Obwohl von Jahr zu Jahr immer mehr Menschen in Frankfurt leben und immer mehr Kinder & Jugendliche eine/n Kinderärztin/arzt benötigen, herrscht ein Mangel an Kinderarztpraxen, wie auch regelmäßig in den Medien berichtet wird:

"Dramatischer Mangel an Kinderärzten - Mediziner in Frankfurt sind am Limit" (FNP), "Überlastete Kinderärzte, frustrierte Eltern" (FR)

Wer kurz vor oder nach der Geburt seines Kindes oder nach erfolgreicher Wohnungssuche in Frankfurt angekommen für sein Kind eine/n Kinderarzt/Kinderärztin sucht, ist in der Regel tagelang damit beschäftigt, eine Praxis zu finden, die noch Kinder aufnimmt. Eine wohnortnahe Kinderarztpraxis zu finden, ist dabei ein Glücksfall.

Während für einen Kitaplatz eine Entfernung von maximal fünf Kilometern oder 30 Minuten Wegezeit als zumutbar und wohnortnah gilt und ähnliches auch für die Grundschulen in den Schulbezirken, scheint dies offenbar für Kinderarztpraxen nicht zu gelten, womit demnach Wege von 60 Minuten quer durch die Stadt zur Kinderarztpraxis im laut KV Hessen angeblich überversorgten Frankfurt als "zumutbar" erscheinen. Das ist weder kindgerecht, noch entspricht es den aktuellen Realitäten und besonderen Gegebenheiten in Frankfurt.

Deshalb fordern wir eine wohnortnahe, zumutbare, höhere Versorgung der Stadt Frankfurt mit Kinderarztpraxen, die sich nicht allein am ganzen Stadtgebiet, sondern auch an den Ortsteilen orientiert! Die aktuelle Situation ist vielerorts innerstädtisch unzureichend, insbesondere weil sie auf veralteten Daten und Planungen beruht. Das betrifft auch den völlig veralteten und zu gering bemessenen Zeitbedarf, der pro Kind rechnerisch zugrunde gelegt wird.

So begrüßenswert es ist, dass die KV Hessen Finanzmittel zur Ansiedlung von mindestens 15 zusätzlichen Kinderarztsitzen von den hessischen Krankenkassen fordert, so sehr ist es zu kritisieren, dass dabei keine neue Stellen für Frankfurt gefordert werden.

Begründung

# Frankfurt wächst im Durchschnitt täglich um ca. 18 Einwohner/innen, hat mittlerweile über 750.000 Einwohner/innen, ist auf dem Weg zu den 800.000 und wird dabei immer jünger, was u.a. neben dem Zuzug von Familien mit Kindern auch an der jährlichen steigenden Geburtentrate liegt.

Die Folgen sind ebenso täglich in Frankfurt zu spüren, weswegen die Infrastruktur ausgebaut werden muss und auch wird, z.B. bei Schulen und Betreuungsplätzen. Die Anzahl der Kinderärzt/innen bemisst sich aber am Kinderarzt-Bedarfsschlüssel der KV nach Einwohnerdaten von 2015, als am Jahresende noch 724.486 Menschen, also ca. 25.500 weniger als heute in Frankfurt lebten, wobei allein innerhalb des Jahres 2015 die Bevölkerung schon um knapp 16.000 anwuchs.

# neben der üblichen Migration bleiben die geflüchteten Menschen seit 2015, darunter viele Familien mit Kindern oder unbegleitete Minderjährige, im Bedarfsschlüssel unberücksichtigt

# in der Planung der Kinderarztsitze wird davon ausgegangen, dass Kinderarztpraxen in Städten das ländliche Umland mitversorgen und eine stärkere Konzentration der Kinderärzt/innen in den Städten somit akzeptabel sei, was sich auch in der Verhältniszahl ("Arzt zu Einwohner") ausdrücken muss

# die aktuell zugrunde liegende Bedarfsplanung für den Zeitaufwand eines/r Kinderarztes/ärztin stammt aus den 1990er-Jahren (!!!), obwohl der tatsächliche Aufwand seitdem pro Kind deutlich gestiegen ist. Viele Standarduntersuchungen sind dazugekommen, allein sechs zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen und acht Impfungen. Neue Erkrankungen wie ADHS, Stress-Erkrankungen, aber auch psychosoziale Probleme und Anforderungen pädagogischer Einrichtungen wie der Schulen, z.B. bei der Klärung nach besonderen Förderbedarfen, erhöhen den Zeitbedarf pro Kind noch zusätzlich.

# Der tatsächliche und aktuelle Zeitaufwand pro Kind muss also daher zur Grundlage der Bedarfsplanung gemacht werden, damit es keine notorisch überfüllten Kinderarztpraxen, Aufnahmestopps, verzweifelte, frustrierte Eltern sowie am Limit arbeitende oder überlastete Ärzt/innen mehr gibt, denn nicht zuletzt geht diese Situation zu Lasten der Kinder.

# unberücksichtigt ist auch der Umstand, dass 10% oder mehr der Vertragsärzte für Kinder- und Jugendmedizin, die einen kinderärztlichen KV-Sitz belegen, keine Basisversorgung übernehmen, weil sie als Spezialisten wie z.B. Kinderkardiologen oder –endokrinologen arbeiten, in Frankfurt a.M. sind dies von 52 Ärzt*innen 9, hessenweit sind es 40 von 397

# Neben der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, sich auch in Frankfurt für mehr Kinderärzt/innen einzusetzen, sind insbesondere die Krankenkassen aufgefordert, für den zusätzlichen Bedarf an Kinderarztpraxen den Honorartopf der Kinder- und Jugendärzte mit entsprechenden Geldmitteln zu erhöhen und nicht die vorhandenen Gelder auf mehr Ärzt*innen zu verteilen!

# die Politik in der Stadt Frankfurt ist aufgefordert, im Namen ihrer Kinder hier öffentlich auf eine bessere Versorgung hin einzuwirken, der Ortsbeirat 1 hat hier erfreulicherweise schon eine erste entsprechende Anfrage an den Magistrat gestellt, doch es müssen weitere Schritte folgen. Passenderweise ist der diesjährige Schwerpunkt in der Kinderrechtskampagne der Stadt Frankfurt, „Stadt der Kinder“ unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Peter Feldmann, der Artikel 24 der UN-Kinderrechtskonvention. Dabei geht es um das Recht der Kinder auf Gesundheit!

# Nachdem die Kinderrechte durch die Verfassungsänderung im letzten Jahr nunmehr auch Bestandteil der Hessischen Verfassung sind, sind nicht zuletzt auch die hessische Landesregierung und das Parlament aufgefordert, sich verstärkt für eine bestmögliche Gesundheitsversorgung in unserem Land einzusetzen und alle möglichen Mittel und Wege zu nutzen, um Verbesserungen zu erreichen.

# Letztlich ist der Mangel an kinderärztlicher Versorgung nicht nur ein kommunales oder hessenspezifisches Problem, sondern tritt bundesweit auf, weswegen natürlich auch Bundestag und Bundesregierung aktiv werden müssen, um den Mangel in städtischen und ländlichen Regionen in ganz Deutschland gleichermaßen zu beheben.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Dirk Schneider, Kinderbeauftragter in Frankfurt aus Frankfurt A.M.
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Neuigkeiten

Pro

Die aktuell zugrunde liegende Bedarfsplanung für den Zeitaufwand eines*r Kinderarztes*ärztin pro Kind stammt aus den 1990er-Jahren (!!!), obwohl der tatsächliche Aufwand seitdem deutlich gestiegen ist!

Contra

Noch kein CONTRA Argument.

Warum Menschen unterschreiben

  • Mirko Caspary Wuppertal

    vor 2 Tagen

    ich bin dafür das es in Frankfurt sofort mehr Kinderartztpraxen geben sollte und das schnell.

  • Rolf Sell Frankfurt am Main

    vor 2 Tagen

    weil es kein Einzelfall ist, wenn man in Frankfurt verzweifelt nach einem Kinderarzt sucht, ich habe es selbst erlebt! Besonders schlimm wird es, wenn man in einen angeblich überversorgten Stadtteil zieht und von allen Kinderärzten abgewiesen wird, weil kein Platz mehr ist: nur noch im Notfall für Neugeborene!

  • Nicht öffentlich Frankfurt am Main

    vor 2 Tagen

    Medizinstudentin

  • Nicht öffentlich Frankfurt am Main

    vor 4 Tagen

    Ich hatte keine Wahl, als ich unseren Kinderarzt ausgesucht habe. Die nächste Alternative wäre in Bad Vilbel gewesen

  • Sabine Boxheimer Frankfurt am Main

    vor 4 Tagen

    Weil ich hier am Riedberg wohne und es hier ganz viele Kinder gibt aber der ansässige Kinderarzt im FÄZ keine neue Patienten mehr aufnimmt das ist ein Unding für einen Stadtteil der sich rühmt kinderfreundlich zu sein. Pfui

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