• Beschluss des Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags

    at 06 Sep 2019 02:36

    Petitionsausschuss

    Pet 3-19-30-2211-006419
    89155 Erbach
    Forschung

    Der Deutsche Bundestag hat die Petition am 27.06.2019 abschließend beraten und
    beschlossen:

    Die Petition der Bundesregierung – dem Bundesministerium für Bildung und Forschung
    – als Material zu überweisen.

    Begründung

    Mit der Petition wird die gezielte staatliche Förderung von klinischen Studien zum
    Einsatz von Methadon bei der Behandlung von Krebspatienten gefordert.
    Zur Begründung der Petition wird im Wesentlichen ausgeführt, dass allein in
    Deutschland jährlich etwa 470.000 Menschen an Krebs erkrankten. Mit ca. 220.000
    Todesfällen jährlich sei Krebs die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Die
    Chance auf Heilung sei ungewiss. Eine Behandlung könne im Jahr bis zu 100.000 Euro
    und mehr kosten. Die Lebensqualität der Patienten werde durch teils erhebliche
    Nebenwirkungen eingeschränkt. Tumorzellen bildeten Resistenzen gegenüber
    konventionellen Therapien wie Chemotherapie und Bestrahlung. Es sei deshalb
    erforderlich neue Behandlungsstrategien zu entwickeln, um den therapeutischen Erfolg
    gegen eine Krebserkrankung zu verbessern. Krebszellen würden sehr stark
    Opioidrezeptoren auf ihrer Zelloberfläche entwickeln, mit denen sie Opioide an sich
    binden könnten. Methadon, das an Opioidrezeptoren andocke und in der
    Schmerztherapie von Tumorpatienten bereits eingesetzt werde, habe gezeigt, dass
    Chemotherapeutika in ihrer tumortötenden Wirkung gesteigert werden könnten. Insoweit
    könne Methadon zu einem besseren Behandlungserfolg bei konventionellen
    Krebstherapien beitragen. Zudem sei Methadon nicht nur eine sehr preiswerte
    Wirksubstanz, sondern auch ein sehr gutes Schmerzmittel. Für den Einsatz bei
    Tumorpatienten würde zudem nur ein geringer Bruchteil der bei anderen Therapien
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    eingesetzten Mengen an Methadon benötigt. Die Kosten für Krebstherapien könnten
    durch den Einsatz von Methadon erheblich reduziert werden. Methadon sollte auch als
    Wirkverstärker bei bewährten Krebstherapien eingesetzt werden. Dies gelte insbesondere
    für die Wirksamkeit der Behandlung bei eingetretenen Resistenzen. Die positive Wirkung
    von Methadon sei allerdings bisher noch nicht durch klinische Studien belegt. Es gebe
    eine Fülle von Patientenfällen, die nahelegen, dass die bisherigen Forschungsergebnisse
    auf den Menschen übertragen werden könnten. Anliegen der Petition sei deshalb die
    Bitte, mit Forschungsgeldern gezielt klinische Studien zum Einsatz von Methadon bei der
    Behandlung von Krebspatienten mit unterschiedlichen Tumorerkrankungen zu fördern.
    Auf die weiteren Ausführungen in der Petition wird verwiesen.
    Es handelt sich um eine Petition, die auf den Internetseiten des Deutschen Bundestages
    veröffentlicht wurde und zur Diskussion bereitstand. Der Petition schlossen sich 53.870
    Mitunterzeichner an und es gingen 62 Diskussionsbeiträge ein.
    Zu diesem Thema liegen dem Petitionsausschuss mehrere Eingaben mit verwandter
    Zielsetzung vor, die wegen des Sachzusammenhangs einer gemeinsamen
    parlamentarischen Prüfung unterzogen werden. Es wird um Verständnis gebeten, dass
    nicht auf alle der vorgetragenen Aspekte im Einzelnen eingegangen werden kann.
    Der Petitionsausschuss hat der Bundesregierung Gelegenheit gegeben, ihre Haltung zu der
    Eingabe darzulegen. Die Petition wurde am 5. November 2018 in öffentlicher Sitzung
    beraten. In dieser öffentlichen Ausschusssitzung wurde nicht nur ein Vertreter der
    Bundesregierung, sondern auch der Petent angehört. Das Ergebnis der parlamentarischen
    Prüfung stellt sich unter Einbeziehung der seitens der Bundesregierung sowie der in der
    öffentlichen Beratung genannten Aspekte wie folgt dar:
    Krebs ist in Deutschland die zweithäufigste Todesursache und die Krankheit, die den
    Menschen am meisten Angst macht. Der Petitionsausschuss begrüßt, dass das
    Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zusammen mit dem
    Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und vielen weiteren Partnern aus Forschung,
    Versorgung und Selbsthilfe im Jahr 2019 die „Nationale Dekade gegen Krebs“ ausgerufen
    hat. Ziel ist, die Aktivitäten zur Krebsbekämpfung zu verstärken und zu bündeln. In
    einem ersten Schritt fördert das BMBF praxisverändernde klinische Studien zur
    Prävention, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen. Im Rahmen der Dekade
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    werden hierfür bis zu 62 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Der Petitionsausschuss
    hält die Weiterentwicklung der Krebsforschung für ein besonders wichtiges Anliegen. Die
    ausgerufene „Nationale Dekade gegen Krebs“ setzt hierfür ein wichtiges Zeichen. Der
    Petitionsausschuss nimmt unabhängig hiervon positiv wahr, dass das BMBF, aber auch
    die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) oder die Deutsche Krebshilfe seit Jahren
    qualitativ hochwertige klinische Studien, die an deutschen Universitäten oder
    außeruniversitären Forschungseinrichtungen durchgeführt werden, fördert. Die
    Förderinitiativen des BMBF beziehen dabei gerade solche klinischen Studien ein, an
    deren Ergebnissen Unternehmen der Wirtschaft kein unmittelbares wirtschaftliches
    Interesse haben. Die Ausschreibungen des BMBF sind themenoffen und jeder kann
    Förderanträge aus allen Bereichen der Medizin und verwandter Disziplinen einreichen.
    Insoweit wird vom BMBF keine Auftragsforschung durchgeführt. Gefördert werden
    können klinische Studien, bei denen erste Hinweise auf die Wirksamkeit der Behandlung
    am Menschen bereits vorliegen. Zur Förderung kommen solche Anträge bzw. solche
    klinische Studien, die in der wissenschaftlichen Begutachtung nach festgelegten Kriterien
    durch ein international besetztes unabhängiges Expertengremium als relevant,
    vielversprechend und wissenschaftlich qualitativ hochwertig eingestuft werden.
    Das BMBF weist darauf hin, dass im Rahmen indikationsoffener
    BMBF-Fördermaßnahmen, wie zum Beispiel „klinische Studien mit hoher Relevanz für
    die Patientenversorgung“ die Erforschung von Methadon in der Krebsbehandlung
    grundsätzlich beantragt werden kann. In den BMBF-Förderinitiativen „klinische Studien“
    bzw. „klinische Studien mit hoher Relevanz für die Patientenversorgung“ wurden
    klinische Studien seit 2005 bisher mit 129,5 Mio. Euro gefördert. Zusätzlich stellte der
    Bund insgesamt speziell für die Krebsforschung, vorwiegend im Bereich der
    institutionellen Förderung (Förderung Helmholtz-Gemeinschaft, zu der als eine der
    größten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Deutschland das Deutsche
    Krebsforschungszentrum (DKFZ) gehört, sowie Förderung des Deutschen Konsortiums für
    Translationale Krebsforschung (DKTK) im Jahr 2018 weit über 200 Mio. Euro bereit.
    Hinzu kommen weitere Förderungen, unter anderem an die DFG, die
    Max-Planck-Gesellschaft und die Leibniz-Gemeinschaft, zu denen der Bund maßgeblich
    beiträgt.
    Petitionsausschuss

    Der Petitionsausschuss begrüßt, die zahlreichen Förderinitiativen des BMBF, denn aus
    seiner Sicht ist eine intensive Forschung das wirksamste Mittel gegen Krebs. Soweit es in
    der Petition um die gezielte staatliche Förderung von klinischen Studien zum Einsatz von
    Methadon bei der Behandlung von Krebspatienten geht, ist Folgendes anzumerken: Die
    positive Wirkung von Methadon in der Krebsbehandlung ist bisher noch nicht nach
    geltenden wissenschaftlichen Prinzipien in Untersuchungen an Menschen bestätigt. Die
    Ergebnisse beziehen sich bisher auf die präklinische Forschung. Ergebnisse aus
    präklinischen Experimenten (Zellkulturen, Tierversuchen) lassen sich oft nicht bei der
    klinischen Testung am Menschen bestätigen. Insoweit sind Studien notwendig, die sich
    mit Fragen der Sicherheit, der richtigen Dosierung und der Wirksamkeit von Methadon
    in der Behandlung von Krebs beschäftigen. Erst nach Vorliegen der Ergebnisse solcher
    Studien sind Aussagen zur Wirkung und zu Nebenwirkungen von Methadon in der
    Krebsbehandlung ausreichend wissenschaftlich fundiert. Der Petitionsausschuss hält die
    in der Petition genannten Argumente, die für einen Einsatz von Methadon in der
    Krebsbehandlung sprechen für nachvollziehbar. Ob Methadon eine Alternative in der
    Krebsbehandlung darstellt, können langfristig nur klinische Studien zeigen. Das BMBF
    sollte deshalb im Rahmen von auszuschreibenden Förderrichtlinien künftig möglichst
    vielen Forschern bzw. Forschungseinrichtungen die Möglichkeit einer Beantragung von
    Fördermitteln geben, damit klinische Studien durchgeführt werden können. Nach den
    vorangegangenen Ausführungen empfiehlt der Petitionsausschuss, die Petition der
    Bundesregierung - dem Bundesministerium für Bildung und Forschung - als Material zu
    überweisen, damit sie in die Vorbereitung von entsprechenden Förderinitiativen
    einbezogen werden kann.

    Begründung (PDF)

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