• Von: Andreas Schwarz mehr
  • An: Ministerpräsident
  • Region: Hessen mehr
    Kategorie: Bildung mehr
  • Status: Petent hat die Petition nicht eingereicht/übergeben.
  • Gescheitert
  • 2.577 Unterstützer
    Sammlung abgeschlossen

Zweiten Bildungsweg in Hessen erhalten!

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Wir fordern die Landesregierung auf, die Schulen für Erwachsene in Hessen so auszustatten, dass sie im Rahmen der vom Gesetz an sie gestellten Aufgaben

• alle geeigneten Bewerber aufzunehmen in der Lage sind,
• einen erwachsenengerechten Unterricht und individuelle Förderung anbieten können,
• über vollständige Schulleitungen verfügen, um die Schulentwicklung voranzubringen,
• und über eine fachkundige, hessenweit einheitliche Schulaufsicht verfügen, die sie in ihren Aufgaben unterstützt.


Die Resolution von Studierenden, Lehrkräften und Unterstützern der Schulen für Erwachsene wendet sich gegen die geplanten Maßnahmen des hessischen Kultusministeriums zur Beschneidung der Arbeit der Schulen für Erwachsene in Hessen.

Die Schulen für Erwachsene leisten einen entscheidenden Beitrag dazu, dass junge Erwachsene eine zweite oder dritte Chance für eine persönliche Weiterbildung sowie für den Erwerb der Berufs- und Studierfähigkeit erlangen. Die Schulen für Erwachsene machen ein Angebot an erwachsene Menschen, im Rahmen eines kontinuierlichen Lern- und Bildungprozesses auf qualitativ hohem Niveau, in vertretbarer Zeit Kenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben, die es ihnen erlauben, für ihr Leben und ihre Berufsperspektiven die Weichen neu zu stellen. Insbesondere für die Integration von jungen Erwachsenen aus Zuwandererfamilien erfüllen sie eine wichtige soziale Funktion.

Die Situation am Arbeitsmarkt ist für Schulabgänger mit Hauptschul- und auch mit Realschulabschluss nach wie vor schlecht. Insbesondere Hauptschulabsolventen und Menschen mit Migrationshintergrund erleben Benachteiligung und die Erfahrung von Exklusion, wenn sie nur eine prekäre Beschäftigung finden oder längerfristig auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Die Schulen für Erwachsene ermöglichen es jungen Menschen, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten zu erweitern und durch einen höheren Schulabschluss einen Ausbildungsplatz zu bekommen oder durch ein Studium an einer Fachhochschule oder Universität in Berufe zu gelangen, in denen sie als „Leistungsträger“ und Steuerzahler zum Gemeinwohl beitragen.

Das hessische Kultusministerium hat immer wieder schriftlich bekundet, dass die Schulen für Erwachsene in Hessen eine wichtige Aufgabe erfüllen, dass sie gestärkt und flächendeckend ausgebaut werden sollen. Dennoch betreibt es eine Politik, die dazu in deutlichem Widerspruch steht. So sind in den letzten Jahren die Leistungsanforderungen an Studierende und Lehrkräfte erhöht worden, die Ressourcenausstattung dagegen ist stetig reduziert worden. Dies zeigen die folgenden schwerwiegenden Entscheidungen:

• Die hessenweite Verpflichtung zu Eingangstests , das Verbot der bis dahin üblichen halbjährlichen Aufnahme , die Verschärfungen für das Erreichen von Fachhochschulreife und Abitur, die Reduktion bzw. Einstellung jahrzehntelang bewährter Sprachförderangebote für Studierende mit Migrationshintergrund und der Bildungsgänge mit dem Ziel der Fachhochschulreife haben das Angebot der Schulen für Erwachsene verschlechtert.
• Eine gezielt gegen den Zweiten Bildungsweg gerichtete Politik wird auch daran deutlich, dass der Erlass, der die Wiederbesetzung von Leitungs- und Funktionsstellen (die durch Ruhestand frei werden) aussetzt, trotz heftiger Einsprüche von allen Seiten bisher nicht zurückgenommen worden ist. Folge ist, dass schon jetzt Schulleitungen nicht mehr voll oder nur per halbjährlicher Abordnung besetzt sind. So ist z.B. die Schulleitungsstelle der Schule für Erwachsene Dreieich seit 2009 nicht besetzt. Planung und Schulentwicklung sind so nicht möglich.

(Fortsetzung des Textes der Resolution im Abschnitt Begründung)

Begründung:

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• Zuständigkeitsänderungen im HKM haben dazu geführt, dass die Schulen für Erwachsene seit fast einem Jahr keinen fachkompetenten Ansprechpartner mehr haben. Zudem sind die Stellenzuweisungen so spät erfolgt, dass die Einstellung bzw. Vertragsverlängerung von Lehrkräften nicht rechtzeitig möglich war und ist, was zur Folge hat, dass Studierende nicht aufgenommen werden können. Wenn sich rechtzeitig vor dem Hauptaufnahmetermin der Schulen für Erwachsene am ersten Februar daran nichts ändert, wird die Schrumpfung dieser Schulform gezielt in Kauf genommen.
• Obwohl Hessen bereits im Bundesländervergleich die höchste Pflichtstundenzahl hat, wird immer wieder versucht, ‚noch eins drauf zu setzen'. Dies gilt in besonderer Weise für die Schulen für Erwachsene in Hessen. Innerhalb der letzten Jahre ist die Unterrichtsverpflichtung für Lehrkräfte an den Abendgymnasien und Hessenkollegs von 19 Stunden auf 24 Stunden erhöht worden. Der Entwurf der neuen Pflichtstundenverordnung, sieht eine weitere Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung an Schulen für Erwachsene von bis zu zwei Wochenarbeitsstunden vor. Die Arbeit an Schulen für Erwachsene als Angebotsschulen mit besonders heterogenen Lerngruppen und einem hohen Anteil von Studierenden mit Migrationshintergrund stellt an die Lehrkräfte besondere Anforderungen. Dies gilt um so mehr an den Abendschulen für berufstätige Erwachsene mit abendlichen Arbeitszeiten bis 22 Uhr.
• Die Ausstattung der Abendschulen mit Lehrerstunden ist bereits vor Jahren durch die Veränderung des Zuweisungsfaktors für Abendhaupt- und Abendrealschulen verringert worden. Sie soll jetzt durch Verschlechterung der Zuweisungsfaktoren nochmals reduziert werden. Dies hat eine Vergrößerung der Lerngruppen und damit eine weitere Verschlechterung der Lernbedingungen für die Studierenden zur Folge. Im Gegensatz zu den Schülern an den Pflichtschulen des allgemeinbildenden und des berufsbildenden Schulsystems haben die Studierenden der Schulen für Erwachsene häufig gebrochene Bildungsbiografien und benötigen daher eine individuelle und intensive Betreuung. Für das Unterrichtsangebot der Schulen für Erwachsene bedeutet eine geringere Zuweisung von Unterrichtsstunden z.B. den Wegfall von Aufbaukursen, des gesamten Sprachförderbereichs, von abiturrelevanten Wahlfächern in der Qualifikationsphase. Kleine Abendschulen sind in ihrer Existenz bedroht.
• Die schwerwiegendste Maßnahme gegen die Schulen für Erwachsene ist jedoch die Anweisung, nur noch eine bestimmte, reduzierte Zahl von Eingangsklassen einzurichten und auch Bewerber abzuweisen. Eine Aufnahme aller geeigneten Bewerber soll nicht mehr möglich sein, obwohl diese alle rechtlichen Voraussetzungen erfüllen.

Die Maßnahmen, die das HKM jetzt plant, hätten eine Austrocknung der Schulen für Erwachsene in Hessen zur Folge und bedrohen die Existenz kleinerer Schulen in strukturschwachen Regionen. Wir sehen darin einen gezielten Angriff auf den Zweiten Bildungsweg durch das Kultusministerium und die Landesregierung.

Im Namen aller Unterzeichner/innen.

Roschbach, 30.12.2011 (aktiv bis 09.02.2012)


Neuigkeiten

Bei allen, die die Petition unterstützt haben, möchte ich mich herzlich bedanken. Gruß - Andreas Schwarz -

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Debatte zur Petition

PRO: Der 2. Bildungsweg leistet seit 1949 einen großen Beitrag zur zur Verbesserung der Chancengleichheit! Sicherlich ist es richtig, ab und zu mal vorangegangene Entscheidungen und mit dem Blick auf die aktuellen Umstände zu überprüfen. Das Recht auf Bildung ...

PRO: …Fortsetzung Rein ökonomisch betrachtet: Menschen mit einem niedrigen Einkommen, können entweder nur einen kleinen oder keinen Beitrag an den Fiskus abführen. Durch einen höheren Abschluss steigen die Chancen einen besserbezahlten Job zu erhalten ...

CONTRA: Kein Contra, eine Bitte: Seid so gut und unterschreibt die Petition gegen Fluglärm gleich nebenan. Wir brauchen Euere Hilfe. Vielen Dank. www.openpetition.de/petition/online/laut-gegen-fluglaerm-petition-an-den-bundestag-fuer-verminderung-des-fluglaerms

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