8 Unterschriften
Petition richtet sich an: Stadtrat Holzminden
Betreff:
Impuls zur Zukunft des Stadtparks (Thingplatz, Kaiser-Wilhelm-Turm & Streuobstwiesen): Ein Gesamtkonzept für Holzminden
Sehr geehrte Damen und Herren,
wie viele Menschen, die in Holzminden aufgewachsen sind, verfolge ich die Entwicklung meiner Geburtsstadt mit großer Sorge, aber auch mit viel Herzblut. Wenn man mit dem Blick von außen – ich lebe heute in Neuss – auf Holzminden schaut, schmerzt es zu sehen, wie die Stadt im Vergleich zu Nachbarn wie Höxter unter Leerstand und einer spürbaren Strukturkrise leidet. Um wieder an Kraft, Attraktivität und Leben zu gewinnen, braucht Holzminden Mut und Projekte mit echter Strahlkraft.
Ein riesiges, ungenutztes Potenzial liegt im historischen Gesamtareal unseres Stadtparks: dem Dreiklang aus Thingplatz, dem Kaiser-Wilhelm-Turm und den traditionsreichen Streuobstwiesen.
In den letzten Jahrzehnten ist dieses gesamte Areal leider aus dem Blickfeld geraten. Jüngere Generationen von Holzmindenern kennen diese Orte teilweise überhaupt nicht mehr, wenn sie nicht gerade direkt nebenan, wie an der Hasenrecke, wohnen. Die Zugänge – sei es über die Umgehungsstraße Richtung Lüchtringen, den Fußweg an der Kirche oder durch die Kleingartenanlage – sind klein, unauffällig und schlecht beschildert. Der geschichtsträchtige Kaiser-Wilhelm-Turm verkümmert im Verborgenen.
Besonders schmerzhaft ist der Zustand des Thingplatzes von 1934. Seit fast 100 Jahren wird über das dunkelste Geheimnis der Anlage geschwiegen. Die halbrunden Zuschauertribünen aus Solling-Sandstein wurden von den Nationalsozialisten auf einer ehemals beliebten Aussichtswiese unterhalb des Turms errichtet. Nach historischen Erkenntnissen wurden dafür auch geschändete Grabsteine des jüdischen Friedhofs am Beukampsborn verbaut.
Ich muss ehrlich zugeben: Ich selbst habe erst heute durch eine gezielte historische Recherche und ein Gespräch die ganze, bittere Wahrheit über diesen Ort erfahren. Als ich ein Kind von etwa 6 bis 8 Jahren war, hatte mein Opa einmal so etwas angedeutet. Damals konnte ich die Zusammenhänge natürlich überhaupt nicht begreifen oder mir merken. Erst heute wurden mir die Augen darüber geöffnet, worauf wir als Kinder dort eigentlich ahnungslos gespielt haben.
Dass diese Stufen heute ohne jede unübersehbare historische Aufklärung vor Ort schlichtweg „weggammeln“, ist für mich kein würdiger Umgang. Das Argument, man lasse die Steine als „stumme Zeugen“ unangetastet, führt in der Realität dazu, dass die Geschichte im Wald überwuchert wird. Wer heute dort spazieren geht, erfährt absolut nichts von der Schuld, die in diesen Fundamenten steckt. Das fühlt sich an wie ein verstaubtes Vertuschen aus Angst vor der eigenen Vergangenheit.
Ich bin fest davon überzeugt, dass wir das gesamte Areal aus seinem Schattendasein herausholen und in ein lebendiges, zukunftsweisendes Konzept verwandeln können:
1.
Ein lebendiges Mahnmal mitten im Leben: Der jetzige Grillplatz am Thingplatz sollte ausdrücklich bleiben. Durch einen Ausbau, eine verbesserte Barrierefreiheit und optimierte Parkmöglichkeiten sollte das Areal gezielt für Familien und Freizeit belebt werden. Kombiniert werden muss dies mit einer professionellen Teilfreilegung der betroffenen Stufen: Die hebräischen Inschriften unserer ehemaligen jüdischen Mitbürger müssen sichtbar gemacht und durch modernes Informationsmaterial vor Ort erklärt werden. Aufklärung funktioniert mitten im Leben besser als im versteckten Schweigen.
2.
Kombination mit der Natur- und Obstkultur: Die Arbeit der heutigen Obstwiesen-Initiative zeigt, wie wichtig die rund 400 alten Apfelbäume für die Stadt sind. Dieses Erbe – das alte „Äpfelpachten“ und die historischen Sortenschilder – sollte fest in den Park integriert werden. Ein Erlebnispfad, der die Streuobstwiese, den Thingplatz und den Kaiser-Wilhelm-Turm verbindet, schafft einen unschätzbaren Wert für den Tourismus und die Naherholung.
3.
Infrastruktur und Sichtbarkeit verbessern: Die Zugänge aus der Stadt und von der Lüchtringer Straße müssen deutlich aufgewertet und ausgeschildert werden, damit der Stadtpark wieder ins Bewusstsein der gesamten Bevölkerung, insbesondere der Jugendlichen und HAWK-Studierenden, rückt.
Ein solch progressiver, ehrlicher und ökologischer Weg würde Holzminden bundesweite, positive Aufmerksamkeit bescheren. Es würde zeigen, dass eine Kleinstadt im Weserbergland die Kraft hat, Denkmalschutz, Natur, Freizeit und eine mutige Erinnerungskultur als Vorreiter miteinander zu verbinden. Das zieht Menschen, Schulklassen und auch dringend benötigte Fördergelder an.
Ich bitte Sie herzlich darum, diesen Impuls für ein Gesamtkonzept in die Gremien der Stadt und des Vereins aufzunehmen. Lassen Sie uns das Schweigen brechen und das Areal zu einem Ort machen, auf den Holzminden stolz sein kann.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Heike Hauff,
eine gebürtige Holzmindenerin
Begründung
Persönliche Betroffenheit:
Ich bin gebürtige Holzmindenerin, habe meine Kindheit dort verbracht und liebe das Areal um den Thingplatz und den Stadtpark. Der aktuelle Verfall dieses historisch und ökologisch wertvollen Ortes schmerzt mich tief. Dass die geschichtliche Schuld (Verbauung jüdischer Grabsteine) bis heute vor Ort verschwiegen wird, erfordert ein sofortiges Handeln gegen das Vergessen.
Quellen:
- Dokumentation der jüdischen Geschichte vor Ort: Alemannia Judaica / Jüdische Gemeinden in Holzminden
- Zur Geschichte der NS-Thingstätte im Stadtpark: Geschichtsverein für Stadt und Kreis Holzminden e.V.
- Ökologisches Engagement vor Ort: Obstwiesen-Initiative Holzminden (BUND)
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Angaben zur Petition
Petition gestartet:
28.10.2026
Sammlung endet:
27.04.2027
Region:
Holzminden
Kategorie:
Kultur
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Ich will das der Park und der Turm erhalten und Renoviert wird.