07.08.2026, 05:29
Ein historischer Schritt für Stuttgart: Fraktionsübergreifender Antrag für Fritz Bauer
Unser Einsatz trägt Früchte: Am 16. Juli 2026 haben demokratische Stadträtinnen und Stadträte des Stuttgarter Gemeinderats einen fraktionsübergreifenden Antrag eingebracht. Dieser sieht die Einführung einer neuen Ehrung für herausragendes demokratisches Engagement vor – gewidmet Fritz Bauer. Zudem soll ein Platz vor dem Landgericht und Oberlandesgericht künftig seinen Namen tragen.
Dies ist ein Meilenstein für Stuttgart und eine späte, aber umso bedeutendere Würdigung von Fritz Bauers unermüdlichem Einsatz für Menschenwürde und Gerechtigkeit!
Ein herzliches Danke an alle, die unsere Unterschriftenaktion „Ehrenbürgerschaft für Fritz Bauer“ mit ihrer Unterstützung gestärkt haben! Ohne Ihr Engagement wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen. Unsere Initiative wird getragen von der AG Queere Erinnerungskultur „Der-Liebe-wegen“, IG CSD Stuttgart, LSVD+ Baden-Württemberg und dem gesamten Verein Weissenburg e.V.
Bei der CSD-Kundgebung von Stuttgart Pride auf dem Schlossplatz am 25. Juli 2026 ist Ralf Bogen von der AG Queere Erinnerungskultur darauf in seiner Rede eingegangen, woraus wir hier Auszüge veröffentlichen (vollständig kann die Rede auf unserer Webseite "www.der-liebe-wegen.org" gelesen und auf dem Stuttgart Pride youtube-Kanal, bei ca. 26 Minuten, angeschaut werden):
„Dass wir Fritz Bauer gerade beim CSD ehren, könnte kaum passender sein. Aus dänischen Polizeiakten wissen wir, dass Bauer sich zumindest bei einem Verhör zu seinen homosexuellen Kontakten und Neigungen bekannte. Trotzdem wird seine Homosexualität bis heute häufig verschwiegen oder infrage gestellt. Das ist kein Einzelfall: Auch Hans Scholls Verhaftung und anschließendes Verhör im Gestapogebäude Hotel Silber 1937 wegen homosexuellen Handlungen wurde jahrzehntelang verschwiegen. Umso wichtiger ist es, dass wir heute in unserer Erinnerungskultur queere Aspekte von Biografien endlich sichtbar machen.
Als Bauer 1949 nach Deutschland zurückkehrte, galt der von den Nationalsozialisten verschärfte §175 unverändert weiter. Und dennoch schwieg Bauer nicht. Er erhob öffentlich seine Stimme gegen dieses Unrecht. Dass wir heute freier leben können, verdanken wir Menschen wie ihm.
Fritz Bauer sagte: „Wir können aus der Erde keinen Himmel machen. Aber jeder von uns kann etwas dafür tun, dass sie nicht zur Hölle wird.“ Bei allen Meinungsdifferenzen und Schwierigkeiten, die wir im Umgang miteinander haben:
Gegen Rechtspopulismus und Faschismus müssen wir A L L E zusammenstehen!
Nach Angaben der Amadeu Antonio Stiftung wurde 2025 fast jede zweite CSD-Veranstaltung Ziel von Bedrohungen, Störungen oder Angriffen. Genau deshalb ist das Motto dieses CSD weit mehr als ein Slogan: „Ohne uns kein Wir. Füreinander laut. Miteinander stark.“ Denn demokratische Freiheiten und Vielfalt verteidigt niemand allein. Wenn wir einer weiteren Rechtsentwicklung hin zu einer neuen Diktatur erfolgreich entgegentreten wollen, brauchen wir ein starkes antifaschistisches Wir.
Füreinander laut – das heißt: nicht zu schweigen, wenn Minderheiten wieder ausgegrenzt, angegriffen oder antifaschistische Proteste kriminalisiert werden.
Miteinander stark – das heißt: zusammenzustehen, wenn die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht und rassistische sowie queerfeindliche Hetze lauter wird.
In diesem Sinne wünsche ich Euch allen eine Happy Pride!“