Petition richtet sich an:
Bundesländer, Kultusministerkonferenz
Ich rücke direkt mit der Sprache heraus: Als Fünfzehnjährige musste ich eine gruselige Erfahrung machen. Ein Jugendlicher, der mit Überdosis in einen Fluss gesprungen war, lag halb ertrunken am Flussufer. Was würden Sie in dieser Situation tun? Ich sage Ihnen was die meisten Umstehenden getan haben: Nichts. Ich konnte es nicht fassen, das waren doch Erwachsene? Weil ich Schulsanitäterin war, wusste ich direkt was zu tun war: Atmung richtig testen, Notruf wählen, stabile Seitenlage und wärmen, konstant das Bewusstsein testen. Diese einfachen Maßnahmen waren leider für niemanden sonst selbstverständlich. Später kamen einige Erwachsene zur Hilfe, die zugaben einfach nicht gewusst zu haben was zu tun war. Und hier liegt der Kern des Problems: Die Meisten machen einmal einen Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein (wenn überhaupt).
Warum ist es so schlimm, wenn keine Erste-Hilfe geleistet wird? Passiert ein Notfall, dauert es seine Zeit, bis ein Rettungswagen eintrifft. Das Österreichische Rote Kreuz sagt, dass in Österreich durchschnittlich jeder Patient nach 8-15 Minuten von der Rettung erreicht wird. Für 8-15 Minuten waren ich und der Halbertrunkene also auf uns allein gestellt, wie Jede*r in Not geratene. Bei einem Atem- oder Herzstillstand, bekommt das Gehirn aber sofort keinen Sauerstoff mehr. Das deutsche rote Kreuz erklärt: „Nach nur drei Minuten ohne Sauerstoff trägt das Gehirn bleibende Schäden davon, ab vier Minuten sinken die Überlebenschancen je Minute um zehn Prozent“. Nach zehn Minuten wäre ein solcher Mensch also klinisch tot. Wenn also die Rettung nach einem Herzstillstand nach 15 Minuten ankommt, können die professionellen Helfer nicht viel mehr tun als den Tod festzustellen. Wie können die Menschen gerettet werden? Umstehende können Erste Hilfe leisten und so in unzähligen Fällen Menschenleben retten.
Klar soweit: Erste Hilfe ist essenziell. Wird also geholfen? Nicht genug. In Europa können sich nur 66% der Personon überhaupt vorstellen im Notfall erste Hilfe zu leisten. Noch schlimmer: „Im realen Notfall führen nur 27–44 % der anwesenden Notfallzeugen/Notfallzeuginnen Maßnahmen zur Herz-Lungen-Wiederbelebung durch.“ Das Problem: In Europa verfügen nur 18% überhaupt über das nötige Wissen. Was kann getan werden? Unsicherheiten nehmen und ausbilden! Dieselben Studien zeigen auch: Nach einem Erste-Hilfe-Kurs liegt die Bereitschaft eine Reanimation durchzuführen schon bei 96 %. Erste-Hilfe-Kurse wirken! Aus vielen verschiedenen Gründen. Sei es nur, dass eine Gefahrensituation schneller erkannt wird und der Notruf eher gerufen wird. Dabei dürfen aber nicht nur Erwachsene angesprochen werden. Klar, wo kann die zukünftige Bevölkerung flächendeckend ausgebildet werden? In der Schule! „In vielen europäischen Ländern, etwa in Belgien und Dänemark, steht Erste Hilfe spätestens in der Sekundarstufe im Schullehrplan <https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0300957215002531> . […] Die Folge: Verglichen mit Norwegen, Schweden oder den Niederlanden leiten Laien hierzulande viel seltener <https://www.researchgate.net/publication/273438268_Laienreanimationsunterricht_an_Schulen> Wiederbelebungsmaßnahmen ein (Resuscitation: Breckwoldt et al., 2009 <https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19632755> ). […] In Dänemark beispielsweise hat sich die Überlebensrate seit der Einführung von Erste-Hilfe-Training <https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/56056/Herzstillstand-Laienreanimation-in-Daenemark-erfolgreicher> s an Schulen [und weiteren Maßnahmen] im Jahr 2005 mehr als verdoppelt.“, schreibt die ZEIT. Warum steht das nicht europaweit auf dem Plan? Es geht um Menschenleben, die in Europa jeden einzelnen Tag gerettet werden können und sollen. Jede*r Einzelne von uns könnte jeden Tag in eine Notsituation geraten. Und jede*r Einzelne kann eine schnelle Rettung erwarten. Wir wissen was getan werden muss: Verpflichtende Erste-Hilfe-Kurse, besonders in der Schule müssen her! Diese Lösung muss Realität werden. Und ich frage mich: 1. Was spricht dagegen regelmäßige Erste-Hilfe Kurse in den Lehrplan einzubauen? 2. Warum ist das noch nicht umgesetzt?
Begründung
Um alltägliche Menschenleben retten zu können müssen alle Bürger schon in der Schule mit der ersten Hilfe vertraut gemacht werden. Aufklärung und Bildung in dem Thema rettet Leben, wie Studien zeigen konnten. Jede*r von uns kann einmal in die Situation geraten auf Erste Hilfe angewiesen zu sein. Dann ist es unbedingt notwendig dass Umstehende das nötige Wissen und die Tatkraft besitzen einzugreifen. Das muss unbedingt schon in jungen Jahren flächendeckend vermittelt werden. Bildung ist zwar in Deutschland Ländersache, aber es gibt doch einige einheitliche Standards. Die Implementierung von Erster-Hilfe im Lehrplan gehört nicht dazu. Muss sie aber! Auch wenn die Umsetzung momentan mit der Corona-Situation schwierig ist, muss trotzdem JETZT der Baustein für die Zukunft gelegt werden . Um auch in Zukunft Leben retten zu können.