Der Deutsche Künstlerbund protestiert nachdrücklich und unmissverständlich gegen die geplante vollständige Veräußerung der Kunstsammlung der abgewickelten Landesbank WestLB. Zahlreiche der mit Steuergeldern angekauften Kunstwerke befinden sich seit Jahren als Dauerleihgaben in den Museen und an öffentlichen Orten im Lande. Wir fordern ihren Erhalt für das Land und seine Bürgerinnen und Bürger. www.kuenstlerbund.de

Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin,

beispielgebend und nachahmenswert verpflichtet der Artikel 18 Absatz 1 seiner Verfassung das Land Nordrhein-Westfalen zur Pflege und Förderung von Kunst und Kultur. Es ist die Aufgabe des Staates, Kulturgut in die öffentliche Sichtbarkeit zu bringen und für nachfolgende Generationen zu bewahren. Kunstwerke ausschließlich als materielle Ware zu verhandeln und rücksichtslos Marktmechanismen zu unterwerfen, zeugt von einem kurzsichtigen und konzeptlosen Umgang mit kulturellen Werten.

Kunst aus öffentlichem Besitz meistbietend zu veräußern, um Finanzlücken im Landeshaushalt oder Verluste mittel- oder unmittelbar landeseigener Unternehmen auszugleichen, das ist in Nordrhein-Westfalen spätestens seit der Versteigerung zweier Werke des Pop-Art Künstlers Andy Warhol im letzten Herbst kein Tabubruch mehr. Dieser Vorgang, der von Künstlerinnen und Künstlern mit größtem Erstaunen und Entsetzen wahrgenommen wurde, war jedoch nur ein Vorbote wesentlich weitreichenderer Vorgänge.

Begründung

Die im Zuge der Abwicklung der WestLB über die Portigon AG beabsichtigte Veräußerung der gesamten Kunstbestände, die von der Landesbank über Jahre mit öffentlichen Geldern angekauft wurden, um sie für das Land zu sichern, ist ein in der Geschichte der Bundesrepublik bisher einmaliger und skandalöser Vorgang! Die über Jahrzehnte fortdauernde Reduzierung der Ankaufsetats und Mittel für Kunst am Bau und im öffentlichen Raum hat dazu geführt, dass Kunsterwerb für Museen und Kommunen ohne Kooperationen mit Wirtschaftsunternehmen oder privaten Sammlern, nahezu unmöglich ist. Der ihnen übertragenen Aufgabe, im öffentlichen Interesse das zeitgenössische Kunstgeschehen zu begleiten, durch gezielte Ankäufe abzubilden und für gegenwärtige wie kommende Generationen zu sichern und öffentlich sichtbar zu halten, können sie kaum mehr in befriedigender Weise nachkommen.

Die Politik hat es nicht nur versäumt, Vorsorge zu treffen, um für den Fall finanzieller Krisensituationen Kunstwerke und ganze Sammlungen vor dem Ausverkauf zu schützen. Ebenso wenig hat sie ihre Gestaltungsmacht eingesetzt, um im konkreten Fall die Kunstsammlung der WestLB aus der mit der EU-Kommission verhandelten Abwicklung dieser landeseigenen Bank herauszulösen. Die damit geschaffene und von Mitgliedern der Landesregierung wiederholt als alternativlos beschriebene Zwangslage ist hausgemacht. Wir fordern Sie dringend auf, an dieser Stelle einzugreifen und alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten aufzubieten, um die mit öffentlichen Geldern angekauften Kunstwerke der WestLB-Sammlung für das Land zu erhalten!

In einem Interview mit der Rheinischen Post, erschienen am 07. Januar 2015, kündigt der Vorstandsvorsitzende der Portigon AG Kai Wilhelm Franzmeyer an, dass die Kunstwerke der WestLB-Sammlung vor ihrem Verkauf an den Meistbietenden während der folgenden zwei Jahre öffentlich ausgestellt werden sollen. Die Museen des Landes sind aufgefordert, sich darum zu bewerben und gegebenenfalls alle im Zuge des Leihvorgangs anfallenden Kosten zu tragen. Die Häuser werden auf diese Weise zur weiteren Aufwertung der Werke herangezogen und damit in geradezu zynischer Weise instrumentalisiert.

Wir, der Deutsche Künstlerbund, Künstlerinnen und Künstler als Urheber künstlerischer Werke, Kulturschaffende, Kulturinteressierte und Bürgerinnen und Bürger, entlassen Sie, sehr verehrte Frau Ministerpräsidentin, nicht aus Ihrer politischen Verantwortung!

Wir fordern den Erhalt der aufgrund jahrelanger Misswirtschaft und intransparenter Verwicklung von Politik und Finanzindustrie zur Disposition gestellten Kunstsammlung der WestLB für das Land Nordrhein-Westfalen und seine Bürgerinnen und Bürger!

Wir fordern die Offenlegung der Bestände aller mittelbar oder unmittelbar in öffentlichem Besitz befindlichen Kunstsammlungen in Nordrhein-Westfalen, die mit öffentlichen Geldern angekauft wurden, wie z.B. die Sammlungen der WestSpiel-Gruppe und des WDR!

Wir fordern Aufklärung darüber, welche Kunstwerke aus solchen öffentlich-privaten Eigentumskonstruktionen in der Vergangenheit bereits veräußert oder womöglich zerstört wurden!

Wir fordern eine Beteiligung der Urheberinnen und Urheber an der Diskussion um mögliche Verfahrensweisen, mit dem Ziel, die zur Disposition gestellten Sammlungsbestände für das Land zu erhalten!

Wir fordern ein Umdenken der verantwortlichen Politikerinnen und Politiker: Kunst und Kultur sind Grundlage einer freiheitlich verfassten Gesellschaft. In künstlerischen Werken finden sich gesellschaftliche Zustände und Wandlungsprozesse vielfältig reflektiert, Perspektiven auf zukünftige Entwicklungen werden eröffnet. Der sorgsame, verantwortungs- und respektvolle Umgang mit künstlerischen und kulturellen Gütern jenseits wirtschaftlicher Zwecke ist verpflichtend für jede demokratisch gewählte Regierung!

Frank Michael Zeidler | Andrea Knobloch Erster Vorsitzender | Vorstand

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  • Sehr geehrte Damen und Herren,

    wir möchten Sie herzlich zum Symposium:

    Sammeln / Ent-Sammeln
    Kollektive Gedächtnisse - Künstlerische Strategien

    am Sonnabend, dem 21. November 2015 in die Berlinische Galerie einladen.

    Ein Symposium des Deutschen Künstlerbundes in Kooperation mit der Berlinischen Galerie.

    Download Flyer
    www.kuenstlerbund.de/cms/upload/pdf/projekte/dkb_FlyerEntSammeln.pdf »

    Eintritt frei - Anmeldung bis 16.11.2015 erforderlich unter info@kuenstlerbund.de
    oder über www.deutscher-kuenstlerbund.de/sammeln

    Das Sammeln und Ordnen als Phänomen begleitet alle Epochen der Kulturgeschichte. Durch Sammlungen entstehen kollektive Gedächtnisse, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einer Gesellschaft miteinander verknüpfen und Orientierung und Bildung anbieten. Auch Künstlerinnen und Künstler sammeln: Gedanken, Ideen, Skizzen, Fotos, Objekte oder Materialien. Künstler-Sammlungen entstehen oftmals aus einer inneren Notwendigkeit. Als dynamische Archive sind sie integraler Bestandteil des künstlerischen Werkes.
    Bürgerinnen und Bürger verpflichten ihre Regierungen, das gemeinsame kulturelle Erbe zu bewahren und sich der Verantwortung einer umfassenden Geschichtsschreibung zu stellen. Doch was geschieht heute, in Zeiten, in denen wir eine zunehmende Ökonomisierung von Kunst und Kultur beobachten? Was geschieht in Zeiten, in denen eine Flut von Kunst alle Betroffenen überrollt? Ist ein Umdenken im Sammeln erforderlich oder müssen Wertevorstellungen neu definiert werden? Wie stellen sich Künstlerinnen und Künstler selbst dem Sammeln und den damit verbundenen Herausforderungen und welche Grenzen hat der Wunsch nach Bewahrung eines Lebenswerkes?
    Das Symposium will die vielfältigen Aspekte des »Sammelns und Ent-Sammelns« aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten und mit dem Publikum diskutieren.

    Programm

    11:00 Uhr
    Grußwort
    Dr. Thomas Köhler | Direktor Berlinische Galerie

    11:15 Uhr
    Begrüßung
    Frank Michael Zeidler | Erster Vorsitzender des Deutschen Künstlerbundes
    Rainer Eisch | Künstler

    11:30 Uhr
    aus public wird privat
    Sammlungspolitiken in NRW
    Andrea Knobloch | Vorstand Deutscher Künstlerbund

    12:00 Uhr
    Preislos ist nicht wertlos - im Gegenteil!
    Über das Ethos der wahrhaften Kunstsammler
    Prof. Dr. Bazon Brock | Denker im Dienst

    12:30 Uhr
    Mittagspause

    13:30 Uhr
    Niemals ist der Trieb zum Kunstsammeln stärker gewesen als in unseren Tagen.
    Wolfgang Schöddert | Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Provenienzforschung, Berlinische Galerie

    14:00 Uhr
    Von Jedem Eins, das Archiv für Gegenwarts-Geschichte
    Karsten Bott | Künstler

    14:30 Uhr
    Die Sammlung sprengen. Anna Oppermanns Ensembles als Modelle für
    offenes und aktualisierendes Bewahren.
    Ute Vorkoeper | Künstlerin, Autorin, Kuratorin

    15:00 Uhr
    Schaffenslust und Nachlassfrust
    Frank Michael Zeidler | Erster Vorsitzender des Deutschen Künstlerbundes

    15:30 Uhr
    Diskussion
    Moderation: Nicola Kuhn | Journalistin

    Veranstaltungsort
    Berlinische Galerie Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur
    Alte Jakobstraße 124-128
    10969 Berlin

    Anfahrt:
    Bus: M29 Waldeckpark, 248 Jüdisches Museum
    U-Bahn: U1 Hallesches Tor, U6 Kochstraße/Hallesches Tor, U8 Moritzplatz

    Aufgrund begrenzter Platzkapazitäten empfiehlt sich eine frühzeitige Anmeldung.

    Ihr
    Deutscher Künstlerbund

    Markgrafenstr. 67
    10969 Berlin
    Tel. 030-26 55 22 81
    info@kuenstlerbund.de
    www.kuenstlerbund.de

  • Die Landesregierung hatte den Verkauf bislang unter Berufung auf EU-Vorgaben als alternativlos dargestellt. Nun scheint sich aber doch eine politische Lösung anzubahnen. Für den 05. Februar 2015 bittet die nordrhein-westfälische Kulturministerin Ute Schäfer zum Gespräch am Runden Tisch. Von den insgesamt 23 Teilnehmerinnen und Teilnehmern vertreten neben dem Düsseldorfer Künstler Jan Albers lediglich sieben Personen die Interessen von Museen und Kulturinstitutionen. Ein gemeinsames Schreiben des Deutschen Künstlerbundes, der Gedok Köln, des Westdeutschen Künstlerbundes und dem BBK NRW an die Kulturministerin, mit dem wir die Beteiligung von Verbandsvertretern einforderten, blieb bislang unbeantwortet.

    Der verschiedentlich in den Medien vermeldete Verkaufsstopp stellt sich bei näherem Hinsehen als Mogelpackung heraus. Diskutiert wird bislang lediglich, wie einzelne »wichtige« Werke der Sammlung durch ihren Verkauf an »nicht-staatliche« Mäzene verbunden mit der Auflage, sie weiterhin als Dauerleihgaben zur Verfügung zu stellen, in öffentlicher Sichtbarkeit gehalten werden können. Die Bestandsliste der Sammlung wird unter Verschluss und die Öffentlichkeit somit weiterhin im Unklaren gehalten. Die nunmehr von der Kulturstaatsministerin des Bundes Monika Grütters gemeinsam mit der Kulturministerin des Landes NRW Ute Schäfer eingeleitete Prüfung, ob die Sammlung nationales Kulturgut enthält, schützt solche Kunstwerke nur vor der Ausfuhr ins Ausland, nicht aber vor dem Verkauf im Inland. Abgesehen davon befinden sich 112 der knapp 400 Werke der Sammlung schon seit längerem an den vormaligen WestLB-Standorten London und New York und sind einem schützenden Zugriff entzogen.

    Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass die Kunstwerke der WestLB-Sammlung dem Land erhalten bleiben und uns an der nun in aller Dringlichkeit anstehenden Diskussion um Kunstbestände beteiligen, die im Rahmen öffentlich-privater bzw. privatwirtschaftlicher Kooperationen angeschafft wurden!

    Mit freundlichen Grüßen

    Frank Michael Zeidler
    Erster Vorsitzender

    Andrea Knobloch
    Vorstand

Pro

Kunst ist selten ein Medium um Mehrheiten zu gewinnen. Sie ist ein Medium für diejenigen, die neugierig sich dem unbekannten und irritierenden stellen. Ihr Wert liegt nicht in der Quantität der Zustimmung, sondern in der Qualität, die die Auseinandersetzung mit Kunst erfordert. Mit den Kunstwerken geht die Grundlage der öffentlichen Auseinandersetzung verloren. Obwohl das Land viel Geld für diese Werke erhält wird es ärmer. Geld kann man immer wieder mit Geld ersetzen. Kunst unserer Zeit nicht.

Contra

Scheint wohl niemanden zu interessieren. Ist auch ogisch, da Kunst nur für ein paar wenige Kunst ist, und den Rest der bevölkerung es nicht interessiert. Soll das Zeug doch verkauft werden, dann kommt wenigstens etwas Geld rein..