Erst war es nur unbequem, dann ziemlich lästig, mittlerweile ist es längst alltägliche Dauerquälerei: Sylts Lebensader, der Hindenburgdamm, ist restlos überfordert. Der Verkehr von und zur Insel kommt immer wieder ins Stocken, phasenweise sogar zum Erliegen. Es gibt Tage, an denen kein einziger Zug pünktlich nach Fahrplan unterwegs ist.

Rote und blaue Autozüge, Regionalbahnen und Fernverkehr, Reisende und Pendler, Schulkinder und Tageausflügler, Inselliebe und Grundversorgung, Infrastrukturprobleme und Investitionsstaus schwingen sich zu einer Welle auf, die mit Hochdruck gegen das "Nadelöhr Nord" brandet. Unglaublich, aber wahr: Diverse Abschnitte der Bahnstrecke Niebüll-Sylt sind seit 1927 unverändert immer noch eingleisig. Was den Verkehrsinfarkt unausweichlich und alltäglich macht. Stunden- oder tageweise scheint Sylt schon mal fast unerreichbar in der Nordsee zu treiben.

Betroffene? Nahezu jeder Syltbesucher. Jeder, der auf Sylt urlaubt, arbeitet, lebt. Alle, die mit Sylt zu tun haben, täglich oder sporadisch. Kurz gesagt: du und ich. Wir alle.

WIR FORDERN:

  • den schnellstmöglichen zweigleisigen Ausbau der 13 Kilometer langen Bahnstrecke Niebüll-Klanxbüll

  • und als Voraussetzung dafür endlich Priorität für dieses Projekt sowie die längst überfällige entsprechende Einstufung des Ausbaus im Bundesverkehrswegeplan mit "vordringlichem Bedarf"

Begründung

Urlauber sind zu Krisenspitzen länger auf die Insel unterwegs als bei einem Transatlantikflug. Stundenlanges Ausharren an den Verladeterminals gehört zur Urlaubsplanung inzwischen dazu, das unzumutbare Stranden in Massen an Bahnhöfen genauso, und die Durchsage, "Wir warten noch auf einen Gegenzug", ist längst der Soundtrack aller Sylttrips. Bei An- und Abreise empfiehlt es sich in der Hochsaison sowie an Feiertagen große Wasserflaschen und Müsliriegel prophylaktisch dabei zu haben. Egal, ob du mit oder ohne Auto unterwegs bist.

Die Arbeitstage von rund 4500 Syltpendlern, die auf dem Festland zu Hause sind und auf der Insel arbeiten, blähen sich nicht selten auf über 12 Stunden auf. Kein Privatleben mehr, null Feierabendfreude. Nicht nur das Familienleben leidet, wenn Mutti oder Vati mal wieder um 4 aufsteht, getrieben vom verzweifelten Versuch, pünktlich um 8 zur Arbeit auf der Insel zu erscheinen. Ihr Sprachrohr, die Pendlerinitiative, ist unermüdlich im ehrenamtlichen 24h-Einsatz, um auf die Missstände auf der Strecke aufmerksam zu machen.

Zug fährt, Zug fährt doch nicht, Zug hat Verspätung. Erst 5, dann 15, dann 75 Minuten, dann fällt er doch ganz aus. Im Mai und Juni 2018 sind noch nicht mal 40 Prozent aller Personenzüge in Richtung Westerland pünktlich. (Quelle: Pendlerinitiative) War wieder was. Was war denn da? Egal. Die Sylter Infrastruktur leidet so oder so immer mit, worunter wiederum Urlauber genauso wie Insulaner leiden.

Sorry, wir öffnen heute später, die Mitarbeiter hängen noch auf dem Damm, der Lehrer fehlt, die Zahnarzthelferin ist noch nicht da, die Milch kommt Stunden später, die zwei vierten Klassen einer Düsseldorfer Schule auch. Erste Geschäfte finden keine Mitarbeiter mehr und müssen schließen, entnervte und erschöpfte Pendler kündigen und verabschieden sich nicht selten tränenreich nach Jahrzehnten von der Insel und den Kollegen.

Da es auf Sylt Richtung West naturgemäß nicht weitergeht, ist eine weitere Konsequenz logisch: Alle Züge, die in den Westerländer Sackbahnhof zu spät einlaufen, tragen die Verspätung virulent bei jeder folgenden Bewegung weiter, zurück aufs Festland, in das gesamte Marschbahnkonstrukt hinein. Womit der Sylter Bahnwahn indirekt auch die anderen Inseln sowie die Halligen betrifft und sogar entferntere Verwandte wie St. Peter Ording tangiert, wenn sich die Anschlusszüge auf den letzten 40 Kilometern von und zu der Insel wieder mal was eingefangen haben. 10 Minuten, 1 Stunde. 95 Minuten. Und mehr.

Im Schnitt quälen sich täglich über 120 Züge durch die eingleisigen "Meerengen" auf dem Weg nach Sylt. Zwischen Niebüll und Klanxbüll auf 13 (!) Kilometern sowie zwischen Keitum und Morsum nochmals auf fünf weiteren Kilometern sind die Schienen immer noch so verlegt, wie zu Zeiten des Dammbaus vor knapp 100 Jahren. Einspurig.

Alle fünf bis zehn Minuten fährt ein Zug über die eingleisige Strecke: Ganz klar, dass jede kleine Störung das fragile und am Limit getaktete Fahrplankonstrukt kollabieren lassen muss.

Nichts daran ändern kann auch die vor Kurzem angekündigte 160-Millionen-Euro-Investition der Deutschen Bahn zur längst überfälligen Instandhaltung von Schiene, Weichen und Signaltechnik auf dieser Strecke. Immerhin ein positives Zeichen, das aber das eigentliche Problem, die Eingleisigkeit, nicht löst.

Jahrzehnte ist es bereits her, da wurde zum ersten Mal wegen massiver Probleme auf der Strecke vehement der zweigleisige Ausbau der Strecke nach Sylt gefordert und von der Politik versprochen. Inzwischen ist das Projekt immerhin versehen mit dem Prädikat des "potentiellen Bedarfs" im sogenannten Bundesverkehrswegeplan verankert. Bis heute allerdings ohne Folgen. Umsetzung bis 2030? Unter diesen Umständen ausgeschlossen. Verspätet, verschleppt, nach hinten durchgereicht: Mal hieß es, das Projekt sei nicht wirtschaftlich, mal wurde die Dringlichkeit in Frage gestellt, dann wieder überholten andere Vorhaben. Während Sylt parallel immer beliebter wurde, bis heute ein ungebrochener Trend, und damit Zugpferd für den gesamten Norddeutschland- und Westküsten-Tourismus spielte, passierte schlicht - nichts. Diese unglaubliche Ignoranz, mit ihren weitreichenden negativen Konsequenzen für die ganze Region, in wirtschaftlicher Hinsicht genauso wie alltäglich auch in menschlicher, muss ein Ende haben.

Im September wird ein entsprechender Antrag des Landes Schleswig-Holstein vom Bundesverkehrsministerium geprüft. Er braucht den energischen Rückenwind aller Syltliebhaber, Syltgäste, Syltpendler, Sylter, Nordfriesen, Nachbarinsulaner und der gesamten Westküste. Damit die jahrzehntelange Verspätung des zweigleisigen Ausbaus endlich ein Ende hat.

Deine Insel braucht dich. Jetzt. Unterzeichne unsere Petition.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Moritz Luft aus Sylt
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Pro

Dass die Bahn im umsetzen von notwendigen Neuerungen total verbohrt ist, wissen wir. Das ändert nichts daran, dass es hier eine Verbesserung geben muss. Verbote für Autos usw. helfen nicht weiter. Wenn die Insel übervölkert wird, muss man einer anderen Schraube drehen. Die ausufernde Bautätigkeit muss eingeschränkt werden. Die Insel muss auch in der Hochsaison wieder "lebenswert" werden. Das erreicht man z.B. durch eine vernünftige öffentliche engmaschige Verkehrsstruktur. Für Urlauber kostenfrei! Dann bleiben die Autos während des Aufenthaltes stehen und verstopfen nicht die Straßen.

Contra

Macht kaputt was euch lieb ist. Wer ein zweites Gleis will, holt noch mehr Kommerz auf die Insel. Immer zu Lasten der Natur. Ein Pkw Fahrverbot wäre vielleicht zu überdenken, dann kämen auch die Bahnreisenden pünktlich auf die Insel. Und auf der Insel gibt es ein E-Autoshareing mit max. 2000Autos

Warum Menschen unterschreiben

  • vor 18 Min.

    Weil Sylt wunderschön ist. Und die Bahn die beste und wichtigste Verbindung für Sylt ist

  • vor 41 Min.

    Weil Züge, die im Norden ausfallen, auch auf der südlichen Strecke (IZ-HH) ausfallen !!!

  • vor 58 Min.

    Weil die db unfähig ist uns zur arbeit und wieder zurückzubringen

  • vor 58 Min.

    Bin Pendler

  • Claudia Claus Stuttgart

    vor 1 Std.

    da ich gelesen habe, dass die Züge künftig besser fahren. Ich selbst hatte immer Glück, aber viele andere hatten oft Umstände bei den Fahrten.

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