Region: Bremen

S20-347 Keine Verlegung der Oberschule Lesum

Petitioner
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Petitionsausschuss der Bremischen Bürgerschaft
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Dies ist eine Online-Petition der Bremischen Bürgerschaft.

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Öffentliche Petition

KEINE OBERSCHULE IM HOCHHAUS DES SCHULZENTRUMS BÖRDESTRASSE.

FÜR DEN UM-UND NEUBAU DER OBERSCHULE LESUM AM HISTORISCHEN STANDORT STEINKAMP.

AUSGANGSPUNKT:

In Bremen-Lesum soll nach den aktuellen Plänen der Bildungsbehörde, vorgestellt auf der Sitzung des Ortsbeirates Lesum vom 24.05.2022, die Oberschule Lesum an ihren derzeitigen zwei Standorten Steinkamp und Heisterbusch, die zusammen eine Fläche von etwa 5,5 Hektar umfassen, aufgegeben werden.

Die Schulgemeinschaft soll aus den dortigen Gebäuden ausziehen, um die Oberschule Lesum auf einem wesentlich kleineren, etwa 1,2 Hektar großen Grundstück in dem Hochhausgebäude des Schulzentrums Bördestraße neu anzusiedeln, wie es dem Artikel „Verlegung an die Bördestraße“ (Die Norddeutsche vom 04.06.2022) zu entnehmen war.

Dort soll sie mit der gymnasialen Oberstufe der Bördestraße zu einer neuen Ganz­tagsoberschule mit angeschlossener Oberstufe zusammengeführt werden. Die derzeitig noch am Standort Bördestraße angesiedelte kaufmännische Berufsschule zieht aus und wird in einen Neubau nach Walle verlegt.

Eines der frei werdenden Grundstücke am Steinkamp oder Heisterbusch soll dann genutzt werden, um dort eine dringend benötigte neue Grundschule zu bauen, die als inklusive Schule zusätzlich auch die Grundschulklassen der Paul-Goldschmidt-Schule (Schule für körperliche und motorische Entwicklung) aufnimmt. Der genaue Standort der neuen Grundschule ist noch nicht entschieden.

Diese neueste Planung der Bildungsbehörde ersetzt den ursprünglich von vielen Beteiligten favorisierten Neubau der Oberschule Lesum am traditionellen Standort Steinkamp, für den in Zusammenarbeit von Schulleitung, Bildungsbehörde und Fachleuten der Architektur und Bauplanung bereits in einer einjährigen Planungsphase ein konkretes Raumkonzept entwickelt wurde, siehe etwa den Artikel „Langes Warten auf den Baustart“, Die Norddeutsche vom 24.04.2021.

Die Oberschule Lesum wäre nach dieser ursprünglichen Bauplanung mit allen Jahrgängen in einem Gebäude am Standort Steinkamp zusammengeführt worden.

Der zweite Standort der Oberschule Lesum, das Schulgebäude am Heisterbusch, wäre dann frei geworden für den Neubau der neuen Grundschule in Lesum.

BEWERTUNG:

Nach jahrelanger Planung eines Neubaus der Oberschule Lesum am Steinkamp wird jetzt in einer plötzlichen Kehrtwende völlig unvermittelt das Hochhausgebäude des Schulzentrums Bördestraße von der Bildungsbehörde als neuer Standort für die Oberschule Lesum favorisiert und ohne Beteiligung der betroffenen Schulen durchgesetzt.

Dabei wurde das siebengeschossige, direkt an der Stadtautobahn gelegene Hochhaus mit Fahrstühlen und durchgehendem Treppenhaus eindeutig als Schulgebäude für Oberstufenschüler konzipiert.

Sowohl das Hochhausgebäude wie auch das Grundstück des Schulzentrums an der Bördestraße sind unter schul- und sozialpädagogischen Gesichtspunkten für jüngere Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 5 bis 10 ganz klar ungeeignet:

Ein Hochhaus mit sieben Stockwerken erzeugt vor und nach jeder großen Pause ein großes Gedränge von jüngeren Schülern in den Aufzügen und im Treppenhaus.

Das Außengelände ist selbst bei einem Abriss der Parkplatzflächen für den Bedarf einer Ganztagsoberschule viel zu knapp bemessen: Das gilt schon für die knapp bemessene Pausenhoffläche für die zukünftig ca. 1000 Schülerinnen und Schüler (Oberschule plus Oberstufe). Zusätzliche Flächen für Sporthallen und Außensport-Sportanlagen für eine Ganztagsoberschule sind am Standort Bördestraße schon gar nicht vorhanden.

Für den zunehmenden Anteil von Schülern aus sozial benachteiligen Lebensverhält­nissen braucht es an der Schule der Zukunft große Bewegungsflächen im Außengelände. Räumliche Enge produziert hier unweigerlich physische Konflikte.

Der Umzug der Oberschule Lesum in das Hochhausgebäude an der Bördestraße ist offenbar sehr kurzfristig auf der Grundlage einer einfachen Flächen-Machbarkeitsstudie beschlossen worden, ohne dass bildungspolitische Erwägungen oder das Schülerwohl im Zentrum der Überlegungen in der Bildungsbehörde standen. Diese Planung hat offensichtlich den vorrangigen Zweck, das Schulgebäude an der Bördestraße einer Nachnutzung zuzuführen und die Kosten eines Schulneubaus einzusparen.

Dabei wird die große sechszügige Ganztagsoberschule Lesum auf Jahrzehnte an einen völlig ungeeigneten Standort verlegt, während das große Campusgelände der Oberschule Lesum am Steinkamp aufgegeben wird, um womöglich große Teile des Grundstücks als attraktives Bauland zu veräußern und Wohnungsbau zu errichten.

Es entsteht der Eindruck, dass einer Fläche des Gemeinbedarfs, wie sie der Standort Steinkamp darstellt, ihr Status entzogen werden soll und sie gemäß des Konzeptes der Innenverdichtung, das die Stadtentwicklungssenatorin seit Jahren rigoros verfolgt, in privaten Wohnbau umgewandelt werden soll.

FORDERUNGEN:

Die Abgeordneten der Bremischen Bürgerschaft werden gebeten, dem geplanten Umzug der Oberschule Lesum an den Standort Bördestraße grundsätzlich eine Absage zu erteilen und einem Erhalt des Schulstandorts Steinkamp für die Oberschule Lesum zuzustimmen bzw. sich für diesen einzusetzen.

Nur an diesem Standort ist eine Neugründung der Oberschule Lesum (Um- und Neubau) als teilgebundene Ganztagsschule mit angeschlossener Oberstufe und Außensportanlagen in einer Art und Weise realisierbar, die das Schulangebot in Bremen-Nord um eine weitere attraktive Anwahlschule erweitert.

BEGRÜNDUNG:

Es zeichnet sich eine krasse Fehlentscheidung ab. Die Oberschule Lesum (ehemals Schulverbund Lesum) hat eine über 40-jährige Erfolgsgeschichte im Stadtteil. Der Entwurf des Schulgebäudes am Steinkamp wurde 1974 mit dem Preis des Bundes Deutscher Architekten (BDA) ausgezeichnet.

In Skandinavien sagt man, das Gebäude sei neben Pädagogen und Mitschülern der „dritte Lehrer“. Auf diese Weise kommt zum Ausdruck, dass das Schulgebäude einen wesentlichen pädagogischen Anteil an der Bildung von Heranwachsenden hat.

Auch wenn dieses historische Schulgebäude in großen Teilen nicht mehr den heutigen pädagogischen und energetischen Ansprüchen entspricht, kann nur hier am historischen Standort Steinkamp für den gesamten Stadtteil eine moderne Schule auf einem großzügigen Campusgelände entwickelt werden, das auch Raum für Sportanlagen und andere Nutzungszwecke bzw. schulverwandte Einrichtungen bietet.

Ausgehend von dem durch Schule und Behörde erarbeiteten neuen Raumkonzept für die Oberschule Lesum besteht die Möglichkeit eines kompletten Schulneubaus am Steinkamp. Zur Kostenersparnis könnten jedoch auch Teile der vorhandenen Bausubstanz und Gebäude erhalten bzw. renoviert werden:

So zum Beispiel der F-Trakt mit der erhaltenswerten Aula, der sanierte A-Trakt mit den naturwissenschaftlichen Räumen, der D-Trakt mit dem Verwaltungsbereich und dem Lehrerzimmer und der Innenhof mit dem Schulgarten.

Daran könnte sich dann der notwendige Neubau der sechs Jahrgangstrakte mit Klassenräumen und Differenzierungsräumen, der neuen Schulmensa sowie weiteren Fachräumen anschließen.

Mit diesem Konzept ließen sich die Kosten und CO2-Emissionen eines kompletten Abrisses und Neubaus verringern. Gleichzeitig könnten durch eine kompaktere Bauweise des Neubaugebäudes zukünftige energetische Standards für öffentliche Gebäude eingehalten werden.

Zusätzlich würde die Oberschule Lesum am alleinigen Standort Steinkamp konzentriert. Der bisherige zweite Standort, das Grundstück am Heisterbusch, würde frei für anderweitige Nutzungen wie zum Beispiel den Neubau der dringend benötigten neuen Grundschule in Lesum.

Die Aufgabe der Oberschule Lesum am Standort Steinkamp würde die Aufgabe eines gewachsenen schulischen und kulturellen Raumes bedeuten, der der Bremer Öffentlichkeit und den Bremer Bürgern auf Dauer entzogen bliebe.

Mit dem von der Schulbehörde favorisierten Umzug an die Bördestraße würde eine lange erfolgreiche Traditionslinie abgebrochen und ein pädagogisches Experiment mit ungewissem Ausgang (Oberschule im Hochhaus) vorgenommen, bei dem nicht absehbar ist, ob diese Schule von den Eltern im Übergang von der Grundschule zur Oberschule auch angewählt wird.

Im schlimmsten Fall droht eine beliebte, traditions- und erfolgreiche Oberschule im Stadtteil aufgrund fehlender Akzeptanz von den Eltern nicht mehr angewählt zu werden. Die Oberschule Lesum würde sich trotz ihrer Lage in einem bürgerlichen Stadtteil zu einer „Rest- und Problemschule“ entwickeln, in der die gewünschte soziale Durchmischung der Schülerschaft nicht mehr gegeben ist.

Erstunterzeichnerinnen und Erstunterzeichner dieser Petition:

Waltraud Struß-Bembenek (ehemalige Schulleiterin der Oberschule Lesum)

Heike Petschellies (ehemalige Elternvertreterin der Oberschule Lesum)

Olaf Brandtstaedter (ehemaliger Schüler Schulverbund Lesum)

Brigitte Focke (Lehrkraft an der Oberschule Lesum)

Till Hofmann (Lehrkraft an der Oberschule Lesum)

Marcus Tiefensee (Lehrkraft an der Oberschule Lesum)

Kai Reimers (Sonderpädagoge an der Oberschule Lesum)

Stadtverbandsvorstand der GEW Bremen

Barbara Schüll (Landessprecherin der GEW Bremen)

Corinna Genzmer (Sprecherin des Stadtverbandsvorstand der GEW Bremen)

Andreas Rabenstein (Sprecher des Stadtverbandsvorstand der GEW Bremen)

Sabine Faust (Arbeitskreis SeniorInnen in der GEW)

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