Mehr als ein halbes Jahrhundert leistet sich München eine Straße, die nach dem Antisemiten Heinrich von Treitschke benannt ist. Die Moosacher Treitschkestraße soll zukünftig Heinrich-Graetz-Allee heißen.

Die Münchner Treitschkestraße soll in Heinrich-Graetz-Allee umbenannt werden. Der deutsch-jüdische Historiker war der einzige damals noch lebende Jude, der im auslösenden Aufsatz „Unsere Aussichten“ von Treitschke namentlich angegangen wurde. Treitschke hatte darin das elfbändige Werk des renommierten Historikers Graetz über die Geschichte der Juden als „beleidigende Selbstüberschätzung“ (der Juden) und ihn als einen beispielhaften jüdischen „Fanatiker“ bezeichnet. Dabei gilt das Werk von Graetz noch heute als eines der einflussreichsten, modernen Gesamtdarstellungen der jüdischen Geschichte, während Treitschkes Werk heute nahezu unbedeutend ist. Graetz war ein wichtiger Gegenspieler Treitschkes im „Berliner Antisemitismusstreit“ und warf diesem vor, „den Fanatismus der Menge gegen eine schwache Minorität zu schüren“.

Heinrich Graetz starb 1891 während eines Besuches bei seinem Sohn in München. Er hat eine Straße in München verdient.

Begründung

Es ist einer Stadt wie München unwürdig, noch im Jahre 2015, eine historisch zweifelhafte Figur wie Heinrich von Treitschke mit einer eigenen Straße zu ehren. Diese besondere Würdigung kommt hier einem Historiker zugute, den der spätere Nobelpreisträger Theodor Mommsen schon zu Lebzeiten zu Recht als „Vater des modernen Antisemitismus“ bezeichnete.

In seinem viel beachteten Aufsatz „Unsere Aussichten“ im Jahre 1879 erklärte Treitschke neben einer Reihe von anderen antijüdischen Positionen, ein „Instinkt der Massen“ habe im „Juden“ eine „schwere Gefahr, einen hochbedenklichen Schaden des neuen deutschen Lebens richtig erkannt“. Der Veröffentlichung des Aufsatzes folgte reichsweit der sogenannte „Berliner Antisemitismusstreit“, in welchem Treitschke gegen den erheblichen Widerstand prominenter Wissenschaftler konsequent antisemitische Positionen vertrat.

Traurige Berühmtheit erlangte insbesondere sein Schlagwort „Die Juden sind unser Unglück“, welches später als Kopfzeile jede einzelne Ausgabe des nationalsozialistischen Propagandajournals „Der Stürmer“ zierte. Es überrascht auch nicht, dass besonders die Nationalsozialisten in zahlreichen deutschen Städten Straßen zu Ehren des 1896 gestorbenen Treitschkes benannten.

Nach dem Krieg haben mehrere Städte, darunter Nürnberg und Stuttgart, nach Treitschke benannte Straßen wieder umbenannt. In München wartet man auf diesen Schritt jedoch bis heute vergebens. Treitschkes sonstige Schriften waren - nach Einschätzung des Historikers Mommsen - ein „Evangelium der Intoleranz“ und für die spätere Forschung im Übrigen völlig gegenstandslos. Es zeugt von einer besonderen Form der Geschichtsvergessenheit, dass ausgerechnet eine Stadt mit einer Vergangenheit wie München dem Anschein nach nicht bereit ist, die Benennung einer Straße nach einer solch fragwürdigen historischen Persönlichkeit wieder rückgängig zu machen.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Michael Movchin aus München
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    vielen Dank, dass Sie unsere Petition „Umbenennung der Treitschkestraße in Heinrich-Graetz-Allee“ unterzeichnet haben. Es sind knapp 460 Unterzeichnende zusammengekommen – das lässt sich doch gut ansehen. Besonders gefreut haben uns viele der geistreichen Kommentare.

    Momentan suchen wir einen Weg, die Petition über die Verwaltung in den Münchner Stadtrat einzubringen. Der Stadtrat hat vor wenigen Tagen noch einmal bekräftigt, dass es diesen Weg gibt. Gerne halten wir Sie über den weiteren Fortgang auf dem Laufenden.

    Beste Grüße und Danke
    Das Team Treitschkestraße

Pro

München hat es versäumt, ein Zeichen zu setzen, dass Antisemiten keinen Platz in unserer Gesellschaft haben und ihnen auch keine Ehre gebührt. Das muss jetzt dringend nachgeholt werden!

Contra

Vorweg: ich bin für die Umbenennung! Es war mir schon immer peinlich, in einer Straße zu wohnen, die nach einem Antisemiten benannt ist, auf dessen Ausspruch "Die Juden sind unser Unglück" sich die Nazis berufen haben. - Ich bin aber der Meinung, dass über den neuen Namen der Straße eine öffentliche Diskussion geführt werden sollte. Er sollte möglichst einen Bezug zu Moosach haben. Ich könnte mir Johannes-Kuen-Straße (oder -Allee) vorstellen, nach dem in Moosach geborenen Barockdichter Johannes Kuen. Dass es bereits eine Kuen-Straße in Perlach gibt, sollte kein Hinderungsgrund sein.