04.09.2026, 01:04
Moin zusammen,
die Gespräche mit Werder Bremen über eine einvernehmliche Lösung sind inzwischen ohne Ergebnis beendet worden.
Ich habe mich in den vergangenen Wochen bewusst nicht zum Urteil des Landgerichts und zu den laufenden Gesprächen geäußert, weil ich einer gemeinsamen Lösung eine faire Chance geben wollte. Diese Chance habe ich bis zuletzt gesehen und dafür an mehreren Stellen erhebliche Zugeständnisse angeboten.
Nun ist der Zeitpunkt gekommen, das Urteil offen einzuordnen.
Ja: Werder Bremen hat das einstweilige Verfügungsverfahren gewonnen.
Aber: Das Landgericht hat gleichzeitig ausdrücklich bestätigt, dass mein materieller Anspruch auf Herausgabe der E-Mail-Adressen der stimmberechtigten Mitglieder besteht. Gescheitert ist mein Antrag ausschließlich daran, dass die Kammer die besonderen Voraussetzungen für eine vorwegnehmende Leistungsverfügung im Eilverfahren nicht als erfüllt ansieht.
Ob es mit dem Gebot effektiven Rechtsschutzes vereinbar ist, einen solchen ausdrücklich bestätigten und zeitgebundenen Anspruch im Eilverfahren nicht durchzusetzen, wird derzeit noch verfassungsrechtlich geprüft.
Auch wesentliche Argumente Werders sind nicht durchgedrungen. Das Gericht stellt unter anderem fest, dass die Größe des Vereins dem Anspruch nicht entgegensteht, dass Presse und Social Media kein gleichwertiger Ersatz für vereinsinterne Kommunikation sind, dass ich mich nicht auf einen Treuhänder verweisen lassen muss und dass auch die DSGVO der Herausgabe nicht entgegensteht.
Besonders bemerkenswert: Das Gericht begründet die fehlende Eilbedürftigkeit unter anderem damit, dass unter Verletzung meiner Mitgliedschaftsrechte zustande gekommene Beschlüsse „angreifbar nichtig sein dürften“.
Werder hat damit zwar das Eilverfahren gewonnen – aber keine abschließende Rechtssicherheit für die kommende Mitgliederversammlung.
Genau diese Rechtssicherheit wollte ich mit einer Einigung herstellen.
Ich war bereit, auf die Herausgabe der Daten für die Mitgliederversammlung zu verzichten, kein Hauptsacheverfahren zu führen und aus der bislang streitgegenständlichen Kommunikationsfrage später keine Angriffe gegen die Beschlüsse der Mitgliederversammlung herzuleiten.
Im Gegenzug habe ich eine angemessene Kommunikationsmöglichkeit, eine gemeinsame öffentliche Befriedung des Konflikts und eine faire Beteiligung an den inzwischen erheblichen Kosten erwartet.
Am Ende lagen unsere Vorstellungen insbesondere bei der Kostenfrage aber zu weit auseinander.
Das enttäuscht mich auch deshalb, weil die zuletzt diskutierte Lösung in ihrer Grundidee weitgehend dem entspricht, was ich Werder bereits zu Beginn angeboten hatte: Die Daten bleiben beim Verein, Werder übernimmt stattdessen die Kommunikation mit den Mitgliedern. Wäre dieser Weg damals ernsthaft aufgegriffen worden, wäre ein erheblicher Teil der inzwischen entstandenen Kosten vermutlich vermeidbar gewesen.
Ich habe bis zuletzt versucht, eine Eskalation zu vermeiden – zuletzt auch mit einem persönlichen Schreiben an das geschäftsführende Präsidium und dem Angebot, die Sache noch einmal unmittelbar miteinander zu klären. Über die anwaltliche Vertretung wurde anschließend mitgeteilt, dass Werder an seinem bisherigen Angebot festhält.
Damit muss ich nun entscheiden, wie der weitere Weg aussieht.
Die bisherigen Gerichts- und Anwaltskosten liegen inzwischen im fünfstelligen Bereich. Umso dankbarer bin ich für die Unterstützung der vergangenen Tage: Es sind zahlreiche kleinere und auch einige sehr große Spenden eingegangen. Jeder einzelne Beitrag hilft dabei, die finanzielle Belastung auf mehrere Schultern zu verteilen.
Wer diesen Weg ebenfalls unterstützen möchte, kann sich weiterhin an der Spendenaktion beteiligen:
Wie bisher gilt selbstverständlich: Über die Verwendung der Mittel werde ich transparent informieren.
Danke an alle, die mich und die Mitgliederinitiative bis hierhin unterstützt haben.
Viele Grüße
Pascal