Der Deutsche Städtetag möge den Deutschen Städte- und Gemeindebund damit beauftragen, dafür einzutreten und zu veranlassen, dass die Hundesteuer in Deutschland abgeschafft wird.

Wie Sie und wir Hundehalter wissen, sind seit Beginn des Jahres 2013 erhebliche weitere Steuererhöhungen auf die Hundehalter in Deutschland zugekommen.

Die allgemeine Hundesteuer stammt ursprünglich aus England und wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts erstmalig in Preußen als Luxussteuer eingeführt. Bezeichnend für die unzeitgemäße Art einer solchen Besteuerung ist, dass sie als einzige der damalig erhobenen Luxussteuern heute noch Bestand hat. Während seinerzeit Hunde zu einem vergleichsweise geringen Prozentsatz in der Bevölkerung gehalten wurden, gewinnt der Hund als Sozialpartner in der heutigen Zeit für immer mehr Menschen an Bedeutung.

  1. Wir fordern zu einer kritischen Überprüfung der Gesetzgebung auf
  2. Wir setzen uns für eine bundesweit sozialverträgliche zweckgebundene Abgabeverordnung ein
  3. Die Hundesteuer ist unsozial, ungerecht, tierschutzwidrig und möglicherweise sogar verfassungswidrig.
  4. Ist die Hundesteuer wirklich lenkend? Wir zweifeln an der Lenkungsabsicht des Staates!
  5. Wir fordern, neben den Punkten 1 bis 4 den Wirtschafts- und Gesundheitsfaktor Hund zu berücksichtigen
  6. Abschluss

Begründung zu 1.

Die Hundesteuer in Deutschland ist nach Meinung von Finanz- und Rechtswissenschaftlern kein juristisches, sondern ein rein politisches Problem, für die, von Seiten der Kommunen, keinerlei Erhebungszwang besteht. Doch die Kommunalpolitiker verweisen darauf, dass die Hundesteuer rechtlich nicht zu beanstanden sei und erwecken damit den Eindruck, als seien ihnen die Hände gebunden. Letztlich sind es die Politiker die Gesetze, Verordnungen, Satzungen etc. so gestalten, dass die Rechtssprechung nur danach verfahren kann, was die Politiker selbst erlassen haben!

Seit 1990 wird dem Tier durch § 90a BGB ein besonderer Status zugebilligt, dem jedoch durch die Tatsache, dass Hunde weiterhin besteuert werden dürfen und die Hundesteuer als Einnahmequelle für Gemeinden und Städte propagiert wird, keine Rechnung getragen wird. Wir sehen in dieser Haltung einen Widerspruch zwischen der Stellung des Tieres als Lebewesen und seiner Behandlung im Steuerrecht!

Die Hundesteuer ist eine örtliche Aufwandsteuer, die im Rahmen ihres kommunalen Selbstverwaltungsrechtes erhoben werden kann. Es ist bekannt, dass die Kommunen mit der Hundesteuer auch außerfiskalische Zwecke verfolgen dürfen, so etwa die allgemeine Eindämmung der Hundehaltung.

Die Maßstäbe, die jedoch üblicherweise zur Ermittlung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit herangezogen werden, werden beim Hundehalter allerdings nicht angesetzt. Zudem variiert der Steuersatz von Gemeinde zu Gemeinde, was jedoch in keinster Weise im Zusammenhang mit dem jeweiligen Aufwand - wie z.B. Verunreinigungen durch Hundekot oder die Bereitstellung von Kotbeuteln - steht. Diese willkürliche Selbstentscheidung ist bei keiner anderen Steuerart möglich. Unserer Ansicht nach ist für Belastungen der Allgemeinheit (z. B. durch verursachte Schäden oder durch Hundekot) nur der jeweilige Tierbesitzer im Einzelfall und nicht die Gesamtheit der Hundehalter zu belangen.

Begründung zu 2.

Die bundesweit unterschiedliche Höhe der Hundesteuer dürfte sich eigentlich nicht auf die Infrastruktur niederschlagen, da sie nicht zweckgebunden ist.

Um wenigstens eine graduelle Verbesserung des aktuellen Systems zu erreichen, sollte festgeschrieben werden, dass die Einnahmen aus der Hundesteuer für einen bestimmten Zweck (vorrangig verbunden mit dem Aufwand, der besteuert wird) verwendet werden müssen. Die Hundesteuer darf nicht länger als Aufwandssteuer, die in einem riesigen „Steuereintopf“ landet, sondern sollte als bundesweit sozial verträgliche Abgabe erhoben werden, deren Höhe durch klar definierte Faktoren bestimmt und so vom Bürger nachvollzogen werden kann.

Begründung zu 3.

In Deutschland wird in allen Städten und Gemeinden von vorgefertigten Mustersatzungen (kommunales Abgabengesetz) des Städte- und Gemeindebundes abgeschrieben. Jede Kommune kann demnach willkürlich selbst über die Steuerhöhe entscheiden bzw. ob sie die Hundesteuer abschafft. Hier stellt sich ebenfalls die Frage, mit welcher Rechtfertigung die Hundesteuer von Jahr zu Jahr eine massive Progression erfährt, da sie weder zweckgebunden ist, noch die Lenkungsabsicht der Kommunen erfüllt! Ein Beispiel: Stadt Dorsten – NRW – 2013 Hundesteuer-Erhöhung. Mit dieser Erhöhung will die Stadt eine Mehreinnahme von 597 000 Euro erzielen. Mit welcher Rechtfertigung?

Begründung

Die Hundesteuer erschwert den Menschen die Haltung der Tiere und behindert den Tierschutz. Ältere Menschen, für die der Hund oftmals der einzige Sozialpartner ist. Der Geringverdiener der spart, um die überhöhte Steuer für seinen Hund bezahlen zu können, als ihn im Tierheim abgeben zu müssen. Die Familien, die lauf Urlaubsreisen verzichten, um sich den Hund leisten zu können.

Die Tierheime haben die Auswirkungen der Hundesteuererhöhungen zu spüren bekommen! Sie haben es schwer, Hunde zu vermitteln, weil sich Tierfreunde die Haltung der Vierbeiner auch angesichts der steigenden Energiekosten und Lebenshaltungskosten nicht mehr leisten können. Weiterhin sind Tierheime als Folge der Erdrosselungssteuer für Listenhunde, überfüllt und mit vermeidbaren Dauerkosten belastet! Die überzogenen Steuersätze für willkürlich ausgewählte Rassen weiterhin beizubehalten ist im Rückblick auf die vergangenen 12 Jahre genauso antiquiert, wie die Hundesteuer selbst.

Es ist unbestreitbar, dass die Rassezugehörigkeit keinen wissenschaftlich anerkannten Aufschluss über die Gefährlichkeit einer Hunderasse definiert! Jeder Hund kann beißen! Jedoch gilt für Beißvorfälle das Ordnungsrecht und die Haftung des Hundehalters, aber nicht die Hundesteuer!

Die Hundesteuer hat ihren Zweck zur Eindämmung des Hundebestandes längst verfehlt und wurde deshalb in anderen Europäischen Ländern aus ethischen, moralischen und verfassungsrechtlichen Bedenken abgeschafft (u.a. jüngst mit Urteil vom 24.01.2013 in den Niederlanden, in England, Frankreich, etc.)

Begründung zu 4. Eine „Hundeplage“ ist ohne die Hundesteuer nicht zu erwarten, denn auch ohne lenkende Wirkung, die der Steuer von Bund, Ländern und Gemeinden unterstellt wird, erlauben die Gegebenheiten des täglichen Lebens auch schon jetzt nicht jedem Hundeliebhaber die Haltung eines oder mehrerer Hunde.

Ein weiteres, häufig vorgebrachtes Argument ist, dass es die Hundesteuer „schon immer“ gab, woraus Kommunalpolitiker ein Gewohnheitsrecht für alle Zeiten ableiten wollen?!

Weil sie also keine lenkende Funktion hat und im höchsten Maße unsozial ist, darf die Hundesteuer nicht aufrechterhalten werden, unabhängig davon, ob ihr Wegfall die Kassen von Städten und Kommunen belasten sollte. Hundehalter sind ebenso wenig wie Nicht-Hundehalter für die Gestaltung des Finanzhaushaltes der Städte verantwortlich. Nachhaltige Haushaltseinsparungs-Konzepte sind mit Steuererhöhungen nicht gleichzusetzen!

In den Kommunen Eschborn (Hessen), Bilsen und Raa-Besenbek (S-H) wurde die Hundesteuer bereits au?er Kraft gesetzt.

Bei den Argumenten vieler Kommunalpolitiker in Deutschland für eine Hundesteuer handelt es sich um reine Alibiargumente, um der übrigen Bevölkerung die Rechtmäßigkeit der Hundesteuer zu suggerieren, mit der Zielsetzung finanzpolitischer Interessenswahrung für die öffentlichen Kassen der Kommunen und Gemeinden.

Steuern wie die Hundesteuer, bedeuten einen erheblichen Einschnitt in die persönliche Freiheit!

Begründung zu 5.

Wir möchten unsere Petition nicht abschliessen, ohne auf den positiven Einfluss, den die Hundehaltung für die deutsche Wirtschaft und auch die Gesundheit der Hundehalter hat, einzugehen:

5,9 Millionen Hunde leben in deutschen Haushalten, für die pro Jahr 3 Milliarden Euro für Futter, Pflegeartikel und Zubehör ausgegeben werden - genauso viel wie für Babynahrung und -pflege. Dies resultiert in 210 Millionen Euro Umsatzsteuer plus weitere Einnahmen aus Gewerbe- und Einkommenssteuer, nicht mitgerechnet sind die Leistungen an Tierärzte und sonstigem Tierbedarf. Dazu mußten die Hundebesitzer zusätzlich die 259 Millionen Euro für die Hundesteuer im Jahr 2012 aufbringen. Durch die Hundehaltung werden zudem auch Arbeitsplätze gesichert!

Wie bereits weiter oben erwähnt, spricht ein weiterer Grund gegen die Hundesteuer. Hundehalter gehen mindestens 3mal am Tag nach draußen (Naturerlebnis, Bewegung in frischer Luft). Im Durchschnitt bewegt sich ein Hundehalter 2,5 Stunden am Tag (über sieben Wochentage sind das 17,5 Stunden). Das ist das siebenfache der von der WHO empfohlenen Bewegung pro Woche (an fünf Tagen jeweils 0,5 Stunden). Viele deutsche Bürger schaffen nach Studien nur zwischen 45 Minuten und 1,5 Stunden pro Woche!

Abschluss:

Wir fordern den Deutschen Städtetag sowie den Deutschen Städte- und Gemeindebund - sich mit dieser Thematik auseinander zu setzen und die Hundesteuer abgeschafft wird!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung

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Neuigkeiten

Pro

Wozu wird die Hundesteuer verwendet? Obwohl ursprünglich ein Relikt aus dem Mittelalter, entrichtet etwa 85 Prozent der hundehaltenden Bevölkerung jedes Jahr für ihren Liebling Steuern. Beinahe klaglos. Warum müssen Hundehalter zahlen und die Besitzer von Katzen und Zierfischen nicht? Ist das gerecht? Zuerst ein paar Fakten: Die Hundesteuer ist kein Pappenstil: Allein in Bayern nahmen die rund 2.000 Kommunen damit im Jahr 2010 etwa 22 Millionen Euro ein. Bundesweit kamen rund 258 Millionen Euro zusammen. Das sind rund drei Euro pro Kopf der Bevölkerung. Das Recht zur Erhebung der Steuer haben die Gemeinden. In ihren jeweiligen Satzungen legen sie auch die Höhe der Abgabe fest. Daher variiert der Steuersatz von Gemeinde zu Gemeinde. So kostet es in Köln jährlich 156 Euro einen Hund zu halten, in Bayreuth dagegen nur 50 Euro. Die Hundesteuer ist eine nicht zweckgebundene Abgabe, also eine Leistung ohne konkrete Gegenleistung. Anders als häufig vermutet, können Hundehalter für ihre Sonderabgabe in den Gemeindesäckel nicht erwarten, dass der Hundekot auf Gehwegen und auf öffentlichen Plätzen entfernt wird oder dass Kotbeutelspender aufgestellt werden. Die Gemeinden können das Geld ebenso verwenden, um das Rathaus zu streichen, die Straßen auszubessern oder Schulden zu tilgen. Lesen Sie in DOGS 3/2012 alles zur Initiative "Stoppt die Hundesteuer!" sowie zur aktuellen DOGS-Studie. Erfahren Sie außerdem, welche Voraussetzungen eine Steuerbefreiung ermöglichen und welche Ordnungswidrigkeiten in Bezug auf die Hundesteuer mit einer Geldbuße geahndet werden. "Insgesamt zeigt sich, dass in vielen Städten ein Teil der Hundesteuer dafür verwendet wird, negative Begleiterscheinungen der Hundehaltung für die Gesellschaft zu beseitigen. Allerdings macht dies maximal 10 bis 20 Prozent der jeweiligen Hundesteuereinnahmen aus", schreiben Prof. Dr. Renate Ohr und Dr. Götz Zeddies in einer Abhandlung über die ökonomische Gesamtbetrachtung der Hundehaltung in Deutschland. Es bleibt also noch viel Geld für allgemeine Zwecke übrig ... Doch neben der Erhöhung der Einnahmen dient die Hundesteuer ordnungspolitischen Maßnahmen, nämlich die Zahl der Hunde im Gemeindegebiet zu begrenzen und das Halten so genannter Kampfhunde zu kontrollieren. Deshalb veranschlagen die Kommunen für bestimmte Hunderassen einen stark erhöhten Steuersatz, so dass die Haltung eines American Staffordshire Terriers oder eines Pitbulls 500 oder gar 1.000 Euro im Jahr kosten kann, je nachdem, wo er wohnt. In fast allen Städten und Gemeinden kostet der Zweit- und Dritthund zudem mehr als der erste. Doch der Unmut gegen diese umstrittene Sonderabgabe für Hundebesitzer wächst. So ist mittlerweile in Hamm ein großer Streit zwischen der Stadt und ihren Hundehaltern entbrannt. Der Grund: "Die Steuer für zehn weitere Rassen soll von 90 Euro auf 696 Euro jährlich erhöht werden", schreibt DOGS-Leser Thomas Vehlow in einem Brief an die Redaktion. "Angeblich wegen Lenkungszwecken, aber bei der Ratssitzung hieß es, die Stadt braucht mehr Geld. Es sind zwar "nur" 85 Leute betroffen, aber auch Halter, die die neue Regelung nicht tangiert, zeigen sich solidarisch, um etwas dagegen zu unternehmen. Wir haben einen Protestmarsch mit 80 Leuten und 50 Hunden organisiert und bei der Ratssitzung demonstriert. Es kann nicht sein, dass man als Hundehalter immer nur zahlen muss," findet nicht nur Thomas Vehlow. "Die Hundesteuer ist eine reine Luxussteuer, die nicht zweckgebunden ist und daher abgeschafft gehört", erklärt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Wer kam auf die Idee mit der Hundesteuer? Hundesteuer gibt es schon sehr lange, vielleicht mit ein Grund, warum sie heute so wenig hinterfragt wird. Im Mittelalter war die Jagd auf Hochwild das Privileg der Adligen. Sie hetzten das Wild mit Hunden und für diese Hunde mussten andere aufkommen. Die Fütterung und Pflege der herrschaftlichen Meuten wurde später in eine Geldabgabe umgewandelt, den sogenannten "Hundedecem", also Hundezehnt. Laut Angaben des Bundesfinanzministeriums taucht um 1500 zum ersten Mal der Begriff "Hundekorn" auf. Roggen und Gerste wurden zu einer Art Hundebrot verbacken, welches die Bauern den Adligen liefern mussten, um die Hunde außerhalb der Jagdsaison zu ernähren. Später dann, in der Neuzeit, wurde örtlich Hundesteuer erhoben, um die Zahl der Tiere einzudämmen. Daraus entwickelte sich im 19. Jahrhundert eine Luxussteuer für Hundehalter. Friedrich Wilhelm III. erließ nämlich am 28. Oktober 1810 das "Edikt über die neuen Consumptions- und Luxus-Steuern", in dem neben Steuern für Diener und Pferde auch für Hunde, Klaviere, Stubenvögel und Katzen Sonderabgaben eingeführt wurden. Der Staat war der Ansicht, dass jemand, der es sich leisten kann, Hunde zu halten, die keine Nutztiere sind, daneben noch genug Geld haben muss, um einen Sonderbeitrag für die Allgemeinheit zu leisten. Von diesen kuriosen Steuern vergangener Tage blieb allein die Hundesteuer bis heute unverändert erhalten. Nur die Begrifflichkeit hat sich geändert: Weil "Luxussteuer" nicht mehr zeitgemäß klingt, fällt Hundesteuer heute unter eine "Aufwandssteuer". Die heutige Rechtsgrundlage Nach dem Bonner Grundgesetz von 1949 fällt die Hundesteuer in die Kategorie "Steuern mit örtlich bedingtem Wirkungskreis" und heißt seit der Finanzreform von 1969 "Örtliche Verbrauch- und Aufwandsteuer." Und genau das wird dieser traditionsreichen Steuer vielleicht zum Verhängnis: Richter Dr. Andreas Decker aus Gilching bei München kennt sich als Autor juristischer Ausbildungsliteratur besonders gut mit dem kommunalen Abgabenrecht aus. Als er einmal wieder an einer Klausur zu diesem Thema tüftelte, entdeckte er eine Steuer auf Einwegverpackungen der Stadt Kassel, die diese als örtliche Aufwandssteuer erhoben hatte und die vom Bundesverwaltungsgericht gekippt worden war. Begründung: Einwegverpackungen von Fastfoodketten werden auch an Autoschaltern ausgegeben und der Müll unter Umständen in ganz anderen Gemeinden entsorgt. Die Örtlichkeit sei also nicht gegeben. Komisch, dachte sich daraufhin der Richter, der seinen Hund zwar in der Gemeinde Gilching versteuert, aber tagüber mit ihm nach München in sein Büro im Bayerischen Verwaltungsgerichtshof fährt und seine Freizeit im Hundesportverein der Stadt Fürstenfeldbruck verbringt. Wo ist denn in Bezug auf meinen Hund die Örtlichkeit gegeben? Vom Recht auf Gleichheit "Das Recht achtet auf Gleichheit" ist ein Grundsatz im Verfassungsrecht. Er verpflichtet die öffentliche Gewalt, vergleichbare Fälle gleich zu behandeln. Eine Ungleichbehandlung oder Diskriminierung ist nicht prinzipiell verboten, muss aber durch einen sachlichen Grund gerechtfertigt sein. Das Willkürverbot ist wie der Gleichheitssatz in Artikel 3 GG festgehalten. Es besagt, dass der Staat nicht willkürlich wesentlich Gleiches ungleich bzw. wesentlich Ungleiches gleich behandeln darf, ohne dass es hierfür einen vernünftigen, sich aus der Natur der Sache ergebenden oder sachlich einleuchtenden Grund gibt. "Die Erhebung einer Hundesteuer ist nicht nur unsozial und ungerecht, sondern auch schon lange nicht mehr zeitgemäß", erklärt Philip McCreight, Leiter von TASSO. Gleichheit hin oder her, für "unethisch" hält Rolf Hermanns, stellvertretender Fachbereichsleiter für Steuern und Kasse der Stadt Aachen, die Hundesteuer nicht. Im Gegenteil: "Wir alle haben großen Bedarf an öffentlichen Leistungen, denken Sie z.B. an die Betreuung der unter Dreijährigen", erklärt Hermanns. "Das muss schließlich irgendwie geschultert werden. Außerdem besteuern wir nicht nur Hundehalter, sondern auch Zweitwohnungsbesitzer, Hauseigentümer und Gewerbetreibende. Bei der Hundesteuer, die in bestimmten Fällen ermäßigt wird, handelt es sich im Gegensatz zu anderen kommunalen Abgaben um eine althergebrachte Steuer, die auch dazu dient, die Anzahl der Tiere vor allem in den Städten zu begrenzen und damit Tierschutzgedanken verfolgt. Und schließlich muss der Gesetzgeber nicht begründen, warum die einen besteuert werden und die anderen nicht. Das ist bereits höchst richterlich geklärt. Wir besteuern den zusätzlichen Aufwand, den man betreibt, wenn man sich einen Hund hält, das ist der Grund." Mit anderen Worten: Wer sich einen Hund leisten kann, treibt unnötigen Aufwand und dem tun zusätzliche Steuern nicht weh. Was ist mit der älteren Dame, die von ihrer kleinen Rente ihrem Pudel das Futter kauft? Was, mit dem Besuchsdiensthund, dem Schulhund, dem Therapiebegleithund? Und, ist eine Katze zu halten kein Luxus? Eine Katzensteuer wäre laut Hermanns praktisch nicht durchsetzbar. "Ein Hund kann einem bestimmten Menschen eindeutig zugeordnet werden, Katzen sind eher freiläufig oder werden, das andere Extrem, nur in der Wohnung gehalten. Da wäre es problematisch, diese Steuer wirklich durchsetzen zu können." Im Klartext heißt das: Hundebesitzer werden zur Kasse gebeten, nur weil sie offenbar mehr Geld haben, als zum Überleben notwendig ist und eine erfassbare und kontrollierbare Gruppe sind. Reicht das wirklich aus, um sie zu besteuern? Oder verstößt die herrschende Praxis tatsächlich gegen das Willkürverbot? "Die Städte und Gemeinden haben zwar ein Steuerfindungsrecht, aber man braucht schon sachliche Argumente, warum die einen zu besteuern sind, andere aber nicht. Sonst könnte man ja hergehen und zum Beispiel ab morgen jeden besteuern, der mehr als einen Baum im Garten stehen hat", erläutert Dr. Christina Baluch, Rechtsanwältin bei der Aachener Kanzlei Eßer und Kollegen. "Ich persönlich finde das Argument, dass die Hundesteuer gegen den Gleichheitssatz verstößt, überzeugend", meint Baluch, "denn ich sehe keinen Grund, warum Hunde besteuert werden, Katzen oder Pferde aber nicht. Letztlich ist dies aber eine Frage der Abwägung." Doch Justitias Waagschalen bleiben vorerst leer, denn auf ein Urteil der Bundesverfassungsrichter warteten die Juristen und Deutschlands Hundehalter vergeblich. Das höchste deutsche Gericht entschied am 26.01.2012 ohne weitere Begründung in einem knappen Beschluss den Fall erst gar nicht zu verhandeln (Az. 1 BvR 1888/11). Damit ist der Weg zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg frei geworden. "Noch vor vierzig Jahren gab es in jedem europäischen Land die Hundesteuer", erläutert der international erfahrene Rechtsanwalt. "Länder wie Großbritannien, Frankreich und Irland haben diese Steuer bisher abgeschafft, und zwar aus rein rechtlichen Erwägungen. In England ist es aufgrund einer Klage geschehen, weil diese Steuer keine Grundlage hat und sich moralisch nicht rechtfertigen lässt. In Frankreich war es im Wesentlichen der Druck der Bevölkerung, die sich dagegen gewehrt hat, andere Lebewesen zu besteuern. Nur in Deutschland, und übrigens auch Namibia (ehemals dt. Kolonie), bewegt sich in dieser Hinsicht nichts." In Straßburg , so hofft Dr. Vitt, wird im Wege einer Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland nach Art.34 MRK gerügt werden. Und zwar aus den folgenden Gründen: Der Verstoß gegen Menschenrechte - Art.8 Abs.1 der Menschenrechtskonvention, Schutz vor staatlichen Eingriffen in Privatleben - Art.13 der Menschenrechtskonvention, Recht auf wirksamen Rechtsschutz gegen Maßnahmen des Staates - Art.14 der Menschenrechtskonvention, Verbot der Diskriminierung Doch auf anderer Ebene tut sich etwas: "Die Kosten für die Betreuung eines Haustieres können seit 2012 steuerlich geltend gemacht werden", meldet der Bund der Steuerzahler. "Entsprechende Ausgaben werden als haushaltsnahe Dienstleistungen anerkannt." Den Hundesitter von der Steuer absetzen und gleichzeitig mittelalterliche Steuern für ihn zahlen? Das passt nicht zusammen. Wann die Hundesteuer in Deutschland aber fallen wird, hängt nicht zuletzt vom Engagement und dem politischen Willen von uns allen ab. Wir müssen ihn nur Kund tun. Und wer sich jetzt noch fragt, wieso nur 85 Prozent der Hundehalter Steuern zahlen, dem sei gesagt: Die Halter von hochgerechnet rund 800.000 Hunden, die in Deutschland keine Abgaben entrichten, begehen damit zur Zeit "nur" eine Ordnungswidrigkeit. Die Hinterziehung der Hundesteuer dürfte somit deutlich weiter verbreitet sein als eine Steuerflucht in die Schweiz. Text: Astrid Nestler Quelle: Dogs.de

Contra

Die Hundesteuer sollte lediglich für die Unterbringung und Versorgung von Tierheimtieren eingesetzt werden. Dort wird sie gebraucht. Schafft man sie ab, werden Städte noch weniger Mittel für Fundtiere zur Verfügung haben, denn schließlich werden aus dem großen Topf auch diese Kosten getragen. Steuer Ja, aber zweckgebunden zum Schutz von Tieren.