Region: Berlin und Brandenburg
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Geschichte darf nicht Geschichte werden! Petition gegen den neuen Lehrplan Geschichte für BLN/BRA

Petitioner not public
Petition is directed to
Sentasverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft des Landes Berlin, Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg
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Wir fordern eine Überarbeitung des Rahmenlehrplan-Entwurfs Geschichte Berlin-Brandenburg für die Jahrgangsstufen 5-10, weil ...

  1. Die Vielfalt wird zur Beliebigkeit.

  2. Geschichte ist in dem neuen Fach Gesellschaftswissenschaften (Kl. 5/6) kaum noch zu entdecken und kann nun auch fachfremd unterrichtet werden.

  3. Das Längsschnitt-Verfahren ist für die unteren Jahrgangsstufen als ausschließliches Unterrichtsprinzip ungeeignet.

  4. Der Entwurf ist auf der methodischen Ebene uneinheitlich und korrespondiert nicht mit dem Lehrplan für die gymnasiale Oberstufe.

  5. Der Lehrplan-Entwurf weist hinsichtlich der Kompetenzen und Standards Lücken und definitorische Unschärfen auf.

Fazit

Dem Lehrplan-Entwurf liegt kein schlüssiges Gesamtkonzept zugrunde und bedeutet eine Entwertung des Faches Geschichte in Berlin und Brandenburg. Wir fordern daher eine grundlegende Überarbeitung, die die Kritikpunkte der Lehrer, Fachkonferenzen, des Geschichtslehrerverbandes und der Universitäten berücksichtigt.

Berlin, 15. Januar 2015

Robert Rauh, Initiator und Geschichtslehrer, Berlin Susanne Müller, Geschichtsreferendarin, Berlin Nima Moinizadeh, Geschichtslehrer, Brandenburg Dr. Peter Stolz, Vorsitzender des Berliner Geschichtslehrverbandes Dr. Günter Kolende, Vorsitzender des Brandenburger Geschichtslehrerverbandes Jannis Herzog Schüler (GY), 10. Klasse, Berlin-Mitte Sergio Seltmann Schüler (ISS), 12. Klasse, Berlin-Wedding Janine Krohn, Fachbereichsleiterin Gesellschaftswissenschaften, Berlin Birgit Peylo, Mutter eines Grundschülers, Brandenburg Götz Massow, Fachseminarleiter Geschichte/SK/PW, Berlin Robin Gliffe, Lehramtsstudent Geschichte, FU Berlin Florian Bublys, Fachseminarleiter Geschichte/SK/PW, Berlin Prof. Dr. Thomas Brechenmacher, Universität Potsdam

Reason

1 Die Vielfalt wird zur Beliebigkeit. Begrüßenswert ist das breite Spektrum der angebotenen Themen und Inhalte, das nach obligatorischen und Wahlthemen gegliedert ist. Problematisch ist jedoch, dass jeder Lehrer in Kl. 5/6 „wenn möglich mit den Lernenden zusammen“ Themen auswählen und durch „weitere bedeutsame Inhalte“ ergänzen kann. Die Vielfalt wird zur Beliebigkeit.
Wenn die Grundschüler an die weiterführenden Oberschulen wechseln, setzt sich diese Beliebigkeit fort: Denn in Kl. 7/8 stehen zwölf wahlobligatorische Längsschnitte (aus fünf Themenfeldern) zur Verfügung, von denen mindestens vier absolviert werden müssen. Diese Vielfalt führt zu weiteren weißen Flecken im Geschichtsverständnis: Wenn die Lehrkraft bzw. der Fachbereich sich neben den beiden Pflichtthemen „Migration“ und „Armut“ zwei weitere wahlobligatorische Längsschnitte wählt, beispielsweise „Bildung und Erziehung“ und „Handel im Wandel“, dann werden die Schüler beim Wechsel in die 9. Klasse weder etwas über die Aufklärung und die Bürgerlichen Revolutionen (z.B. Französische Revolution) noch über bedeutende historische Ereignisse im 19. Jahrhundert (z.B. Reichsgründung) erfahren haben. Die Beliebigkeit setzt sich im Kleinen fort. Unter den Längsschnitten werden fünf verschiedene Zeitebenen angeboten, von denen mindestens drei thematisiert werden müssen. Aber diese „möglichen Konkretisierungen“ sind „Anregungen und können durch andere ergänzt/ersetzt werden“. Die Chronologie ist in Kl. 7/8 - wie in Kl. 5/6 - aufgehoben, weil die Reihenfolge der Themenfelder auch hier wählbar ist. Beliebigkeit und Unverbindlichkeit sind leitende Prinzipien dieses Entwurfs.

2 Geschichte ist in dem neuen Fach Gesellschaftswissenschaften (Kl. 5/6) kaum noch zu entdecken und kann nun auch fachfremd unterrichtet werden. Begrüßenswert ist der Ansatz, die gesellschaftswissenschaftlichen Perspektiven in einem Fach analog des Faches Naturwissenschaften (Biologie, Physik, Chemie) zu bündeln, da die Fächer Geographie, Politische Bildung (bisher nur in BRA) und Geschichte nicht nur thematische Schnittstellen, sondern auch gemeinsame unterrichtsleitende Prinzipien (z.B. Multiperspektivität) aufweisen. Problematisch ist jedoch, dass in dem neuen Fach Gesellschaftswissenschaften (Kl. 5/6) bei den obligatorischen Themenfeldern die historischen Epochen Ur- und Frühgeschichte, Antike und Mittelalter kaum noch auftauchen: die Alt- und Jungsteinzeit lediglich beim Thema „Ernährung“, Ägypten bei „Wasser“, Rom bei „Stadt“, das Römische Reich bei „Europa“ und die athenische Demokratie bei „Demokratie und Mitbestimmung“. Auch die Chronologie ist aufgehoben, da die Reihenfolge der Themenfelder wählbar ist. Zudem werden das Fach Gesellschaftswissenschaften nun auch Lehrer unterrichten, die keine universitäre Ausbildung in Geschichte absolviert haben. Die Folge ist eine Entprofessionalisierung des Faches Geschichte.

3 Das Längsschnitt-Verfahren ist für die unteren Klassen als ausschließliches Unterrichtsprinzip ungeeignet. Begrüßenswert ist grundsätzlich, dass neben dem chronologisch-genetischen Verfahren auch andere Untersuchungsprinzipien wie der thematische Längsschnitt zur Anwendung kommen. Mit dem Längsschnittverfahren können historische Gegenstände epochenübergreifend untersucht werden. Außerdem kann Geschichte als Vorgeschichte heutiger Verhältnisse fortlaufend bis in die Gegenwart verfolgt werden (Gegenwartsbezug). Problematisch ist jedoch, dass den Schülern in Kl. 7/8 das historische Basiswissen der einzelnen Epochen fehlt, um die vorgegebenen Gegenstände angemessen untersuchen und beurteilen zu können. Die Konzentration auf ein Thema führt außerdem zwangsläufig zur Isolierung, da der Längsschnitt nicht den gesamtgeschichtlichen Zusammenhang des ausgewählten Gegenstandes in den einzelnen Epochen aufzeigen kann. Wie sollen z.B. im Längsschnitt „Krieg und Frieden“ die Napoleonischen Kriege ohne die Französische Revolution erklärt werden? Schüler sind durch diese Häppchenkultur nicht in der Lage, ein Epochenverständnis zu entwickeln. Wir sind der Auffassung, dass ohne die Kenntnis und das Verständnis historischer Prozesse und Strukturen eine differenzierte Beurteilung der Gegenwart kaum möglich ist. Voraussetzung jedes historischen Urteils ist Orientierung durch kontextbezogenes Wissen. Ungeachtet dessen wird in der Fachdidaktik betont, dass das chronologisch-genetische Verfahren zur Erreichung der „Orientierungskompetenz“ und der „Deutungs- und Analysekompetenz“ notwendig ist. Außerdem finden sich eine Reihe der Längsschnitt-Themen auch in anderen Fächern (z.B. Ethik und Wahlpflichtfach Wirtschaft) wieder. So kommt es zwangsläufig zu inhaltlichen Überschneidungen.

Die Punkte 4 und 5 finden Sie auf www.schul-gerecht.de

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News

  • Liebe Unterzeichner,

    Sie haben die Petition "Geschichte darf nicht Geschichte werden!" gegen den Rahmenlehrplan-Entwurf Geschichte für Berlin und Brandenburg unterschrieben - und sich mit zahleichen Kommentaren an der Diskussion beteiligt. Bisher haben über 6500 die Petition unterzeichnet.

    Unser Engagement und die Berichterstattung in den Medien hatten nun Erfolg. Denn der Protest der Lehrer, Eltern, Schüler und der Geschichtslehrerverbände Berlin und Brandenburg haben dazu geführt, dass
    1. die Einführung des Lehrplans um ein Jahr auf das Schuljahr 2017/18 verschoben und
    2. der Entwurf überarbeitet wird.
    Es sollen Arbeitsgruppen gebildet werden, insbesondere für das Fach Geschichte in Klasse 7/8 und das neue Fach Gesellschaftswissenschaften... further

Alle haben das Recht auf Bildung, also auch auf vergleichbare vollwertige Bildung. Schluss mit der Kleinstaaterei im Bildungswesen. Die Bildung sollte in allen Bundesländern auf gleichem Niveau unterrichtet werden. Die geplante Kürzung der Mittel in Geschichte, Biologie, Geographie und Physik ab Klasse 5 geht doch nur zu Lasten des Bildungsniveaus. Man kann mit dem Kind nicht mehr in ein anderes Bundesland ziehen, z.B. Sachsen, Bayern. ohne dass die Kinder komplette Schuljahre wiederholen müssen.

Wenn ich nur in die jüngere Vergangenheit oder Geschichte schaue, stelle ich eine enorme Geschichtsvergessenheit fest. Beispiel Krim und deren angebliche Annexion. Meine These ist, Geschichte schreiben immer die Sieger. Die zweite These lautet eine lineare Gschichte der Vergangenheit gibt es nicht, Geschichte ist eine Fiktion und keine Wissenschaft.

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