbessern.

Fast jeder ist auf irgendeine Art und Weise mit dem Pflegenotstand konfrontiert.

-Mitarbeiter im Sozialwesen -selbst Pflegebedürftig -Patienten in Krankenhäusern -Verwandte oder Bekannte der oben genannten Personengruppen.

Gemeinsam können wir in der Politik ein Gehör finden und eine Veränderung bewirken

Vielen Dank!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Marina Wagaba aus Karlsruhe
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Pro

Ich finde es auch schon lange sehr ungerecht, wieviel mehr wir Ingenieure bzw. Akademiker im Vergleich zu Pflegepersonal verdienen. Und das obwohl der Pflegeberuf im Normalfall wahrscheinlich deutlich anstrengender/belastender ist als Akademiker-Berufe. Ich bin sehr dafür, dass für den Pflegebereich mehr Geld in die Hand genommen wird. Natürlich wird das etwas Kosten. Aber das ist die Pflege wert. Diese Kosten sollten am besten in Form von höheren Steuern an uns Gutverdienende weitergegeben werden.

Contra

Noch kein CONTRA Argument.