• Die Petition ist bereit zur Übergabe - Danke für 2360-fachen Nachdruck!

    09.07.2015 15:44 Uhr

    Liebe Zeichner und Unterstützer der Kampagne,

    was als persönlicher, offener Brief begann - ist zu einem vielfältigen Appell an eine neue Art von Streit- und Verhandlungskultur geworden. Nicht nur Ihre Unterschriften, sondern auch Ihre Kommentare, Pro-, Kontra- und Gegenargumente haben diese Petition zu einem reichhaltigen Dokument gemacht, das sich gegen vereinfachende Schuldzuweisungen und Schwarz-Weiß-Denken in Konfliktsituationen wendet. Dafür will ich mich nochmal ganz herzlich bei Ihnen bedanken.

    In den letzten Wochen und Monaten wurde ich oft gefragt, was es denn nun genau sei, was man statt eines Streikes tun könne, um Forderungen durchzusetzen.

    Ich glaube, dass schon diese Frage Teil des Problems ist.

    Denn diese Frage nimmt an, dass es eine Art Allerheilmittel gibt, wenn man sich in einem Konflikt befindet. Sie impliziert auch, dass es ein Anrecht auf Durchsetzung von Forderungen gibt. Sie beinhaltet, dass es einen vermeintlich Stärkeren und Schwächeren gibt, und dass man in irgendeiner Form „aufrüsten“ muss, um nicht das Nachsehen zu haben.

    Es gibt aber kein Patentrezept. Es gibt auch keine Garantie dafür, dass eine Seite ihre Forderungen durchsetzen wird (auch wenn sie es ihren Mitgliedern noch so sehr verspricht). Und die Klassifikation in "stärker" und "schwächer" ist schlussendlich frei gewählt. (Wer nach Aufwertung ruft, hat sich im Grunde schon selbst entwertet.)

    Die Herausforderung speziell in diesem Konflikt liegt darin, sich von historisch gewachsenen Praktiken und Gewohnheiten zu lösen. Noch dazu, wo die Geschichte der Streikkultur und Gewerkschaften sowie die Betreuung von Kindern emotional hoch aufgeladen und in vielerleich Hinsicht ein sensibles Thema ist.

    Aber wenn beide Seiten den Konflikt als einen wichtigen Teil der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung annehmen können, sich regelmäßig (auch außerhalb von Tarifverhandlungen) an einen Tisch setzen und im Gespräch bleiben und sich dafür entscheiden, auf Augenhöhe miteinander zu reden und sich um gegenseitiges Verständnis zu bemühen - dann wird früher oder später etwas in Bewegung kommen. Aber wenn beide Seiten das nicht können - dann reicht es, wenn eine Seite damit anfängt. Und genau diese Seite wird wahrscheinlich kaum glauben können, wie sie auf einmal aus der vermeintlich schwächeren Position in die Führungsrolle kommt.

    Ich wünsche ver.di, dass sie genau diese Verantwortung in den nächsten Wochen nicht leichtfertig vergibt.

    In der Zwischenzeit freue ich mich, diese Petition an Herrn Birner zu übergeben. Ich werde mich weiter um eine Rückmeldung bemühen - bisher hat er sämtliche Nachfragen hartnäckig ignoriert - und werde Sie darüber auf dem Laufenden halten.

    Für eine kreative Streitkultur, mit meinen besten Grüßen und Dank,
    Patricia Pyrka

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