Unterstützung des Manifests der SPD-Friedenskreise

Petition richtet sich an:
SPD-Bundesparteitag

18.258 Unterschriften

Sammlung beendet

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Sammlung beendet

  1. Gestartet Juni 2025
  2. Sammlung beendet
  3. Eingereicht am 09.12.2026
  4. Dialog mit Empfänger
  5. Entscheidung

Petition richtet sich an: SPD-Bundesparteitag

80 Jahre nach Ende der Jahrhundertkatastrophe des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung vom Hitler-Faschismus ist der Frieden auch in Europa wieder bedroht. Wir erleben neue Formen von Gewalt und Verletzung der Humanität: Der russische Krieg gegen die Ukraine, aber auch die fundamentale Verletzung der Menschenrechte im Gaza-Streifen. Die soziale Spaltung der Welt wird tiefer, in den Gesellschaften und zwischen den Gesellschaften. Die vom Menschen gemachte Krise des Erd- und Klimasystems, die Zerstörung der Ernährungsgrundlagen und neue Formen von Kolonialismus um Rohstoffe bedrohen den Frieden und die Sicherheit der Menschen. Nicht zuletzt versuchen Nationalisten Unsicherheiten, Konflikte und Kriege für ihre schäbigen Interessen zu nutzen.

Von einer Rückkehr zu einer stabilen Friedens- und Sicherheitsordnung in Europa sind wir weit entfernt. Im Gegenteil: In Deutschland und in den meisten europäischen Staaten haben sich Kräfte durchgesetzt, die die Zukunft vor allem in einer militärischen Konfrontationsstrategie und hunderten von Milliarden Euro für Aufrüstung suchen. Frieden und Sicherheit sei nicht mehr mit Russland zu erreichen, sondern müsse gegen Russland erzwungen werden. Der Zwang zu immer mehr Rüstung und zur Vorbereitung auf einen angeblich drohenden Krieg wird beschworen, statt notwendige Verteidigungsfähigkeit mit einer Rüstungskontroll- und Abrüstungspolitik zu verknüpfen, um gemeinsame Sicherheit und gegenseitige Friedensfähigkeit zu erreichen. Wir sind davon überzeugt, dass das Konzept der gemeinsamen Sicherheit der einzige verantwortungsbewusste Weg ist, über alle ideologischen Unterschiede und Interessen-Gegensätze hinweg Krieg durch Konfrontation und Hochrüstung zu verhindern. Das Konzept der gemeinsamen Sicherheit lag auch dem zwischen US-Präsident Ronald Reagan und dem Generalsekretär der KPdSU Michail Gorbatschow 1987 vertraglich vereinbarten Verbot aller atomarer Mittelstreckenwaffen zugrunde, das wesentlich zum Ende des Kalten Kriegs in Europa und zur deutschen Einheit beigetragen hat.

Seit den 1960er Jahren wurde die Welt mehr als einmal an den nuklearen Abgrund geführt. Der „Kalte Krieg“ war geprägt von gegenseitigem Misstrauen und militärischer Konfrontation der Führungsmächte in Ost und West. Der Präsident der USA John F. Kennedy, Willy Brandt und andere führende Politiker der damaligen Zeit haben die richtigen Konsequenzen aus der in der Kuba-Krise offensichtlich gewordenen gefährlichen Perspektivlosigkeit dieser Rüstungsspirale gezogen. An die Stelle von Konfrontation und Hochrüstung traten Gespräche und Verhandlungen über Sicherheit durch Kooperation, Vertrauensbildung, Rüstungskontrolle und Abrüstung.

Die Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte von Helsinki 1975 war ein Höhepunkt dieses Zusammendenkens von Verteidigungs- und Abrüstungspolitik, das in Europa jahrzehntelang Frieden gesichert hat und schließlich auch die deutsche Einheit ermöglichte.

In Helsinki wurden zentrale Prinzipien der europäischen Sicherheit durch einen friedlicheren Umgang der Staaten miteinander vereinbart: Die Gleichheit der Staaten unabhängig von ihrer Größe, die Wahrung der territorialen Integrität der Staaten, der Verzicht auf gegenseitige Gewaltandrohungen, die Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten, der Verzicht auf die Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Staaten wie auch die Vereinbarung umfassender Zusammenarbeit.

Heute leben wir leider in einer anderen Welt. Die auf den Prinzipien der KSZE Schlussakte basierende europäische Sicherheitsordnung wurde schon in den letzten Jahrzehnten vor dem völkerrechtswidrigen Angriff Russlands auf die Ukraine immer mehr untergraben - auch durch den „Westen“ - so etwa durch den Angriff der Nato auf Serbien 1999, durch den Krieg im Irak mit einer „Koalition der Willigen“ 2003 oder durch Nichteinhaltung der 1995 bekräftigten nuklearen Abrüstungsverpflichtungen des Atomwaffensperrvertrags,  durch Aufkündigung oder Missachtung wichtiger Rüstungskontrollvereinbarungen zumeist durch die USA oder auch durch eine völlig unzureichende Umsetzung der Minsker Abkommen nach 2014.

Diese historische Entwicklung zeigt: Nicht einseitige Schuldzuweisungen, sondern eine differenzierte Analyse aller Beiträge zur Abkehr von den Prinzipien von Helsinki ist notwendig. Gerade deshalb dürfen wir jetzt nicht die Lehren aus der Geschichte vergessen. Eine Rückkehr zu einer Politik der reinen Abschreckung ohne Rüstungskontrolle und der Hochrüstung würde Europa nicht sicherer machen. Stattdessen müssen wir wieder an einer Friedenspolitik mit dem Ziel gemeinsamer Sicherheit arbeiten.

Begründung

Vielen scheint gemeinsame Sicherheit heute illusorisch. Das ist ein gefährlicher Trugschluss, weil es zu einer solchen Politik keine verantwortungsbewusste Alternative gibt. Dieser Weg wird nicht einfach sein. Vor echten vertrauensbildenden Maßnahmen braucht es deshalb zunächst kleine Schritte: die Begrenzung weiterer Eskalation, den Schutz humanitärer Mindeststandards, erste technische Kooperationen etwa im Katastrophenschutz oder der Cybersicherheit sowie die behutsame Wiederaufnahme diplomatischer Kontakte. Erst wenn solche Grundlagen geschaffen sind, kann Vertrauen wachsen – und damit der Weg frei werden für eine neue europäische Sicherheitsarchitektur. Auch der öffentliche sicherheitspolitische Diskurs muss dazu beitragen.

Zudem ist Europa heute mehr denn je gefordert, eigenständig Verantwortung zu übernehmen. Unter Präsident Trump verfolgen die USA erneut eine Politik, die auf Konfrontation besonders gegenüber China setzt. Damit wächst die Gefahr einer weiteren Militarisierung der internationalen Beziehungen. Europa muss dem eine eigenständige, friedensorientierte Sicherheitspolitik entgegensetzen und aktiv an einer Rückkehr zu einer kooperativen Sicherheitsordnung mitwirken – orientiert an den Prinzipien der KSZE-Schlussakte von 1975.

Dabei ist klar: Eine verteidigungsfähige Bundeswehr und eine Stärkung der sicherheitspolitischen Handlungsfähigkeit Europas sind notwendig.

Diese Verteidigungsfähigkeit muss aber in eine Strategie der Deeskalation und schrittweisen Vertrauensbildung eingebettet sein, – nicht in einen neuen Rüstungswettlauf. Tatsächlich sind allein die europäischen Mitgliedsstaaten der NATO , selbst ohne die US-Streitkräfte, Russland konventionell militärisch deutlich überlegen. Militärische Alarmrhetorik und riesige Aufrüstungsprogramme schaffen nicht mehr Sicherheit für Deutschland und Europa, sondern führen zur Destabilisierung und zur Verstärkung der wechselseitigen Bedrohungswahrnehmung zwischen NATO und Russland.

Zentrale Elemente einer neuen, zukunftsfähigen Friedens- und Sicherheitspolitik sind daher:

  • Möglichst schnelle Beendigung des Tötens und Sterbens in der Ukraine. Dazu brauchen wir eine Intensivierung der diplomatischen Anstrengungen aller europäischen Staaten. Die Unterstützung der Ukraine in ihren völkerrechtlichen Ansprüchen muss verknüpft werden mit den berechtigten Interessen aller in Europa an Sicherheit und Stabilität. Auf dieser Grundlage muss der außerordentlich schwierige Versuch unternommen werden, nach dem Schweigen der Waffen wieder ins Gespräch mit Russland zu kommen, auch über eine von allen getragene und von allen respektierte Friedens- und Sicherheitsordnung für Europa.
  • Herstellung einer eigenständigen Verteidigungsfähigkeit der europäischen Staaten unabhängig von den USA. Stopp eines Rüstungswettlaufs. Europäische Sicherheitspolitik darf sich nicht am Prinzip der Aufrüstung und Kriegsvorbereitung, sondern muss sich an einer wirksamen Verteidigungsfähigkeit orientieren. Wir brauchen eine defensive Ausstattung der Streitkräfte, die schützt ohne zusätzliche Sicherheitsrisiken zu schaffen. 
  • Für eine auf Jahre festgelegte Erhöhung des Verteidigungshaushalts auf 3,5 oder 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gibt es keine sicherheitspolitische Begründung. Wir halten es für irrational, eine am BIP orientierte Prozentzahl der Ausgaben für militärische Zwecke festzulegen. Statt immer mehr Geld für Rüstung brauchen wir dringend mehr finanzielle Mittel für Investitionen in Armutsbekämpfung, für Klimaschutz und gegen die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen, von denen in allen Ländern Menschen mit geringen Einkommen überdurchschnittlich betroffen sind.
  • Keine Stationierung neuer amerikanischer Mittelstreckenraketen in Deutschland. Die Stationierung von weitreichenden, hyperschnellen US-Raketen-Systemen in Deutschland würde unser Land zum Angriffsziel der ersten Stunde machen.
  • Bei der Überprüfungskonferenz im Jahr 2026 zum Atomwaffensperrvertrag gilt es, die Verpflichtung zur nuklearen Abrüstung nach Art. 6 zu erneuern und mit verbindlichen Fortschrittsberichten sowie völkerrechtlichen “No First Use”-Erklärungen zu stärken.
  • Gleichzeitig gilt es auf die Erneuerung des 2026 auslaufenden New Start-Vertrags zur Verringerung strategischer Waffen und auf neue Verhandlungen über Rüstungsbegrenzung, Rüstungskontrolle, vertrauensbildende Maßnahmen sowie Diplomatie und Abrüstung in Europa zu drängen.
  • Schrittweise Rückkehr zur Entspannung der Beziehungen und einer Zusammenarbeit mit Russland sowie die Berücksichtigung der Bedürfnisse des Globalen Südens insbesondere auch zur Bekämpfung der gemeinsamen Bedrohung durch die Klimaveränderungen.
  • Keine Beteiligung Deutschlands und der EU an einer militärischen Eskalation in Süd-Ost-Asien.

Mehr zum Manifest und dem Erhard-Eppler-Kreis finden sie unter: https://www.erhard-eppler-kreis.de/manifest/

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Erhard-Eppler-Kreis, Caldes de Montbui
Frage an den Initiator

Angaben zur Petition

Petition gestartet: 11.06.2025
Sammlung endet: 31.03.2026
Region: Deutschland
Kategorie: Außenpolitik

Neuigkeiten

  • Der Westend-Verlag hat den offiziellen Erscheinungstermin des Manifest-Buchs bekannt gegeben: 28. September 2026. Gemeinsame Sicherheit heute! im Westend Verlag (westendverlag.de)

    Im Juni 2025, zwei Wochen vor dem SPD-Bundesparteitag, veröffentlichten die SPD-Friedenskreise ein zweiseitiges Manifest. Es lehnte das Fünf-Prozent-Ziel der Nato ab und wandte sich gegen die Stationierung neuer Mittelstreckenraketen in Deutschland. Vor allem forderte es, nach dem Schweigen der Waffen wieder ins Gespräch mit Russland zu kommen. Die Reaktion kam prompt. „Dieses Papier ist Realitätsverweigerung“, sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius der Deutschen Presse-Agentur. Es missbrauche den Wunsch der Menschen nach einem Ende des Krieges. Parteichef Lars Klingbeil ging auf Distanz. Der frühere Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses Michael Roth sprach von einem „selbstgefälligen Wohlfühlpapier“; in den Redaktionen hieß es bald nur noch „Russland-Papier“.
    Unterschrieben haben es trotzdem über 18.000 Menschen auf der Plattform openPetition.

  • Wenn eine Maschine eigenständig entscheidet, wer lebt und wer stirbt, ist eine Schwelle
    überschritten, hinter die keine Gesellschaft mehr zurückkann. Nach einem breit aufgegriffenen Bericht
    des Magazins New Scientist (Juni 2026) sollen in der Ukraine erstmals Drohnen eines ukrainischen
    Herstellers vollautonom Menschen getötet haben – ohne Funkverbindung, ohne Videobild, ohne
    menschlichen Befehl in letzter Sekunde.

    Der Erhard-Eppler-Kreis bittet alle Unterzeichner, die Pressemitteilung an die Bundesregierung möglichst weit zu verbreiten. Ziel ist es, die Entwicklung, Herstellung, Beschaffung und den Einsatz autonom tötender Waffensysteme zu verhindern. Zur PM: https://www.erhard-eppler-kreis.de/wp-content/uploads/go-x/u/7ea2f7ae-d3b5-4b2a-9363-13cc23c3130e/Pressemitteilung_EEK_Autonome_Waffensysteme.pdf

  • Ralf Becker, Karen Hinrichs, Heinrich Schäfer, Theodor Ziegler und viele Unterstützer:innen haben eine „Ökumenische Friedensschrift – 2026“ vorgelegt

    Ralf Becker / Karen Hinrichs / Heinrich Schäfer / Theodor Ziegler: Wer Frieden will, muss mit dem Feind reden. – Eine ökumenische Friedensschrift, 2026. (edition pace ǀ Sonderband der Reihe). Hamburg: BoD 2026. (ISBN: 978-3-6963-9825-5; Paperback; 128 Seiten; 7,99 Euro).

    Ralf Becker, Karen Hinrichs, Heinrich Schäfer, Theodor Ziegler und viele Unterstützer:innen (Organisationen, Einzelpersonen) haben eine „Ökumenische Friedensschrift – 2026“ vorgelegt. In Kooperation mit dem Ökumenischen Friedensnetz wird sie als Buchband in der Reihe „edition ppace“ herausgegeben; die zuerst erschienene Internetfassung kann frei aufgerufen und verbreitet werden.

     https://friedenstheologie-institut.jimdofree.com/app/download/8609240763/Oekumenische-Friedenschrift-2026.pdf

Weil der Rüstungslobbyist & Kriegsdienstverweigerer Lars Klingbeil die SPD m.E. in den Abgrund geführt hat : www.fr.de/meinung/suizidale-aussendarstellung-10950742.html taz.de/SPD-Generalsekretaer-Klingbeil/!5789323/ Das ist die "neue" SPD : https://taz.de/picture/5021323/1200/27659129-1.jpeg ...Willy Brandt würde sich im Grabe rumdrehen, so denke ich ! Hochachtungsvoll Michael Pfeiffer Dipl. Bundesbeamter a.D. (Bundeswehr)

Es hätte eine entspr. öffentliche Petition (öPet) an den Deutschen Bundestag gerichtet werden MÜSSEN ! - MdB Dr. Stegner (SPD) sagte leider die Unwahrheit (vgl. Link), denn es wurde genau KEINE (!) öffentliche Petition in den Deutschen Bundestag eingebracht, wie man hier erkennen kann. - Dem wichtigen & richtigen Friedens-Anliegen wurde durch diesen schweren FEHLER leider die politische "Durchschlagskraft" - ohne Not - genommen : Schade, Dr. Stegner ... von der Friedens-SPD !!

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