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Bild zur Petition mit dem Thema: Solidarisch Landwirtschaften! (SoliLa!) bleibt! Solidarisch Landwirtschaften! (SoliLa!) bleibt!
  • Von: Nicht öffentlich
  • An: Wiener Stadtregierung, Wiener Wohnfonds
  • Region: Wien
    Kategorie: Verbraucherschutz mehr
  • Status: Petent hat die Petition nicht eingereicht/übergeben.
    Sprache: Deutsch
  • Gescheitert
  • 630 Unterstützende
    Sammlung abgeschlossen

Solidarisch Landwirtschaften! (SoliLa!) bleibt!

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Solidarisch Landwirtschaften! (SoliLa!) bleibt! Unterstützungserklärung

Seit 4. Mai besetzen ca. 100 Landlose, Studierende und Aktivist*innen einen Hektar brach liegendes, fruchtbares Land im Donaufeld, Drygalskiweg 49, Wien Floridsdorf, um eine Solidarische Landwirtschaft aufzubauen. Diese als Bausperrgebiet gewidmete Fläche befindet sich im Eigentum des Wiener Wohnfonds und ist als fruchtbares und ehemals landwirtschaftlich genutztes Land massiv von Verbauung bedroht.

Wir unterstützen SoliLa!, in ihrem Einsatz für Ernährungssouveränität und eine alternative Stadtgestaltung, sowie die Forderung nach leistbarem, würdigem Wohnen für alle, ohne fruchtbare Böden zu versiegeln. Wir sind gegen eine Räumung der besetzten Fläche.

Begründung:

Wir kritisieren

1) die Versiegelung von landwirtschaftlichen Flächen und fruchtbaren Böden

  • In Wien gingen zwischen 1999 und 2010 bereits 20 % der landwirtschaftlichen Flächen verloren.
  • Täglich gehen in Österreich 20 Hektar landwirtschaftliche Fläche unwiederbringlich als Bau- und Verkehrsflächen verloren.
  • Es ist absurd, in Zeiten der Vielfachkrise, sowie von „peak oil“ und „peak soil“ fruchtbares Land immer weiter zu verbauen und spekulativen Interessen zuzuführen.

2) Höfesterben und Landkonzentration

  • Die Zahl der Bäuer*innenhöfe in Wien verringerte sich zwischen 1995 und 2010 drastisch von rund 1.200 auf etwa 550 Höfe. Bei den aufgegebenen Höfen handelt es sich zum großen Teil um kleine und mittlere Betriebe: 68% der Höfe hatten weniger als 5 Hektar Fläche
  • Diese Dynamik zeigt sich derzeit europaweit: 3 % der landwirtschaftlichen Betriebe in der EU kontrollieren rund 50% der landwirtschaftlichen Flächen. Eine ähnliche Landkonzentration findet sich auf den Philippinen oder in Kolumbien. Diese Entwicklungen verschärfen sich immer weiter.

3) Spekulation und Delogierungen in Wien - Die aktuelle Studie von Immobilien.net spricht für sich selbst: „Die Nachfrage nach unbebauten Grundstücken ist alleine seit Beginn 2011 um knapp ein Viertel gestiegen. (…). Der Trend zur "Grünen Wiese" als Spekulationsobjekt hat auch die Preise stark ansteigen lassen. Österreichweit verteuerten sich Grundstücke in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt um knapp 22 Prozent auf 105 Euro pro Quadratmeter.“ - In Wien stehen derzeit 80.000 Wohnungen, 30 % der Büroflächen leer, nicht zuletzt bedingt durch Immobilienspekulation. - Zugleich wurden allein im Jahr 2012 rund 2.600 Haushalte zwangsgeräumt. Etwa 1.000 Fälle davon betrafen Gemeindebauwohnungen.

4) Die elitäre und exklusive Stadtentwicklung im Interesse von Wenigen bei gleichzeitigem Ausschluss der Betroffenen. Wenige finanzkräftige Akteure, „Experten“ und Eliten bestimmen derzeit über zentrale demokratische Fragen, welche die Zukunft unserer Stadt festlegen. Den aktuell und zukünftig Betroffenen wird jegliches Mitspracherecht genommen.

5) Dass gleichzeitig der Zugriff auf enorme Flächen in anderen Ländern steigt (zB Landgrabbing, Spekulation, aber auch für die Aufrechterhaltung nicht nachhaltiger Lebensweisen). Auf diesen Flächen werden zB Nahrungsmittel, Futtermittel, Agrartreibstoffe und Ressourcen für Wien produziert bzw. abgebaut. Das verschärft globale Land- und Ressourcenkonflikte immer weiter.

Alle diese Entwicklungen stehen in einem Zusammenhang und veranschaulichen deutlich die Krise des aktuellen Entwicklungsmodells, welches die akuelle Vielfachkrise (Ernährung, Klima, Finanz, Energie, ...) immer weiter vertieft.

Deshalb treten wir ein, - das besetzte Land für eine landwirtschaftliche Nutzung zu erhalten bzw. wieder aufzunehmen. - eine selbstbestimmte, solidarische, bedürfnisorientierte und lokale Landwirtschaft aufzubauen, über die Menschen mit gesunden und ökologisch nachhaltigen Lebensmitteln versorgt werden können. Denn dies ist eine wichtige Antwort auf die ökologische und soziale Krise. - dafür, dass Land als öffentliches Gut behandelt wird. Land ist keine Ware, es braucht eine nachhaltige, demokratische Nutzung. Von besonderer Bedeutung ist weiters die Erleichterung des Zugang zu Land für jene die es bewirtschaften (wollen), insbesondere für junge Menschen, die über wenig finanzielle Ressourcen verfügen. - einen Ort zu schaffen, der den Austausch und die Weitergabe von Wissen ermöglicht und der allen Menschen offen steht, die sich aktiv an diesem Projekt auf Augenhöhe beteiligen wollen. - für das Menschenrecht auf Zugang zu leistbarem und würdigem Wohnen für alle und eine Wohnpolitik, die nicht auf Kosten der fruchtbarsten Böden geht. - für eine demokratische und emanzipatorische Stadtgestaltung und -entwicklung. Gerade in der Krise der Demokratie brauchen wir freie, selbstbestimmte und solidarische Räume, in denen Demokratie neu gelebt werden kann und Menschen auf Augenhöhe zusammenleben und -arbeiten können. - weil dieses Projekt gerade in Wien eine wichtige und zukunftsweisende Form der Landnutzung ist. Land ist Gemeingut und die sozial und ökologisch nachhaltige Bewirtschaftung ist eine zentrale Zukunftsperspektive. Dafür braucht es eine gesellschaftliche Wende, für die Projekte wie SoliLa einen wichtigen Beitrag leisten. - weil es emanzipatorische und kreative Ansätze in Bildung, Forschung und Lehre, sowie im politischen und sozialen Zusammenleben und im Verhältnis zur Natur braucht. - Für das Recht auf Stadt und für Ernährungssouveränität! - gemeinsam mit vielen anderen emanzipatorischen Kräften für eine Gesellschaft ohne Unterdrückung und Ausbeutung zu ermöglichen.

Im Namen aller Unterzeichner/innen.

Wien, Österreich, 07.05.2013 (aktiv bis 06.11.2013)


Debatte zur Petition

PRO: Is geil!

CONTRA: Das ist peinlich. Hier wird rechtswidrig besetzt und alle regen sich auf. Kauft doch ds Land und bewirtschaftet es so wie ihr wollt. Ist es nicht eures, dann verschwindet: Bin nur froh, dass es nicht mehr viele dieser postkommunistischen romantiker gibt.

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