Die konkret vorgeschlagenen Maßnahmen des neuen Schulentwicklungsplans (SEP 2014-2020) beinhalten den Ausbau der derzeit dreizügigen Rosa-Luxemburg-Schule in Potsdam zur Vierzügigkeit mit Hort im Schulgebäude zum Schuljahr 2015/16. (Quelle: Pressemitteilung Nummer 770 / 22.11.2013 der Stadt Potsdam, nachzulesen unter www.potsdam.de/cms/beitrag/24716040/1761152/?print=J , besucht am 12. Februar 2014. )

Die Vergrößerung zur Vierzügigkeit stellt unter den bestehenden strukturellen Bedingungen sehr sicher eine Überforderung aller an einem erfolgreichen Schulleben Beteiligten an der Rosa-Luxemburg-Schule dar und muss deshalb verhindert werden.

Wir fordern eine stabile Dreizügigkeit für die Rosa-Luxemburg-Schule in Potsdam!

Begründung

Wie aus dem Gespräch mit einem Mitarbeiter der Potsdamer Stadtverwaltung während der Schul-Hort-Konferenz am 10. Februar 2014 an unserer Schule hervorging, wurde während der Planung der Vergrößerung der Rosa-Luxemburg-Schule zur Vierzügigkeit von der zuständigen Projektgruppe der Potsdamer Stadtverwaltung überhaupt nicht berücksichtigt, wie sich die Vergrößerung der Schule auf die Umsetzung des pädagogischen Konzepts der Schule und das Schul/Hort-Klima auswirken wird. Es ging ausschließlich darum, möglichst günstig räumliche Kapazitäten für den in den kommenden Jahren zu erwartenden Zuwachs von Schüler*innen zu schaffen. Wie wir erfahren haben, war an der Arbeit der zuständigen Projektgruppe kein Pädagoge/keine Pädagogin beteiligt. Das Schulamt wurde erst im Nachhinein über die Planungen der Projektgruppe informiert. Es ist uns unbegreiflich, dass bei der Planung der Schulentwicklung offensichtlich nicht das Wohl der Kinder im Vordergrund steht. Dabei sind die Kinder, die selbst wenig Möglichkeit haben, ohne die Hilfe von uns Erwachsenen auf die Missstände an den Schulen aufmerksam zu machen, die Hauptleidtragenden der Überlastung bei gleichzeitiger Unterfinanzierung der Schulen.

Wie wir erfahren haben, wird voraussichtlich im März 2014 ein Beschluss gefasst, der die Vergrößerung der Rosa-Luxemburg-Schule zur Vierzügigkeit besiegeln soll. Am 18. Februar 2014 soll hierzu im Bildungsausschuss beraten werden. Ein Beschluss zur Vierzügigkeit der Rosa-Luxemburg-Schule würde bedeuten, dass die Schule ab dem Schuljahr 2015/2016 auf ca. 600 Schülerinnen mit durchschnittlich 25 Kindern pro Klasse aufgestockt wird. Das bedeutet 8 Flex-Klassen. Entsprechend würden 400 Kinder im Hort auf insgesamt 4 Etagen betreut werden. Während die Schule zur Vierzügigkeit vergrößert wird, sind noch Jahre andauernde Baumaßnahmen auf und am Schulgelände (inkl. Kita-Neubau) geplant, weshalb noch mehr Schülerinnen durch Baulärm gestört werden, auf eingeschränktem Gelände ihre Pausen erleben und aufgrund der zunehmenden Unübersichtlichkeit durch den Einsatz von Kränen und Lastwägen sowie durch Baugruben zusätzlich gefährdet werden. Im Konzept der Stadt sind zudem keine Räumlichkeiten für Konferenzen der Gremien (Lehrer-, Eltern-, Schulkonferenz, etc.) geplant. Die geforderten Standards des Qualitätsmanagements für Schulentwicklung, Unterrichtsgestaltung und Schulkultur werden ignoriert.

Bereits jetzt sind Schule und Hort der Rosa-Luxemburg-Schule sehr großen Anforderungen ausgesetzt. Die aktuellen strukturellen Voraussetzungen sind sehr verbesserungswürdig. Das betrifft die Situation in den Schulen in ganz Potsdam und darüber hinaus. An der Rosa-Luxemburg-(Inklusions-) Schule kann der Schulalltag unter den gegebenen Umständen nur durch ein sehr großes Engagement von Seiten der Lehrerinnen, Erzieherinnen und Eltern und die enge Zusammenarbeit aller am Schulalltag beteiligten gelingen.

Durch die Vierzügigkeit wird der Schulalltag an der Rosa-Luxemburg-Schule anonymer, unübersichtlicher und lauter. Die Schule hat bisher sehr erfolgreich das Konzept der Inklusion umgesetzt, was ein großes Engagement und eine enge Zusammenarbeit aller am Schulalltag beteiligten erfordert. Durch die Vergrößerung der Schule wird es aufgrund der bereits benannten Folgen sehr schwierig, dieses Konzept erfolgreich weiterzuführen. Der weiterhin bestehende Lehrerinnenmangel, die Unterfinanzierung bei gleichzeitig steigenden Schülerinnenzahlen und entsprechend großen Klassen, führen bei den Schüler*innen unter anderem zu Konzentrationsverlust, mehr Aggressivität, sinkender Leistungsbereitschaft und eingeschränkter Kreativität.

Was die Außenwirkung der Schule betrifft, so trägt das im Moment noch erfolgreich zu realisierende Schulkonzept der Rosa-Luxemburg-Schule zur Attraktivität der Stadt, insbesondere bei zuziehenden Familien mit Kindern im Grundschulalter, bei. Die Art der Unterrichtsgestaltung orientiert sich an den Anforderungen der zukünftigen Arbeitgeber, der Entwicklung des Arbeitsmarktes und der gesellschaftlichen Entwicklung. Projektarbeit, Flexibilität, Kreativität, Selbständigkeit, Individualität, Respekt gegenüber den Unterschiedlichkeiten der Menschen, Stärkung des Selbstbewusstseins, Schulung der sozialen Kompetenz und Eigeninitiative können bei steigender Schülerzahl auf ca. 600 Kinder nicht mehr wie bisher gewährleistet und vermittelt werden.

Kinder haben ihr ganzes weiteres Leben lang einen Nachteil, wenn sie die sie stark prägende Grundschulzeit unter strukturell bedingt schwierigen Umständen absolvieren müssen. Wir halten es deshalb für unverantwortlich, die bereits sehr verbesserungswürdigen strukturellen Bedingungen an der Rosa-Luxemburg-Schule durch die Vergrößerung zur Vierzügigkeit zu verschlechtern.

Wir fordern deshalb für die Rosa-Luxemburg-Schule in Potsdam eine stabile Dreizügigkeit!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung

Übersetzen Sie jetzt diese Petition

Neue Sprachversion

Neuigkeiten

  • Formaler Abschluss der Online-Petition.

  • Sehr geehrte Mitzeichnende,

    unserer Petition wurde nicht entsprochen. In Vertretung des Oberbürgermeisters antwortete uns Frau Dr. Magdowski, Beigeordnete für Bildung, Kultur und Sport unter anderem wie folgt:

    "Am 2. April 2014 wurde der Schulentwicklungsplan 2014 bis 2020, einschließlich des Beschlussteiles, die dreizügige Rosa-Luxemburg-Schule (19) mit entsprechenden Baumaßnahmen zum Schuljahr 2015/2016 vierzügig mit Hort im Schulgebäude zu erweitern, durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossen.
    [...]
    Bereits seit 2007 wurde der Ausbau der Rosa-Luxemburg-Schule diskutiert. Bei dem Schulgebäude handelt es sich um eine Doppelschule Typ Erfurt. So wurde auf dem Workshop 2007 zum Campus Kurfürstenstraße i.V.m. dem Standort Burgstraße durch die Teilnehmer, zu denen auch Vertreter ihrer Schule gehörten, festgestellt, dass in einer Hälfte dieses Typs eine zweizügige Grundschule mit Hort auch bei Berücksichtigung von Flex und Ganztag Platz findet. Dies wurde gegenüber der Schule seitdem auch so kommuniziert und der Ausbau zur Vierzügigkeit mit Hort in einer Doppelschule Typ Erfurt entsprechend geplant.

    Auch die Raumanalyse der Freien Planungsgruppe Berlin im Rahmen der Erstellung des aktuellen Schulentwicklungsplanes hat ergeben, dass an dem Standort ausreichend Platz für eine vierzügige Grundschule mit Hort vorhanden ist.

    Mit der Einbringung des Schulentwicklungsplanes 2014 bis 2020 in die Stadtverordnetenversammlung im Dezember 2013 erfolgte ein breites Beteiligungsverfahren. So wurde der Schulentwicklungsplan mit seinen Beschlussbestandteilen unter anderem im Bildungsausschuss, in der Arbeitsgruppe Schulentwicklungsplanung und im Kreisschulbeirat diskutiert. Ferner fand am 10. Februar 2014 dazu eine Anhörung der Schulkonferenz der Rosa-Luxemburg-Schule (19) statt.
    Im Ergebnis hat sich die Schulkonferenz gegen die Erweiterung auf vier Züge ausgesprochen. Probleme sahen Sie insbesondere bei der Umsetzung des pädagogischen Konzeptes der Schule und von Inklusion nach Ausbau der Schule.

    Bereits am 10 Februar 2014 wurde durch die Verwaltung Unterstützung im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten zugesagt.

    Im Ergebnis der im Vorfeld der Entscheidung erfolgten Abwägung ist der Ausbau der Rosa-Luxemburg-Schule aus meiner Sicht und aus Sicht der Stadtverordnetenversammlung vertretbar sowie unter dem Aspekt der Schulentwicklungsplanung dringend erforderlich. Ich bitte Sie deshalb um Verständnis für die getroffene Entscheidung.

    Ich bin mir zudem sicher, dass das erfolgreiche Konzept der Rosa-Luxemburg-Schule auch nach Ausbau zu einer vierzügigen Grundschule fortgesetzt wird.Der Fachbereich Bildung und Sport wird Sie dabei mit den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten unterstützen."

    Mit freundlichen Grüßen

    die Petitionsverwalter*innen
    aus der Schul-Hort-Konferenz
    der Rosa-Luxemburg-Schule Potsdam

  • Die Petition wurde postalisch und per E-Mail an den Oberbürgermeister der Stadt Potsdam gesendet.

Pro

Die Vierzügigkeit widerspricht dem Leitziel der inklusiven Gesellschaft. Inklusion bedeutet so viel wie ?einschließen? oder ?einbeziehen?. Im Verfahren der Entwicklung des Schulentwicklungsplanes erlebt die Schulgemeinschaft der Rosa-Luxemburg-Schule Exklusion. Das widerspricht auch dem Ansinnen, Potsdam als ?Bürgerkommune? weiter zu entwickeln.

Contra

Spricht man sich als Elternteil gegen den Ausbau der Rosa-Luxemburg-Schule aus, muss man sich den Vorwurf gefallen lassen, dass mit dem Wohl der Kinder primär das Wohl der eigenen Kinder gemeint ist. Die 4zügigkeit verhindern zu wollen, bedeutet den Zugang für weitere Kinder zu beschränken, obwohl es den Bedarf an mehr Plätzen gibt. Ich halte wenig von Verteidigungsgefechten. Ich plädiere für ein aktive Mitgestaltung der 4zügigkeit.