330 Unterschriften
Petition richtet sich an: Elternschaft
Mit großer Sorge beobachten wir die (vorraning negative) öffentliche Debatte um den vorübergehenden Einzug der Tannenhof-Schule in das Gebäude der Rosa-Parks-Grundschule. Ebenso besorgt sehen wir die gegen diese Entscheidung gerichtete Petition und den Aufruf zu einer Demonstration.
Wir möchten, stellvertretend für eine Gruppe vieler Eltern, eine andere Stimme hörbar machen.
Begründung
Selbstverständlich verstehen wir, dass Eltern Fragen haben und ihre Kinder schützen möchten. Sicherheit und Wohlbefinden unserer Kinder stehen auch für uns an erster Stelle. Doch gerade deshalb sollten Entscheidungen auf Fakten beruhen – nicht auf Ängsten oder Vorurteilen.
Die Tannenhof-Schule ist eine Schule für junge Erwachsene, die sich nach einer Suchterkrankung wieder eine Zukunft aufbauen möchten. Diese Menschen kommen nicht an unsere Schule, weil sie eine Gefahr darstellen. Sie kommen dorthin, um Bildung zu erhalten, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen und dauerhaft in die Gesellschaft zurückzufinden.
Nach den uns vorliegenden Informationen werden die Schülerinnen und Schüler eng durch qualifiziertes pädagogisches Personal, Sozialarbeit und psychologische Fachkräfte begleitet. An bisherigen Standorten sind keine Konflikte bekannt geworden. Zudem verfügt der vorgesehene Gebäudeteil über einen separaten Eingang und ein eigenes Treppenhaus. Bei Bedarf kann dieser Bereich weitgehend räumlich von der Grundschule getrennt werden. Auch das Schutzkonzept der Rosa-Parks-Grundschule bleibt selbstverständlich bestehen und kann an die neue Situation angepasst werden.
Es geht hier deshalb nicht um die Frage, ob Kinder geschützt werden. Es geht darum, ob wir Menschen, die sich nach einer schweren Lebensphase zurück ins Leben kämpfen, mitten in unserer Gesellschaft willkommen heißen – oder ob wir ihnen vermitteln, dass sie möglichst weit weg sein sollen. Seit Jahren wird im Kiez darüber diskutiert, wie mit Menschen umzugehen ist, die Drogen konsumieren oder sich in schwierigen Lebenssituationen befinden. Immer wieder scheint die Lösung zu lauten: Sie sollen verschwinden. Nicht vor unserer Haustür. Nicht in unserer Straße. Nicht in unserer Nähe. Nun erleben wir dieselbe Haltung gegenüber jungen Menschen, die gerade nicht konsumieren, sondern eine Schule besuchen, begleitet werden und alles dafür tun, ihr Leben wieder selbstbestimmt zu gestalten. Auch sie sollen möglichst woanders untergebracht werden.
In der bestehenden Petition wird gefordert, geeignetere Räume für die Tannenhof-Schule zu finden. Dabei spricht vieles dafür, dass die vorgesehenen Räume gerade geeignet sind. Sie erfüllen die räumlichen Anforderungen, ermöglichen eine organisatorische Trennung beider Schulen und bieten den jungen Erwachsenen genau die Unterstützung, die sie benötigen.
Besonders nachdenklich macht uns die Botschaft, die wir damit unseren Kindern vermitteln. Wir wünschen uns, dass unsere Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen, Menschen nicht auf ihre Vergangenheit zu reduzieren und daran zu glauben, dass jeder Mensch eine zweite Chance verdient. Denn niemand kann mit Sicherheit sagen, dass das eigene Kind niemals in eine schwere Krise gerät. Eine Suchterkrankung kennt keine soziale Schicht, keinen Bildungsabschluss und kein privilegiertes Umfeld. Sie kann jede Familie treffen. Sollte unser eigenes Kind eines Tages Hilfe brauchen, würden wir uns wünschen, dass ihm Menschen begegnen, die ihm Vertrauen schenken, Bildung ermöglichen und ihm einen Platz mitten in der Gesellschaft geben – und nicht verlangen, dass es möglichst weit entfernt untergebracht wird.
Gerade deshalb sollte eine Schule, die den Namen Rosa Parks trägt, für diese Haltung stehen. Rosa Parks wurde zu einem Symbol dafür, dass Menschen nicht aufgrund von Vorurteilen ausgeschlossen oder an den Rand gedrängt werden dürfen. Sie erinnerte uns daran, dass Würde und Gleichberechtigung unteilbar sind. Diese Werte sollten auch unser Handeln heute leiten. Eine starke Schulgemeinschaft zeigt sich nicht daran, wen sie ausschließt. Sie zeigt sich daran, wie sie denjenigen begegnet, die eine zweite Chance brauchen.
Lasst uns unseren Kindern vorleben, dass Mitmenschlichkeit, Solidarität und Respekt nicht nur Worte sind, sondern Werte, die wir auch dann vertreten, wenn sie uns herausfordern.
Angaben zur Petition
Petition gestartet:
06.07.2026
Sammlung endet:
05.01.2027
Region:
Berlin
Kategorie:
Bildung
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Keine Stigmatisierung von süchtigen Menschen